Privatbank Metzler"Schlicht Nein sagen"

Emmerich Müller, Partner der Privatbank Metzler, verrät seine langfristige Anlagestrategie. Schnelle Gewinne sind mit ihm nicht zu machen. von  und

DIE ZEIT: Herr Müller, Sie arbeiten seit zwölf Jahren für das private Bankhaus Metzler, seit 2005 sind Sie persönlich haftender Gesellschafter. Was macht den Reiz aus?

Emmerich Müller: Zunächst einmal macht es Spaß, in einer Organisation zu arbeiten, die von klaren Werten getragen wird, sich als Teil der Gesellschaft versteht und langfristige Ziele verfolgt. Das Bankhaus Metzler denkt und arbeitet von Generation zu Generation. Zum anderen ist dieses Haus mit 750 Mitarbeitern überschaubar. Es macht Spaß, mit vertrauten Kollegen zusammenzuarbeiten. So weiß man, warum etwas funktioniert, und kann Einfluss nehmen.

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ZEIT: Was macht die Arbeit hier so besonders?

Müller: Die enge Zusammenarbeit mit den Kunden. Man verfolgt gemeinsam langfristige Ziele. Henry Ford II. hat einmal gesagt: »Ein Unternehmen, das nur Geld verdient, ist ein armes Unternehmen.« Das ist auch die Grundvorstellung des Bankhauses Metzler und deckt sich sehr mit meinen Vorstellungen.

ZEIT: Das Bankhaus Metzler hat eine 338-jährige Geschichte. Sie sind dazu ausersehen, es in die nächste Generation zu führen – gehören aber nicht zur Familie. Geht das?

Müller: Die Bank führen neun Partner, und ich bin der Mannschaftskapitän. Unsere Ziele decken sich mit den Zielen der Familie Metzler, es passt einfach. Zudem kenne ich Herrn von Metzler seit fast 30 Jahren. Ich schätze Direktheit. Bei einem Großkonzern hätte ich das Gefühl, dass mir die verloren geht.

ZEIT: Hängt ein guter Tag davon ab, wo abends der Dax steht?

Emmerich Müller

Emmerich Müller ist Mitglied des Partnerkreises des Bankhauses Metzler und neben Friedrich von Metzler persönlich haftender Gesellschafter.

Müller: Nein. Das wäre zu kurz gesprungen. Natürlich ist es wichtig, dass Märkte sich gut entwickeln, wir wollen ja mit der Anlage etwas verdienen. Uns geht es um den Vermögenserhalt über Generationen. Es ist außerordentlich wichtig, dass die Kunden wissen, welche Risiken es langfristig gibt – und was lediglich kurzfristige Ausschläge sind, die einfach dazugehören.

ZEIT: Man muss also nicht ständig die Kurse studieren?

Müller: Ich halte es für falsch, wenn man jeden Tag Börsenkurse und Marktnachrichten verfolgt. Sie sollten langfristig denken, überlegen, wie viel Sie sparen und welche Risiken Sie eingehen wollen. Das gilt für alle Kunden.

ZEIT: Wenn ein Kunde zu Ihnen möchte – wie viel Geld sollte er mitbringen?

Müller: Drei Millionen Euro frei verfügbar zur Anlage.

ZEIT: Da müssen Kleinanleger schlucken.

Müller: Anleger mit kleineren Beträgen können ihre Anlage nicht so breit streuen, wie es nötig wäre, um unseren Standards für Chancen und Risiko zu entsprechen.

ZEIT: Wie kann man sich Ihre Kunden im Private Banking vorstellen?

Müller: Das sind erstens typischerweise deutsche Familienunternehmer, die gerne als Mittelstand bezeichnet werden. Menschen, die sich ihr Vermögen überwiegend selbst erwirtschaftet haben, die ein Wagnis eingegangen und dafür belohnt worden sind. Zweitens sind es verantwortungsvolle Menschen mit sehr realistischen Erwartungen. Unsere Klientel ist sehr anspruchsvoll, nicht mit Blick auf die Rendite, sondern weil es oft um ein gewachsenes Vermögen geht, den Erhalt des Unternehmens, die Vorsorge für künftige Erbschaftsteuerzahlungen. Unsere Kunden denken langfristig. Sie wissen auch, dass sie mit ihrem unternehmerischen Risiko definitiv mehr verdienen als am Kapitalmarkt. Wir haben keine Kunden, die einen schnellen Tipp wünschen und auf kurzfristigen Gewinn aus sind. Solche Kunden passen auch nicht zu uns.

ZEIT: Ihren Kunden geht es nicht ums Geld?

Müller: Die Menschen, über die wir gerade sprechen, haben alles, was sie zum täglichen Leben brauchen. Die arbeiten trotzdem sehr viel, den ganzen Tag. Die haben ihr Unternehmen von den Eltern übernommen und wollen dessen Fortbestand sichern. Die leben auf der Schwäbischen Alb, im Sauerland, im Schwarzwald oder bei Bielefeld, die jetten nicht um die Welt. Alle sind gesellschaftlich engagiert und sehen sich als Teil ihres Gemeinwesens. Viele haben Mitarbeiter aus Familien, die schon in der dritten oder vierten Generation für das Unternehmen arbeiten. Viele unserer Kunden könnten sich leicht den Spaß eines Ferraris gönnen, würden damit aber nicht in ihrem Betrieb vorfahren, weil sie sich dann schämen würden.

ZEIT: Wie hat Metzler selbst es denn geschafft, mehr als 300 Jahre zu überdauern?

Müller: Dieses Bankhaus hat Kriege, Enteignungen, Besetzungen oder Erwerbsverbote wie im »Dritten Reich« überlebt. Was dabei immer geholfen hat, war ein Bewusstsein dafür, dass man ein Mindestmaß an Diversifikation braucht, dass man die wesentlichen Risiken berücksichtigt. Manche Risiken vernichten Vermögen, wenn sie denn eintreten. Und man sollte wissen: Es geht ganz gewiss nicht immer stetig nach oben.

ZEIT: Was raten Sie Kunden, wie sie ihr Geld anlegen sollen?

Müller: Warum haben manche Vermögen Jahrhunderte überlebt und andere nicht? Es gibt vier elementare Risiken, die Vermögen vernichten könnten: zum einen persönliche Risiken wie Tod, Scheidungen, Erbschaftskonflikte, die haben schon manchen ruiniert. Zum anderen Inflation, Deflation und politische Krisen. Die Inflation ist den Deutschen seit der Hyperinflation 1923 geläufig, es gibt aber auch Deflation. In der Historie gibt es keine klare Tendenz, welche dieser zwei Gefahren überwiegt. Die USA und Großbritannien hatten im 19. Jahrhundert sieben Phasen mit Deflation. Auch in Skandinavien und Kanada gab es solche Phasen, in Japan dauert sie bis heute an.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 17. Dezember 2012 11:10 Uhr

    ...vielleicht sollten Banken ausschließlich von persönlich haftenden Gesellschafter geführt werden.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die kunden sind alle so deutsch-hochpreisig, daß sie den booster am kapitalmarkt nicht brauchen.
    die meisten scheinen mittlerweile erben zu sein. wenn man dafür ist, daß sich die lebensqualität bei der geburt entscheidet...
    wenn es nur solche finanzdienstleister gäbe, wären wir wahrscheinlich wieder in der Feudalzeit, wo in Familiensippschaften und ihren Pfründen gedacht wird.

  1. Kommt der Ansatz so aus der Ecke

    "So jetzt zeigen wir euch mal eine richtige Bank"

    - als Kontrastprogramm zu den Verfehlungen, der (ehemaligen) deutschen Vorzeigebank, die in den letzten Tagen aufgeflogen sind?

    Sehr ungewöhnliche Art für Meinungs-oder Stimmungsausgleich zu sorgen. Passiert das in anderen Ressorts auch?

  2. 4. najaa

    die kunden sind alle so deutsch-hochpreisig, daß sie den booster am kapitalmarkt nicht brauchen.
    die meisten scheinen mittlerweile erben zu sein. wenn man dafür ist, daß sich die lebensqualität bei der geburt entscheidet...
    wenn es nur solche finanzdienstleister gäbe, wären wir wahrscheinlich wieder in der Feudalzeit, wo in Familiensippschaften und ihren Pfründen gedacht wird.

  3. Kunde, flüsternd: "Pst, ich möchte eine Million Euro anlegen."
    Bankmensch, laut: "Sprechen Sie ruhig laut, Armut ist doch keine Schande."

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