Dabei stellen sich italienische Unternehmer meist als die einzige Avantgarde ihres Landes dar, als weltoffene Alternative zur einer vergreisten politischen Klasse, deren Repräsentanten oft noch nicht einmal Englisch sprächen. Auch in der Krise gibt es Unternehmer, die in ihrem Auftreten an Renaissancefürsten erinnern. In die Restaurierung des Kolosseums investieren sie ebenso wie in Fußball-Erstligaklubs, so der Luxusmodenhersteller Diego Della Valle. Oder sie leiten neben der Formel-1-Marke Ferrari ihren eigenen politischen Thinktank, wie Luca Cordero di Montezemolo.

Sie stehen für die ungebrochene Attraktivität und die Innovationsfähigkeit des Made in Italy – und sie setzen auf Monti. Am liebsten würden sie ihn als Regierungschef behalten. Ihren Unternehmerkollegen Silvio Berlusconi hingegen verabscheuen sie. Dass der sein politisches Comeback jetzt auf dem Trainingsplatz seines Fußballklubs AC Mailand verkündete, finden sie bloß noch degoutant.

Berlusconi ist schon lange kein Vorzeigeunternehmer mehr. Sein Unternehmen Fininvest schreibt erstmals rote Zahlen. Seine Fernsehfirma Mediaset hat den Anschluss an das digitale Zeitalter verpasst. Wohl auch deshalb steigt Berlusconi noch einmal in den Ring: um seine Firma zu retten, wie schon 1994.

»Erstarrung und Verschwendungssucht« hätten zur Krise Italiens geführt, heißt es im Rechenschaftsbericht der Banca d’Italia. Gegen beides ist Monti angegangen. Um Italien aber aus seiner Erstarrung zu lösen, hätte es mehr Mut gebraucht, auch mehr Fantasie. Die Professoren waren zu sehr darauf konzentriert, den Katalog ihrer Hausaufgaben abzuarbeiten. Dabei musste Monti auf viele Stimmen Rücksicht nehmen, aber viele Hoffnungsträger Italiens waren nicht dabei.

Es fehlen jene Akademiker, die bereits wegen der Krise ins Ausland geflüchtet sind, wo sie oft bemerkenswerte Karrieren machen. Oder jene Unternehmer, die lieber jenseits der Grenzen Marktnischen entdecken. Oder jene Einwanderer, die sich in Italien eine neue Existenz aufbauen: In diesem Jahr gab es noch 13.000 Firmengründungen von Ausländern, die aus fernen Ländern außerhalb der EU nach Italien kamen.

Das Experiment der Weisen ist beendet. Manche von ihnen können es kaum erwarten, an die Universität zurückzukehren, so wie Arbeitsministerin Elsa Fornero. Andere, wie Wirtschaftsminister Corrado Passera, wollen in der Politik bleiben. Montis Zukunft ist noch ungewiss. Er habe keinen Zweifel, dass die nächste Regierung den europäischen Kurs halten werde, sagte der scheidende Premier: »An Haushaltsdisziplin und Reformen kommt keiner vorbei.« Es klang beschwörend. Aber wahr werden muss es nicht.