Schauspieler Jude Law"Ich flirte nicht"

In "Anna Karenina" zeigt Jude Law, dass er ein souveräner Schauspieler ist. von Moritz von Uslar

Jude Law

Jude Law  |  © Andrew Cowie/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Waren Sie überrascht, dass man Ihnen für Ihren neuen Film nicht die Rolle des jungen Liebhabers angeboten hat?

Jude Law: Nicht doch. Ich bin zu alt für den jungen Liebhaber.

Anzeige

ZEIT: Hat es Spaß gemacht, den bösen, alten, betrogenen Ehemann zu spielen?

Law: Die komplexen Rollen machen Spaß, und dieser Alexej Karenin wird oft zu eindimensional dargestellt. Er ist meist nur der Staatsbeamte, der seine gesellschaftliche Stellung im Sinn hat. Aber dieser Karenin kämpft um seine Ehefrau und Familie. Ich wollte zeigen, wie Karenin seine Gefühle entdeckt, wie mit den Gefühlen die Verletzlichkeit erwacht.

ZEIT: Am Ende wirkt Ihr Karenin fast widersprüchlicher und vielschichtiger als die Figur in Leo Tolstois Roman .

Law: Das wäre irre. Es wäre der großartigen Drehbuchadaption von Tom Stoppard zu verdanken. Richtig ist: Ich spiele in diesem Film einen zeitgemäßen, einen modernen Mann.

ZEIT: Der betrogene Ehemann, der nach all dem Schmerz, der Scham und Schande seiner Ehefrau vergibt: Können Sie von der Tolstoi-Figur etwas für Ihr privates Leben lernen?

Law: Einige Seiten seines Charakters – das Vertrauen in die Institution der Ehe – sind erstaunlich. Könnte ich so wenig nachtragend sein? Ich kann vergeben, vergessen kann ich nicht.

ZEIT: Lassen Sie uns, für einen Moment lang, ein paar billige Fragen stellen. Ist es ein schönes Leben mit grünen Augen?

Law: Es sind blaue Augen. Oder nicht? Ich habe heute grüne, morgen blaue Augen. Diese wechselnde Augenfarbe hat mir Türen geöffnet und Türen verschlossen. Ein Regisseur sagte mir einmal, dass ich niemals einen rundherum netten Menschen spielen könnte. Ich habe diesen leicht teuflischen Schlag in meinen Augen.

ZEIT: Wie kriegen Sie dieses leicht abfällige, das berühmte Jude-Law-Lächeln hin?

Law: Das Jude-Law-Lächeln ... wirklich, keine Ahnung. Meine Mutter ist schuld.

ZEIT: Ist gutes Aussehen eine Strafe?

Law: Leider ist das eine interessante Frage. In den ersten zehn Jahren meiner Karriere habe ich vergeblich versucht, als Schauspieler ernst genommen zu werden. Ich wollte für meine Rollen und die Wahl meiner Rollen akzeptiert werden. Hollywood verkauft lieber ein Gesicht als etwas so Komplexes wie ein Talent.

Leserkommentare
  1. Ein sehr sympathischer Mensch, dieser Jude Law, der den Interviewer in seine Schranken gewiesen hat. Nicht, dass das an sich heldenhaft wäre, aber dieses anhimmelnde, von Äußerlichkeiten besessene, sowie von fragwürdigen Prämissen und Superlativen strotzende Gesäusel war ja grausam.

    Um einige Beispiele herauszugreifen: "Ist es ein schönes Leben mit grünen Augen?", "Ist gutes Aussehen eine Strafe?", "Als der schmerzhaft gut aussehende Mann, der Sie sind...", "Wenn Sie Ihren jungen, wunderschönen Kollegen Aaron Taylor-Johnson sehen...", "Ist es richtig, dass ihr superschönen Männer dazu neigt...", "Kann einem Schauspieler sein Charme im Weg stehen?", "Abschließende Frage an den großen Frauenhelden und Verführer Jude Law" usw.

    Man mag den Mann ja gutaussehend finden, aber erstens gibt es keinen allgemein gültigen Maßstab dafür und zweitens muss man das nicht zum Dreh- und Angelpunkt der Konversation machen. Und überhaupt scheint der Interviewer arg verquerte festgeschriebene Geschlechterrollen im Kopf zu haben. Was soll die Frage nach dem Grad seiner Weiblichkeit (wie definiert sich "weibliche Persönlichkeit"), oder ob "Männer zu viel über Frauen nachdenken".

    Sehr schade.

  2. Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik respektvoll. Die Redaktion/sh

  3. "Ist es für Sie tough, nicht mit Ihrem Co-Star zu schlafen?"

    "Ist es ein schönes Leben mit grünen Augen?"

    "Ist gutes Aussehen eine Strafe?"

    ???

    Gekürzt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik respektvoll. Danke. Die Redaktion/sh

  4. ...was ist denn das für ein Interview?!

    Ich mag Jude Law als Schauspieler und hätte gerne das Interview bis zu Ende gelesen, aber spätestens nach der Frage "Ist es für Sie tough, nicht mit Ihrem Co-Star zu schlafen?" musste ich abbrechen und habe danach erst nach dem Interviewer und dann nach dem Namen der Publikation schauen müssen. Aha, kein weiblicher Teenager, dem der Sabber aus der Zahnspange läuft, auch keine verzweifelte Hausfrau und auch nicht Bunte/Gala/Bravo!

    • Zitouni
    • 06. Dezember 2012 15:03 Uhr

    Die Fragen des Interviewers zeigen sehr viel über dessen Innenwelten auf, und auf diese möchte ich hier nicht weiter eingehen, denn das Ganze ist, auch im Hinblick auf dir vorangegangenen Kommentare bereits unangenehm genug für den Fragesteller, und es ist nicht nötig, in die offene Wunde weiterhin Salz zu streuen.

    Im Gegensatz zum momentan hier vorherrschenden Eindruck fand ich dennoch das Ergebnis dieser Übung recht aufschlussreich. Denn ich kannte Herrn Law eigentlich als Person kaum, habe ihn auch als Schauspieler nur sehr von der Ferne wahrgenommen. Nun erscheint er mir eben durch seine Reaktionen auf eine recht schwierige Situation, die ihm in Person des Interviewers und dessen Fragen sich stellte, als ein eher interessanter Mensch. Seine Reaktionen sind ja sehr gewählt und höflich, dennoch souverän und überlegen, ohne zu verletzen, und zeigen ihn als einen eher reiferen, überlegten Mann, ja, vielleicht schon Gentleman im ursprünglichen Wortsinn. So bringt dieser Austausch dann noch erstrebenswerte Verhaltensweisen ans Licht.

    Dies alles hat mich im Groszen und Ganzen dann doch eher überrascht, und so bin ich für die wunderliche Sammlung von fast schon absurden Fragen eher dankbar als empört.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Die Redaktion/sh

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Die Redaktion/sh

    • Palm86
    • 06. Dezember 2012 15:26 Uhr

    Kein Wunder das Jude Law nach den ersten Fragen immer abweisender und genervter wird, ich kann mir den Verlauf des Interviews richtig vorstellen.

    Mal im Ernst, da hat man die Chance mit einem wie Law zu plaudern und was machen sie draus? 75% der Fragen betreffen sein Aussehen, und das obwohl er gleich am Anfang unmissverständlich klarmacht, dass er nicht darauf reduziert werden möchte.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Jude Law | Schauspieler | Cary Grant | Leo Tolstoi | Brad Pitt | Film
Service