Arbeitswelt : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Thomas Paine sagt: Haltung lässt sich leichter bewahren als wiedergewinnen.

Wie ein Hund rennt, wenn sein Herrchen pfeift, so stürmen viele Mitarbeiter los, wenn der Chef etwas von ihnen will. Rund um die Uhr sind sie erreichbar, Mail oder Anruf genügt. Einen Wimpernschlag später stehen sie beim Chef auf der Matte, rufen oder mailen sie zurück. Sie wollen zeigen, wie eifrig sie sind. Stets zu Diensten, Chef!

Eine Kleinigkeit übersehen sie dabei: Wie halten es die Wichtigen der Arbeitswelt, die Chefs, die Minister, die Manager, mit ihrer Erreichbarkeit? Springen sie, sobald man sie ruft? Haben sie Zeit, sobald man sie sprechen will? Nein, ihre Terminkalender sind so voll, dass keine Mücke darin landen könnte, ohne sich in frische Tinte zu setzen. Dass man warten muss, vertröstet wird, nicht sofort zum Zug kommt, ist ganz normal. Wer bedeutend und viel beschäftigt ist, lässt sich lange bitten.

Welcher Eindruck entsteht, wenn ein Mitarbeiter immer sofort Zeit für seinen Chef hat? Wenn man ihn immer sofort erreicht, ihn offenbar niemals stört? Der Eindruck kann sein: »Offenbar hat er nicht viel zu tun. Zumindest nichts Wichtiges!« Wartet er den ganzen Tag darauf, dass sein Chef etwas von ihm will?

Auch mal nicht erreichbar sein

Die umgekehrte Variante ist günstiger: Was, wenn Ihr Chef Sie ruft, Sie aber gerade in einem wichtigen Kundengespräch sind, ein entscheidendes Strategiepapier abschließen müssen oder noch zwei Stunden brauchen, um die Eckdaten des neuen Großauftrages festzuzurren? 

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Mag sein, Ihr Chef ist zunächst sauer, dass Sie nicht sofort springen. Aber heimlich wird er denken: »Offenbar ist der Mitarbeiter ausgelastet und hat wichtige Projekte am Wickel!« Dass bedeutende Arbeiten einer sofortigen Erreichbarkeit entgegenstehen, dieses Muster kennt er von sich selbst und von anderen Chefs.

Ihr Verhalten wirkt auch erzieherisch: Der Chef wird Sie nicht mehr jederzeit wegen jeder Kleinigkeit stören. Denn Sie haben Prioritäten gesetzt und – frei nach US-Gründungsvater Thomas Paine – Haltung bewahrt, statt sie erst wiedergewinnen zu müssen. Heißt das, Sie sollten Ihrem Chef Geschäftigkeit vorspielen, wo keine ist? Nein. Aber nehmen Sie sich das Recht heraus, dass Sie, wenn Sie gerade etwas Wichtiges tun, es ihm auch deutlich sagen. Oder sagen lassen – weil Sie gerade unabkömmlich sind.

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Kommentare

8 Kommentare Kommentieren

Scheint nötig zu sein

Ganz offensichtlich scheint der Tip doch nötig zu sein. Denn von "ins Leere laufen lassen" war nicht die Rede. Vielleicht lesen Sie sich den Tip noch einmal genauer durch und überlegen dann, ob es noch andere Zustände in der Angelegenheit gibt, die man einnehmen kann, außer:
"1" - für den Chef springen und alles fallen lassen, egal wann und wo und was man gerade macht..... und
"0" - Chef ignorieren und auf- bzw. "ins Leere laufen lassen"