VergewaltigungsvorwürfeAußer Konkurrenz

Sie war eine von vielen. Doch Miriam Kolbus heiratete Jörg Kachelmann und kämpft jetzt für seine Rehabilitation. von 

Eigentlich müsste die Feministin Alice Schwarzer von dieser Frau begeistert sein. Es gibt nicht viele, die so emanzipiert auftreten wie Miriam Kachelmann.

In der Talkshow von Günther Jauch war für die Ehefrau des Wettermoderators Jörg Kachelmann bloß ein Platz am Rand vorgesehen, ihr aber erschien das unangemessen. Sie war die einzige Frau in einer Runde älterer Herren – und setzte sich kurzerhand neben den Moderator. Das Publikum hat davon nichts mitbekommen. Wohl aber davon, dass Miriam Kachelmann, nachdem sie Platz genommen hatte, die Diskussion dominierte.

Anzeige

Das Thema an jenem Oktoberabend lautet »Kachelmanns Fall – Was ist ein Freispruch wert?«. Der Ex- Bild -Chef Hans-Hermann Tiedje beleidigt Jörg Kachelmann als »Wetterfuzzi« und »miesen Charakter«. Für Tiedje, das gibt er mehr als deutlich zu verstehen, bleibt der Freigesprochene ein möglicher Vergewaltiger. Jörg Kachelmann, 54, verteidigt sich kaum, er hat eine Verteidigerin dabei: seine Frau, 26.

Die Psychologiestudentin fürchtet sich nicht, nicht vor dem Millionenpublikum und nicht vor den alten Männern. Sie wirft ihnen vor, sie hätten sich nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt. Neben dem ehemaligen Chefredakteur sitzen ein ehemaliger Innenminister und ein ehemaliger Bundesverfassungsrichter. Bild schreibt später vom »hochnäsigen Auftritt der Frau Kachelmann«, der Tagesspiegel nennt sie eine »Besessene« und eine »Amazone«, der Kölner Stadt-Anzeiger sieht in ihr eine »Übermutter«. Die erstaunliche Beförderung einer Frau, die Alice Schwarzer als »das schwächste Glied in der Frauenkette« Kachelmanns bezeichnet hatte. Aber die neue Deutung ist nicht freundlicher gemeint.

Miriam Kachelmann hat lange überlegt, ob sie diesem Porträt zustimmen soll. Sie will lieber für das Buch werben, das ihr Mann und sie geschrieben haben. Recht und Gerechtigkeit heißt es und rekonstruiert aus der Sicht der beiden jene Zeit zwischen März 2010 und Juni 2011, in der der ARD-Wettermann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einer Radiomoderatorin verhaftet wurde und ihm vom Gericht und in der Öffentlichkeit der Prozess gemacht wurde. Das Buch schildert, wie Miriam Kolbus, so heißt sie damals noch, als Entlastungszeugin vom Gericht gezwungen wird, intimste Details preiszugeben, und zuletzt, wie sie als Ehefrau den Kampf ihres Mannes zu ihrem eigenen macht.

Am Ende steht der Freispruch, in dem die Richter Kachelmann mündlich mitgeben, er werde mit dem möglicherweise nie aus der Welt zu schaffenden Verdacht entlassen, ein Vergewaltiger zu sein. Und das, obwohl durch den Prozess erwiesen ist, dass die Angaben des angeblichen Opfers nicht wahr gewesen sein können. Gegen den Zweifel an der Qualität des Freispruchs kämpfen die Kachelmanns seither an, auch mit dem Buch. Sie geben ein Interview nach dem anderen. Ein Porträt aber ist etwas anderes, da ist schwer zu kontrollieren, was der Autor schreibt.

Leserkommentare
  1. "Die erste PR-Welle für das Buch ist den Kachelmanns missglückt."- So steht es in Ihrem Artikel. Aber ist nicht eher den Medien der Umgang mit den Kachelmanns missglückt? Sowohl vor dem Freispruch als auch danach ? Weder Kachelmann noch seine Frau bekommen doch eine echte Chance. Mich macht es betroffen, dass es so kinderleicht ist, einen Menschen ein für alle mal fertig zu machen. In dem ganzen unguten Spiel ist Miriam Kachelmann für mich die einzig integre Persönlichkeit.

    29 Leserempfehlungen
    • Hattric
    • 06. Dezember 2012 19:03 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    2 Leserempfehlungen
  2. Mir scheint, wenn jemand aus der Medienwelt in unguten Verdacht gerät, dann gibt es irgendwann einen Punkt, an dem sich die Medienwelt weitgehend geschlossen gegen diese Person wendet - selbst wenn der Verdacht noch nicht bestätigt oder gar entkräftet ist. Rehabilitation ist kaum mäöglich - oder erst nach Jahren geduldig leidenden Schweigens wie im Falle des seinerzeit unschuldig angeklagten Andreas Türck.

    Mr gefallen z.B. die Äußerungen einer Eva Hermann auch nicht. Aber die Art und Weise, wie sie von einer geschlossen auftretenden Medienfront zur Unperson gemacht wurde und wie ihr jede journalistische Existenzmöglichkeit geraubt wurde, das macht mich unabhängig von den Meinungen von Frau Hermann sehr nachdenklich.

    Der Fall Kachelmann besteht so nicht nur aus der von Frau Kachelmann aufgeworfenen Frage nach der institutionellen Gerechtigkeit in unserem Justizsystem, er wirft auch die Frage auf, wie eine derartige Existenzvernichtung durch eine in sich geschlossene Medienfront überhaupt möglich ist. Da ich nicht davon ausgehe, dass alle Medienvertreter sich in einer organisierten Verschwörung absprechen, sollten sie dieses beunruhigende Phänomen selbst einmal untersuchen und öffentlich thematisieren.

    Es produziert ansonsten zwangsläufig den Eindruck, wir lebten in einer nicht mehr sehr freien und nicht mehr in jedem Fall rechtsstaatlichen Prinzipien (Unschuldsvermutung, Meinungsfreiheit und -vielfalt) folgenden Gesellschaft.

    49 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • WolfHai
    • 08. Dezember 2012 20:12 Uhr

    "...sich die Medienwelt weitgehend geschlossen gegen diese Person wendet - selbst wenn der Verdacht noch nicht bestätigt oder gar entkräftet ist."

    Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland ein hoher Konsensdruck herrscht, nicht nur bei den Medien. Wenn man zu einer Gruppe gehört, wird Konformität erwartet - nicht nur die Klamotten, auch die Automarke muss stimmen. Und die politische Meinung sowieso. In Fällen wie bei Kachelmann ist das grausam. Aber auch das Leben normaler Menschen ist beeinträchtigt: es wird im Herzen sehr eng.

    • clair11
    • 06. Dezember 2012 22:10 Uhr

    Schade, dass die Autorin von "Anti-Kachelmann-Fraktion" spricht und so die verschiedenen Ebenen vermischt.

    Ich fand, dass es angemessener gewesen wäre, das Verfahren gegen Kachelmann frühzeitig einzustellen. Ich fand den Medienrummel um den Prozess unsäglich.

    Ich bin aber gleichzeitig entsetzt darüber, wie Miriam und Jörg Kachelmann in letzter Zeit einen Medienkampf gegen Anzeigeerstatterinnen von Sexualdelikten führt und diese grundsätzlich als unglaubwürdige Lügnerinnen diffamiert. Auch finde ich es entsetzlich, wie die Medien drauf springen und nun bei vielen anderen laufenden Verfahren die Glaubwürdigkeit der Zeugen öffentlich in Frage stellen.

    Laut Artikel sieht Miriam Kachelmann nun eine Chance, um was zu bewegen. Es war aber schon immer einfach, was zu bewegen auf Kosten der Vergewaltigungsopfer. Gerechtigkeit sieht anders aus.

    Eines verstehe ich im Artikel nicht: "Ein Strafbefehl ist ergangen gegen eine Zeugin, die vor Gericht gelogen hatte. Die Exgeliebte hatte in der Bunten behauptet, sie habe beim Sex mit Kachelmann einmal Nein gesagt, er aber habe nicht aufgehört. Bei der Polizei hatte das zuvor noch anders geklungen. Das »Nein« tauchte erst in dem bezahlten Interview auf und dann vor Gericht."

    Wie beweist das, dass die Frau vor Gericht gelogen hat? Es kann genauso sein, dass die Aussage vor Gericht richtig ist und die Aussage vor der Polizei falsch?

    Außerdem reicht das "Nein sagen" ohnehin nicht, um eine Vergewaltigung zu sehen.

    25 Leserempfehlungen
  3. ist auch dieser Artikel kein Ruhmesblatt der ZEIT. Statt so ambivalent daherzuschreiben, wäre es besser gewesen, nichts zu schreiben oder wenigstens eindeutig Stellung für eine Person zu beziehen, die weiß, was sie tut und davon überzeugt ist, das Richtige zu tun. Dabei kann man ihr nur Glück wünschen. Und J.K., das zu bleiben, das er jetzt zu sein scheint. Und der ZEIT: es gibt Wichtigeres.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • clair11
    • 08. Dezember 2012 18:17 Uhr

    Der Artikel ist auch deswegen ambivalent, weil es dort zwar vordergründig um die Person Frau Kachelmann geht, der Artikel aber doch hintergründig die Verfahren vom Herrn Kachelmann behandelt.

    Sonst würde die Autorin nicht den Anwalt Schwenn zu Wort kommen lassen oder Anmerkung machen wie "Es gebe eine erschreckende Anzahl unschuldig verurteilter Männer.
    Gegen einen Freispruch kann man nicht in Revision gehen."
    "Es hat dem Freigesprochenen als Hypothek einen Verdacht mitgegeben, der nun nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist." Das hat mit einem Porträt der Frau Kachelmann nichts zu tun. Außerdem müsste es die Aufgabe des seriösen Journalismus sein, solche Urteile und das Prinzip der Unschuldsvermutung auch laienverständlich zu erklären, und aufklären, dass es da nicht ums "in den Dreck ziehen" geht.

    Es ist auch nicht passend, im Kontext mit dem Vergewaltigungsvorwurf und dem Strafverfahren von "Opferrolle" zu sprechen. Sondern Überlegungen wie "Opferrolle oder nicht" wären nur interessant im Bezug auf Themen wie psychische Beziehungsgewalt oder Co-Abhängigkeit. Und selbst da geht es nicht um "schwach" oder "stark" (unabhängig davon, dass starke Frauen nicht unbedingt bessere Menschen sind als schwache Frauen).

  4. 6. [...]

    Die Frau Miriam kann einem nur leid tun sich so beeinflussen zu lassen und anderen Frauen in den Ruecken zu fallen. Man kann nur hoffen, dass die Dame anfaengt Sachliteratur ueber diese Maenner zu lesen, die zum Psychater und/oder ins Gefaengnis gehoeren, da sie sich nie aendern und Frauen hassen und weder Liebe noch Mitgefuehl noch Schuldgefuehle empfinden.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    • Kanzel
    • 08. Dezember 2012 16:10 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und unterstellende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    9 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service