BerlusconiEr ist nicht Italien

Abseits des populistischen Geschreis gibt es auch ein anderes Land, würdig und normal. Das sieht nur keiner. von 

Jetzt also Der Pate , Teil 6? Oder Letzter Bunga Bunga in Rom ? Oder Die Mumie ist zurück ? Europa starrt gebannt und erschrocken auf die neue Folge des Monsterdramas, das in Italien geboten wird. In Regie und Hauptrolle: Silvio Berlusconi. Der Mann ist vom Fach, als echter Profi beherrscht er viele Rollen. Schurke, Latin Lover, Zombie – gegen so einen kann Ministerpräsident Mario Monti mit seiner biederen Buchhaltertruppe einpacken. Noch ist Monti nicht ganz weg, aber schon sehen wir nur noch Berlusconis maskenhaftes Gesicht.

Die Reaktion ist hysterisch: Berlusconi kehrt zurück, das muss das Ende sein. Für Italien, für den Euro, für uns. Welche Spezialeffekte wird er diesmal einsetzen, welche Pistoleros um sich scharen, um Italien zurückzuerobern?

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Und schon ist man auf ihn hereingefallen und verwechselt Fiktion und Realität. Denn Berlusconi zu fürchten und in Schockstarre über seine erneute Kandidatur zu verfallen – das ist genauso falsch, wie es vorher falsch war, ihn als Politclown zu verlachen. Damals wie heute verkörpert der Populist einen Teil Italiens, der sich aus Eigensinn und Eigennutz Europa verschließt.

Diesen Landsleuten gaukelt Berlusconi vor, dass Europa eine Erfindung der Deutschen sei, mit der Italien nichts zu tun habe. Früher hat er den Eindruck verbreitet, dass die italienische Verfassung eine Erfindung der Kommunisten sei, ebenso die Justiz und das Parlament. Die Argumente sind ihrer Art nach immer die gleichen, nur die Begriffe ändern sich, wie es typisch ist im Satzbaukasten des Populismus. Berlusconis politische Theorie lässt sich in der Formel zusammenfassen: »Ich mache, was ich will.«

Müssen wir davor Angst haben? Oder zeigt unsere Angst vor Silvio Berlusconi nicht vor allem, wie tief unser Misstrauen gegenüber Italien als Ganzem sitzt?

Unser Misstrauen und unsere Arroganz: Als seien die Italiener ein Volk von Kindern, von denen wir, sobald sie der gestrenge Professor Monti wieder sich selbst überlässt, nichts anderes erwarten können als gefährliche Dumme-Jungen-Streiche. Um Himmels willen – diese Rasselbande wählt jetzt!

Nun, das können wir zum Glück nicht verhindern. Zwar haben die Südländer es akzeptiert, für eine begrenzte Zeit von einem nicht gewählten Expertenkabinett regiert zu werden. Und in Berlin mögen sich alle verzweifelt an die Brust schlagen, die insgeheim dachten, man könne doch Mario Monti noch weiter regieren lassen, irgendwie. Aber noch ist es nicht so weit, dass Wahlen nur in den tugendhaften Ländern Europas abgehalten werden. Dass die Zinssätze auf Staatsanleihen über das Mitbestimmungsrecht der Bürger entscheiden. Europa, gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, wird eine demokratische Entscheidung in seinem Kern- und Mutterland Italien ja wohl noch aushalten. Ja, es wird in Italien über Europa abgestimmt. Und wir werden alle sehen, was es den Italienern wert ist.

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