City Guide VenedigEin schmaler Grat

Schöner weißer Kalkstein, schaurig-schöne Geschichte: Die Seufzerbrücke zwingt alle in die Knie. von 

Il Ponte dei Sospiri zwischen Dogenpalast und ehemaligem Gefängnis

Il Ponte dei Sospiri zwischen Dogenpalast und ehemaligem Gefängnis  |  © Willem Thomson für DIE ZEIT

Unzählig viele Brücken gibt es in Venedig, die ganze Stadt wird ja von Brücken zusammengehalten. Die meisten Brücken werden gar nicht beachtet. Man überquert sie, und fertig, dann kommt auch schon die nächste. Über diese hier aber läuft man nicht zufällig, sondern muss im Dogenpalast dafür Eintritt zahlen. Diese Brücke ist etwas Besonderes. Die geheimnisvollste, aufregendste, legendärste Brücke der ganzen Stadt. Am besten sieht man sie, wenn man auf einer unscheinbaren Nachbarbrücke steht – dem Ponte di Paglia. Da hat man dann, meistens zusammen mit vielen anderen, die Seufzerbrücke fest im Blick.

Und seufzt. Ganz automatisch. Wetten?

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Bei der Seufzerbrücke, italienisch Ponte dei Sospiri, ist der Name schon lautmalerisch. Dann ist die Brücke, um 1600 aus schneeweißem Kalkstein gebaut, auch noch zum Seufzen schön mit ihren eleganten barocken Verzierungen und ihrer leichten Schwingung. Und ihre Geschichte erst! Die Seufzerbrücke verbindet den Dogenpalast, wo sich auch das Gericht befand, mit dem Gefängnis. Der Legende nach sollen die Gefangenen von ihr aus einen letzten, schon ab der Mitte vergitterten Blick in die Freiheit getan haben – seufzend. Klingt romantisch und wurde auch in der Romantik erfunden. Nicht von den Häftlingen, natürlich, die waren schließlich harte Jungs. Bis auf eine, anbetungswürdige Ausnahme.

City Guide Venedig

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Zeitgenössische Kunst: Venedig ist ein Museum unter freiem Himmel

Donna Leon über die Bar Rosa Salva

Stammgericht: Frittierte Weichschalenkrebse

Schaurig-schön: Die Seufzerbrücke

 DJ Cristiano Spiller über Partys und Karneval

Schlafen wie in der Belle Époque: Das Hotel Giorgione

Tipps aus der Redaktion: Von der Commedia dell’ Arte bis zur Olivetti-Schreibmaschine

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Als Giacomo Casanova die Seufzerbrücke betrat, war »Abenteurer« zumindest in Venedig noch ein weithin anerkannter Beruf. Doch Casanova hatte es übertrieben, wegen »Schmähung der heiligen Religion« wurde er über die Seufzerbrücke in das berüchtigte Bleikammern-Gefängnis gebracht. Casanova gelang die Flucht, als Einzigem. Er beeindruckte damit eine Menge Frauen.


Legende: Rot = Essen, Grün = Ausgehen, Blau = Erleben, Gelb = Schlafen
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Über 20 Jahre vergingen, bis Casanova 1774 Venedig und die Seufzerbrücke wiedersah. Er kam vom Meer, wie die meisten Reisenden, und segelte in Richtung Markusplatz. Und wer so aus der weiten Welt nach Venedig einfährt, der sieht die Seufzerbrücke schon aus der Ferne. Sie liegt da wie ein Symbol dafür, dass das Leben sich zwischen Freiheit und Gefangenschaft, Weite und Enge bewegt. Der Grat dazwischen ist manchmal schmaler als diese berühmteste Brücke der Stadt.

Zum Seufzen schmal.

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