Wer zu lange in die Sonne schaut, kann tatsächlich blind werden. Diese Warnung hört man bei jeder Sonnenfinsternis, und wer die Sonne mit einem Fernglas oder Teleskop anschaut, der kann innerhalb von Sekunden dauerhafte Schäden davontragen. Die Strahlen werden wie durch ein Brennglas gebündelt und können regelrecht die Netzhaut verkokeln.

Aber geht von einer weißen Schneefläche genügend helles Licht aus, um einen ähnlichen Effekt zu erzeugen? Nein, ganz bestimmt nicht. Mit dem Wort »Schneeblindheit« wird ein anderer Effekt beschrieben.

In diesem Fall ist es nicht das sichtbare Licht, das die Schädigung verursacht, sondern das energiereiche ultraviolette (UV-)Licht. Und es ist auch nicht die Netzhaut, die beim Blick in den Schnee gefährdet ist. Zu ihr dringt das UV-Licht nämlich gar nicht erst durch, weil es von der Cornea, der Hornhaut, die auch die Linse enthält, fast komplett herausgefiltert wird.

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Die Hornhaut kann dabei einen regelrechten Sonnenbrand bekommen. Die Augen röten sich und tränen. Wenn die Verbrennung nicht zu schlimm war, ist die Sache nach ein paar Tagen ausgestanden. Bei längerer Einwirkung der Strahlung kann die Schneeblindheit oder Photokeratitis zu Vernarbungen führen, die Sehkraft ist dann dauerhaft beeinträchtigt.

Der Schnee macht also nicht blind. Aber besonders im Gebirge, wo die UV-Strahlung höher ist, sollte man seine Augen schützen.

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