Frauen an der Macht"Ihr Armen!"

Frauen übernehmen die Macht, in der Politik und allmählich auch in der Wirtschaft – müssen die Männer sich Sorgen machen? Ein Streitgespräch mit Maybrit Illner. von 

DIE ZEIT: Frau Illner, haben wir ein Jahr der Frauen hinter uns?

Maybrit Illner: Klar, das Jahr 2012 war sicher auch ein Jahr der Frauen. Erstmals mischen sie in Deutschland nicht nur mit, sondern sind auch in der ersten Reihe sichtbar.

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ZEIT: An wen denken Sie da?

Illner: In der Politik gibt es inzwischen drei Ministerpräsidentinnen, im Januar kommt mit Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz die vierte dazu. In Konzernen rücken Frauen in die Vorstände, mit Julia Jäkel bei Gruner + Jahr sogar eine knapp über 40-Jährige, und verschiedene deutsche Medien haben Quoten für ihre Führungsränge eingeführt, Chefredaktionen inklusive.

ZEIT: Aber sind nicht vor allem Frauen zu beobachten, die enttäuschen? Nehmen Sie Julia Jäkel: Eine ihrer ersten Amtshandlungen bestand in der Schließung einer geachteten Qualitätszeitung, der Financial Times Deutschland.

Illner: Was ist denn das für ein Argument? Julia Jäkel hat sich in ihrem neuen Amt weder besonders männlich noch besonders weiblich verhalten, sie will einfach ihren Job machen. Sie hat sich zumindest insoweit richtig verhalten, als jeder Manager-Ratgeber empfiehlt, die härtesten und rigidesten Entscheidungen zu Beginn einer Amtszeit zu fällen. Da kann man nur Gerhard Schröder zitieren: Es gibt keine linke und keine rechte Wirtschaftspolitik, sondern nur eine richtige und eine falsche. Ob ihre Entscheidung sachlich richtig, weil alternativlos war, das kann ich nicht beurteilen.

ZEIT: Gegenthese: Hat nicht Julia Jäkel genau das gemacht, was wir bei männlichen Managern als abgezockt kritisieren würden – sie hat Kosten gesenkt, indem sie 300 Leute auf die Straße setzt.

Illner: Wie gesagt: Ich bin keine Managerin. Ich kenne die Situation bei Gruner + Jahr nicht. Und weiß also nicht, was für den Verlag richtig oder falsch ist. Wahr ist nur: Wenn du in einer solchen Verantwortung bist, verlangt man dir Entscheidungen ab. Man kann doch jetzt nicht von ihr erwarten, sich – weil sie eine Frau ist – mit ’nem Kaffee und ’nem Kranzkuchen in die Redaktionen ihres Verlages zu setzen und eine Runde zu stricken.

ZEIT: Aber müsste die Leistung einer Frau nicht darin bestehen, eine smartere Lösung zu finden, als einfach den Laden dicht zu machen?

Illner: Eine andere Lösung hätte ich mir für die Kollegen auch gewünscht. Aber die Problemlage ist dieselbe wie für einen Mann, die Handlungsalternativen offenbar auch, wie soll dabei eine ganz andere Lösung herauskommen?

ZEIT: Wenn bessere Lösungen nicht zu erwarten sind, worum geht es dann?

Illner: Es geht darum, dass sich Frauen diesen Aufgaben stellen. Und das ist schwer genug. Wer Topjobs macht, der macht sich Feinde. Und muss aushalten können, Feinde zu haben. Dazu sagen immer noch viele: Nee, den Stress tu ich mir nicht an. Ich bleibe lieber Soldatin, als zur Generalin aufzusteigen. Das kann man auch gut verstehen. Aber wenn du die Aufgabe annimmst, dann zählt nicht Männlein oder Weiblein, dann zählt nur das Ergebnis.

ZEIT: Das könnte auch Angela Merkel sagen.

Illner: Das ist ja wieder so ein super Argument!

ZEIT: Aber können Sie verstehen, wenn manche Männer sich dabei veräppelt fühlen?

Illner: Wieso das denn?

ZEIT: Es gab ein Versprechen des Feminismus, dass die Gleichberechtigung die Welt nicht nur für Frauen besser macht.

Illner: Maybrit (lacht) Jetzt verstehe ich – Sie wollen gar nicht über Frauen, sondern eigentlich über Männer reden!

Leserkommentare
  1. Ich hatte mich wirklich auf das Interview mit Maybrit Illner gefreut, habe mich dann aber sehr gewundert, wie die ZEIT darauf kommt, ihr einen derart selbstmitleidigen, beleidigten Partner gegenüber zu setzen. Der braucht aber wohl eine so unerschütterliche Frau wie sie, ich hätte diesen Jammerlappen mitsamt seiner absurden Anspruchshaltung mit einem deutlichen "Heul doch" nach 10 Minuten sitzen gelassen.
    Im Übrigen: Die Frauenbewegung hat den Männern rein gar nichts versprochen, sondern den Frauen die Hälfte des Kuchens, die ihnen zusteht.

    Simone Eberle, Tübingen

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    "... ich hätte diesen Jammerlappen mitsamt seiner absurden Anspruchshaltung mit einem deutlichen "Heul doch" nach 10 Minuten sitzen gelassen."

    Wenn die Frauen in meinem Leben so mit mir umgegangen wären, wäre ich jetzt Alkoholiker statt Doktor. Ich hoffe Sie lernen noch einiges im Umgang mit anderen Menschen dazu.

    Auch mir schien ihm etwas der Biss zu fehlen. Betrachten wir etwa die folgenden Aussagen von Frau Illner:

    "Das wäre es, wenn wir schon gleichberechtigt wären. [...] Daran arbeiten wir jetzt in diesem schönen Land."

    "Die volle Gleichberechtigung wird kommen, auch wenn der Weg dahin für die Deutschen offenbar schwieriger ist als für die Skandinavier oder die Franzosen."

    Hätte man an dieser Stelle nicht überrascht einhaken müssen: „Frau Illner, welches Recht haben denn Männer in diesem Land, das Frauen verwehrt wird?“

    Im feministisch geprägten Neusprech bedeutet „Gleichberechtigung“ die Entrechtung des anderen. Denn tatsächlich ist das Ziel, Männern das Recht zu nehmen, die Stellen anzunehmen, die Firmen ihnen aus freien Stücken anbieten wollen.

    Mein Geschichtslehrer im Gymnasium hat immer gesagt: „Ihr braucht nicht zu glauben, dass das Volk heute nicht mehr auf einen wie den hereinfallen würde. Sicher, genau die gleiche Masche, das würde vorerst nicht mehr funktionieren. Aber ein bisschen anders, in anderer Gestalt, und die Schafe würden wieder mitlaufen.“

    Jetzt will man also wieder Leute aus Führungspositionen verdrängen, weil es dort zu viele von ihnen gebe! Und wieder ist es die Bevölkerungsmehrheit (ja, ja!), die gegen die Minderheit vorgeht. Und auch damals sah man in den Verstrickungen, den Netzwerken ein Problem.

    Adieu, du schöne, kurze Zeit, in der es in Deutschland etwas mit Freiheit Vergleichbares gab. Wir werden Dich vermissen.

  2. ...wie Frau Eberle.

    Allerdings wäre ich vermutlich schon nach 3 Minuten gegangen.
    Leider ist das die Haltung, die einem gerade häufig aus den Kommentaren in den Foren entgegenweint.
    Zum Glück sind mittlerweile viele Männer anders drauf. Sie lehnen sich auch mal zurück, entspannen und freuen sich, dass sie einen Teil der Verantwortung delegieren können - um einen Teil einer anderen Verantwortung mittragen zu können. Letztlich müssen wir ja alle gemeinsam raus aus dem Rattenrennen!

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    • tgoff
    • 21. Dezember 2012 18:39 Uhr

    Wenn nicht alles und jedes Thema in Forderungen nach weitergehender Frauenförerung münden würde, wären die Frauen Illner und 1. und 2. glaubwürdiger.

    Die Unersättlichkeit nach Quoten, im öffentlichen Dienst seit 20 Jahren, jetzt in der Industrie, nach Förderung an Schulen, Hochschulen, an den Arbeitsplätzen ist grenzenlos.

    Die Jammerei der Frauen, nun endlich in die Jobs getragen werden zu wollen oder dorthin gefördert zu werden, zeigt wenig von dem Selbstbewusstsein, mit dem die Frauen 1. und 2. und Illner sich hier zeigen wollen.

    Mit den Quoten von Frau Schröder brauchen die Frauen gar nichts mehr leisten. Die Quoten im öffentlichen Dienst verlangen, dass Frauen bei gleicher Leistung bevorzugt werden, immerhin.
    Die Quoten von Frau Schröder setzen die Firmen in Zwang, Frauen unabhängig von ihrer Qualifikation zu befördern oder diese zu pampern, was wir jetzt überall sehen. Denn die Qualifikation spielt keine Rolle mehr. Die Firmen und die Kollegen tragen die Damen schon.

    Das ist eine in der Tat bewundernswerte Leistung, sich in einer Gesellschaft derartige Vorteile zu verschaffen.

    • S0T86
    • 21. Dezember 2012 17:39 Uhr

    Interessantes feminines Selbstverständnis von Frau Illner, die ich eigentlich sehr schätze. Die Frauen sollen sich frei selbst entfalten können und der Mann soll im nächsten Schritt schauen wozu er "gebraucht" wird. Das nennt sich dann also "männliche Emanzipation".

    Die Frau soll also ihr Leben fern vom gesellschaftlichen oder familiären Nützlichkeitsgedanken genießen und der Mann soll diese Aufgabe auf Kosten seiner Freiheit und seines Selbstverständnisses übernehmen. Gleichberechtigung also.

    Das ist genau die Art von Feminismus den ich kritisiere. Es geht um eine Umkehrung und nicht die Aufhebung der Machtverhältnisse. Diese ganze Geschlechtermachtfrage geht mir gehörig auf den Senkel und sollte eigentlich im letzten Jahrhundert liegen. Deswegen haben die Piraten mit ihrem "Postgender"-Gedanken recht.

    Ich werd mich übrigens als Mann sicherlich nicht in diesem Sinne systematisch nützlich machen, sondern mich ebenso selbst entfalten.

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    sollen etwa die frauen den männern sagen, wozu sie gebraucht werden? DAS wäre die von dir beklagte umkehrung der machtverhältnisse. was für eine rolle männer einnehmen wollen, müssen sie schon selbst bestimmmen.

  3. Was soll denn diese latente Männerfeindlichkeit in den Kommentaren ? Da kommt nur wieder das Lager denken hoch: WIR GEGEN DIE !! Zeigt, dass Sie eigentlich nicht weiter sind als so mancher Macho-Trottel.

    "Im Übrigen: Die Frauenbewegung hat den Männern rein gar nichts versprochen, sondern den Frauen die Hälfte des Kuchens, die ihnen zusteht." Heul doch ! :P

  4. sondern sehen die existieren von einem anderen Blickwinkel. Ich denke es ist Zeit, das Maenner die Angst vor der Schelte ihrer Muetter oder Lehrerinnen ueberwinden und anfangen das dreidimensionale Bild zu geniessen, das sich ergibt wenn man Dinge von mindestens zwei Seiten sieht: der maennlichen und der weiblichen - der des Jetzt und der der Zukunft.

  5. Schon der Opener von Frau Illner: >>Erstmals mischen sie in Deutschland nicht nur mit, sondern sind auch in der ersten Reihe sichtbar.<< lässt mich fragen: "Hat sie schon mitbekommen, dass wir seit dem 22. November 2005 eine Bundeskanzlerin haben?

    Auch die Jammerhaltung von Herrn Schwarz ist ein Schlag in's Gesicht jedes hart arbeitenden Mannes. Frei nach dem Motto "Oh ihr Powerfrauen arbeitet so viel, wo ist für mich als Faulpelz noch Platz".

    Die besten sollen die höchsten Jobs haben ganz egal welches Geschlecht sie haben - nur das ist Gleichberechtigung: "Gleiche Chancen für ALLE" egal ob Mann, Frau, Muslim, Christ, Atheist, Einwanderer oder Adliger, Schwarz, Gelb, Rot oder Weiß.
    Und dies lässt sich nicht daran messen, ob nun jeder Job gleichmäßig mit Frau, Mann, Muslim, Christ... etc. besetzt ist sondern nur daran, dass sie alle die gleiche Chance hatten diesen Job zu bekommen.

  6. Jetzt werden hier wieder Horden misogyner, frustrierter Weichlinge einfallen und sich im Kommentarbereich/'Geschlechterkampf' austoben. Wie fade.

    Den Geschlechtsgenossinnen: Bzgl. Herrn Schwarz solltet ihr euch entspannen. Als Interviewer ist er nicht dazu da, seine persönliche Meinung kundzutun, sondern sein Gegenüber zu interessanten Antworten zu provozieren. Dies tat er, indem er Stereotype aufgriff und zur Diskussion stellte. So what?

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    • S0T86
    • 21. Dezember 2012 18:35 Uhr

    Ach. Sie haben also was gegen "weiche" Kerle (was auch immer das sein soll). An genau das sollten sie sich als Feministin aber gewöhnen. Man kann ja nicht alles haben, nicht wahr?

    Aber vermutlich erwarten sie "stählerne" Typen, die gleichzeitig freimütig ihre Kinder sitten, während sie das Geld für sich verdienen, Kerle, die sie beschützen und gleichzeitig eine ordentliche "Performance" im Bett liefern. Der Feminismus hatte noch nie eine Logik, nur schizophrene Weltbilder.

    Muss man nicht weiter ernstnehmen.

    "Jetzt werden hier wieder Horden misogyner, frustrierter Weichlinge einfallen"

    Ja, stimmt. Ich bin misogyn. Und frustriert darüber, dass es "Frauenparkplätze" gibt, dass es heißt: "Kinder und Frauen zuerst", dass Frauen ihren Ex-Ehemännern mir nichts, dir nichts das Sorgerecht entziehen können und dass es neuerdings Unisex-Tarife bei der Krankenversicherung gibt.

    Ich denke, wenn Frauen gleichberechtigt Chancen wahrnehmen wollen, sollten Sie diese auf der anderen Seite auch den Männern gleichermaßen einräumen.
    [...]

    Gekürzt. Verzichten Sie auf diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • tgoff
    • 21. Dezember 2012 18:25 Uhr

    Frau Illner meint, Frauen wären nicht gleichberechtigt. Sie hat Recht!

    Es gibt eine Menge Gesetze in Deutschland, die Frauen bevorzugen, keines aber, das Männer in einen Vorteil setzt.

    Da wären die so genannten Gleichstellungsgesetze, nach denen ausschließlich Frauen gefördert werden (z.B. HGlG Gesetz in Hessen) Für Männer gelten diese nicht. Diese Gesetze gelten für den gesamten öffentlichen Dienst und Betreffen 50% Quoten und verschiedenen STudienförderung, Fortbildung, Mentoring etc.. Das, obwohl Frauen an die Hochschulen längst öfter abschließen als Männer, sie also bereits bessergestellt sind.

    In diesen Gesetzen werden Gleichstellungsbeauftragte, Frauenbeauftragte (immer Frauen und beide Funktionen unterscheiden sich) vorgeschrieben. Nachzulesen in den Frauenförderplanen, z.B. an Unis Mainz, Rhein-Main und für Kommunen, Polizei, etc.. Oder auch im Gleichstellungsbericht, z.B. Uni Würzburg oder woanders.

    Gleichberechtigung gibt es für Frauen offensichtlich nicht, sondern erheblich mehr Rechte.

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    die rechtliche Besserstellung von Müttern gegenüber "Erzeugern" vergessen.
    Gleichberechtigung ist hier definitiv nicht gegeben.
    Zudem ist kürzlich mit der legalisierten Genitalverstümmelung, natürlich nur bei Jungen, eine weitere Ungleichbehandlung gesetzliche Realität. Und dass nach Jahrzehnten "Mein Bauch gehört mir" hierzu eine Frau (Schnarrenberger) den Gesetzestext liefert, schlägt dem Fass den Boden aus. Zumal Familienministerin Schröder, der die Rechte der Schwächsten namentlich der Kinder doch oberstes Gebot sein sollte, ebenso wie U vd Leyen explizit dafür gestimmt hat. Nein, nicht mal der Stimme enthalten, sondern DAFÜR gestimmt.
    Wir werden nurmehr den Ausbau solch "positiver Diskriminierung" erleben, da eben Frauen an der Macht.

    oh, männer bekommen NUR NOCH 50% der stellen im öffentlichen dienst! wie traurig! und frauen entscheiden sich öfter zu studieren! böse, böse frauen! [nicht etwa faule männer].

    sorry, dein kommentar ist dermassen polemisch unreflektiert, dass mir nicht mehr dazu einfällt.

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