Kleine Arbeitsplätze, große Probleme: Eigentlich sollten die sogenannten Minijobs bloß Nischen füllen. Doch inzwischen sind sie ein Massenphänomen. Mehr als 7,4 Millionen dieser Beschäftigungsverhältnisse gibt es heute. In einigen Branchen verdrängen sie in großem Stil reguläre Arbeit. Das hat eine wissenschaftliche Studie gerade eindrucksvoll belegt. So arbeiten in Kneipen und Restaurants schon mehr als ein Drittel aller Beschäftigten als Minijobber, in Supermärkten und anderen Geschäften fast ein Viertel.

Das ist ein Skandal. Denn typischerweise erhalten Minijobber extrem niedrige Stundenlöhne, oft werden sie behandelt, als ob Tarifverträge oder gesetzliche Regeln, etwa zum Kündigungsschutz, für sie nicht gelten. Ansprüche aus der Sozialversicherung erwerben sie auch kaum. Dafür wird diese Art von prekärer Beschäftigung noch steuerlich begünstigt. Der Arbeitgeber zahlt pauschal nur 2 Prozent Lohnsteuer. Für die Sozialabgaben sind im Privathaushalt 12 und in Betrieben 29 Prozent fällig. Regulär wären es immer 40 Prozent.

Eigentlich müsste diese staatlich organisierte Flucht vor Steuern und Abgaben eingeschränkt werden. Doch die schwarz-gelbe Koalition hat gerade die Verdienstgrenze angehoben. Ein Irrsinn. Die nächste Regierung muss das rückgängig machen.