Frauen an der MachtWie weiblich wird’s noch

Lange waren Frauen eine Mehrheit, die wie eine Minderheit behandelt wurde. Die Zeiten sind vorbei – sie geben nun den Ton an. von  und

Irgendwie hat man das Wort »Frau« in diesem Jahr öfter gehört und gelesen als je zuvor. Wenn man die Wörter Quote, Gender sowie das Suffix -in beziehungsweise -innen hinzunimmt, dann könnte gar von einer wahren Feminisierung des öffentlichen Raumes und der Politik gesprochen werden. Wem das ewige »Frauen hier, Frauen da« allmählich auf die Nerven geht, den können wir absolut verstehen. Nur, die Aussichten für das nächste Jahr sind nicht besser: Die Feminisierung der Republik wird sich wahrscheinlich sogar beschleunigen.

Das hat mit dem zu tun, was die Philosophen Hegel und Marx als das Umschlagen von Quantität in Qualität beschrieben haben. Mit anderen Worten: Spätestens seit diesem Jahr sind so viele Frauen an so vielen führenden Stellen der Gesellschaft gelandet, dass sie nicht mehr nur eine weibliche Minderheit in einer weitgehend männlich geprägten Öffentlichkeit darstellen. Vielmehr beginnen sie, den Diskurs und den Stil des Landes zu prägen.

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Was hat sich konkret getan im Jahr 2012, dem mutmaßlichen Jahr der Frauen? Nun, Angela Merkel ist immer noch da, Hannelore Kraft hat sich in einer Wahl behauptet, ebenso wie Annegret Kramp-Karrenbauer, beide Ministerpräsidentinnen. Auch Frau Lieberknecht regiert Thüringen noch. Der nächste und der übernächste Landeschef von Rheinland-Pfalz werden ebenfalls Chefinnen sein, weil dort demnächst Malu Dreyer (SPD) Kurt Beck ablöst, um dann bei der nächsten Wahl von Julia Klöckner (CDU) herausgefordert zu werden. Ilse Aigner (CSU) hat gute Chancen, die Nummer eins in Bayern zu werden.

Auch in den Unternehmen sind die Frauen auf dem raschen Vormarsch, sogar – halten Sie sich fest! – in einem bis dato extrem unterfeminisierten Bereich, dem Journalismus. Es gab eine mächtige Quotendiskussion, in manchen Zeitungen wurden auch welche eingeführt, schließlich wurde eine Frau an die Spitze des angeschlagenen Konzerns Gruner+Jahr geholt, Julia Jäkel. Nun könnte man einwenden, dass trotz alledem die Männer noch überall in der Mehrheit sind, und zwar deutlich. Das stimmt auch. Nur wird für eine kulturelle Hegemonie nicht unbedingt eine größere Frauschaftsstärke gebraucht.

Klären wir hier einfach mal das Machtgeheimnis der Frauen: Lange waren sie eine Mehrheit, die wie eine Minderheit behandelt wurde. Man sprach in einem Atemzug von Frauen, Alten, Behinderten, es gab ein Ministerium für Familie, Frauen und Jugend. Lange war das ein Nachteil – einerseits waren Frauen dadurch marginalisiert, andererseits war die Gruppe viel zu groß und zu heterogen, um gemeinsame Interessen vertreten zu können. In den meisten Situationen lassen sich Frauen durch ihr Frausein ungefähr so stark leiten wie Führerscheinbesitzer dadurch, dass sie Auto fahren können, oder Linkshänder dadurch, wie sie Briefe schreiben.

Ökonomen haben ganze Lehrbücher darüber geschrieben, dass sich große Gruppen schlecht organisieren lassen, Verbraucher beispielsweise, und dass sich deshalb eher kleine Interessengruppen durchsetzen. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olson hat für diese Erkenntnis sogar den Nobelpreis bekommen. Auf Frauen traf die Theorie immer zu. Doch im Moment ändert sich etwas: Die Frauen haken sich unter, wie es sonst nur Minderheiten tun – und sie haben gleichzeitig die Macht einer Mehrheit, zumindest auf einigen Bühnen, etwa bei der bevorstehenden Bundestagswahl, nämlich durch ihre Stimmen.

Das Jahr 2012 war im Berliner Politikbetrieb das Jahr der weiblichen Tuscheltreffen, der verschwörerischen Blicke und SMS über Fraktions- und Parteigrenzen hinweg, es herrscht ein permanentes digitales Augenzwinkern. Könnte man die SMS-Ströme messen, so würde man wohl eine Kartografie der unsichtbaren weiblichen Vernetzung bekommen. Frauen kommunizieren privilegiert mit Frauen. Dabei macht neuerdings selbst eine wie Gerda Hasselfeldt mit, das ist die kurzhaarige CSU-Landesgruppenchefin, die in Berlin maßgeblich zur Durchsetzung des Betreuungsgeldes beigetragen hat, eine mehrfache Großmutter, die stets in adretten Kostümen ans Rednerpult trifft. Für die weibliche Kommunikation gilt offenbar immer weniger: Hauptsache, meine Partei! Auch nicht: Hauptsache, Feministin, sondern immer mehr : Hauptsache, Frau.

Leserkommentare
  1. 25. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp

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    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

  2. bilden sich - zukunftsbezogen - auf der Facebook-Seite unseres Sohnes ab.

    Der ist 14 und hat binnen eines Jahres ca. 400 Freundschaftsanfragen von hochqualifizierten KandidatInnen zwischen 12 und 45 positiv beantwortet.
    Davon sind mindestens 95% weiblicher Herkunft und über alle Länder verstreut.

    Momentan weilt das Kind in einer europäischen Weltstadt und ich fürchte den Zuwachs um weitere 100 Kandidatinnen via Facebook und anderen sozialen Netzwerken.

    Er hat - schlicht gesagt - das, was andere nicht haben.

    Damit ist die Frage nach den 10 grössten Schwächen von Frauen in Führungspositionen definitiv beantwortet.
    Frauen in Führungspositionen hatten schon als Mädchen eine Schwäche für diesen Typus. Im weiteren Verlauf entwickeln sich daraus 9 weitere, die auf das Gleiche - nicht das Selbe - hinauslaufen. Das ist alles.

  3. 27. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  4. Artverwandt sind zu nennen Politik-, Theater-, Soziologie,- Pädagogik-Wissenschaften etc.

    Selbst Frau Merkel hat keine Karriere als Physikerin hingelegt, halt eben nur als Politikerin.

    Schauen wir in die technische Industrie sind nun Frauen Mangelware, auch im Studium.

    Mehr ist nicht zu sagen.

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    Sie erzählen dem Forum, Frauen wären - inkl. Merkel - in den naturwissenschaftlichen & technischen Disziplinen "Mangelware".

    Abgesehen davon, daß sie mit diesen Aussagen Menschen zu dingähnlichen Substanzen in Verpackungen reduzieren, kann ich - als jemand der beruflich aus dem Maschinenbau kommt und interessemäßig den NW anhängt Ihnen nicht beipflichten.

    Wir beide wissen wohl, daß diese Handlungsfelder nicht nur in der Lehre, sondern in der Praxis ein Sperrgebiet für weibliche Interessentinnen sind, oder?

    Sie übergehen, wie mit weiblichen Probanden in Ausbildung und Studium in diesen Disziplinen seit Jahrzehnten umgesprungen wird und wollen das in verallgemeinerter Form "den Frauen" zum Vorwurf machen?

    In den Ingenieurberufen ist die Selektion hierzulande brutal. Zwischen 25-75% überstehen nicht mal die Vorrunde - davon sind zu 95% männl. Kandidaten betroffen.
    Die wenigen weiblichen Bewerberinnen überstehen das Prozedere dagegen zu 90% erfolgreich und beissen sich danach i.d.R. ebenso durch.

    Wäre ich eine Frau, hätte ich auf den Zirkus allerdings auch keine Lust.

  5. Sie erzählen dem Forum, Frauen wären - inkl. Merkel - in den naturwissenschaftlichen & technischen Disziplinen "Mangelware".

    Abgesehen davon, daß sie mit diesen Aussagen Menschen zu dingähnlichen Substanzen in Verpackungen reduzieren, kann ich - als jemand der beruflich aus dem Maschinenbau kommt und interessemäßig den NW anhängt Ihnen nicht beipflichten.

    Wir beide wissen wohl, daß diese Handlungsfelder nicht nur in der Lehre, sondern in der Praxis ein Sperrgebiet für weibliche Interessentinnen sind, oder?

    Sie übergehen, wie mit weiblichen Probanden in Ausbildung und Studium in diesen Disziplinen seit Jahrzehnten umgesprungen wird und wollen das in verallgemeinerter Form "den Frauen" zum Vorwurf machen?

    In den Ingenieurberufen ist die Selektion hierzulande brutal. Zwischen 25-75% überstehen nicht mal die Vorrunde - davon sind zu 95% männl. Kandidaten betroffen.
    Die wenigen weiblichen Bewerberinnen überstehen das Prozedere dagegen zu 90% erfolgreich und beissen sich danach i.d.R. ebenso durch.

    Wäre ich eine Frau, hätte ich auf den Zirkus allerdings auch keine Lust.

    3 Leserempfehlungen
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    "In den Ingenieurberufen ist die Selektion hierzulande brutal. Zwischen 25-75% überstehen nicht mal die Vorrunde - davon sind zu 95% männl. Kandidaten betroffen.
    Die wenigen weiblichen Bewerberinnen überstehen das Prozedere dagegen zu 90% erfolgreich und beissen sich danach i.d.R. ebenso durch": Wenn es so wäre, wären Frauen bei den Absolventen der Ingenieurwissenschaften sogar die Mehrheit; sind sie aber nicht. Ich bitte Sie deshalb, ihre Behauptungen zu belegen.
    "Sie übergehen, wie mit weiblichen Probanden in Ausbildung und Studium in diesen Disziplinen seit Jahrzehnten umgesprungen wird und wollen das in verallgemeinerter Form "den Frauen" zum Vorwurf machen?": Wie wird denn ihrer Meinung nach mit weiblichen Probanden umgesprungen? Ich kenne hierbei nur Vorzugsbehandlungen für Frauen, aber aus ihrem Post kann man lesen, dass Sie gegenteiliger Meinung sind. Die Vorzugsbehandlung müsste man, wenn Frauen erfolgreicher wären als Männer, übrigens einstellen (was man auch so machen sollte).

  6. doch. frauen sind immer gründlicher.
    männer sind von natur aus faul und nachlässig, da wird keine suppe so heiß gegessen, wie sie gekocht wird.
    ab jetzt weht ein anderer wind ...

    fragen Sie Ihre Mutter ...

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    ....meiner Meinung nach. Das ist wieder der typische plakative Schwachsinn, der genau zu dem führt, was die Gesellschaft versucht los zu werden. Wenn sie aber den Geschlechtern schon Klischees zuordnen wollen, überlegen Sie mit Bedacht, wer präziser und ordentlicher sein soll. Die meisten bedeutenden Ingenieure, Naturwissenschaftler sind keine Frauen.

  7. Gemeint sind die Frauen in der Politik. Aha, deshalb also die Poltikverdrossenheit in der Bundesrepublik.
    Danke für die Aufklärung durch die ZO Redakteure. Die Roths, Künasts, von der Leyens, Schröders und andere Selbstdarsteller sind genauso schlecht, wie ihre männlichen Politikfürsten.

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  8. "Frauen sind die Juwelen der Schöpfung, man muss sie mit Fassung tragen."

    Heinz Erhardt

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    • 2b
    • 22. Dezember 2012 22:22 Uhr

    denen diese Art Fassung schadet ...

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  • Schlagworte Frauenquote | Politik | Angela Merkel
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