In Cannaregio ist das Glück mit ausgestreckter Hand zu fassen. Auf dem Campo dei Mori, wo sich einst der Handelshof der Araber befand, stehen zum Zeichen drei levantinische Kaufleute in Stein gemeißelt in den Fassaden. Einem von ihnen ragt eine Bronzenase aus dem Gesicht. Und wer es schafft, die zu berühren, gilt der Legende nach als Glückspilz. Tintorettos Geburtshaus liegt übrigens ganz um die Ecke (Vaporetto: Madonna dell’Orto).

Franco Furlanetto stellt im Auftrag der Gondelbauer Ruderriemen und Riemengabeln her. Sein Einmannbetrieb liegt in einer stillen Gasse des San-Polo-Viertels. Er verarbeitet die unterschiedlichsten Holzsorten: Ramin für die Riemenstange, Buchenholz für die Fläche des Riemens und für das Herzstück der Gondel, die Riemengabel (forcola), Walnussholz. Touristen, die den Weg hierherfinden, können ihm bei der Arbeit zusehen, aber auch wundervolle Miniaturen kaufen. Aus anfallenden Holzresten schnitzt Furlanetto kleine Riemengabeln und Gondelbuge mit blitzendem Bugeisen, dem sogenannten ferro, das im oberen Teil die Dogenkappe und im unteren Teil die Stadtteile mit sechs Zacken symbolisiert. (Remi e Forcole, San Polo 2768/B, Tel./Fax 0039-041/5209544, ffranco01@libero.it)

Eigentlich wollte Gabriele Gmeiner Bildhauerin werden. Doch dann machte sie in London eine Lehre bei John Lobb, dem Schuhmacher der Könige. Bei Hermès in Paris setzte sie ihre Ausbildung fort. Vor zehn Jahren fand sie eine kleine Werkstatt am stillen Campiello del Sol nahe der Rialto-Brücke, wo sie seither die Füße ihrer Kunden vermisst und rahmengenähte Schuhe nach Maß aus Hirsch- und Rindsleder fertigt, je nach Wunsch auch mit Pelzbesatz oder Silberschnallen. Jedes Paar Schuhe ist eine Skulptur. (Scarpe su Misura, San Polo 951, Tel. 0039-3388962189)

Mithilfe von Lederhobel und Hornhämmerchen lässt Carlo Setti das Personal der Commedia dell’Arte auferstehen. Er ist einer der letzten Mascheri, die noch Leder für haltbare Ledermasken verarbeiten. Ein Exemplar aus Pappmaché ist nicht schweißresistent und deshalb ein Wegwerfartikel. Settis langnasige Pestmasken, Harlekine und Colombinas leben zwanzig Jahre und länger. Bedauerlich nur für dieses Gewerbe, dass die Commedia dell’Arte im Theater der Gegenwart kaum noch eine Rolle spielt. Der Tourist aber, der nie genug vom Karneval bekommt und immer wieder im Februar nach Venedig reist, kann hier das zweite Gesicht für eine halbe Ewigkeit erwerben. (Carlo Setti, Ledermasken, Frezzeria, San Marco 1735, Tel. 0039-041/5285885)

Auf dem Campo San Stefano im San-Marco-Viertel sitzen zwei große Vergolder hinter der Werkbank. Mit Goldfarbe und Blattgold verzieren Gianni Cavalier und sein Sohn Alberto Bilderrahmen, holzgeschnitzte Spiegel, Masken und die lebensgroßen Statuen von venezianischen Mohren, die im 18. Jahrhundert in den Vestibülen der Palazzi wachten. Man findet die sogenannten Moretti noch heute in Hotels, wo sie am ausgestreckten Arm einen Strauß von Kugellampen halten. Der Tourist kann aber auch handlichere Goldstücke erwerben. (Laboratorio Artigiano, San Marco 2863/A, Tel./Fax 0039-041/5238621)

Wer glaubt, die Moderne habe einen weiten Bogen um Venedig gemacht, der sollte nicht zu schnell am Markusplatz vorbeihetzen. Denn dort, in einem Ladenlokal auf der nördlichen Seite, hat eine Denkmalpflege-Stiftung kürzlich den Olivetti-Showroom von Carlo Scarpa aus den fünfziger Jahren rekonstruiert: den Mosaikboden, die schnörkellosen Sichtbetonwände und die Teakholzgalerie im ersten Stock. Auf scheinbar schwebenden Regalen stehen nun wieder die olivgrünen Schreibapparate, um die einst so viel Gewese gemacht wurde wie heute um ein neues iPad. (Piazza San Marco, San Marco 101)

Ohne Abendkleid in die Oper? In Venedig ein Ding der Unmöglichkeit. Zum Glück gibt es die Scuola Grande San Teodoro am Campo San Salvador, in der es vergleichsweise lässig zugeht. Einst Clubhaus von Kaufleuten und Honoratioren, dann Kornkammer, schließlich Armenhaus, Archiv und Kino, ist die »Große Schule« heute eine der besten Adressen für klassische Musik. Die Musici Veneziani, aber auch internationale Stars geben in den liebevoll restaurierten Prunksälen regelmäßig Konzerte in historischen Kostümen. (Tel. 0039-041/5287227)

Liebe Leser, unser nächster City Guide führt nach Wien. Wenn Sie einen ungewöhnlichen Tipp für diese Rubrik haben, schreiben Sie uns an cityguide@zeit.de.

Für den Hinweis auf die Scuola Grande de San Teodoro bedanken wir uns bei Anita Feuchtinger