StilkolumneStilvoll streiten

Tillmann Prüfer über Konkurrenten der Mode von 

Schlapphütiger Rock-Schick, wie er Saint Laurent Paris vorschwebt, und ein strenges Blazerkleid von Dior

Schlapphütiger Rock-Schick, wie er Saint Laurent Paris vorschwebt, und ein strenges Blazerkleid von Dior  |  © Peter Langer

Die Mode ist ein Metier, in dem besonders viele Küsschen verteilt werden. Alle sind immer mehr als glücklich, einander zu sehen, und können es kaum erwarten, einander wieder zu treffen. Jeder ist so was von freundlich mit dem andern, dass es eigentlich kaum auszuhalten ist. Interessanterweise sind aber alle Erfolgsgeschichten der Mode von bitterster Konkurrenz geprägt. Schon als Mode überhaupt erst begann, Mode zu sein, hasste man einander nach Kräften. Unterschiedliche Kleidungsstile schlossen einander so kategorisch aus, als handele es sich um Religionen mit unvereinbaren Gegensätzen.

Zum Beispiel die Konkurrenz zwischen Madeleine Vionnet und Coco Chanel . Vionnet ließ sich von der Silhouette griechischer Statuen inspirieren und feierte mit fließenden Stoffen die natürlichen Körperformen der Frau. Von den wie Uniformen geschnittenen Kostümen einer Coco Chanel hielt Madame Vionnet nichts. Noch größer allerdings war die gegenseitige Ablehnung von Coco Chanel und Elsa Schiaparelli. Letztere orientierte sich am Dadaismus und pflegte in der Mode einen surrealistischen Stil.

Anzeige

Erst viel später gab es in Paris ein vergleichbares Konkurrenzverhältnis – nämlich das von Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent in den siebziger Jahren. Auf der einen Seite der entschlossene und hünenhafte Macher Lagerfeld, auf der andern der androgyne, verletzliche Saint Laurent. Durch die Konkurrenz entstand eine Spannung, die der Mode enorme Kraft gab.

Stilkolumne
Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick  |  © Peter Langer

Dann passierte eine Weile nichts, doch seit diesem Frühjahr hat die Mode ein neues Gegensatzpaar: Raf Simons und Hedi Slimane . Der eine ist Chefdesigner von Dior geworden, der andere von Yves Saint Laurent. Ihre Premieren-Auftritte folgten im September im Abstand nur weniger Tage. Simons präsentierte bei Dior einen neuen glamourösen Minimalismus. Slimane schloss bei Yves Saint Laurent, das er kurzerhand in Saint Laurent Paris umbenannt hatte, an die wilde Anfangszeit der Marke an und zeigte einen kalifornisch angehauchten Rock-Schick.

Und Karl Lagerfeld demonstrierte in einer Chanel-Schau, in der er das Grand Palais mit riesigen Windrädern füllte, wer nach wie vor der König von Paris ist.

Selten hat die Mode so schön alles gegeben. Und es wurde wie immer viel geküsst.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Serie Stilkolumne
    • Schlagworte Yves Saint Laurent | Coco Chanel | Hedi Slimane | Karl Lagerfeld | RAF | Dior
    • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

      Vom Rand des Laufstegs

      Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

      • Nachgesalzen

        Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

        • Hinter der Hecke

          Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

          • Heiter bis glücklich

            Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

            Service