Anleger-Produktinformationen : Das Lexikon der Bandwurmsätze
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Begeistert war die Branche von Anfang an nicht von diesem Gesetz

Nun könnte man Finanzunternehmen unterstellen, sie wollten gar nicht, dass der Kunde genau wisse, was sich in den Papieren verberge, auch weil die Produkte so leichter vergleichbar würden. Womöglich wollten Anleger das ein oder andere komplizierte Finanzkonstrukt dann nicht mehr kaufen, etwa überteuerte Produkte. Vielleicht hätte man mit diesem Vorwurf gar nicht so unrecht. Schließlich kam das Gesetz nur zustande, weil die Institute es trotz freiwilliger Selbstverpflichtung nicht fertigbrachten, einfache Erklärzettel selbst auf den Markt zu bringen, von den Vorreitern ING-Diba und der Deutschen Bank mal abgesehen.

Nach dreijähriger Wartezeit war der Verbraucherministerin Aigner der Geduldsfaden gerissen. Begeistert war die Branche von Anfang an nicht von diesem Gesetz; sie warnte vor einem bürokratischen Monster, das sie zwinge, jedes einzelne Produkt auf ein bis drei Seiten zu erklären. Bisher füllten sie mit solchen Angaben telefonbuchdicke Wertpapierprospekte. Auch darin erklärten sie – und tun es noch heute – die Risiken und Nebenwirkungen von Produkten, jedoch so wortreich und juristisch verklausuliert, dass sie in einem Punkt sicher sein konnten: Gelesen haben die allermeisten Anleger solche Prospekte nie. Verstanden erst recht nicht.

Dafür war die Finanzbranche auf der sicheren Seite, denn über viele Seiten konnte sie Hinweise platzieren und Haftungsausschlüsse formulieren. Das versucht sie nun in Kurzform auch in den PiB, deshalb sind viele Produktblätter so unverständlich: Sie werden in juristischen Fachabteilungen von denselben Mitarbeitern formuliert, die sonst Geschäftsbedingungen und Prospektklauseln texten. »Dahinter steht die große Angst, dass in fünf Jahren ein Kunde eine Bank verklagt und sagt: Aber so steht es doch im Produktblatt«, erklärt Haseloff. »Bei den bestehenden Klauseln herrscht Rechtssicherheit, die sind bereits durchgefochten.«

Viele Banken tricksen

Bei manchen Anbietern geht die Angst so weit, »dass die PiB nur noch eine Aneinanderreihung von Verweisen auf vertragliche Bedingungen ohne eigenen Informationsgehalt darstellen«, kritisiert Achim Tiffe, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff), das ebenfalls eine Studie zu den Erklärblättern erstellt hat. Auf einer DIN-A4-Seite hat Tiffe allein sieben Verweise auf externe Klauseln gefunden. Ein vierseitiger Beipackzettel brachte es sogar auf 15 Verweise. Diese Praxis geht auch der Finanzaufsicht Bafin zu weit. Sie forderte die Kreditinstitute auf, deutlich die Risiken und Kosten der Produkte aufzuschlüsseln – und nicht pauschal darauf zu verweisen, dass der Kunde die bitte selbst im Preisverzeichnis der Bank nachsehen müsse.

Viele Banken tricksen, wie eine Erhebung des Beratungsunternehmens Evers & Jung im Auftrag des Ministeriums zeigte: Auf 60 Prozent der Produktblätter fand sich der Hinweis: »alle Angaben ohne Gewähr«. Die Anbieter behaupten also, sie trügen für die Gültigkeit und Richtigkeit ihrer Angaben zu ihren eigenen Produkten keine Verantwortung. Insgesamt kommt es so zur erstaunlichen Quote, dass 70 Prozent aller PiB zwar formal korrekt sind, aber inhaltlich falsche oder unzulässige Angaben enthalten. Von einer besseren Aufklärung der Verbraucher kann da nicht mehr die Rede sein. Hinzu komme, dass viele Berater seit Einführung des PiBs kaum noch simple Produkte wie Aktien verkaufen, kritisiert das Deutsche Aktieninstitut (DAI). Denn nicht jede Bank halte zu jeder deutschen und ausländischen Aktie einen eigenen Beipackzettel vor. »Der Wahnsinn mit den Produktinformationsblättern muss endlich aufhören«, mahnt DAI-Geschäftsführerin Christine Bortenlänger.

Bei der Pharmaindustrie hat es Jahre gedauert, bis die Beipackzettel lesbar waren; und sie sind es nur geworden, weil das zuständige Ministerium Textbausteine vorgibt. Vielleicht müssten vor allem die Vorgaben von Ilse Aigner klarer werden. Dann könnte doch noch alles ganz einfach werden.

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Wie es besser werden kann:

Würden die Bankberater (Sie wissen schon, welche Leute ich meine, auch wenn dieser Begriff oftmals nicht die Realität beschreibt) von jedem Kunden hören: "Dieses Produkt ist nichts für mich, denn bin einfach zu dumm, um das PiB zu verstehen." und wäre damit jede Diskussion beendet, so würde sich etwas ändern. Vor allem, dass man die Produkte nicht mehr anbieten würde, denn im Endeffekt verschleiern unleserlich PiBs nur, dass das entsprechende Produkt tatsächlich nur dazu dient, den Kunden über den Tisch zu ziehen.

simple Produkte

Ich kaufe nur solche simplen Produkte wie Aktien, und informiere mich selber.

Der Rest funktioniert eh nach dem Casino Prinzip: Die Bank gewinnt immer.

Man muß sich nur die Werbung in Finanz-Zeitschriften anschauen. Die Banken verkaufen da Optionsscheine auf steigende und fallende Kurse gleichzeitig. Weil Kurse immer schwanken können die Banken sie dann wieder günstig zurückkaufen.

In den ausführlichen Emisionsbedingungen sichern sich die Banken gegen alle Eventualitäten ab, so daß man als Anleger fast immer Verluste einfährt.

Wer es nicht versteht, soll es nicht kaufen.

Ist doch wirklich ganz einfach.

Wenn ich das PiB und somit auch das Produkt nicht verstehe, dann kaufe ich einfach nicht.
Keiner muss kaufen. Das ist der große Unterschied zum Arzneimittel.
Wenn die Bank ihre Produkte nicht erklären kann/will, dann geht man zur anderen Bank und zur nächsten...

Wer aber sein gesamtes Vermögen - meistens aus reiner Gier - in Produkte steckt, die er/sie nicht versteht, ist leider selber schuld.

Frage an die Autorin

wo gibt es denn bitte Produktinformationsblättern bei Aktien, die Rechenschaftsberichte inklusive Jahresabschlüsse mal ausgenommen und wenn man die nicht lesen kann/will, sollte man von Aktien die Finger lassen.

Auch bei Fonds gilt, wie bei jeder Geldanlage, wenn ich etwas nicht verstehe kaufe ich es nicht.

Das Einzige was die Banken ihren Kunden sagen muss ist - Hohe Rendite hohes Risiko.