Audi Q3 2.0 TDI quattro : Von A nach B

Christine Brinck und Josef Joffe fahren mit dem Audi Q3 2.0 TDI quattro von München nach Italien.
Audi Q3 © Hersteller

Diesseits der Sahara bietet die E45 zwischen Cesena an der oberen rechten Seite des italienischen Stiefels und der Stadt Orte im Latium die beste Teststrecke für ein SUV. Diese Autobahn ist gebührenfrei und damit ein Waisenkind des Staates: eng und holprig, kurven- und hindernisreich. Der Q3 nimmt nicht alle Querrillen so elegant wie ein italienischer Tenor die Tremolos, das GPS stottert bei den Umleitungen über die Eselskarrenwege durch die Berge. Aber die perfekten Sitze fangen alles wieder auf, genauso wie die muskulösen Bremsen, wenn der Vordermann ohne Blinken die Spur wechselt.

Die 850 Kilometer von München bis Umbrien schafft man im Q3 2.0 TDI in einer komfortablen Etappe; hätte man das Gaspedal zarter bedient, sogar ohne Nachtanken. Die Innengeräusche sind gering, das Fahrverhalten bietet die richtige Balance zwischen flink und sicher; die Beschleunigung reicht für die allfälligen Fährnisse der Autostrada. Kurven meistert der Q3 wie von Geisterhand gezogen. Auf Feldwegen hält er sich auch gut; die Hänge des Apennin haben wir nicht ausprobiert, dafür reicht die Bodenfreiheit von 17 Zentimetern nicht. Aber wer kauft sich schon ein Zivil- SUV wie den Q3, um damit im Panzergelände zu fahren? Auch keinen Vierrad-Benz oder -BMW; die sind allenfalls für den Städtekampf ausgelegt.

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Welcher in diesem Premium-Trio ist der coolste? Mit seiner Zurückhaltung, dem Verzicht auf Techno-Barock und bulligen Auftritt, kriegt der Q3 ein paar Punkte mehr. Okay, ein bisschen Schnickschnack hat auch er, zum Beispiel die Leuchtdioden, die den Becherhalter zieren. Aber bedenkt man, dass Audis einst als Spießer-Mobile galten, signalisiert der gedämpfte Minimalismus: less is more; »Hoppla, hier komm ich« ist keine Tugend. Untertreibung nützt auch der Umwelt . Nimmt man den Fuß vom Gaspedal, schaltet das S-Tronic-Getriebe auf Frei- und Leerlauf; der Wagen rollt bei Minimalverbrauch dahin, ohne vom Motor abgebremst zu werden – bis zur nächsten Steigung.

Nachbessern dürfen die Ingenieure im Kofferraum: Der Boden liegt zu tief unter der Ladekante, die Rückbank hinterlässt beim Umklappen einen Höcker auf der Fläche. Ansonsten ist der Q3 ein feiner Reisewagen für Vater-Mutter-Kind-Kind. Papi könnte am Volant sogar Becher und Burger in beiden Händen halten; der Spurassistent macht’s möglich – aber nur auf der gepflegten (und teuren) A1. Auf der rumpeligen E45 trinkt die Hose mit.

Technische Daten:

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 130 kW (177 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h
Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
CO 2 -Emission: 156 g/km
Basispreis: 37.150 Euro

Christine Brinck ist ZEIT-Autorin, Josef Joffe ist Herausgeber der ZEIT

Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Richtigstellung

Ich hatte mich kritisch zum Motorjournalismus geäußert. Damit war vordergründig - und das hatte ich ja wohl betont - zunächst nicht der Fahrtbericht von Herrn Joffe mit dem Audi Q3 gemeint. Sie baten mich meine Angaben zu belegen: 5000 Pressefahrzeuge sind bei 45 Fabrikaten ca. 100 pro Fabrikat. Kein Problem bei 15 Haupttypen pro Fabrikat.
dann googeln Sie mal selbst unter Peter. J. Glodschey, dem Begründer von Autobild. Dort werden Sie fündig, weshalb er von Ihren Kollegen als Nestbeschmutzer dargestellt wird. Aktuell empfehle ich einen Blick in die neue AutoBild an Seite 52ff. Wer hat wohl diesen Abenteuer-Urlaub bezahlt?
Sie können auch unter http://meedia.de/print/th...... schauen. Da werden Sie alles bestätigt bekommen, was ich geschrieben und Sie zensiert haben. Wenn die ZEIT diese Art von Journalismus nicht pflegt ist es gut. Gründlichkeit geht vor Sensation. Ich bin hier mit einem Mausklick mit Klarnamen und Wohnort zu finden. Glauben Sie, ich gebe nach 40 Jahren Führungsposition in der Automobolwirtschaft meinen Namen her, um Unsinn zu verzapfen? Sollten Sie ein(e) junge Redakteur(in) sein - ich wollte Ihnen den Idealismus nicht nehmen auch wenn ich aus den mir bekannten Realitäten berichtet habe. Die Wirklichkeit ist eher schlimmer! leider!