Erstaunlich, dass das vermeintlich reichste Land der Welt solche Urzustände hervorbringt und mit Kinobildern beschwört. Die Apokalypse war schon da, dies ist der Zustand nach dem Zusammenbruch. Beasts of the Southern Wild bezieht sich zwar nicht auf den Hurrikan Katrina, und doch verbindet der aus New Orleans stammende Regisseur Benh Zeitlin seine Bilder mit Bezügen zu der realen Katastrophe. Auch in New Orleans hatten die Behörden weitläufige Gebiete bereits aufgegeben, dort organisierten sich die Bewohner selbst, wurden unabhängig vom Staat und seinen Hilfslieferungen. Genauso tauchen in Beasts of the Southern Wild vergessene Formen des Zusammenlebens auf. In der Weltuntergangsatmosphäre organisiert sich die Gemeinschaft neu. Was bleibt ihr auch anderes übrig?

Es nimmt nicht weiter wunder, dass der 1982 geborene Benh Zeitlin neben Filmwissenschaften auch Soziologie studierte. Denn er wirft einen ungewöhnlich scharfen Forscherblick auf seine Figuren und Selbstorganisierer, so als wären sie eine neue Form von nordamerikanischen Eingeborenen. Und er zeigt, wie sich seine kleine Hauptfigur im Laufe der Geschichte in solchen sozialen Verhältnissen aushärtet: Beasts of the Southern Wild wird zur klassischen Heldengeschichte. Seine mythisch aufgeladene Hushpuppy ist ein Kind, das auf der Suche nach der Grenze zwischen sich und den Erwachsenen feststellen wird, dass es sein eigener Kosmos ist.

Schließlich werden die verbliebenen Bewohner doch noch zwangsevakuiert, in eine Art medizinisches Auffanglager, wo Hushpuppys Vater stirbt. Nur vier Kinder schaffen die Flucht zurück in die Heimat, in die weiten Sümpfe des Mississippis. Ein Kutter nimmt sie mit. Wie ein biblischer Fährmann hockt der alte Kapitän am Steuer. Nur bringt dieser die Kinder nicht ins Paradies, sondern ins Bordell, das, in einem weiteren Überhöhungsschritt, zu einem irrealen Sehnsuchtsort des alten amerikanischen Südens wird. Von dort aus ziehen sie weiter. Vier Kinder, gefolgt von vier riesigen Wildschweinen.

Beasts of the Southern Wild gibt einen apokalyptischen Trost, den nur ein Kino geben kann, das solche Bilder erschafft. Denn selbst wenn wir alles verlieren sollten, auf einem Floß durch unsere Stadt treiben oder eine zugige Hütte bewohnen: Es ist einfach nie zu Ende.