Stimmt's?Kann man vom Blick in den Schnee erblinden?

...fragt Jochen Schmorg aus Neustadt. Christoph Drösser antwortet. von 

Wer zu lange in die Sonne schaut, kann tatsächlich blind werden. Diese Warnung hört man bei jeder Sonnenfinsternis, und wer die Sonne mit einem Fernglas oder Teleskop anschaut, der kann innerhalb von Sekunden dauerhafte Schäden davontragen. Die Strahlen werden wie durch ein Brennglas gebündelt und können regelrecht die Netzhaut verkokeln.

Aber geht von einer weißen Schneefläche genügend helles Licht aus, um einen ähnlichen Effekt zu erzeugen? Nein, ganz bestimmt nicht. Mit dem Wort »Schneeblindheit« wird ein anderer Effekt beschrieben.

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In diesem Fall ist es nicht das sichtbare Licht, das die Schädigung verursacht, sondern das energiereiche ultraviolette (UV-)Licht. Und es ist auch nicht die Netzhaut, die beim Blick in den Schnee gefährdet ist. Zu ihr dringt das UV-Licht nämlich gar nicht erst durch, weil es von der Cornea, der Hornhaut, die auch die Linse enthält, fast komplett herausgefiltert wird.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Die Hornhaut kann dabei einen regelrechten Sonnenbrand bekommen. Die Augen röten sich und tränen. Wenn die Verbrennung nicht zu schlimm war, ist die Sache nach ein paar Tagen ausgestanden. Bei längerer Einwirkung der Strahlung kann die Schneeblindheit oder Photokeratitis zu Vernarbungen führen, die Sehkraft ist dann dauerhaft beeinträchtigt.

Der Schnee macht also nicht blind. Aber besonders im Gebirge, wo die UV-Strahlung höher ist, sollte man seine Augen schützen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Der Artikel ist aus meiner Sicht missverständlich, wenn nicht gar gefährlich! "Der Schnee macht also nicht blind" stimmt natürlich, aber die Reflexion des UV Anteils des Sonnenlichtes durch den Schnee! Dabei ist es völlig unerheblich ob das Auge durch UV-VIS oder UV Licht geschädigt wird. Der Bergwanderer blickt ja nicht dauernd in die Sonne und trotzdem wird das Auge bei ungenügendem Schutz bei z.B. einer Gletschertour (im Gegensatz zur schneefreien Wanderung - Fels und Wiesen reflekieren kaum) geschädigt, also spielt der Schnee sehr wohl eine wesentliche Rolle, da etwas was uns weiß erscheint ja bekanntlich das gesamte Spektrum des Lichtes reflektiert! Ich würde den Artikel überarbeiten um nicht ev. den Eindruck zu erwecken, man könne bei "Schneewanderungen" nicht erblinden!

  2. Computerblind war ich schon öfter. Das ist so, als wenn ich mit einem Teil meiner Augen nur noch weiße Flächen sehen kann. Meine Augen tränen dann und ich muss eine Pause vom Monitor nehmen. 20 Minuten später ist wieder alles in Ordnung. Ob Schneeblindheit und Computerblindheit in der gleichen Liga spielen? Ich denke schon.

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    • Flari
    • 15. Dezember 2012 21:34 Uhr

    "Ob Schneeblindheit und Computerblindheit in der gleichen Liga spielen? Ich denke schon."

    Schneeblindheit ist eine, wie soweit im Artikel richtig beschrieben, Reizung, aber bis zur dauerhaften Schädigung von Horn- und Bindehaut, die auch bei leichterer Reizung über viele Stunden, ggf. auch mehrere tage anhält.

    Am Bildschirm trifft dagegen eine Überlastung des Sehnervs und des zuständigen Gehirnbereichs auf, was durch ungünstige Licht- und Kontrastverhältnisse sowohl des Monitors, als auch der Umgebung begünstigt wird.
    Ebenso bei notwendiger, aber fehlender oder fehlerhaften Lesebrille.

  3. "Bei längerer Einwirkung der Strahlung kann die Schneeblindheit oder Photokeratitis zu Vernarbungen führen, die Sehkraft ist dann dauerhaft beeinträchtigt.

    Der Schnee macht also nicht blind."

    Also das ist mal eine extrem komische Schlussfolgerung. Nicht blind, aber extrem sehbehindert oder wie darf man das verstehen?

    • Flari
    • 15. Dezember 2012 21:34 Uhr

    "Ob Schneeblindheit und Computerblindheit in der gleichen Liga spielen? Ich denke schon."

    Schneeblindheit ist eine, wie soweit im Artikel richtig beschrieben, Reizung, aber bis zur dauerhaften Schädigung von Horn- und Bindehaut, die auch bei leichterer Reizung über viele Stunden, ggf. auch mehrere tage anhält.

    Am Bildschirm trifft dagegen eine Überlastung des Sehnervs und des zuständigen Gehirnbereichs auf, was durch ungünstige Licht- und Kontrastverhältnisse sowohl des Monitors, als auch der Umgebung begünstigt wird.
    Ebenso bei notwendiger, aber fehlender oder fehlerhaften Lesebrille.

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    Ich werde versuchen ihre Ratschläge umzusetzen.

  4. 5. Danke

    Ich werde versuchen ihre Ratschläge umzusetzen.

    • rws
    • 17. Dezember 2012 12:17 Uhr

    Wer glaubt, dass wegen des Begriffs "Schneeblindheit" Schnee blind machen könne, glaubt wohl auch, dass ein "Zitronenfalter" Zitronen faltet. (So deutlich wollte es Herr Drösser wohl nicht schreiben)

    Interessant ist ja auch die Frage, warum es Schneeblindheit und nicht "UV-induzierte Augenreizung" oder ähnlich heisst.
    "Scheeblindheit" bezeichnet zunächst das Phänomen, dass der Alpinist/Polarforscher seine Augen auch im dichtesten Schneegestöber, bzw. jenseits der Schneegrenze schädigen kann (hoher UV-Anteil an der Strahlung - auch bei Bewölkung - kombiniert mit hohem UV-Reflexionsgrad der Schneeoberfläche). Ich vermute, dass es deshalb Schneeblindheit und nicht UV-Blindheit oder anders heisst. Klingt ja auch heroischer - und wichtiger - ermahnt den Bergsteiger die Gletscherbrille aufzusetzen (nein, das ist keine Sitzgelegenheit für's Geschäft auf dem Gletscher).

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    • rws
    • 17. Dezember 2012 12:42 Uhr

    Hier eine Hypothese zur Herkunft des Begriffs "Schneeblindheit".

    Bei Sonnenschein war/ist es jedem Alpinisten/Bergsteiger klar, dass eine Sonnenbrille getragen werden muss. Im Schneesturm ist die Verlockung groß, diese abzusetzen - weil die Kontraste im diffusen Licht verschwinden und es nicht besonders hell erscheint. Da UV-Licht von der Bewölkung im Vergleich zum sichtbaren Licht deutlich weniger abgeschwächt wird, kommt dann es trotz scheinbarer Dunkelheit zur UV-Schädigung des Auges.

    Hypothese: Als der Begriff erstmals gebraucht wurde, brachte man die Augenerkrankung zunächst mit dem Schee(sturm) in Verbindung (Erfrierungen, Entzündungen etc. als Erklärungsmodell) und nicht mit der Tatsache, dass man die Sonnenbrille wegen der Bewölkung abgesetzt hatte und dann das Auge durch das UV-Licht geschädigt wurde. Die UV-Strahlung ist ja erst seit etwa 1800 bekannt - die schädigende Wirkung auf Augen wurde wahrscheinlich erst viel später entdeckt und einer breiten Öffentlichkeit bekannt (1900?). Die Mie-Streuung wurde auch erst seit etwa 1908 beschrieben - vorher war also zum Strahlungstransport in Wolken nur wenig bekannt. Viele Indizien sprechen also dafür, dass die Ursache der Erkrankung in der frühen Zeit des Alpinismus und der arktischen Expeditionen nicht richtig erkannt wurde (erkannt werden konnte)

    • rws
    • 17. Dezember 2012 12:42 Uhr

    Hier eine Hypothese zur Herkunft des Begriffs "Schneeblindheit".

    Bei Sonnenschein war/ist es jedem Alpinisten/Bergsteiger klar, dass eine Sonnenbrille getragen werden muss. Im Schneesturm ist die Verlockung groß, diese abzusetzen - weil die Kontraste im diffusen Licht verschwinden und es nicht besonders hell erscheint. Da UV-Licht von der Bewölkung im Vergleich zum sichtbaren Licht deutlich weniger abgeschwächt wird, kommt dann es trotz scheinbarer Dunkelheit zur UV-Schädigung des Auges.

    Hypothese: Als der Begriff erstmals gebraucht wurde, brachte man die Augenerkrankung zunächst mit dem Schee(sturm) in Verbindung (Erfrierungen, Entzündungen etc. als Erklärungsmodell) und nicht mit der Tatsache, dass man die Sonnenbrille wegen der Bewölkung abgesetzt hatte und dann das Auge durch das UV-Licht geschädigt wurde. Die UV-Strahlung ist ja erst seit etwa 1800 bekannt - die schädigende Wirkung auf Augen wurde wahrscheinlich erst viel später entdeckt und einer breiten Öffentlichkeit bekannt (1900?). Die Mie-Streuung wurde auch erst seit etwa 1908 beschrieben - vorher war also zum Strahlungstransport in Wolken nur wenig bekannt. Viele Indizien sprechen also dafür, dass die Ursache der Erkrankung in der frühen Zeit des Alpinismus und der arktischen Expeditionen nicht richtig erkannt wurde (erkannt werden konnte)

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  • Schlagworte Winter | Schnee | Sinnesorgan | Medizin | Brille | Sonnenschutz
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