Film "Der Hobbit" Was davor geschah

Wie Peter Jackson versucht, den "Herrn der Ringe" zu überbieten – der erste Teil der Verfilmung von Tolkiens "Hobbit".

Unter Zauberern darf noch geraucht werden: Gandalf (Ian McKellen, links) und Radagast (Sylvester McKoy) im "Hobbit"

Unter Zauberern darf noch geraucht werden: Gandalf (Ian McKellen, links) und Radagast (Sylvester McKoy) im "Hobbit"

In Tolkiens Roman Der Hobbit gibt es den schrecklichen Drachen Smaug, der die Zwerge aus ihrem Königreich vertrieben und ihren Schatz in Besitz genommen hat. Als der Drache am Ende mit vereinten Kräften besiegt ist, versucht der Zwergenkönig, die Helfer um ihren gerechten Anteil zu bringen. Die Berge von Gold haben seinen Verstand benebelt, er kann nicht genug davon kriegen.

Die Filmrechte an Tolkiens Büchern sind ein wahrer Schatz, und Peter Jackson hat ihn mit hohem Einsatz erobert. Seine Trilogie Der Herr der Ringe ist aus handwerklichen wie aus künstlerischen Gründen ein Höhepunkt der Filmgeschichte. Würde man die technischen und finanziellen Investitionen auflisten, die Superlative der Logistik und der digitalen Animation, dazu den weltweiten Erfolg und die Masse der Auszeichnungen, wäre man vermutlich benebelt. Kein Wunder, dass Peter Jackson nicht genug davon hatte und gar nicht anders konnte, als nun den Hobbit zu verfilmen, einen ganz ähnlichen Stoff, der jetzt aber noch gewaltiger und großartiger inszeniert werden musste, mit noch mehr Kameras und noch mehr Computerleistung. Erfolg bringt Erfolg hervor, aber er zwingt auch dazu.

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Die Strategie der Überwältigung bleibt nicht ohne Wirkung. Einigermaßen geplättet kommt man aus dem Film und staunt mal wieder, was das Kino heutzutage alles kann. Die Redewendung »Das gibt’s doch gar nicht!« wird hier zum normalen Anwendungsfall. Auf einem Höhepunkt des Films (aber eigentlich hat er nur Höhepunkte) hängen unsere Helden, begleitet von dem wohlbekannten Zauberer Gandalf, über einem wahrhaft schwindelerregenden Abgrund, attackiert von tollwütigen Wölfen und widerwärtigen Kobolden, und ihr Schicksal scheint besiegelt. Da endlich kommen die gigantischen Adler, fegen mit einem Flügelschlag die Wölfe in die Tiefe und befreien die wackeren Zwerge. Diese Bilder sind von einer nie gesehenen technischen Brillanz, und der Zuschauer fliegt mit.

Doch der ständige Überbietungsdruck, der auf dem Film liegt und sich von Gefahr zu Gefahr, von Kampf zu Kampf immerzu steigert, führt auf die Dauer zu Ermüdung und Ernüchterung. Dem Film fehlt es an Poesie, an innerer Spannung und Notwendigkeit. Er bezeugt eine titanische Anstrengung, doch er geht nahezu unter; er vermehrt die Zahl der Zauberer, aber er bezaubert nicht.

Der Hobbit erschien 1937 und berichtet Ereignisse, die dem Herrn der Ringe vorausgehen. J.R.R.Tolkien, Professor für Altenglisch in Oxford, hat sie seinen Kindern erzählt, und inspiriert hatten ihn die nordeuropäischen Sagen und Mythen. Er dichtete sie weiter, verknüpfte sie zu fantastischen Kontinenten und erfand neue Zeitrechnungen, neue Sprachen, Rassen und Völkerschaften. Der Hobbit war nur ein Nebenwerk, ein Kinderbuch halt, und weil es sofort erfolgreich wurde, sah er sich veranlasst, seinen Blick auf das Schicksal der Menschen aufs Neue und grundsätzlicher darzulegen. Der Herr der Ringe ist heidnisch, weil er den endzeitlichen Kampf zwischen dem Reich des Bösen und einer Koalition der Guten schildert; und er ist christlich, weil Frodo, die Hauptfigur, an Jesus erinnert. Das Kreuz, das Frodo trägt, ist der Ring der Macht, und indem er sich für die Menschheit aufopfert, rettet er sie.

Von diesem gewaltigen Epos mit seinen zahllosen Figuren und Parallelhandlungen aus gesehen, könnte man den Hobbit auch »Was davor geschah« nennen. Es wird zwar erzählt, wie der Ring gefunden wurde, aber die wahre Macht (und Macht ist Gefahr), die von ihm ausgeht, ist noch nicht sichtbar. So bleibt als Motiv nur der Wunsch der Zwerge, ihren Schatz zurückzuerobern, Die Frage, weshalb der gemütliche Bilbo Beutlin, der den Ring später an Frodo weitergeben wird, sich überhaupt in dieses Abenteuer stürzt, wird nicht recht erklärt. Im Buch macht das nichts, denn es wird in einem heiteren, zuweilen humorvollen Märchenton erzählt, und das Märchen hält sich ja auch nicht mit Begründungen auf. Da gibt es einen Drachen, und stracks zieht der Held in den Kampf.

Leser-Kommentare
    • kwist
    • 22.12.2012 um 17:12 Uhr

    "Warum es eine Trilogie sein soll, hab ich auch nie verstanden."
    Ich habe mich das auch gefragt, aber nachdem ich diese sogenannte Rezension und die vielen Kommentare dazu gelesen habe, hatte ich plötzlich unheimlich Lust, mir den Film anzusehen.
    Und was soll ich sagen? Nach einer Eingewöhnungszeit von vielleicht 20 Minuten war ich "total drin", und als die drei Stunden zuende waren, hätte ich problemlos gleich noch weitere drei Stunden sehen können.

    (Habe nur mal wieder nicht verstanden, dass ich die einzige war, die als Abschluss auch noch den Abspann mit dem schönen Lied gesehen/gehört hat.)

    Antwort auf "Warum es eine Trilogie"
  1. ..den Film auch endlich im Kino ansehen. Hier mein Fazit :) http://bit.ly/UoNY1A

  2. Mittlerweile konnte ich mir selbst ein Bild machen. An DHdR kommt "Der Hobbit" nicht ran. Aber vielleicht wollte Herr Jackson das auch nicht.

    Der Film ist bildgewaltig, humorvoll und dynamisch, es fehlt aber auch an Tiefe. Im Ganzen hat "Der Hobbit" (Teil 1) mehr von Walt Disney als von J.R.R. Tolkien.

    Die deutsche Synchronisation ist katastrophal... Ich werde ihn mir dieser Tage gerne noch mal ansehen, aber dann im Originalton.

  3. Ich komme gerade aus dem Film und hatte mir sicherheitshalber keine Reviews im Vorfeld durchgelesen.
    Zwar war es für mich kein Film, der den Herrn der Ringe übertroffen hätte, aber der durchaus in einer ähnlichen Liga spielt. Die hier angesprochene Anspruch Jacksons, seine damalige Trilogie noch zu übertrumpfen ist in meinen Augen absolut unhaltbar. Man mag kritisieren, dass aus einem einzigen Buch ebenfalls eine Trilogie werden wird, aber was hier teilweise bemängelt wird, ist oft auch schlichtweg auf Aspekte wie den technischen Fortschritt (wie z.B. in der Computeranimation) zurückzuführen. Dass Peter Jackson diese nutzt, ist in keiner Hinsicht verwerflich, denn er hat sich schon zu jeder Zeit stets bemüht, für seine Filme das Beste aus der aktuellen Technologie zu ziehen.
    Auch den Kommentar zu Heiden- und Christentum fand ich mehr als unangenemess und irrelevant. Was hat so eine Aussage überhaupt in diesem Review zu suchen? In welcher Relevanz steht das bitte zum Kontext und welche Wertung ist damit verbunden? Auch der Vergleich von Jesus und Frodo ist so plump, hinkend und unglaublich oberflächlich, dass ich mich schon ernsthaft fragen muss, wie viele Details eines Charakters man übersehen können muss, um so was vom Stapel zu lassen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Um noch einem weiteren Kritikpunkt des Artikels zu widersprechen: Ich wage zu behaupten, dass der Film im Übrigen durchaus eine Antwort auf die Frage nach Bilbos Motivation liefert, auch wenn diese verhältnismäßig spät zur Sprache kommt. Für mein Verständnis hat es sich nämlich so gestaltet, dass Herr Beutlin seine Heimat und das damit verbundene Geborgenheitsgefühl hochschätzt, was ihn dazu bewegt, den Zwergen helfen zu wollen, ihre eigene Heimat zurück zu erobern.
    Da sein Charakter ohnehin als höflicher Gutmensch angelegt ist, scheint es fürs Märchengenre und auch den Gesamtcharakter des Films eine völlig ausreichende Begründung zu sein, um das Abenteuer anzutreten.

    Um noch einem weiteren Kritikpunkt des Artikels zu widersprechen: Ich wage zu behaupten, dass der Film im Übrigen durchaus eine Antwort auf die Frage nach Bilbos Motivation liefert, auch wenn diese verhältnismäßig spät zur Sprache kommt. Für mein Verständnis hat es sich nämlich so gestaltet, dass Herr Beutlin seine Heimat und das damit verbundene Geborgenheitsgefühl hochschätzt, was ihn dazu bewegt, den Zwergen helfen zu wollen, ihre eigene Heimat zurück zu erobern.
    Da sein Charakter ohnehin als höflicher Gutmensch angelegt ist, scheint es fürs Märchengenre und auch den Gesamtcharakter des Films eine völlig ausreichende Begründung zu sein, um das Abenteuer anzutreten.

  4. Um noch einem weiteren Kritikpunkt des Artikels zu widersprechen: Ich wage zu behaupten, dass der Film im Übrigen durchaus eine Antwort auf die Frage nach Bilbos Motivation liefert, auch wenn diese verhältnismäßig spät zur Sprache kommt. Für mein Verständnis hat es sich nämlich so gestaltet, dass Herr Beutlin seine Heimat und das damit verbundene Geborgenheitsgefühl hochschätzt, was ihn dazu bewegt, den Zwergen helfen zu wollen, ihre eigene Heimat zurück zu erobern.
    Da sein Charakter ohnehin als höflicher Gutmensch angelegt ist, scheint es fürs Märchengenre und auch den Gesamtcharakter des Films eine völlig ausreichende Begründung zu sein, um das Abenteuer anzutreten.

  5. In HD wird schon lange problemlos gedreht. Sie meinen die HFR-Technik, was eine erhöhte Framerate bedeutet.
    Und das sieht tatsächlich, wie sie beschrieben haben, grauenvoll aus!

  6. ...den ich bisher gesehen habe. Dazu nimmt er sich noch Zeit für die Geschichte und Figuren dieses wundervollen Märchens. Und was stört den Rezensionisten am meisten? Das keine Menschen "als Kontrastfläche" auftauchen. Ein Glück, wenn sie mich fragen!!

  7. Die spielt da mit? Also Cate Blanchett ist eine sehr gute Galadriel - und wen spielt Kate Winslet? Hab ich wohl verpasst ...

    Antwort auf "no woman no cry"

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