EurofighterTurbulenzen über den Alpen

Schmiergeldvorwürfe und dubiose Gegengeschäfte: Österreichs Eurofighter-Affäre bringt den Rüstungsriesen EADS in Bedrängnis. von 

Das Jahr hätte für Thomas Enders, Chef des Rüstungsriesen European Aeronautics Defence and Space (EADS), doch noch besinnlich enden können. Zwar war die Fusion mit dem Waffenbauer BAE Systems aus Großbritannien gescheitert. Doch Anfang November präsentierte Enders der Finanzwelt solide 9-Monats-Ergebnisse: Der Umsatz erhöhte sich um 14 Prozent auf 37,3 Milliarden Euro. Der Gewinn wachse weiter. Doch ausgerechnet ein an sich kleines Geschäft mit dem unbedeutenden Kunden Österreich überschattet nun die positiven Zahlen.

Österreich hatte 2003 zunächst 18 Eurofighter-Jets für rund zwei Milliarden Euro bestellt. Später wurde der Auftrag um drei Maschinen reduziert. Ein kleiner Deal, aber Österreich war der erste Exportkunde für den Jet und damit für EADS wichtig. In Österreich war die größte militärische Beschaffung in der Zweiten Republik von Anfang an umstritten: zu teuer, zu ambitioniert. Zudem gibt es seit Jahren Gerüchte, dass der Eurofighter der Konkurrenz aus Frankreich und Schweden vorgezogen wurde, weil Schmiergelder geflossen seien. Gegen den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly startete gestern, Mittwoch – nach Redaktionsschluss –, in Wien ein Prozess wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Anzeige

Doch nicht nur in Wien, auch in Rom und München ermitteln derweil Staatsanwälte wegen Korruption und »Bestechung unter anderem im Zusammenhang mit der Veräußerung von Flugzeugen des Typs Eurofighter durch den Konzern EADS an die Republik Österreich«, wie es bei den deutschen Ermittlern heißt. Am 6. November kam die österreichische Eurofighter-Affäre endgültig bei EADS-Deutschland an: Ermittler rückten in die Zentrale im bayerischen Ottobrunn ein. Auch die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH in Hallbergmoos in der Nähe von München, ein Gemeinschaftsunternehmen von EADS, BAE und Alenia, das für den Export des Jets zuständig ist, wurde durchsucht. Ebenso Geschäftsräume, Häuser und Wohnungen von Verdächtigen und Zeugen in Deutschland, der Schweiz und Österreich. »Bislang handelt es sich um eine Beschuldigtenanzahl im unteren zweistelligen Bereich«, heißt es bei den Staatsanwälten in München. Zudem ermittelt das britische Betrugsdezernat Serious Fraud Office seit August gegen die EADS-Tochter GPT wegen möglicherweise rechtswidriger Geschäftspraktiken in Saudi-Arabien.

Die Razzien kamen für Enders, intern »Major Tom« genannt, zur Unzeit. Er ist nicht unumstritten an der Spitze des Konzerns. Und als der Deal mit Österreich verhandelt wurde, war Enders als Chef einer EADS-Division für den Eurofighter-Deal verantwortlich. Zudem schwächelt die EADS-Rüstungssparte Cassidian. Dort sollen 850 Stellen abgebaut werden. Intern befürchten manche Mitarbeiter, dass sich EADS ganz von Cassidian trennen könnte. Sollte der Eurofighter-Deal mit Österreich rückabgewickelt werden, dürfte dies Cassidians Position innerhalb des Konzerns weiter verschlechtern.

Für das Sorgenkind Eurofighter werden dringend neue Kunden gesucht. »Cassidian sondiert die Exportchancen im Nahen Osten sowie in Asien«, kündigte das Unternehmen im November an. Bisher wurden überhaupt erst zwei Kunden gefunden, die nicht zu den vier Partnernationen Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien gehören: Österreich und Saudi-Arabien. Auf Rüstungsmessen in Abu Dhabi und Dubai wurde vergeblich um weitere Kunden geworben. Fruchtlos blieb auch die Unterstützung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und des Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg bei einer Ausschreibung in Indien. Die Ermittlungen gegen EADS kommen dazu für die Bundesregierung in Berlin zu einem schlechten Zeitpunkt: Das Kabinett hat jüngst entschieden, die Anteile der Bundesrepublik an EADS auf 12 Prozent zu erhöhen. Denn der Autokonzern Daimler, der wegen umstrittener Gegengeschäfte mit Magna ebenfalls eine Rolle in der Eurofighter-Affäre spielt, trennt sich von EADS-Anteilen. Deutschland beabsichtigt, über die staatliche KfW-Bank davon Anteile zu kaufen, um den deutschen Einfluss auf den Konzern zu erhalten.

EADS Deutschland übt sich währenddessen in Zurückhaltung. »Wir nehmen die Korruptionsvorwürfe sehr ernst«, sagt ein Sprecher. Beim Flugzeugbauer weiß man nur zu gut, dass die österreichische Eurofighter-Affäre den Ruf des Konzerns weltweit beschädigt – auch wenn keiner der Vorwürfe bisher bewiesen ist. Während in Österreich manche bereits die Rückabwicklung des Jet-Ankaufs fordern, drohen noch weitaus schlimmere Folgen für EADS: »Die Korruptionsvorwürfe sind eine ernste Gefahr für weitere Kampfjet-Deals, etwa die Hoffnung, doch noch nach Indien liefern zu können«, sagt der Rüstungsexperte Otfried Nassauer, Direktor des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit. »Sollten EADS Schmiergeldzahlungen nachgewiesen werden, kann das auch schwere Probleme auf dem US-Markt zur Folge haben.«

Solche Vorwürfe seien für weitere Verkäufe wenig hilfreich, heißt es auch bei EADS – zitieren lassen will sich niemand. In einem Brief an seine Manager fand Enders klare Worte: Für betrügerisches Vorgehen sei kein Platz bei EADS. »Der einzige akzeptable Weg, um Aufträge zu gewinnen, ist, unseren Kunden ausgezeichnete Produkte und Service zu bieten«, mahnt Enders. Öffentlich versprach er jüngst eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden und Transparenz. In Österreich ist indes von einem neuen parlamentarischen Untersuchungsausschuss die Rede. Das nächste Jahr dürfte für Enders alles andere als besinnlich werden.

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Schlagworte Thomas Enders | Alpen | EADS | Österreich | Eurofighter | Geldwäsche
    Service