Kirchensteuer : Wehe, ihr zahlt nicht mehr!

Wer in Deutschland die Kirchensteuer verweigert, wird aus der Kirche ausgeschlossen. Aber geht das? Bleibt Christ nicht Christ? Ein Plädoyer für mehr Freiheit.

Vorweg muss ich etwas beichten: Ich war schon lange nicht mehr sonntags im Gottesdienst. Ich arbeite viel. Ich will trotzdem Zeit für meine Familie haben. Ich muss Sport machen, damit ich noch lange weiterarbeiten kann. Nebenbei muss ich einkaufen, den Stromtarif wechseln, mit Reklamations-Hotlines streiten. Ich habe nicht mal Zeit, krank zu sein. Und sonntagmorgens bin ich heilfroh, wenn ich einmal länger schlafen und dann mit Frau und Tochter entspannt frühstücken kann.

Da hat der Gottesdienst in der katholischen Kirche bei uns um die Ecke längst angefangen. Ich gebe zu, mein Bild von dieser, »meiner« Kirchengemeinde wird so von Äußerlichkeiten geprägt: der alten Frau, die uns streng fixiert, wenn wir mit unserem kleinen Kind doch einmal das Backstein-Gotteshaus betreten. Dem Leiter der angeschlossenen Schule, der zwar will, dass katholische Kinder die Vorschule besuchen, aber natürlich davon ausgeht, dass man sie mittags wieder abholt: Zwei arbeitende Eltern passen nicht ins Weltbild. Dem Mann, der nachmittags am verschlossenen Kirchentor rüttelt und verzweifelt schreit, er wolle beten. Im Pfarrhaus daneben brennt Licht, aber niemand öffnet ihm.

Zufällige Begebenheiten. Doch sie tragen dazu bei, dass ich mich dieser Gemeinde so wenig verbunden fühle, dass ich zwar im Urlaub in Bayern in die Kirche gehe, nicht aber daheim in Hamburg. Und das müsste ich tatsächlich beichten. Denn gemäß dem Katechismus der katholischen Kirche verstoße ich gegen die Sonntagspflicht zur Teilnahme an der Messfeier, gegen das dritte Gebot also, begehe eine »schwere Sünde« und verliere die Gnade vor Gott (sofern er das auch so sieht). Ich dürfte also nicht mehr an der Messe teilnehmen, bevor ich nicht gebeichtet habe. Genauso geht es 85 Prozent der deutschen Katholiken, die, wenn überhaupt, nur noch zu hohen Feiertagen den Gottesdienst besuchen; bei den Protestanten sind es sogar 95 Prozent, aber dort gibt es keine Sonntagspflicht.

Doch für meinen Bischof gehöre ich trotzdem voll dazu. Denn ich zahle Kirchensteuer. Aus Angst, aus Überzeugung, aus schlechtem Gewissen? Oder als eine Art Rückversicherung? Egal, ich zahle, und meine schweren Sünden spielen keine Rolle mehr. Die katholische Kirche hat in Finanzdingen eine unrühmliche Tradition; das hemmungslose Wirken des Ablasspredigers Johann Tetzel – »Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt« – war für Martin Luther der Anlass zum Anschlag seiner Thesen.

Wehe aber, ich zahlte nicht mehr. Dann würden mir flugs, und das ist amtlich, die heiligen Sakramente gestrichen: Kommunion, Beichte, Krankensalbung. Es gäbe keine kirchliche Hochzeit, sofern ich keine Sondergenehmigung vorweisen könnte. Es gäbe keine kirchliche Beerdigung, sofern ich nicht vorher noch bereute. Ich dürfte nicht mehr Tauf- oder Firmpate werden. Kurz: Ich gehörte im Nu nicht mehr zur kirchlichen Glaubensgemeinschaft, ganz egal, ob ich bei jedem Sonntagsgottesdienst in der ersten Bankreihe kniete, keine Beichte ausließe, tätige Nächstenliebe übte, im Bekanntenkreis missionierte und auch sonst ein tiefgläubiger Mensch wäre. It’s the economy – selbst beim Glauben.

Aber muss das so sein? Gefragt hat das der emeritierte deutsche Kirchenrechtsprofessor Hartmut Zapp. Der international anerkannte Experte trat 2007 auf dem Standesamt aus der Organisation Kirche aus, erklärte aber gleichzeitig, er fühle sich der katholischen Glaubensgemeinschaft weiterhin zugehörig. Für das Freiburger Erzbistum konnte das nicht sein. Man klagte gegen Zapp, und seit Oktober 2012 gibt es ein Grundsatzurteil des Verwaltungsgerichts in Leipzig: Wer in Deutschland aus der Organisation Kirche austritt, gehört auch nicht mehr zur Gemeinschaft der Gläubigen.

Im Umkehrschluss heißt das: Wer hier den katholischen Glauben praktizieren will, muss zahlen. Und Ablass-Tetzel hin, Luther her: Auch die evangelische Kirche hat die Mitgliedschaft an die Kirchensteuer gekoppelt. Wer austritt, da sind die Protestanten nicht ganz so knallhart, verliert zwar nicht den Anspruch auf das Abendmahl, aber auch auf die kirchlichen Amtshandlungen wie Taufe oder Hochzeit. Auf das kirchliche Begräbnis? Hängt vom Pfarrer ab.

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Kommentare

96 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Frohe Weihnachten, die Wiedergeburt Christi in uns ohne Cash...

Die katholische Kirche mehr noch als die evangelische, hat einen gewissen Ekel- oder Ablehnungsfaktor. Sie bedient sich aus dem Geldsäckel der Mitmenschen um sie gleichzeitig zu verurteilen.
[...]
Wenn man sich dann den Luxus anschaut, den sich die Kirchenfürsten heute leisten, siehe Tebarz van Elst, Bischof von Limburg, dann wird einem ganz schummerig.
[...]

Da freuen wir uns doch lieber an den christlichen Mystikern wie dem heiligen Augustinus von Hippo und seiner Scala Paradisii: Sich leer machen ( meditieren ) für die Wiedergeburt Christi in uns hier und jetzt und nicht an irgendeinem jüngsten Tag. Dafür bedarf es keiner Mitgliedschaft in diesem sündigen Verein; das kann man in freier Natur oder im heimischen Wohnzimmer, ganz ohne Weihrauch, ohne Kerzen, ohne Papst und ohne Priester.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalierungen. Danke, die Redaktion/jk

Schon wieder der arme Kerl...

Was hat der arme Mensch eigentlich getan, dass der Bischof von Limburg mal wieder als Negativ-Beispiel angeführt wird? Der ihm immer gerne angelastete 'Luxuswagen', ein BMW, wurde bereits von seinem Vorgänger angeschafft und benutzt, die Baumaßnahmen die ihm angerechnet werden, hat er ebenfalls nicht zu verantworten, weil er bei der Beschlussfassung noch nicht Bischof von Limburg war und als er es geworden war, bat er zu prüfen, ob es nicht eine weniger aufwändige Lösung gäbe. Die enormen Kosten entstehen durch das Alter der vorhandenen Bausubstanz, nicht aus Prunksucht!

Gerne wird auch das Bild vom lachenden Bischof im Sportwagen gezeigt. Eine Aufnahme von einer Veranstaltung zu der man ihn eingeladen hatte. Eine Freundlichkeit für die Fotografen, deren Heimtücke er garnicht durchschaute. Aber sofort springt der Leser drauf an und empört sich und wenn nun von Tebartz-van Elst und seinem Wagen die Rede ist, dann hat man genau dieses Bild vor Augen. Unlauter finde ich solche Spielchen.

Es gibt genügend Missstände gegen die man anschreiben kann. Bischof Tebartz-van Elst kann man ruhig außen vor lassen, er hat keine Missstände zu verantworten. Er ist konservativ, das ja.
Ist das Grund genug, ihn zu verleumden?

Staat im Staate

Wir leben in einem Staat, der die Staatskirchen privilegiert.
Es gibt ein eigenes Kirchenrecht, es gibt ein separates Kirchenrecht, dass kirchlichen Arbeitnehmer verbietet zu streiken, ein Arbeitsrecht das Arbeitnehmer die sich scheiden lassen kündigt, ein Arbeitsrecht, dass lesbische Erzieherinnen aus dem Dienst entlässt und dergleichen mehr.

Die Kirche ist ein Staat im Staate und ist einzig und alleine dem Geld verpflichtet. So ist es auch gekommen, dass die Themen in den Predigten, die Arbeit der Kirche sich immer weiter von einem authentischen Christentum entfernt haben, man will mit zu authentischem und biblischem Christentum, wie es in seinen Ursprüngen festgehalten ist, nicht die zahlende Kundschaft vergraulen.

So kommt es das Kirchenvertreter Positionen einnehmen, die mit dem Christentum nicht mehr viel gemein haben.

Wer kennt denn heute noch das Christentum und die Bibel?
Wer liest in der Bibel? Wer weiß was die Lehren des Christentums sind?

Hierzu empfehle ich das Buch, "Denn sie wissen nicht was sie glauben", von Franz Buggle.

Die Kirche lebt in einer Parallelgesellschaft und schafft ihre eigene Welt. Pädophile Priester werden nur in den seltensten Fällen vor weltliche Ermittler gebracht, meist reicht es wenn sie "Bereuen" und können dann in einer anderen Gemeinde ihr Unwesen treiben.

Zudem müssen wir auch als Atheisten oder Angehöriger anderer Konfessionen durch unsere Steuern die Bischöfe mitfinanzieren.

Es wird noch schlimmer!

Jeder Verein gibt sich einfach so seine eigene Satzung! Man stelle sich das mal vor: da entscheiden die Taubenzüchter völlig willkürlich, dass sie keine Karnickelzüchter aufnehmen. Um noch einen draufzusetzen, stellt der DFB an jedem Spieltag eigene Richter auf die Plätze, die einfach so, ohne ordentlichen Prozess Strafen verhängen. Und der Staat? Der sieht sich einfach an, wie seine Autorität, die doch bitteschön allumfassend sein sollte, von solchen Parallelstrukturen untergraben wird. Und erfindet euphemische Begriffe für sowas: Vertragsfreiheit, Vereinsfreiheit, Privatautonomie.

Eins noch:

Mitfinanzieren: Ja ich finanziere auch Waldorfkindergärten und humanistische Kitas, ich finanziere Fernsehsender, die ich nicht schaue, Parteien die ich nicht wähle, Panzer, die ich nicht mag, die Füllung von Kühlschränken, aus denen ich mich nicht bedienen kann, Bundesländer in denen ich nicht wohne, Autobahnen die ich nicht nutze. Könnte so schön sein, wenn ich alleine hier wäre.

Äpfel und Birnen

Wenn wir die Trennung von Staat und Kirche wollen, dann sollten wir konsequent sein und die Quersubventionierung der geistlichen Angestellten wie Bischöfe, Priester und Pfarrer unterlassen. Immerhin kassieren die Kirchen jedes Jahr 9 Mrd. Euro an Kirchensteuer die vom Staat eingetrieben werden. Das Amt des Bischof zu finanzieren bringt der Allgemeinheit nichts. Man muss feststellen, dass das Kirchenrecht viele weltliche Rechte missachtet und sich so über unsere Gesetze stellt.

Nehmen wir nun das von der Kirche unterbundene Streikrecht für kirchliche Arbeitnehmer, kürzlich erst musste ein weltliches Gericht diesem Treiben einen Riegel vorschieben. Dann widerspricht das Kirchenrecht dem Diskriminierungsverbot, denn es darf geschiedenen Arbeitnehmern kündigen und bspw. darf eine lesbische Erzieherin gekündigt werden, weil sie in ihrem privaten Bereich eine Frau liebt.

Die Kirche, hier nun insbesondere die katholische, wird von einer undemokratischen patriarchalisch-mittelalterlichen Männerriege geführt, die sich fernab der weltlichen Gesetze verortet und diese Missachtet. Man bedenke den Umgang mit Pädophilen in ihren Kreisen, welche bedingungslos geschützt werden, wohingegen die Opfer keine Barmherzigkeit erfahren.

Für die Kirchen wird das Betriebsverfassungsgesetz und Mitarbeitervertretungsgesetz ausgeschlossen, ebenso wird hier die Religionsfreiheit der Mitarbeiter eingegrenzt.

Und all das finanzieren wir mit unseren Steuermitteln.
Die Kirche hat bereits ihre Sharia!

@40 :

Das Amt des Bischof zu finanzieren bringt der Allgemeinheit nichts.

Das manche Bischöfe finanziert werden, ist historische Folge von Enteignungen rund um den Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Es ist keine Subvention, die der Staat nach belieben einstellen kann, sondern Entschädigungsleistungen für die damaligen Enteignungen, die Grundstücksfläche in Größenordnung von rund 27% des heutigen Bundesgebiets umfassten. Würde er dennoch die Staatsleistungen einstellen, würde er völkerrechtliche Verträge verletzen und gegen die Verfassung verstoßen, die das Eigentum garantiert und Enteignungen ohne Entschädigung verbietet, für kirchliches Eigentum gibt es sogar noch mal ein zusätzliches Enteignungsverbot.

Was der Staat machen kann, wäre die Entschädigungsleistungen durch eine einmalige Zahlung abzulösen.

Man muss feststellen, dass das Kirchenrecht viele weltliche Rechte missachtet und sich so über unsere Gesetze stellt.

Unfug. Die Kirchen halten sich an unsere Gesetze. Sie sind nur keine gewinnorientierten Unternehmen und haben daher andere rechtliche Rahmenbedingungen. Das es gelegentlich Gerichte die falsche Auslegung der weltlichen Gesetze durch die Kirchen korrigieren müssen, ist das ganz normal und kommt wohl bei fast jedem Arbeitgeber vor.

Und natürlich müssen Mitarbeiter der Kirchen, ihre Ansichten teilen. Oder wollen sie etwa die Katholiken mittels Antidiskrimierungsgesetz dazu zwingen, eine atheistische, lesbische Frau zur Priesterin zu weihen?

Enteignungen

Von welchen Grenzen sprechen wir eigentlich? Zur damaligen Zeit war noch kein einheitliches Deutschland absehbar, vor allem sind die Grenzverläufe seit dem offensichtlich nicht mehr vorhanden. Es ist ein Treppenwitz, dass die Kirch sich seit über 200 Jahren entschädigen lässt. Wie kam denn die Kirche an die ganzen Ländereien? Durch Enteignung, durch korrupte Machenschaften, durch Betrug und Krieg!

Ich denke all dies rechtfertigt den jährlichen Zuschuss von 457 Mio Euro an Bischofs- und Priestergehältern in keinster Weise. Zusätzlich bekommen die Kirchen zu den 9 Mrd Euro Kirchensteuern, ganze 45 Mrd Euro an steuerlichen Mitteln.

Mittlerweile stellt es sich so dar, dass kirchliche Angestellte nicht mal mehr von ihrem Lohn anständig leben können und den Rotstift der Kirchenbonzen zu spüren bekommen.

Die Kirchen waren und sind schon immer eine Profit-Gesellschaft, weit entfernt von einer transzendenter, spiritueller Quelle. Sie erbringen gewisse Dienstleistungen und stellen einen festlichen Rahmen für Beerdigungen, Taufen usw.

Ansonsten gibt es kaum Besucher in den Kirchen und die Priester haben einen lockeren Job. Die Bischöfe fliegen via Firstclass zu den Ärmsten um schöne Bilder zu machen.

Was einem unter geistlichen Aspekten unerklärbar ist, wird einem auch von Priestern nicht erklärt. Bspw. wird mir niemals einleuchten was es mit der Trinität auf sich hat? Jesus ist Gott, gleichzeitig spricht er zu Gott, dann noch der heilige Geist.. Ich kapier es nie

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis

dass das Kirchenrecht sich nicht über das Gesetz stellt. Kann es gar nicht. Im Rahmen der geltenden Rechtsordnung räumt der Staat privaten Zusammenschlüssen von Bürgern aber das Recht ein, ihre privaten Verhältnisse untereinander selbst zu regeln. Er tut das aus dem Grund, dass man, aus falschem Idealismus, am Bild des mündigen Bürgers und seiner Freiheit festhält.
Beim Diskriminierungsverbot überschreitet der Staat übrigens seine Kompetenzen: außer einigen Atheisten im Schmollwinkel und einigen Volkspädagogen mit autoritären Allüren wird wohl kein vernunftbegabter Mensch von Privatleuten verlangen, andere Privatleute nicht diskriminieren zu dürfen. Wenn Sie aus welchen Gründen auch immer keinen Vertrag mit jemandem schließen wollen, darf man Sie nicht dazu zwingen. Wenn SAie in ihrer Kneipe keine Katholiken dulden wollen, dann ist das ihr gutes Recht, es ist ihr Besitz und Sie dürfen nach Belieben andere davon ausschließen. Der Angriff auf das "kirchliche Arbeitsrecht" ist insofern nichts als ein Angriff auf IHRE Freiheit.

@44 Teil 1

Wie kam denn die Kirche an die ganzen Ländereien? Durch Enteignung, durch korrupte Machenschaften, durch Betrug und Krieg!
Oder bspw. durch Schenkungen und Erbschaften? Ihnen sollte klar sein, das angesichts des Umfangs der Enteignungen die Staatsleistungen winzig ausfallen, das hier irgendwelches nicht rechtmässig erworbene Vermögen entschädigt wird, kann praktisch ausgeschlossen werden. Daneben müssten sie das in einem Rechtsstaat beweisen und nicht nur mutmaßen.

Ich denke all dies rechtfertigt den jährlichen Zuschuss von 457 Mio Euro an Bischofs- und Priestergehältern in keinster Weise.
457 Euro sind die Summe aller Staatsleistungen an beide großen Kirchen. Da sind aber auch jede Menge andere Sachen drin als nur Bischöfs- und Priestergehälter. Beispielsweise auch jede Menge Sachen wie "Gemeinde XYZ verpflichtet sich Kirche und Pfarrhaus zu unterhalten" oder "Der Besitzer von Grundstück ABC zahlt jährlich den Gegenwert von 2 Tonnen Weizen an die lokale Kirchengemeinde."

@44 Teil 2

Zusätzlich bekommen die Kirchen zu den 9 Mrd Euro Kirchensteuern, ganze 45 Mrd Euro an steuerlichen Mitteln.
Irgendeine Quelle für diese völlig absurd hohe Zahl? Und was verstehen sie die Kirchen erhalten steuerliche Mittel? Carsten Frerk, eine bekannte Figur des organisierten Atheismus kommt auf ebenfalls absurde ~19 Mrd, aber nur indem behauptet man können den Kirchen rund 10 Mrd. zusätzliche Steuern berechnen(wo sollen die herkommen?), und indem er das Konzept der Subsidiarität ignoriert und alles den Kirchen zurechnet. Wenn ein Kind atheistischer Eltern einen kirchlichen Kindergarten oder Schule besucht, dann ist der staatliche Zuschuss, den es genauso auch für einen anderen nicht-kirchlichen Kindergarten gegeben hätte, in voller Höhe eine Kirchensubvention. Und wenn jemand Theologie an einer staatlichen Uni studiert, dann braucht er später nicht mal bei der Kirche zu arbeiten, für Frerk ist trotzdem ganz klar, dass die Kosten dieses Studiums in voller Höhe eine Kirchensubvention sind. So kommt man nicht zu seriösen Zahlen und ihre 45 Mrd. Euro sind Faktor ~2,4 höher.

So gehts nicht

Für was in aller Welt braucht man eine Kirche die Kindergärten und Schulen betreibt und sonstige soziale Einrichtungen, die wie wir aus Steuermitteln ohnehin finanzieren? Sie sollten sich mal die staatlich finanzierte PR Aktion der Caritas und Diakonie betrachten, im Namen der Kirche betrieben, dabei kommen die Kirchen auf eine Eigenfinanzierung von nur 2 %.

Es ist einfach unzeitgemäß die Kirchen in diesem Maße zu bevorzugen und zu finanzieren.

Sie wissen schon, dass damals der Erstgeborene Fürstensohn allein Erbberechtigt war und die anderen Söhne in der Kirche untergebracht wurden um dort als Bischof oder in sonstiger Position zu wirken. In Zuge dessen waren die neuen "Geistlichen" natürlich daran interessiert aus ihrer Position heraus möglichst hohen Profit zu erzielen.

Das all das Vermögen der Kirche durch Erbschaften und Schenkung erzielt wurde ist wahrheitswidrig. Viel mehr ging es der Kirche immer um Macht, Anteile an Raubzügen der Kreuzritter, Bezahlung durch Königshäuser, Enteignung von Ketzern usw.

Die jüngste Geschichte hat uns doch gezeigt wie die Kirche sich den Regierenden ggü verhält:

Devot und auf ihren Vorteil bedacht, in Kauf nehmend, dass Menschen zu Tode kommen. Die Judenverfolgung jedenfalls war für die Kirche kein Anlass zu intervenieren, viel mehr biederte man sich mit den Herrschenden an.

Hier sei beispielhaft Kardinal Adolf Bertram genannt, der Hitler alljährlich mit Requiem in seiner Diözese feierte.
Das war in der Vergangenheit nicht anders

Katholische Sharia

Sie sollten sich wirklich besser informieren. Es kann einfach nicht sein, dass der Staat soziale Einrichtung in kirchliche Trägerschaft übergibt und diese in ihren Einrichtungen eigene Gesetze etablieren, die dem allgemeinem Arbeitsrecht widersprechen. Zudem werden die sozialen Einrichtung aus Steuermitteln und Krankenkassenbeiträgen finanziert und nicht von der Kirche. Wieso sollten bei dem zweitgrößten Arbeitgeber der Republik Menschen diskriminiert werden, weil sie geschieden sind, keine Kirchensteuer bezahlen oder sonstwie nicht in das Bild der Kirche passen?

Die Kirche bekommt ne Menge PR vom Steuerzahler finanziert und im Gegenzug diskriminiert und beschneidet die Kirche die Rechte der Arbeitnehmer.

Zum Glück ändert sich so langsam die Rechtssprechung und die Kirchen bekommen hin und wieder eine Rüge.

Aktuell, Streikrecht :

http://www.google.de/sear...

@68 :

Sie haben das Konzept der Subsidiarität nicht verstanden. Es geht doch nicht darum, dass der Staat Träger sozialer Einrichtungen finanziert, damit sie ihren Namen auf das Klingelschild schreiben können und damit gute PR machen und ansonsten hoffentlich alles genauso machen, wie es auch der Staat machen würde. Sondern es geht darum, wie man soziale Einrichtungen schaffen kann, ohne dass gleichzeitig ein totalitäres Monstrum entsteht, bei dem die Leben jedes Bürgers, ob er will oder nicht, von staatlichen Einrichtungen geprägt wird.

Wie die sozialen Einrichtungen ausgerichtet sein sollen, soll in der Hand der Bürger liegen. Und so gibt es die gleiche Förderung selbstverständlich auch für nicht-kirchliche Träger von sozialen Einrichtungen. Auch Sie dürfen ihre weltanschaulichen Vorstellungen umsetzen. Der humanistische Verband darf deshalb auch Kirchenmitglieder ausschließen.

Es geht den Trägern sozialer Einrichtungen nun mal nicht um Gewinn oder PR, sondern um die Umsetzung ihrer weltanschaulichen Vorstellungen. Wer ein konfessionelles Krankenhaus geht, der erwartet bspw. mit den Schwestern über Gott sprechen zu können oder gemeinsam zu beten. Das kann aber nur klappen, wenn die Schwester den Glauben teilt.

Nicht die konfessionellen Krankenhäuser, die ihre Weltanschauung sehr deutlich umsetzen missbrauchen die staatliche Förderung, missbräuchlich sind vielmehr die Einrichtungen, bei denen bis auf den Namen kein Unterschied zu einer kommunalen Einrichtung feststellbar ist.

Christliche Lehre

Zudem sollte auch endlich akzeptiert werden, dass das Alte Testament ausdrücklich Mittelpunkt christlicher Lehre darstellt!

«Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh. 20; 31; 2 Tim. 3; 16; 1 Petr. 1; 19-21 u. 3; 15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind. Zur Abfassung der heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er - in ihnen und durch sie wirksam - geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern. Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, daß sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in den Heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte.»
(Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung [1965])

AT Mittelpunkt?

Aus K Nr. 3: "Zudem sollte auch endlich akzeptiert werden, dass das Alte Testament ausdrücklich Mittelpunkt christlicher Lehre darstellt!"

Zur Begründung zitieren Sie aus der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Nach Ihrem Zitat heißt es doch dort ausdrücklich, " die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch. Daraus kann man doch nicht ableiten, dass das AT den Mittelpunkt der christlichen Lehre bilde.
Ausweislich des Wortlauts bilden wenn, dann AT und NT zusammen den Mittelpunkt.

Abgesehen vom Wortlaut der Dogmatischen Konstitution, wäre es wohl etwas grotesk, wenn das Alte Testament in dem Christus und seine Lehren nicht vorkommen, der Mittelpunkt der christlichen Lehre wäre, zumal Fundament des Christentums die Menschwerdung Gottes in der Person von Jesus, sein Kreuzestod und seine Auferstehung sind, wovon ausschließlich im NT berichtet wird.

Was aber hat nun die Frage, ob (nur) das AT, (nur) das NT oder beide den Mittelpunkt der christlichen Lehre bilden, mit den vorliegenden Artikel zu tun, der zum Gegenstand hat, ob nicht andere Formen der Finanzierung der Amtskirchen in Deutschland besser wären?

Austritt aus der katholischen Kirche ist nicht möglich

Das ist eindeutig nach Kirchenrecht und das weiß natürlich auch Hartmut Zapp.

Eine Zwangsmitgliedschaft in einer religiösen Körperschaft ist natürlich verfassungswidrig. Aus diesem Grund ist der Austritt staatsrechtlich vorgesehen, nicht jedoch kirchenrechtlich.

Wie in dem Beitrag zutreffend dargestellt, hat dies aber nach Ermessen der religiösen Körperschaft Kirchenstrafen zur Folge.

Was da Zapp wollte, ist natürlich absurd. Allein durch die Austrittserklärung ohne jeden Zusatz hätte er erreicht, dass er von der Zahlung der Kirchensteuer befreit ist, jedenfalls von deren Zwangseintreibung. Gleichwohl blieb er Mitglied seiner Kirche, ob er wollte oder nicht.

Dass er auch von Kirchenstrafen durch die Religionsgemeinschaft befreit wird, kann er durch Anrufung staatlicher Gerichte nicht erreichen. Das ist eine grundgesetzlich garantierte innerkirchliche Angelegenheit.

Ein Austritt nicht möglich?

Nach Kirchenrecht nicht möglich - korrekt, was Sie da schreiben.

Im Klartext heisst das, der Säugling, dessen Taufe von den Eltern veranlasst wird, hat als Erwachsener, (womöglich kritisch und vernünftig) denkender Mensch keinen Einfluss mehr auf seine Religionszugehörigkeit. Ein eindrucksvolles Beispiel für die totale Rechtlosigkeit von Kindern in der christlichen, nein, in sämtlichen monotheistischen Religionen.

Ist es nicht gerade die Kirche, die unaufhörlich betont, dass Gott den Menschen einen freien Willen gegeben hat?
Wie passt das Ihrer Meinung nach zusammen?

Konkret gesprochen: wer die Kirche hinter sich läßt, den braucht das Kirchenrecht nicht mehr zu interessieren. Ich bin frei und damit basta!

Natürlich entsteht Schaden

Wenn Sie aufgrund einer wie auch immer zugezogenen Verletzung für den Rest Ihres Lebens beeinträchtigt sind, ist das sicher nicht schön. Trotzdem gibt es so etwas wie ein allgemeines Lebensrisiko, d.h. Sie haben zwar ein Recht darauf, dass Ihre Eltern Ihnen nicht Schaden zufügen, aber eine unbeschränkte Garantie auf Unversehrtheit jeglicher Art gibt es nunmal nicht. Sie können als Kind auch von einem Auto angefahren werden, eine Enzephalitis erleiden oder sich beim Spielen ein Auge ausstechen. Sicherlich alles Sachen, die Ihre Eltern nicht gewollt haben.

Aber bei einer Taufe übergeben Ihre Eltern Sie bewusst und absichtlich einer religiösen Gemeinschaft, der Sie evtl. als Erwachsener nicht angehören möchten. Sie können dies aber nicht rückgängig machen. Ich persönlich bin um eine Taufe herumgekommen und weiß daher nicht, wie stark man unter einer ungewollten Taufe leiden kann. Wenn einem Religion (nur halt nicht die r.-k. Kirche) sehr wichtig im Leben ist, kann das durchaus belastend sein, dass man mit dem "Makel" der christlichen Taufe belegt ist. Ich weiß nicht, warum Sie dieses so vehement bestreiten.

@76 :

Aber bei einer Taufe übergeben Ihre Eltern Sie bewusst und absichtlich einer religiösen Gemeinschaft, der Sie evtl. als Erwachsener nicht angehören möchten. Sie können dies aber nicht rückgängig machen. Ich persönlich bin um eine Taufe herumgekommen und weiß daher nicht, wie stark man unter einer ungewollten Taufe leiden kann.

Woher soll denn das Leiden kommen? Rein juristisch ist man mit dem Austritt nicht mehr Mitglieder der religiöse Gemeinschaft. Das Wasser der Taufe hinterlässt auch kein wissenschaftlich feststellbaren Veränderungen. Ohne Glauben an die Taufe können sie also kaum darunter leiden. Aber mit dem Glaube an die Taufe müssen sie schon eine ziemlich exotische Sichtweise vertreten um einen Schaden durch die Taufe zu sehen. Da müsste man bspw. schon Satanist sein, um einen engen Bund mit Gott als etwas schlechtes anzusehen.

Und mit so einer Sichtweise müsste man den Eltern praktisch alles verbieten. Denn bei praktisch allem ist möglich, das das Kind irgendwann dies mal als großes Problem ansieht. Operation mit Bluttransfusion? Üble Sache, falls das Kind später mal Zeuge Jehovas werden will. Dem Kind Fleisch und Käse zum Essen geben? Wenn das Kind irgendwann mal Veganer wird, könnte es dies als üble moralische Verfehlung auslegen, die es nie wieder gut machen können wird.

rein juristisch

Da liegt der Kasus Knacktus. Rein juristisch sind Sie nicht mehr Mitglied, aber nach den Formalia der Kirchen können Sie dort gar nicht austreten und bleiben also auch nach Ihrem formaljuristischen Austritt Katholik, ob Sie das nun wollen oder nicht.

Ich finde jedenfalls, man sollte ein Kind nicht von quasi Geburt an einer bestimmten Religionsgemeinschaft zuweisen. Sicherlich ist die Taufe ein humanerer Akt als beispielsweise die tatsächlich irreversible Beschneidung, trotzdem ist es doch unnötig, eine solche Entscheidung nicht dem (religionsmündigen) Kind selbst zu überlassen.

@93 :

bleiben also auch nach Ihrem formaljuristischen Austritt Katholik, ob Sie das nun wollen oder nicht.
Ja, aber alleine schon aus Gründe der Religions- und Meinungsfreiheit können Sie das nicht verbieten. Andere Religionsgemeinschaften taufen sogar Tote, die niemals ihr Mitglied waren oder dem in irgendeiner anderen Weise zugestimmt haben.

Ich finde jedenfalls, man sollte ein Kind nicht von quasi Geburt an einer bestimmten Religionsgemeinschaft zuweisen.
Der Gedanken ist lobenswert, aber leider nicht realistisch. Die Erziehung der Eltern prägt zwangsläufig das Kind und damit auch seine spätere Religionswahl. Mit Religion abzuwarten bis das Kind religionsmündig ist, sorgt zwangsläufig auch dazu dem Kind ein bestimmtes Bild von Religion zu vermitteln. Wenn es gut läuft bekommt das Kind, die Idee das Religion irgendeine Form von Lifestyle-Ding ist für das man sich praktisch konsequenzenlos dafür oder dagegen entscheiden kann, wenn es schlecht läuft bekommt das Kind sogar den Eindruck Religion sei etwas gefährliches, weshalb sie solange von ihm ferngehalten wurde.
Wer sein Kind nicht früh tauft, vermittelt automatisch das Bild, das dies eben auch nicht so wichtig sei. Für jemanden der die Taufe ernst nimmt, ist ein Abwarten etwa so sinnvoll wie mit Operation einer Gaumenspalte abzuwarten. Auch das lässt sich nicht mehr rückgängig machen, aber die Idee das das Kind später unter dieser Entscheidung leiden könnte, ist doch sehr abwegig.

Rücksicht

"Auch das lässt sich nicht mehr rückgängig machen, aber die Idee das das Kind später unter dieser Entscheidung leiden könnte, ist doch sehr abwegig."

Bevor Sie hier derart lächerliche Vergleiche anstellen, sollten Sie sich vielleicht doch etwas in Rücksicht gegenüber religiösen Gefühlen bzw. deren Abwesenheit üben.

Wenn ich nicht christlich denke bzw. fühle, aber durch die Neugeborenentaufe faktisch lebenslang zu einem gemacht wurde, ist das doch nicht unerheblich!

@95 :

Wenn ich nicht christlich denke bzw. fühle, aber durch die Neugeborenentaufe faktisch lebenslang zu einem gemacht wurde, ist das doch nicht unerheblich!
Faktisch lebenslang zu einem gemacht worden? Wie soll das klappen? Angenommen Sie wurden als kleines Kind getauft, aber dann verlieren sie ihren Glauben oder hatten nie einen, sie sind dann sobald sie religionsmündig geworden sind ausgetreten und haben ein naturalistisches Weltbild angenommen, wie sollen sie dann aus ihrer Perspektive noch ein Christ sein? Die Taufe hatte aus dieser Perspektive keinerlei dauerhafte Wirkung, sie haben keinen Glauben mehr der sie zum Christ machen könnte. Warum also sollten Sie aus ihrer Perspektive dann immer noch ein Christ sein?

Von einer dauerhaften Wirkung der Taufe auszugehen, das geht doch nur wenn man selbst zumindest einen Teil des Glaubens behalten hat.

Ihre Position erscheint mir daher irgendwie sehr inkonsistent. Etwa so als ob sich jemand davor fürchten würde, dass ihn ein Schamane verflucht, der aber gleichzeitig behauptet 100% davon überzeugt zu sein, dass Flüche keine Wirkung haben.