DrohnenIch sehe was, was du nicht siehst

Was machen die Kinder auf dem Schulhof? Was tut sich so in Nachbars Garten? Für 300 Euro kann jeder seine eigene Drohne starten. von 

Das Ding ist groß wie ein Frühstückstablett, flach, schwarz, und surrt böse wie eine elektrische Hornisse: die Parrot AR.Drone 2.0, eine Drohne für den Hausgebrauch, das unbemannte Flugobjekt für den Hobby-Observateur. Zu haben ist das Teil im Elektrofachhandel für rund 300 Euro. Vier Rotoren sorgen für Auftrieb, eine kleine Kamera liefert Livebilder direkt aufs Smartphone oder aufs iPad, mit dem auch gesteuert wird. Die Bedienung ist intuitiv, ein bisschen wackelig am Anfang, ein paar Mal crasht das gute Stück in die Büsche, rauscht haarscharf an parkenden Autos vorbei, kollidiert mit Ästen und Straßenschildern, aber ziemlich bald wird klar, was es kann: Ein rascher Blick in Nachbars Garten gefällig? Ein Erkundungsflug vorbei an den Wohnzimmerfenstern links und rechts? Schauen wir mal...

Natürlich kann man mit der Privatdrohne auch das Fußballspiel seiner Kinder aus der Vogelperspektive genießen, man kann ohne Leiter prüfen, ob die Regenrinne mal wieder gesäubert werden müsste, oder den Möwen an der Elbe hinterhersausen. Aber der eigentliche Reiz, die wahre Verlockung des fliegenden Auges, ist natürlich der Blick über die Hecke, hinter die Mauer, dorthin, wo man sonst nicht schauen kann. Und darf.

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Erlaubt ist das selbstredend nicht, die Privatsphäre ihrer Mitmenschen müssen auch die Drohnenflieger respektieren, klare Warnhinweise des Herstellers in der Gebrauchsanweisung lassen daran keinen Zweifel. Aber so wie die Militärdrohnen ganz neue Möglichkeiten der Kriegsführung eröffnen, und damit juristische Grauzonen schaffen, so werfen auch die Hobbydrohnen bislang ungeklärte Fragen auf, nach Nähe und Distanz, Privatheit und Überwachung, Technik und Moral.

Was möglich ist, wird auch ausprobiert werden, keine Behörde kann das verhindern, auch kein Kodex. Und das bedeutet wohl: Der Raum des Privaten wird weiter schrumpfen. Im vergangenen Sommer hieß es eine Weile, die Oben-ohne-Fotos von Kate, der Herzogin von Kent, seien mit einer Drohne gemacht worden. Die Gerüchte haben sich offenbar als falsch erwiesen, aber sie lassen erahnen, was bereits heute technisch möglich ist.

Noch ist die Gefahr halbwegs überschaubar. Noch holt jeder Windstoß die kleine Hobbyfliegerdrohne vom Himmel, die Akkus reichen kaum für zwanzig Minuten, und der Radius ist ziemlich begrenzt. Aber das sind vermutlich nur Anfangsprobleme, technologische Kinderkrankheiten. Zwei, drei Innovationszyklen weiter und die Dinger könnten stabil und ausdauernd werden wie heute schon die Geräte, die Profis einsetzen, preiswert, allgegenwärtig, und was dann alles möglich wird, lässt sich allenfalls zusammenfantasieren.

Besorgte Eltern könnten ihren Süßen eine Drohne auf dem Schulweg hinterherschicken, gern mit Alarmgeber, wenn der übliche Weg verlassen wird. Man sieht schon die Schulhöfe vor sich, über denen Schwärme von Drohnen kreisen, ferngesteuert von der Schulleitung, von Großeltern oder von Versicherungen. Und wozu noch Privatdetektive, wenn eifersüchtige Ehemänner winzige Drohnen auf ihre Frauen ansetzen könnten? Und umgekehrt?

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