Manfred BischoffHüter des Sterns

Das Herz des Daimler-Aufsichtsratschefs schlägt für die Luftfahrt. Nun aber muss er sich ganz auf Mercedes konzentrieren. von 

Wenn Manfred Bischoff, der Aufsichtsratsvorsitzende von Daimler, den Mythos der Marke Mercedes erklären soll, erzählt er eine alte Episode. Anfang der Neunziger stieg Bischoff in Phoenix, Arizona, in ein Mercedes-Taxi. Er fragte den Fahrer, ob ihm der Daimler gefalle. »Sehr, aber die Klimaanlage kühlt nicht richtig«, antwortete der. »Keine Klimaanlage dieser Welt funktioniert bei 43 Grad Außentemperatur perfekt«, wandte Bischoff ein. »Das stimmt«, sagte der Fahrer »Aber das hier ist ein Mercedes!«

An diesem Mythos, an diesem »Es ist doch ein Mercedes« hält Bischoff seit 20 Jahren fest. »Wir waren über lange Zeit Klassenbester«, sagt der 70-Jährige. Es ist bezeichnend, dass er in der Vergangenheitsform spricht. Hier und jetzt verkauft BMW mehr Autos. Bis Bischoff voraussichtlich 2016 abtritt, will er erleben, wie Daimler sich an die Spitze zurückkämpft. »Wir werden bis 2014 auf Basis unserer A-Klasse einen Geländewagen bauen, der dem Wettbewerb überlegen sein wird.« In den vergangenen zwei Jahrzehnten sprach Daimler wenig von der Konkurrenz, aber viel von sich. »Wir haben zwischen 1998 und 2005 Fokussierung verloren«, sagt Bischoff.

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Schon in den Siebzigern arbeitete Bischoff mit dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche zusammen. Als aus Daimler ein »integrierter Technologiekonzern« werden sollte, saß er bisweilen mit dem legendären Firmenchef Edzard Reuter im Stuttgarter Büro und suchte später für dessen Nachfolger Jürgen Schrempp, der vielfach als Egomane beschrieben wurde, Wein aus. Als Manager hat Bischoff die kaufmännischen Fragen der bis heute produzierten Geländewagen der G-Klasse koordiniert und für die Daimlertochter Dasa die kühnste Projektentscheidung ihrer Geschichte verantwortet: den Bau des Großraumflugzeugs A380. Soeben hat Daimler Anteile an dem von Bischoff geformten Luft-, Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS für 1,7 Milliarden Euro verkauft und will langfristig ganz aussteigen.

Bischoff bleibt trotzdem in den angemieteten Räumen auf dem EADS-Gelände in Ottobrunn. In seinem Büro stehen Flugzeugmodelle, Erinnerungsstücke wie Trophäen eines Jägers. Und wie die Jäger über ihre Safaris berichten, füttert Bischoff seine Gesprächspartner im Büro und auf Empfängen mit Geschichten aus der Welt des Raubtierkapitalismus.

Bischoff selbst ist ein stoisches Arbeitspferd aus dem Daimler-Stall, freundlich, aber kühl. Nur am Ende des Gesprächs braust er wirklich auf: Auf seinem Tisch liegt ein Magazin, das Fotos von ihm veröffentlicht hat und ihn älter zeigt, als er sich fühlt. Bischoff kann sich darüber furchtbar ärgern.

Aber wirklich Gefühle zeigen? Nicht in seinem Büro. Nicht vor anderen. Ein Beispiel: Tut es ihm weh, dass Daimler sich aus der Luftfahrt verabschiedet? Bischoff zitiert kurz Goethe: »Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.« Dann gibt er wieder den protokollarischen Aufsichtsratsvorsitzenden: »Wir müssen die besten Autos bauen, da macht es für Daimler wenig Sinn, Anteile an EADS zu halten.« Es ist in solchen Momenten nicht zu ahnen, wie sehr ihn die europäische Luftfahrt geprägt hat und er sie.

Bei Daimler wurde er nur vorgelassen, wenn er sich mit Doktortitel vorstellte

Dabei war Bischoff nie Tüftler, nie Ingenieur. Sein erstes armlanges Modell eines Flugzeugs landete auf dem Kirchendach des Heimatdorfes. Dort, im Schwarzwaldort Bad Liebenzell, begann eine Wirtschaftswundergeschichte, die Biografie eines Quereinsteigers aus einfachen Verhältnissen. Der 1942 geborene Bischoff kannte vor allem den Mangel. Das Öl wurde aus Bucheckern gepresst und qualmte fürchterlich beim Braten. Milchpulver war knapp, genau wie Eier und Mehl. Sein Vater starb an Hungertyphus, kurz nachdem er aus russischer Gefangenschaft entlassen worden war. Bischoff hat praktisch keine Erinnerung an ihn. Er wurde von seiner Mutter und einer Tante großgezogen. Als der Junge zum ersten Mal in eine Orange biss, wunderte er sich, dass sie so bitter schmeckte. »Die musst du schälen, Junge«, erklärte ihm seine Mutter.

Trotz der räumlichen Nähe zu den Industrie-Weltmarken Baden-Württembergs schlug Bischoff zunächst die Laufbahn an der Universität ein. Er spezialisierte sich auf Volkswirtschaft und promovierte über multivariable Ziele in der Unternehmung. Erst als er Vater wurde, aber keine Professur in Aussicht hatte, suchte Bischoff Gespräche mit befreundeten Nachwuchsmanagern. Er knüpfte Kontakte, die ihn schließlich 1976 zu Daimler führten. Dort folgte ein Kulturschock: »Mir waren bis dahin Hierarchien völlig fremd«, sagt er. Bei Daimler aber empfingen ihn manche Gesprächspartner erst, nachdem er sich als Dr. Bischoff vorgestellt hatte.

Leserkommentare
  1. ...wie Daimler sich an die Spitze zurueckkaempft!
    Mit einem Gelaendewagen!

    Herr Dr. Bischoff braeuchte wohl unendlich viel Glueck
    damit sein Wunsch in Erfuellung geht.
    Offensichtlich ist er weder mit der BMW- noch der Audi-
    Palette wirklich vertraut........und auch nicht damit, dass
    man bei BMW schon lange Audi als Konkurrenten viel
    ernster nimmt, als die schon vor Jahren abgehaengte
    Marke aus Untertuerckheim!
    Aber was bleibt ihm anderes uebrig als in das Horn des
    Lautsprechers Zetsche (Chrysler ist saniert/2016 werden
    wir wieder a.d. Spitze sein) zu stossen?

  2. Weil die maßgeblichen Erkenntnisse hinsichtlich eines auch künftig unabweisbar notwendigen Erfolgs nicht allein hiesig ansässiger Industriebetriebe im Kontext der Herstellung von Automobilen längst gewonnen sind, entbehrt es jeglichen Sinns, so zu tun, als ob allen voran der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Daimler AG gegenwärtig in gleicher Weise vor der immensen Schwierigkeit stünde, eine Antwort auf die ansonsten für Unternehmen anderer Branchen überlebenswichtige Frage der Rekontextualisierung extern vorliegender Wissenbestände zu finden (vgl. Wittke u. a., SOFI Arbeitspapier 2012-9, S. 1). Besagte Überzeichnung dessen, was von Herrn Bischoff seitens der Allgemeinheit tatsächlich verlangt ist, führt somit lediglich in die Irre und erweist aller bereits geleisteten Aufklärung einen ziemlichen Bärendienst.

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    You made my day :D

    Ihr erster Satz geht über 8 Zeilen. Ich habe mehrmals versucht, ihn zu verstehen. Das Problem ist nur, wenn ich mich bis an sein Ende vorgekämpft habe, habe ich schon den Anfang wieder vergessen.
    Was wollen Sie uns anderen Lesern eigentlich mitteilen bitte?

    • maksym
    • 28. Dezember 2012 16:21 Uhr

    Was soll denn das sein?

  3. 3. You...

    You made my day :D

  4. Ihr erster Satz geht über 8 Zeilen. Ich habe mehrmals versucht, ihn zu verstehen. Das Problem ist nur, wenn ich mich bis an sein Ende vorgekämpft habe, habe ich schon den Anfang wieder vergessen.
    Was wollen Sie uns anderen Lesern eigentlich mitteilen bitte?

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    Mir gleichsam aus der hohlen Hand heraus vorzuhalten, dass vor allem meine schriftliche Ausdrucksweise sich in nichts anderem als schierem Geschwurbel erschöpft, verkennt die nachweisliche und daher stets unabhängig von meiner Person existente Lage der Dinge innerhalb der sozialen Welt. Insofern bleibt es auch in Zukunft eine ungeheuerliche Zeitvergeudung, anstelle von deren notwendiger Analyse zum Wohle aller sich unter Missachtung sämtlich dadurch angezeigter Methodologie darauf zu kaprizieren, die angesichts dessen jedem zeitlebens eigenen Unzulänglichkeiten als vorrangig noch zu behebende Mängel auszugeben.

  5. Alles nur ein Mythos - Das alte Thema Rost - A+B, W210+211, W203, W220+W221, Vito/Viano, Sprinter usw...
    Das Thema Qualitätskontrolle ist sowieso so ein Thema.
    Neuer ML W166, Dellen am Dach im Bereich der A und B-Säule, wie solche Fahrzeuge bei der abschließenden Qualitätskontrolle am Band überhaupt durchkommen, und dem Kunden auch noch ausgeliefert werden können! Ein Armutszeugnis. Die Mängelliste der neuen A-Klasse (W176) beginnt sich wieder gut zu füllen !

  6. Mir gleichsam aus der hohlen Hand heraus vorzuhalten, dass vor allem meine schriftliche Ausdrucksweise sich in nichts anderem als schierem Geschwurbel erschöpft, verkennt die nachweisliche und daher stets unabhängig von meiner Person existente Lage der Dinge innerhalb der sozialen Welt. Insofern bleibt es auch in Zukunft eine ungeheuerliche Zeitvergeudung, anstelle von deren notwendiger Analyse zum Wohle aller sich unter Missachtung sämtlich dadurch angezeigter Methodologie darauf zu kaprizieren, die angesichts dessen jedem zeitlebens eigenen Unzulänglichkeiten als vorrangig noch zu behebende Mängel auszugeben.

    Antwort auf "Wie bitte?"
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    .....was wollten Sie uns nun damit sagen???

  7. .....was wollten Sie uns nun damit sagen???

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    Zweifelsfrei nutzen Leser wie nicht zuletzt derjenige namens "smiley08" die Kommentarfunktion dieser Website, um nach eigenem Belieben und deshalb dem geltenden Bewegungsgesetz moderner Gesellschaft frontal zuwider sich des Amtes eines Richters bemächtigend den offenkundig friedlichen Anderen auf die Anklagebank zu setzen und dort zu verhören. Besagte Inszenierung (Seitz/Rath, 1996) sozialer Prozesse spottet also insbesondere längst vorliegender Gewaltenteilung und lässt vor aller Augen auf eine nicht mehr überbietbare Infantilität schließen. Ich für meinen Teil ziehe daraus die Konsequenz, mich wie zuvor auch künftig überaus angeekelt (Dunkel/Weihrich, in: ders./Dunkel (Hg.), Berlin, 2006, S. 75) davon abzuwenden.

  8. Zweifelsfrei nutzen Leser wie nicht zuletzt derjenige namens "smiley08" die Kommentarfunktion dieser Website, um nach eigenem Belieben und deshalb dem geltenden Bewegungsgesetz moderner Gesellschaft frontal zuwider sich des Amtes eines Richters bemächtigend den offenkundig friedlichen Anderen auf die Anklagebank zu setzen und dort zu verhören. Besagte Inszenierung (Seitz/Rath, 1996) sozialer Prozesse spottet also insbesondere längst vorliegender Gewaltenteilung und lässt vor aller Augen auf eine nicht mehr überbietbare Infantilität schließen. Ich für meinen Teil ziehe daraus die Konsequenz, mich wie zuvor auch künftig überaus angeekelt (Dunkel/Weihrich, in: ders./Dunkel (Hg.), Berlin, 2006, S. 75) davon abzuwenden.

    Antwort auf "Und....."

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