Martenstein"Als ich anfing, war Axel Hacke schon da und eine Sagengestalt"

Harald Martenstein über die Konkurrenz unter Kolumnisten von 

Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen

Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen  |  © Nicole Sturz

Hacke , Sie kennen ihn sicher, Axel Hacke . Er schreibt eine ähnliche Kolumne wie diese, im SZ-Magazin. Als ich anfing, war Hacke schon da und eine Sagengestalt. Die deutsche Presse ohne die Kolumne von Axel Hacke, das wäre wie Fernsehen ohne Thomas Gottschalk , oder Boxen ohne Muhammad Ali, undenkbar eigentlich. Statt »Kolumne« müsste man im Deutschen »Hacke« sagen, man sagt ja auch »Tempo« statt »Papiertaschentuch«. Hast du den neuen Hacke von Jan Weiler in der Welt gelesen? Schade, dass Julia Karnick in der Brigitte keine Hackes mehr schreibt. Als ich anfing, habe ich erst mal aufgehört, Hacke zu lesen, damit es nicht wie eine Kopie klingt. Das kann leicht passieren.

Und er ist leider jünger als ich. Wenn ich mit den Hackes aufhöre, wird der Original-Hacke immer noch da sein, ich weiß es.

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Hacke ist gut, Unsinn: Er ist brillant. Er ist vielseitiger als ich, er kann zum Beispiel Sportreportagen schreiben, einen Panzer fahren, bei Liederabenden auftreten, Theaterstücke und erotische Ratgeber verfassen, all diese Künste sind mir nicht gegeben. Er ist politischer und böser als ich, Beweis: Gegen sein Buch Der weiße Neger Wumbaba wurde wegen des angeblich rassistischen Titels demonstriert, die Demonstranten hatten das Buch leider nicht verstanden. Ich dagegen kann machen, was ich will, es kommen keine Demonstranten. Hackes Bücher sind Millionenbestseller, sie werden übersetzt, sogar eine Fernsehserie ist aus den Hackes gemacht worden. Hacke erzählt richtig runde Geschichten, scheiße, das kann er gut. Als ich ein Buch über mein Leben als Vater geschrieben habe, war Der Kleine Erziehungsberater schon ein Klassiker und vermutlich ins Serbokroatische übersetzt. Er ist immer schon da. Er ist der Igel, ich bin der Hase. Nicht mal die naive Kunst, mit der offenbar ein ehemaliger Ikonenmaler aus Ex-Jugoslawien seine Seite illustriert, hält die Leute vom Lesen ab.

Ich sehe ihn nicht als Konkurrenz. Nö, überhaupt nicht. Ruhm, Fernsehen und Reichtum sind nicht so wichtig. Hauptsache, ich bin gesund. Auch Sträucher werfen einen Schatten. Dann bin ich leider mal zu einer Lesung von Hacke gegangen. Ich habe hart an meiner Bühnenpräsenz gearbeitet, ich dachte, na, was kann der Hacke schon bringen. Er liest so schweinekomisch, er ist ein so knallhart ausgekochter Performer, zum Glück gibt es Harry Rowohlt , wenigstens an den kommt er nicht heran. Das ist aber der Einzige.

Vor einiger Zeit hat Hacke angefangen, mit Lesertexten zu arbeiten. Die Leser schicken ihm falsch verstandene Liedtexte oder lustige Fehler auf ausländischen Speisekarten. Er macht Bestseller daraus, indem er das Material ein wenig veredelt. Hacke hat, wieder als Erster, das ökologische Prinzip des schonenden, wiederverwertenden Umgangs mit den Ressourcen der Erde in die Kolumnistenliteratur eingeführt. Und weil es der Zufall gefügt hat, dass er in dieser Co-Produktion seine Kolumne als Erster liefern musste, habe ich, wieder mal als Zweiter, Teile seines Textes in meinen Hacke eingebaut.

Axel Hacke antwortet: Sagengestalt, Gottschalk, Ali, Klassiker. Klingt großartig, in Wahrheit bedeutet es: Der Mann ist am Ende. Vergangenheit. Soll abtreten. »Ich sehe ihn nicht als Konkurrenz«, warum auch? Die Show machen längst andere. Er natürlich. Und dann: »Hauptsache, ich bin gesund.« Bin ich krank? Ich bin Hypochonder, das weiß er doch. Subtil, raffiniert. Man muss Martenstein genau lesen. Aber mich macht er nicht fertig. Nicht so.

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Was Axel Hacke sonst noch über Martenstein zu sagen hat:Im »SZ-Magazin«

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Leserkommentare
    • bigbull
    • 08. Dezember 2012 16:42 Uhr

    Der Martenstein hat keine Konkurrenz.

    Sicher gibt es Typen im Journalismus die einen Wettbewerb
    zu ihm aufbauen wollen.
    Ob diese jedoch die jahrzehntelange Bürde auf sich nehmen
    können um sich danach mit dem Martenstein messen zu dürfen
    ist sehr fraglich.

  1. ich bin Ihnen so dankbar. Sie brauchen gar nicht zu wissen, warum.

    Die erste Kolumne von Ihnen, die mir richtig gut gefällt.

    • ascola
    • 16. Dezember 2012 12:33 Uhr

    Ausgerechnet diese Kolumne von Martenstein zählt nicht zu den allerstärksten, zu höflich, was aber verständlich ist. Ich lese Martenstein seit Jahren, von Axel Hacke hab' ich jetzt drei Kolumnen gelesen, angestoßen von dem Konkurrenz-Heft, das mich auf Hackes Kolumnen überhaupt erstmal aufmerksam machten. Aber tut mir echt leid, vielleicht liest man ja auf sz.de jetzt Verteidigungs- und Empfehlungshymnen auf Hacke auf Kosten Martensteins, aber wir hier können nur milde lächeln, wenn jemand ernsthaft behauptet, die beiden schrieben auf Augenhöhe, oder? Hackes Pointen sind einfach sehr viel seltener, man freut sich, wenn überhaupt mal eine richtig gute oder ein, zwei passable in einer Kolumne zu finden sind, und die macht er dann mitunter im nächsten Satz gleich noch wieder selbst kaputt. Das ende einer Kolumne, sicher ein schwieriges Ding, ist seine Sache nicht, und vor allem fehlt mir, dass er die Themen, die er aufspannt, einfach auf keinen Punkt zuführt, wo der Aha-Effekt einsetzt, also dieses: ah, darauf will er raus. Man findet nicht, worauf er raus will.

    Bei Martenstein ist alles Fluss, jeder Gedanke wird noch mal aufgegriffen und kehrt als Pointe auf der nächsten Stufe zielsicher wieder. Natürlich ist nicht jede woche umwerfend. Aber wir reden hier einfach von einem ganz anderen Niveau. Es ist noch nicht mal so, dass ich Martensteins mir manchmal allzu liberale politische Haltung teile, womöglich wäre ich Hacke näher, aber das bleibt ohne Folgen.

  2. ... wenn das Johannes Gross noch hätte erleben dürfen ;-)))

    • AninaE
    • 13. Januar 2013 20:00 Uhr

    Das wenige, was ich mir von Herrn Hacke mal durchgelesen habe, war einfach nur peinlich und schlimm. Bemüht intellektuell, gewollt komisch, kein bißchen originell - auweia. Keine Ahnung, wie jemand auf die Idee kommt, er sei GUT. ERFOLGREICH ist auch Daniela Katzenberger... was nicht wirklich ein Zeichen für Qualität ist. Nur, daß viele das gut finden. Viele Leute finden auch Schlager toll. Oder Harry Potter genial. Was ich aber besonders schlimm finde, ist, daß Herr Martenstein behauptet, Julia Karnick würde genauso schreiben wie A. Hacke. Um Himmels Willen, wie kommen Sie denn darauf? Frau K. ist unglaublich lustig, trotzdem gern hintergründig (soweit das Brigitte zulassen kann, nehme ich an) und bedient das gewählte Thema "rund". Außerdem muß jeder, der für Zeitungen/Zeitschriften Kolumnen schreibt, natürlich das kopieren, was gerade "In" ist. Herr H. kopiert ja auch nur Ephraim Kishon. Den fand ich als Zehnjährige ziemlich lustig. Mein Tipp: Ein Kolumnist sollte nicht über einen anderen schreiben, weil man da sowieso nicht die Wahrheit sagt. Ich glaube keine Sekunde, daß Herr M. Herrn H. gut findet. Und erwarte KEINE Antwort hierauf... :-)

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  • Serie Martenstein
  • Schlagworte Axel Hacke | Thomas Gottschalk | Bestseller | Brigitte | Fernsehserie | Harry Rowohlt
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