Ströbele und WielandZwei Grüne, zwei Welten

Der eine schwärmt von Multikulti-Kreuzberg, der andere lebt dort. Hans-Christian Ströbele und Wolfgang Wieland: Zwei Grüne aus der Gründerzeit stehen für eine kulturelle Spaltung, die Bestand hat. von 

Wenn Hans-Christian Ströbele durch den Berliner Problemkiez Kottbusser Tor in Kreuzberg geht, rappeln sich auch sehr Betrunkene noch einmal auf. »Herr Bürgermeister!«, ruft einer mit offener Stirnwunde, der sich kaum auf den Beinen halten kann, »du bist ein Mensch geblieben. Lass dir det nich wegnehm!« Der grüne Bundestagsabgeordnete Ströbele, der nie einen Tropfen Alkohol trinkt und auch keinen Kaffee, der niemals raucht oder zockt, nimmt die Huldigungen von allen Seiten höflich entgegen. Kreuzberg ist, auch hier, wo es oft elendig und brutal zugeht, so etwas wie sein Lebenswerk. Hier hat Ströbele, als noch niemand daran glaubte, das erste und bisher einzige Direktmandat erworben, das die Grünen je hatten.

Hans-Christian Ströbele

Der 73-jährige Jurist und ehemalige Wahlverteidiger des RAF-Terroristen Andreas Baader gehörte der ersten grünen Bundestagsfraktion an. Er war lange in der Berliner Landespolitik. Seit 2002 hält er das einzige Direktmandat der Grünen im Bundestag.

Kreuzberg – das ist für den 73-Jährigen das Gegenleben schlechthin, das Richtige im Falschen. Wo andere Arbeitslosigkeit sehen, sieht Ströbele die Buntheit florierender Lebensentwürfe. Wo andere über Parallelgesellschaften, Bildungsarmut und Gewalt in Kreuzberg reden wollten, forderte Ströbele die Einführung islamischer Feiertage. »Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin« steht auf Ströbeles Website, »einer der spannendsten Orte der Republik! Hier findet alljährlich die revolutionäre 1.-Mai-Demo statt, gibt es die besten Dönerläden der Welt und noch echte Punks.«

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Ströbele idealisiert Kreuzberg – Wolfgang Wieland lebt hier. Wie Ströbele ist Wieland ein Gründungsgrüner, wie Ströbele sitzt er für die Partei im Bundestag. Woche für Woche hocken die beiden derzeit nebeneinander in dem Untersuchungsausschuss, der sich über die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds beugt. Sie sprechen gemeinsam mit Journalisten, sie stehen nebeneinander vor den Kameras. Wenn man ihnen so zusieht, kommt man nicht auf die Idee, dass eigentlich grüne Welten zwischen ihnen liegen.

»Den Arschlöchern gebt ihr einen Pass?«, fragt Wielands Tochter. »Warum?«

Aber so ist es. Wieland und Ströbele, das sind in ein und derselben Partei zwei völlig verschiedene Politikertypen: ein Gesinnungsethiker und ein Verantwortungsethiker – zwei völlig konträr verlaufende Erzählungen darüber, was politische Opposition in Deutschland bedeutet. In Ströbele und Wieland lebt, vielleicht ein letztes Mal, der Konflikt auf, den die Grünen von Anfang an miteinander ausgefochten haben: der zwischen Fundamentalopposition und Machbarkeitsdenken. Was der Staat darf und was nicht; wessen Staat das überhaupt ist. Und schließlich geben Wieland und Ströbele völlig verschiedene Antworten auf die Frage, die Max Weber an jeden Politiker gestellt hat: »Was für ein Mensch muss man sein, um seine Hand in die Speichen des Rades der Geschichte legen zu dürfen?«

Kreuzberg, das gefühlte und das echte, ist ein guter Ort, die Unterschiede zwischen den beiden auszuloten. Ströbele, der Kreuzberger Direktkandidat, hat sich vor Jahrzehnten eine Wohnung am Holsteiner Ufer gekauft, einer schönen Uferstraße im Bezirk Moabit. Es ist nicht weit vom Bundesinnenministerium und nicht weit von dem Gefängnis, in dem er 1977 einmal für fünf Wochen in Einzelhaft saß, weil er im Verdacht stand, als Anwalt der RAF-Gefangenen für diese Kassiber geschmuggelt zu haben. Zum Bundestag braucht er auf dem Fahrrad 17 Minuten. Nach Kreuzberg, seinem Kreuzberg, ist es etwas weiter.

Wolfgang Wieland

Der 1948 in Berlin geborene Anwalt ist Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er war Berliner Justizsenator und profilierte sich während des Bankenskandals und zu Zeiten der Hausbesetzerbewegung. Er vertritt die Grünen im NSU-Ausschuss.

Wolfgang Wieland dagegen hat es mit Kreuzberg aufgenommen, auch ganz persönlich. Vor drei Jahrzehnten hat er mit ein paar Freunden ein altes Fabrikgebäude am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer umgebaut, zu einem Hinterhof-Arkadien mit kleinem Teich und Efeu an den Wänden. Zusammen mit seiner Frau, einer Berliner Arbeitsrichterin, hat er hier zwei Töchter großgezogen, die inzwischen erwachsen sind. Als sie klein waren und einmal einen Nachmittag allein vor dem Fernseher spielten, waren Einbrecher durchs Fenster eingestiegen; in panischer Angst schrien die Mädchen Nachbarn zur Hilfe. Seither ist noch zwei Mal nachts eingebrochen worden, als alle schliefen – Drogenkriminalität halt, vom Kottbusser Tor. Manchmal fliegt ein Stein durchs Fenster, manchmal sind die Geräusche nur von Ratten und Mäusen. »Jetzt«, sagt Wieland bitter, »werden wir, nach dreißig Jahren, erstmals Gitter an den Fenstern anbringen.«

In seinem kurzen Herbst als Justizsenator des rot-grünen Senats 2001 bis 2002 stand Wieland einmal mit ein paar Freunden beim Grillen, als sie eine riesige Rauchwolke aufsteigen sahen. Jemand hatte sein Auto anzünden wollen – in einem Bekennerschreiben hieß es, wegen der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen die G8 in Genua – und den Wagen eines Nachbarn getroffen. Die Berliner Autonomenszene hat einfach nicht akzeptieren wollen, dass man links sein und Justizsenator werden kann.

Leserkommentare
  1. sieht er die bunte Vielfalt verschiedener Lebensentwürfe."

    Das ist mal wieder ein toller Satz.

    Haben seine Grünen, unter Schröder, deshalb für die Hartz-Gesetze gestimmt? Wieviel bunter sind nun die Lebensentwürfe geworden! Man arbeitet nicht mehr 40 Jahre lang und bekommt etwas Dank dafür, strebt nach Familie, eigener Wohnung und einem gesicherten Lebensabend.
    Nein, man wird auf dem Arbeitsmarkt zum Verlierer - ohne Chance gegen Arbeitgeber und Arbeitsagenturen als Disziplinierungsgemeinschaft, man lnadet mal bei der Leiharbeit, mal bei den Arbeitsagenturen, man lernt viele Menschen kennen, man veriert nach 35 Jahren sein bisschen Vermögen (20000 € sind ein Vermögen) und muß nun versuchen mit 7,50 E/Std. zu überleben.
    Man muß zusehen, wie andere die Früchte einer Lebensarbeit ernten.

    Das ist vielleicht bunt heute. Manchem wird es langsam zu bunt.

    Eine Leserempfehlung
  2. Und ein wunderbares Beispiel dafür, wie man einander trotz grundsätzlich unterschiedliche Lebenshaltungen, die aus unterschiedlichen Lebenserfahrungen erwachsen sind, respektieren kann.

    Der Komplexität unserer Welt wird man nur mit der Vielfalt der unterschiedlichen Sichtweisen gerecht; darum sind solche Unterschiede kein Problem, sondern eine Bereicherung.

    • TDU
    • 15. Dezember 2012 10:16 Uhr

    "Wolfgang Wieland dagegen hat es mit Kreuzberg aufgenommen, auch ganz persönlich. Vor drei Jahrzehnten hat er mit ein paar Freunden ein altes Fabrikgebäude am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer umgebaut, zu einem Hinterhof-Arkadien mit kleinem Teich und Efeu an den Wänden. Zusammen mit seiner Frau, einer Berliner Arbeitsrichterin, hat er hier zwei Töchter großgezogen, die inzwischen erwachsen sind."

    Mein Respekt gilt beiden. Dafür, dass Wielands Konsequenz nicht bis in die Spitze der Politik führt, können beide nichts.

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    Die ZEIT schreibt:
    S."hat sich vor Jahrzehnten eine Wohnung am Holsteiner Ufer gekauft, einer schönen Uferstraße im Bezirk Moabit."
    Da ich in fußläufiger Nähe arbeite, weiß ich seit "Jahrzehnten", dass diese schöne Berliner Altbauwohnung aus den Gründerjahren als Anwaltskanzlei (!) des Rechtsanwalts Ströbele dient.

    Verortet wird S.vermutlich von den meisten seiner Wähler in seinem "Wahlkreis Berlin-Friedrichshain - Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost"

    "...Sollte Christian Ströbele noch einmal antreten, dann würde er sicher zum vierten Mal das Direktmandat in seinem Bezirk für den Bundestag gewinnen, auch wenn der „König von Kreuzberg“ noch nie dort gewohnt hat. Er lebt seit Jahrzehnten (!) in einer Seitenstraße am Ende des Ku’damms, an der Grenze zum feinen bürgerlichen Stadtteil Grunewald..." berichtet etwas genauer Max Thomas Mehr im Cicero.
    http://www.cicero.de/berl...
    Was außerdem über Ströbeles private noble "Wohnorte" zu erfahren ist, lässt sich bei Interesse ergooglen.

    Um das klarzustellen
    Ich gönne dem Mann seine Immobilienerwerbe! Was soll so einer sonst mit dem in langer Lebensleistung verdienten Geld auch vernünftigerweise Besseres machen.

    Nur die mediale "Als-einer-von uns-Mythologiesierungsmasche" einzusetzen, um die zumeist ahnungslosen,vielfach prekären Wahlkreisbürger zu bezirzen, finde ich bei Leuten, deren Markenzeichen ausgerechnet für "gnadenlose Transparenz" steht, irgendwie schizophren ...

  3. ein wahrhaft weiser Weitblicker, warum gibt es nicht mehr Politiker mit so einer Grundhaltung?

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    Der RAF-Anwalt Ströbele vertritt Ansichten, die alles andere als das sind. Er hat vor ein paar Jahren versucht, mittels einer Bürgerinitiative die Eröffnung eines McDonald`s-Restaurant in Kreuzberg zu verhindern (weil McDonald`s=amerikanisch).
    Außerdem:
    "Dass Israel von Saddam Husseins Irak mit Scud-Raketen beschossen wurde, war für Ströbele „die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“.[10]" Wikipedia

    Zu seinem Parteifreund Christian Vogt-Moykopf soll Ströbele nach Vogt-Moykopf`s Aussage gesagt haben "Wenn ich eine Eskalation des Krieges damit verhindern könnte, dass eine Million Juden sterben müssten, würde ich das in Kauf nehmen". Wogegen Ströbele allerdings erfolgreich geklagt hat.

    Ströbele habe sich während der Fußballweltmeisterschaft 2006 „doch etwas unwohl gefühlt“, als „überall und in Massen, an Autos, in Gärten und an Balkonen“ die Deutschlandflagge zu sehen war und ihn eine übermäßige Beflaggung ein wenig „an nationale Überbetonung, an nationalistische Tendenzen“ erinnere.

    Ströbele hat übrigens RAF-Terroristen als "liebe Genossen" bezeichnet. Ob er das auch zu den NSU-Terroristen sagen würde?

    Ich könnte die Liste noch wesentlich länger machen, aber dazu habe ich momentan keine Lust.

  4. Das Haus, in dem Wolfgang Wieland wohnt, ist weder ein Fabrikgebäude noch hat es Efeu an den Wänden (sondern wilden Wein in den beiden Hinterhöfen, das Vorderhaus ist ein unspektakulärer Wiederaufbau aus den 50ern) noch gibt es einen Teich. Der Brandanschlag auf Wielands Auto fand im vergangenen Sommer statt, nicht 2002.

    Der 'Berliner Problemkiez Kottbusser Tor' ist bei allem unübersehbaren menschlichen Elend der Alkohol- und Drogensüchtigen so nachgefragt, daß es kaum noch bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum gibt. Es gibt hier noch einzwei Realitäten mehr als sich aufrappelnde sehr Betrunkene mit offenen Stirnwunden, die Ströbele die Ehre erweisen. Daß den wirklich jeder kennt, liegt daran, daß er seit Jahrzehnten Präsenz zeigt, die Realitäten abseits des vielbemühten 'Ghettos' sieht und schätzt und für jeden Bürger immer ansprechbar ist - es hat gute Gründe, daß er ein Direktmandat hat.

    Leider ist der ganze Rest des Artikels ähnlich wenig wahrheitshaltig. Der konstruierte Gegensatz zwischen Ströbele und Wieland ist nicht so groß, wie der Artikel glauben machen möchte und läßt sich nicht an Demo-Vorlieben und 'Gesinnungs-' vs 'Verantwortungsethik' festmachen. Bei beiden ist absehbar, daß sie sich aus der Politik zurückziehen und beide werden in der politischen Landschaft sehr fehlen. Danach kommt tatsächlich nur noch eine grün lackierte profillose Mitte-Partei.

    Teil auf Wunsch gekürzt. Die Redaktion/se

    Eine Leserempfehlung
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    Zitat: Danach kommt tatsächlich nur noch eine grün lackierte profillose Mitte-Partei.

    Der Satz gefiel mir so gut, dass ich ihn hier noch einmal herausheben möchte.

    • Medley
    • 15. Dezember 2012 13:06 Uhr

    "Das ist einer der handwerklich schlechtesten Artikel, die ich in diesem Jahr in Die Zeit gelesen habe.."

    Genau das Gegenteil, genau das Gegeneil ist der Fall. Er ist einer der besten, grade eben auch wegen seiner Differenzierheit und dem wohltuenden, gänzlichen Fehlen des sonst bei der ZEIT üblichen, nervig moralisch erhobenen Zeigefingers. Insofern mal wirklich echter Qualitätsjournalismus.

    • Bregens
    • 15. Dezember 2012 13:21 Uhr

    .
    Das ist hier ist "Meinung"

    Wer das überprüfen möchte:

    http://www.zeit.de/politi...

    Redaktion

    Hallo dame.von.welt,

    hier die Antwort von Mariam Lau, die ich für sie hier veröffentliche:

    "Die Informationen zu Wielands Haus, in dem ich gewesen bin, stammen von Wieland (ehemaliges Fabrikgebäude). Dass ich den Wein für Efeu gehalten habe, scheint mir das einzige, was dann noch bleibt. Den Teich habe ich mit eigenen Augen gesehen. Das Datum des Brandanschlags hat mir Wieland genannt.

    Was Kreuzberg betrifft: tja, da scheiden sich halt die Geister. Ich finde schon, dass es erhebliche Probleme hat, um die sich Ströbele nicht kümmert, weil sie nicht recht in sein Weltbild passen. Interessant, dass der Teil mit den aggressiven Jungens nicht im Leserbrief vorkommt. Das ist eben der Unterschied, den ich meine."

    Redaktion

    Wolfgang Wieland hat uns inzwischen per Mail eine Antwort zugeschickt, die ich hiermit weitergebe:

    "Ich wohne in einem früheren Fabrikgebäude. Dass es ein später errichtetes Vorderhaus ohne bauliche Verbindung zu dem Fabrikgebäude gibt, ändert daran nichts. Im Hinterhof ist sowohl Efeu, als auch wilder Wein gepflanzt. Ein Teich ist vorhanden. Der Brandanschlag, der meinem Auto laut Bekennerschreiben galt, fand im Sommer 2001 statt, unmittelbar nach dem G8-Gipfel in Genua."

    Da ich keine 3. Email mehr schreiben werde, in der ich nochmal um Löschung meines unangemessenen Satzes über 'einen der handwerklich schlechtesten Artikel des Jahres' und Mariam Lau um Verzeihung dafür bitte, da meine Darstellung des Hauses am Paul-Lincke-Ufer als 'Veröffentlichung von Details über Dritte' wohl erneut gelöscht würde: es ist einer der handwerklich besten Artikel, die ich in diesem Jahr bei ZO gelesen habe. Mariam Lau hat recht und ich unrecht.

    Am Kottbusser Tor, 'wo es oft elendig und brutal zugeht', liegen ganze Teppiche aus Betrunkenen mit offenen Stirnwunden (rot) aus, damit Ströbele die ihm angemessenen 'Huldigungen' für dieses 'sein Lebenswerk' zuteil werden. Türkische und arabische Jungs sind 'Arschlöcher'. Gegen die 'Innere (Un-)Sicherheit Kreuzbergs' müssen Fenster auch weitab der Straße vergittert werden, weil die gespaltenen Grünen Sicherheits- und Innenpolitik 'lange Zeit rechts liegen' ließen, außer Wieland ('bitter'). Das 'Gewaltmonopol des Staates' ist für Ströbele 'permanente Bedrohung', für Wieland 'Triumph des Rechtsstaates', in dem Isolationshäftlinge niemals 'Genossen' sind. Ströbele könnte sich auch im Gegensatz zu Wieland 'nie von sich aus' mit Staatsanwälten in Nazi-Prozessen identifizieren, s.a. NSU-Untersuchungsausschuß. 'Der eine entspannt sich mit seinen Enkeln, der andere mit Gorillas', ein Teich ist ein Teich und vorhanden, wilder Wein ist sowohl als auch Efeu gepflanzt und bei Schwänen ist 'Imponiergehabe!' zum Lachen.

    Wir sind soeben Ihrem Wunsch nachgegangen. Die Redaktion/se

    • big1953
    • 15. Dezember 2012 11:27 Uhr

    Politiker, die wie Sröbele etwas als gelungen preisen, hier einen Lebensraum, aber selbst nicht da leben, sind eben nicht so glaubwürdig wie Wieland.

  5. Ströbele ist ein Salonlinker, der aus seinem sicheren Stand heraus, selbst unbelehrbar, die Welt belehrt. Mein Respekt gilt da eher Wieland, der es leben will, und auch die Konsequenzen trägt. Das ist integer! Was Ströbele macht war schon immer ein Leben im Seichten, getragen von einer Feuilleton-Welle der Sympathie, Abseits jeglicher Übernahme von Verantwortung für die Folgen seiner Forderungen.

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    • Medley
    • 15. Dezember 2012 13:46 Uhr

    Naja, das Etikett "Salonlinger" will bei Christian Ströbele meines Erachtens jetzt nicht unbedingt sooo gut passen. Eher sind es Persönlichkeiten wie Wolfgang (Ayatollah)Thierse, dem dieser Schuh gut passen würde. Leute also, die wie er im hypergutbürgerlichen Prenzlauer Berg leben, die sich aber trotzdem irgendwie "weird" vorkommen. Lebensentwürfler, die quasi als Mitglied des Etablisements gleichzeitig der antagonistische Gegenentwurf dazu sein wollen. Jung und alt, links und rechts und spießig und rebellisch-aufrüherisch zugleich. Thierse hat nachweislich zugegeben, dass er in der Politk keine Position mit Verantwortung übernehmen will, da er sich in den Widernissen der realen Welt mit all seinen Grauabstufungen nicht "die Finger schmutzig machen will". Lieber möchte er die Welt weiterhin schwarz-weiß zeichnen können, um sich nicht seiner reinen Unschuld zu berauben und wider seinen hochgehaltenen Idealen handeln zu müssen. Stöbele "lebt" zumindst ansatzweise seine Ideale, indem er auch Konfrontationen nicht aus dem Weg geht,....nunja, als "Grüner" Fahrrad statt Auto fährt und mit seinem Wohnort am Hollsteinschen Ufer(Moabit) ja nun nicht unbedingt in einer pikfeinen Nobelgegend residiert.

    Stroebele ist eine solche Nervensaege, dass er mir schon wieder sympathisch ist. Ich wuerde ihn schon vermissen, wenn er aufhoert. Und dass er in Sachen Hartz IV und Afghanistan zumindest zu grossen Teilen Recht behalten hat (auch wenn Fundamentalopposition fern von Verantwortung natuerlich immer gut reden hat), sollte man anerkennen. Als Bereicherung der politischen Landschaft schaetze ich ihn jedenfalls.

    • Sirisee
    • 15. Dezember 2012 11:55 Uhr

    ja, warum? Weil man dachte, die Typen würden dann friedlicher/besser/integrierter, wenn man einen Pass nachschmeisst. Zauberwirkung des Papiers und daran geknüpfter großzügiger Sozialleistungen...

    Ansonsten zeigt der Artikel, dass Herr Ströbele, hätte er das Pech gehabt, in der DDR zu leben, überall nur Errungenschaften des Sozialismus gesehen hätte. Er hätte sich jeden Tag an der blühenden FKK-Kultur gefreut und die Tiere des Ernst-Thälmann-Zoos als die schönsten Tiere der Welt bewundert. Er wäre insgesamt zufrieden gewesen. Man sei auf einem guten Weg und besser als der unbarmherzige Kapitalismus wäre das allemal.

    Herr Wieland hingegen hätte zu engen Freuden verschwiegen auf der Datsche kritisch geäußert, dass das Schaf im Ernst-Thälmann-Zoo leider nur drei Beine hat, auch wenn es trotzdem hübsch ist, aber das sei halt der Preis für den Sozialismus, den man akzeptieren müsse.

    Warum finanzieren wir jemanden wie Ströbele seit Jahrzehnten? Einen Besitzstandswahrer und Verslummungsverteidiger?

    Tja, wenn man das erklären könnte...

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    • dacapo
    • 15. Dezember 2012 14:06 Uhr

    Eigentlich eine dumme Frage. Sollen Abgeordnete kein Geld für Ihre Tätigkeit bekommen? Wenn Sie den Herrn Ströbele nicht leiden mögen, sollte man ihm die Diäten ersatzlos streichen, oder wie war die dumme Frage gedacht? Da kommt ja die Gegenfrage abrupt und auch überflüssig: Warum sind Sie kein Abgeordneter? Bei Ihnen wäre ja offensichtlich das Geld gerechtfertigt, oder - nochmal - was sollte die Frage?

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