ZeitgeistHartz IV fürs Fernsehen

Sind ARD/ZDF wirklich 7,5 Milliarden wert? von 

Dankenswerterweise hat sich die Süddeutsche eines Themas angenommen, das sonst so behandelt wird wie das Wetter: Man darf meckern, muss es aber hinnehmen. Es geht um die Zwangsabgabe für die Öffentlich-Rechtlichen. Demnächst wird daraus ein "Rundfunkbeitrag" – 17,98 Euro pro Haushalt, ganz gleich, ob die Mitglieder inzwischen nur noch "streamen" oder "downloaden".

Ein hübsches Sümmchen an Hartz IV kommt dabei heraus für ARD, ZDF und Deutschlandradio. Lakonisch vergleicht die SZ die 7,5 Milliarden Euro etwa mit den sieben Milliarden im Haushaltsposten für Familie und Senioren. Wie jedes System, das sein Geld nicht auf dem Markt verdienen muss, haben sich auch ARD/ZDF unaufhörlich ausgeweitet. Was einst mit dem "Ersten" begann, ist jetzt ein Clan von 22; wäre der Deutsche als solcher so fortpflanzungsfreudig, müsste sich die Nation um ihren Fortbestand nicht mehr sorgen. Die BBC, die Urmutter dieses Systems, kommt gerade mal auf zehn Sender.

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Legitimiert wird derlei Staatswirtschaft mit der "Grundversorgung". Das ist, als unterhielte der Staat 22 Brotfabriken, wo eine für Grau- und Weißbrot reichen würde. Als die Privaten dazukamen, wurde die Fahne "Qualität" gehisst. Die ist inzwischen arg zerfetzt, vergleicht man das Angebot der Öffentlichen mit RTLSatPro.

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, und die Bildungsnahen dürfen sich wahrlich über Arte freuen. Nur ist eines so gewiss wie die Zwangsabgabe: Wer sein Geld nicht selber verdienen muss, wird es verschwenden und unaufhörlich wachsen. Wer sich an einem Freitagnachmittag in einer solchen Anstalt verirrt, wird nicht wieder hinausfinden. Erstens reiht sich da ein Anbau an den nächsten. Zweitens sitzt in den Bürofluchten um diese Zeit niemand mehr, der den Ausweg aus dem Labyrinth weist. Wenn die ARD "EinsPlus" macht, zieht das ZDF mit "neo" nach.

Wenn doch diese elefantöse Bürokratie, weil marktfern, bloß halbwegs kreativ wäre. Wer heute state of the art -TV will, muss nach Amerika gehen (genauer zu iTunes oder zu den unzähligen Umsonst-Anbietern). Zwei Serien, die das Format in eine neue Umlaufbahn geschossen haben, sind Breaking Bad und Homeland – modellhaft in Sujet, Regie, Schauspielkunst, Schnitt und vor allem Risikobereitschaft. Zitat einer deutschen Produzentin: "Wenn du hier mit einer solchen Idee ankommst, heißt es: Nö, das haben wir noch nie gemacht; das trifft den Massengeschmack nicht; das ist zu teuer." Kein Wunder, wenn bei der ARD in den nächsten vier Jahren nur 38 Prozent der Gebühren in die Programme gehen; der Rest gehört dem Personal- und Sachaufwand.

Übrigens: Wer in den USA Hoch- und Traditionskultur sehen will, ist bei PBS bestens bedient; wer unbedingt einem Kongress-Hearing lauschen will, kann es bei C-SPAN tun (beide privat). An die 300 Sender summieren sich zu einer Vielfalt, die hier nicht entstehen kann, weil sich das Neue nicht gegen einen öffentlichen Moloch durchsetzen kann, der sich nicht selber finanzieren muss. Um das Problem in seiner ganzen Wucht zu erkennen, möge man sich den Albtraum "öffentlich-rechtliche Zeitung" vorstellen – regiert von einem "Zeitungsrat", in dem Parteien und Verbände das Sagen haben. Und die nächste Gebührenerhöhung kommt ganz bestimmt.

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Leserkommentare
  1. Die Öffis machen schlechtes Fernsehen für eine alte Zielgruppe, die Privatis machen schlechtes Fernsehen für eine mittelalte Zielgruppe, die jüngeren haben sich längst vom Fernsehenverabschiedt.

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  • Serie Zeitgeist
  • Schlagworte ARD | ZDF | GEZ
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