KirchensteuerWehe, ihr zahlt nicht mehr!

Wer in Deutschland die Kirchensteuer verweigert, wird aus der Kirche ausgeschlossen. Aber geht das? Bleibt Christ nicht Christ? Ein Plädoyer für mehr Freiheit. von 

Vorweg muss ich etwas beichten: Ich war schon lange nicht mehr sonntags im Gottesdienst. Ich arbeite viel. Ich will trotzdem Zeit für meine Familie haben. Ich muss Sport machen, damit ich noch lange weiterarbeiten kann. Nebenbei muss ich einkaufen, den Stromtarif wechseln, mit Reklamations-Hotlines streiten. Ich habe nicht mal Zeit, krank zu sein. Und sonntagmorgens bin ich heilfroh, wenn ich einmal länger schlafen und dann mit Frau und Tochter entspannt frühstücken kann.

Da hat der Gottesdienst in der katholischen Kirche bei uns um die Ecke längst angefangen. Ich gebe zu, mein Bild von dieser, »meiner« Kirchengemeinde wird so von Äußerlichkeiten geprägt: der alten Frau, die uns streng fixiert, wenn wir mit unserem kleinen Kind doch einmal das Backstein-Gotteshaus betreten. Dem Leiter der angeschlossenen Schule, der zwar will, dass katholische Kinder die Vorschule besuchen, aber natürlich davon ausgeht, dass man sie mittags wieder abholt: Zwei arbeitende Eltern passen nicht ins Weltbild. Dem Mann, der nachmittags am verschlossenen Kirchentor rüttelt und verzweifelt schreit, er wolle beten. Im Pfarrhaus daneben brennt Licht, aber niemand öffnet ihm.

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Zufällige Begebenheiten. Doch sie tragen dazu bei, dass ich mich dieser Gemeinde so wenig verbunden fühle, dass ich zwar im Urlaub in Bayern in die Kirche gehe, nicht aber daheim in Hamburg. Und das müsste ich tatsächlich beichten. Denn gemäß dem Katechismus der katholischen Kirche verstoße ich gegen die Sonntagspflicht zur Teilnahme an der Messfeier, gegen das dritte Gebot also, begehe eine »schwere Sünde« und verliere die Gnade vor Gott (sofern er das auch so sieht). Ich dürfte also nicht mehr an der Messe teilnehmen, bevor ich nicht gebeichtet habe. Genauso geht es 85 Prozent der deutschen Katholiken, die, wenn überhaupt, nur noch zu hohen Feiertagen den Gottesdienst besuchen; bei den Protestanten sind es sogar 95 Prozent, aber dort gibt es keine Sonntagspflicht.

Doch für meinen Bischof gehöre ich trotzdem voll dazu. Denn ich zahle Kirchensteuer. Aus Angst, aus Überzeugung, aus schlechtem Gewissen? Oder als eine Art Rückversicherung? Egal, ich zahle, und meine schweren Sünden spielen keine Rolle mehr. Die katholische Kirche hat in Finanzdingen eine unrühmliche Tradition; das hemmungslose Wirken des Ablasspredigers Johann Tetzel – »Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt« – war für Martin Luther der Anlass zum Anschlag seiner Thesen.

Wehe aber, ich zahlte nicht mehr. Dann würden mir flugs, und das ist amtlich, die heiligen Sakramente gestrichen: Kommunion, Beichte, Krankensalbung. Es gäbe keine kirchliche Hochzeit, sofern ich keine Sondergenehmigung vorweisen könnte. Es gäbe keine kirchliche Beerdigung, sofern ich nicht vorher noch bereute. Ich dürfte nicht mehr Tauf- oder Firmpate werden. Kurz: Ich gehörte im Nu nicht mehr zur kirchlichen Glaubensgemeinschaft, ganz egal, ob ich bei jedem Sonntagsgottesdienst in der ersten Bankreihe kniete, keine Beichte ausließe, tätige Nächstenliebe übte, im Bekanntenkreis missionierte und auch sonst ein tiefgläubiger Mensch wäre. It’s the economy – selbst beim Glauben.

Aber muss das so sein? Gefragt hat das der emeritierte deutsche Kirchenrechtsprofessor Hartmut Zapp. Der international anerkannte Experte trat 2007 auf dem Standesamt aus der Organisation Kirche aus, erklärte aber gleichzeitig, er fühle sich der katholischen Glaubensgemeinschaft weiterhin zugehörig. Für das Freiburger Erzbistum konnte das nicht sein. Man klagte gegen Zapp, und seit Oktober 2012 gibt es ein Grundsatzurteil des Verwaltungsgerichts in Leipzig: Wer in Deutschland aus der Organisation Kirche austritt, gehört auch nicht mehr zur Gemeinschaft der Gläubigen.

Im Umkehrschluss heißt das: Wer hier den katholischen Glauben praktizieren will, muss zahlen. Und Ablass-Tetzel hin, Luther her: Auch die evangelische Kirche hat die Mitgliedschaft an die Kirchensteuer gekoppelt. Wer austritt, da sind die Protestanten nicht ganz so knallhart, verliert zwar nicht den Anspruch auf das Abendmahl, aber auch auf die kirchlichen Amtshandlungen wie Taufe oder Hochzeit. Auf das kirchliche Begräbnis? Hängt vom Pfarrer ab.

Glauben ist Privatsache? Mag sein. Religion ist Privatsache? Vielleicht auch noch. Aber ob und wie man seine Religion ausüben darf, das ist in Deutschland eine hoch offizielle staats-kirchliche Angelegenheit. Natürlich, wir haben keine Staatskirche. Aber wie andere Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften auch besitzen die römisch-katholischen Bistümer und die evangelischen Landeskirchen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, für die der Staat die Steuern einzieht: Neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer, in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent plus Kirchgeld. Ein lediger Arbeitnehmer mit 4.000 Euro brutto im Monat zahlt 71,03 Euro; 29,18 Euro sind es noch, wenn er verheiratet ist und ein Kind hat.

Wer das nicht zahlen will oder kann, dem bleibt nur ein Weg: der Austritt aus der Körperschaft Kirche. Den setzen die katholischen Bischöfe mit einem Schisma gleich, einem Abfall vom Glauben, dem Bruch mit der Glaubensgemeinschaft. Und darauf stehen schwerste Beugestrafen, die quasi eine Exkommunikation zur Folge haben – auch wenn Kirchenleute das heute nicht mehr so nennen. »Vielleicht haben Sie die Tragweite Ihrer Entscheidung nicht ermessen und möchten diesen Schritt rückgängig machen«, heißt es in dem Schreiben, das den aus der katholischen Kirche Ausgetretenen seit September dieses Jahres zugeht. Das Absurde: Das hat nicht der gerne als reaktionär und verknöchert geschmähte Vatikan festgelegt. Im Gegenteil: Der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte schrieb schon 1996, ein Austritt vor einer Behörde sei keine Rechtfertigung für die Exkommunikation, denn der Betreffende könne ja willens sein, in der Glaubensgemeinschaft zu bleiben. Doch die katholischen deutschen Bischöfe setzten sich darüber hinweg, denn sie haben viel zu verlieren. Trotz rückläufiger Mitgliederzahlen sind Deutschlands große Kirchen finanziell sehr gut ausgestattet, die katholische und die protestantische Kirche verfügen zusammen über geschätzte Vermögen im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro. Dazu kommen jedes Jahr Staatsleistungen, Spenden, Erlöse aus Grundbesitz und sonstigem Vermögen. Trotzdem lassen die Bistümer und Landeskirchen über neun Milliarden Euro Kirchensteuern im Jahr einziehen – weit mehr, als die Christen in anderen europäischen Ländern bezahlen. Italien erhebt auf die Bruttoeinkommensteuer eine Kirchen- und Kultursteuer von 0,8 Prozent, die einer Kirche, einem sozialen Zweck oder dem Staat selber gewidmet werden kann. In Spanien zahlt man 0,7 Prozent, in Finnland gehen ein bis zwei Prozent des zu versteuernden Einkommens an die Kirche. Sonst setzt man eher auf Freiwilligkeit: Bis zu drei Viertel der Einkünfte weltweit stammen aus Spenden.

Und unsere hohen Beiträge kommen leider kaum den sozialen Diensten zugute. Gerade fünf Prozent des Budgets von Caritas und Diakonie stammen aus Kirchensteuern. Kirchliche Kindergärten finanzieren sich zum allergrößten Teil, kirchliche Schulen, Altenheime, Krankenhäuser fast nur aus öffentlichen Steuermitteln, Kassen- und Patientenbeiträgen. In den Kirchengemeinden kommt nur der kleinere Teil der eingenommenen Steuern an; im Bistum Mainz beispielsweise nur rund ein Viertel des jährlichen Haushaltes. Und so wird an der Basis, in den Pfarreien, bei Kinder- und Jugendarbeit fleißig gespart, gesammelt und gespendet – während sich manche der direkt vom Staat bezahlten Bischöfe Apartments samt eigener Kapelle leisten, Limousinen mit getönten Scheiben und First-Class-Upgrades im Flieger. Die Gottesmänner führen sich auf wie die irdischsten Manager.

Dem Kanonisten Hartmut Zapp ging es bei seiner Austrittsaktion um Gerechtigkeit: Die Kirchensteuerforderungen der deutschen Bischöfe seien »unangemessen« hoch. Ein Austritt aus Steuerspar-Gründen sei dann kein Verstoß gegen die kirchenrechtliche Verpflichtung jedes Gläubigen, zum Unterhalt seiner Kirche beizutragen, wenn man statt der deutschen Kirchensteuern eine Summe wie »in vergleichbaren westeuropäischen Ländern« entrichte. Zapp selber wollte freiwillig einen Beitrag in Höhe des italienischen Modells überweisen. Schließlich habe auch Papst Benedikt XVI., immerhin Stellvertreter Gottes auf Erden, empfohlen, das deutsche Modell dem italienischen anzugleichen.

Auch im Kirchenvolk wächst die Kritik am deutschen Sonderweg. Der Kirchensteuereinzug durch den Staat und die Verteilung des Geldes von oben nach unten befördere die Verkrustung der Kirchenstrukturen. Etabliere einen bürokratischen Wasserkopf. Entmündige die Kirchgemeinden, in denen es kaum finanzielle Anreize gebe, Glaubensvermittlung und Gemeindeleben nach den Bedürfnissen der Gläubigen zu gestalten.

Die wachsende Kirchenferne, sie ist auch eine Gläubigenferne, betoniert durch automatisch fließende Kirchensteuern. Um die sich die Kirche nicht bemühen, für die sie sich nicht erklären muss.

Doch ohne Geld für die Kirchen geht es natürlich auch nicht. Kirchenmitarbeiter, die sich ihr Auskommen nicht mit einem Zweitjob sichern müssen, werden in diesen wechselhaften Zeiten mehr für die Seelsorge gebraucht denn je. Allen weltanschaulichen Streitpunkten zum Trotz: Die Kirchen leisten auch für Nichtmitglieder einen Beitrag zur sozialen, kulturellen und ethischen Ausgestaltung unserer Gesellschaft. Und mal ehrlich: Weihrauch und gepflegte Gotteshäuser gehören auch dazu.

Klar ist: Nur auf freiwillige Spenden und Kollekten zu setzen könnte die christlichen Kirchen in Deutschland trotz ihrer Vermögen schnell in ihrem Fortbestand gefährden. Und Kirchengemeinden, die von Großspendern abhängig sind – wollen wir das? Wollen wir künftig Embleme von Autoherstellern auf den Emporen? Oder Gesangbücher mit Widmung von der »Sterbeversicherung Kommsanftheim«? Und schließlich: Warum soll es in einer Religionsgemeinschaft anders sein als im Sportverein? Wer mitturnen will, muss bezahlen. Nur wird in keinem Sportverein das Geld automatisch vom Staat eingezogen.

Ein besseres System der Kirchenfinanzierung sollte sich aus Mitgliedsbeiträgen speisen, die direkt an die Gemeinden gehen. Zahlen müssten alle erwachsenen Gemeindemitglieder. Für Nichtberufstätige könnte der Soli-Mindestbeitrag bei fünf Euro im Monat liegen – den Preis einer einzigen Schachtel Zigaretten sollte der »Verein« Kirche auch Nichtkirchenmitgliedern wert sein, die heute schon ihre Nachmittage gern im katholischen Altencafé oder beim protestantischen Hausfrauentreff verbringen oder sich an der Christmette freuen. Bei Berufstätigen könnte der Grundbeitrag beim Doppelten liegen. Und wer das Bedürfnis hat, seine Gemeinde besonders zu unterstützen, darf aufstocken. Auf 20 Euro, 40 Euro, 100 Euro im Monat. Aber nur, solange er will. Wer in finanzieller Bedrängnis ist, wird vorübergehend vom Beitrag befreit. Aber vielleicht hilft er dafür beim Kindernachmittag oder beim nächsten Pfarrfest? Gläubigen, die mit ihrer Kirchengemeinde nicht zufrieden sind, steht frei, eine andere zu unterstützen. Wie gesagt: Das Geld fließt zuerst an die Gemeinde – die einen angemessenen Teil an Landeskirche und Bistum weiterleitet.

Und wo bleibt die Barmherzigkeit? Die Kombination dieses Mitgliedsmodells mit dem italienischen könnte uns allen guttun. Jeder Steuerzahler, egal, ob Mitglied einer Glaubensgemeinschaft oder nicht, widmet zusätzlich einen Anteil von etwa einem Prozent seiner Steuern einer gemeinnützigen Organisation. Das können auch die Kirchen sein, die umso mehr bekämen, je mehr sie sich um die Belange der ganzen Gemeinschaft verdient machen – anstatt sich, wie es konservative kirchliche Kräfte fordern, schrumpfend in sich selbst zurückzuziehen.

Eine solche Finanzreform könnte den zwei großen Kirchen genau jene Reformimpulse verleihen, die immer mehr Christen schmerzlich vermissen: Beteiligung, Glaubwürdigkeit, innerer Aufbruch. Ließen sich die Bistümer und Landeskirchen darauf ein, statt das Kirchensteuersystem zäh zu verteidigen, wäre das ein klares Signal dafür, dass die deutschen Kirchenoberen verstanden hätten: Beim Glauben geht es nicht zuerst ums Geld, sondern um Gott und die Menschen.

Vielleicht würde ich dann auch wieder lieber in die katholische Kirche bei mir um die Ecke gehen.

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Leserkommentare
  1. Die katholische Kirche mehr noch als die evangelische, hat einen gewissen Ekel- oder Ablehnungsfaktor. Sie bedient sich aus dem Geldsäckel der Mitmenschen um sie gleichzeitig zu verurteilen.
    [...]
    Wenn man sich dann den Luxus anschaut, den sich die Kirchenfürsten heute leisten, siehe Tebarz van Elst, Bischof von Limburg, dann wird einem ganz schummerig.
    [...]

    Da freuen wir uns doch lieber an den christlichen Mystikern wie dem heiligen Augustinus von Hippo und seiner Scala Paradisii: Sich leer machen ( meditieren ) für die Wiedergeburt Christi in uns hier und jetzt und nicht an irgendeinem jüngsten Tag. Dafür bedarf es keiner Mitgliedschaft in diesem sündigen Verein; das kann man in freier Natur oder im heimischen Wohnzimmer, ganz ohne Weihrauch, ohne Kerzen, ohne Papst und ohne Priester.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalierungen. Danke, die Redaktion/jk

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    Was hat der arme Mensch eigentlich getan, dass der Bischof von Limburg mal wieder als Negativ-Beispiel angeführt wird? Der ihm immer gerne angelastete 'Luxuswagen', ein BMW, wurde bereits von seinem Vorgänger angeschafft und benutzt, die Baumaßnahmen die ihm angerechnet werden, hat er ebenfalls nicht zu verantworten, weil er bei der Beschlussfassung noch nicht Bischof von Limburg war und als er es geworden war, bat er zu prüfen, ob es nicht eine weniger aufwändige Lösung gäbe. Die enormen Kosten entstehen durch das Alter der vorhandenen Bausubstanz, nicht aus Prunksucht!

    Gerne wird auch das Bild vom lachenden Bischof im Sportwagen gezeigt. Eine Aufnahme von einer Veranstaltung zu der man ihn eingeladen hatte. Eine Freundlichkeit für die Fotografen, deren Heimtücke er garnicht durchschaute. Aber sofort springt der Leser drauf an und empört sich und wenn nun von Tebartz-van Elst und seinem Wagen die Rede ist, dann hat man genau dieses Bild vor Augen. Unlauter finde ich solche Spielchen.

    Es gibt genügend Missstände gegen die man anschreiben kann. Bischof Tebartz-van Elst kann man ruhig außen vor lassen, er hat keine Missstände zu verantworten. Er ist konservativ, das ja.
    Ist das Grund genug, ihn zu verleumden?

  2. Wir leben in einem Staat, der die Staatskirchen privilegiert.
    Es gibt ein eigenes Kirchenrecht, es gibt ein separates Kirchenrecht, dass kirchlichen Arbeitnehmer verbietet zu streiken, ein Arbeitsrecht das Arbeitnehmer die sich scheiden lassen kündigt, ein Arbeitsrecht, dass lesbische Erzieherinnen aus dem Dienst entlässt und dergleichen mehr.

    Die Kirche ist ein Staat im Staate und ist einzig und alleine dem Geld verpflichtet. So ist es auch gekommen, dass die Themen in den Predigten, die Arbeit der Kirche sich immer weiter von einem authentischen Christentum entfernt haben, man will mit zu authentischem und biblischem Christentum, wie es in seinen Ursprüngen festgehalten ist, nicht die zahlende Kundschaft vergraulen.

    So kommt es das Kirchenvertreter Positionen einnehmen, die mit dem Christentum nicht mehr viel gemein haben.

    Wer kennt denn heute noch das Christentum und die Bibel?
    Wer liest in der Bibel? Wer weiß was die Lehren des Christentums sind?

    Hierzu empfehle ich das Buch, "Denn sie wissen nicht was sie glauben", von Franz Buggle.

    Die Kirche lebt in einer Parallelgesellschaft und schafft ihre eigene Welt. Pädophile Priester werden nur in den seltensten Fällen vor weltliche Ermittler gebracht, meist reicht es wenn sie "Bereuen" und können dann in einer anderen Gemeinde ihr Unwesen treiben.

    Zudem müssen wir auch als Atheisten oder Angehöriger anderer Konfessionen durch unsere Steuern die Bischöfe mitfinanzieren.

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    • outis
    • 25. Dezember 2012 7:29 Uhr

    Jeder Verein gibt sich einfach so seine eigene Satzung! Man stelle sich das mal vor: da entscheiden die Taubenzüchter völlig willkürlich, dass sie keine Karnickelzüchter aufnehmen. Um noch einen draufzusetzen, stellt der DFB an jedem Spieltag eigene Richter auf die Plätze, die einfach so, ohne ordentlichen Prozess Strafen verhängen. Und der Staat? Der sieht sich einfach an, wie seine Autorität, die doch bitteschön allumfassend sein sollte, von solchen Parallelstrukturen untergraben wird. Und erfindet euphemische Begriffe für sowas: Vertragsfreiheit, Vereinsfreiheit, Privatautonomie.

    • outis
    • 25. Dezember 2012 7:35 Uhr

    Mitfinanzieren: Ja ich finanziere auch Waldorfkindergärten und humanistische Kitas, ich finanziere Fernsehsender, die ich nicht schaue, Parteien die ich nicht wähle, Panzer, die ich nicht mag, die Füllung von Kühlschränken, aus denen ich mich nicht bedienen kann, Bundesländer in denen ich nicht wohne, Autobahnen die ich nicht nutze. Könnte so schön sein, wenn ich alleine hier wäre.

    Wenn wir die Trennung von Staat und Kirche wollen, dann sollten wir konsequent sein und die Quersubventionierung der geistlichen Angestellten wie Bischöfe, Priester und Pfarrer unterlassen. Immerhin kassieren die Kirchen jedes Jahr 9 Mrd. Euro an Kirchensteuer die vom Staat eingetrieben werden. Das Amt des Bischof zu finanzieren bringt der Allgemeinheit nichts. Man muss feststellen, dass das Kirchenrecht viele weltliche Rechte missachtet und sich so über unsere Gesetze stellt.

    Nehmen wir nun das von der Kirche unterbundene Streikrecht für kirchliche Arbeitnehmer, kürzlich erst musste ein weltliches Gericht diesem Treiben einen Riegel vorschieben. Dann widerspricht das Kirchenrecht dem Diskriminierungsverbot, denn es darf geschiedenen Arbeitnehmern kündigen und bspw. darf eine lesbische Erzieherin gekündigt werden, weil sie in ihrem privaten Bereich eine Frau liebt.

    Die Kirche, hier nun insbesondere die katholische, wird von einer undemokratischen patriarchalisch-mittelalterlichen Männerriege geführt, die sich fernab der weltlichen Gesetze verortet und diese Missachtet. Man bedenke den Umgang mit Pädophilen in ihren Kreisen, welche bedingungslos geschützt werden, wohingegen die Opfer keine Barmherzigkeit erfahren.

    Für die Kirchen wird das Betriebsverfassungsgesetz und Mitarbeitervertretungsgesetz ausgeschlossen, ebenso wird hier die Religionsfreiheit der Mitarbeiter eingegrenzt.

    Und all das finanzieren wir mit unseren Steuermitteln.
    Die Kirche hat bereits ihre Sharia!

  3. Zudem sollte auch endlich akzeptiert werden, dass das Alte Testament ausdrücklich Mittelpunkt christlicher Lehre darstellt!

    «Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh. 20; 31; 2 Tim. 3; 16; 1 Petr. 1; 19-21 u. 3; 15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind. Zur Abfassung der heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er - in ihnen und durch sie wirksam - geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern. Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, daß sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in den Heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte.»
    (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung [1965])

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    Aus K Nr. 3: "Zudem sollte auch endlich akzeptiert werden, dass das Alte Testament ausdrücklich Mittelpunkt christlicher Lehre darstellt!"

    Zur Begründung zitieren Sie aus der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Nach Ihrem Zitat heißt es doch dort ausdrücklich, " die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch. Daraus kann man doch nicht ableiten, dass das AT den Mittelpunkt der christlichen Lehre bilde.
    Ausweislich des Wortlauts bilden wenn, dann AT und NT zusammen den Mittelpunkt.

    Abgesehen vom Wortlaut der Dogmatischen Konstitution, wäre es wohl etwas grotesk, wenn das Alte Testament in dem Christus und seine Lehren nicht vorkommen, der Mittelpunkt der christlichen Lehre wäre, zumal Fundament des Christentums die Menschwerdung Gottes in der Person von Jesus, sein Kreuzestod und seine Auferstehung sind, wovon ausschließlich im NT berichtet wird.

    Was aber hat nun die Frage, ob (nur) das AT, (nur) das NT oder beide den Mittelpunkt der christlichen Lehre bilden, mit den vorliegenden Artikel zu tun, der zum Gegenstand hat, ob nicht andere Formen der Finanzierung der Amtskirchen in Deutschland besser wären?

  4. Das ist eindeutig nach Kirchenrecht und das weiß natürlich auch Hartmut Zapp.

    Eine Zwangsmitgliedschaft in einer religiösen Körperschaft ist natürlich verfassungswidrig. Aus diesem Grund ist der Austritt staatsrechtlich vorgesehen, nicht jedoch kirchenrechtlich.

    Wie in dem Beitrag zutreffend dargestellt, hat dies aber nach Ermessen der religiösen Körperschaft Kirchenstrafen zur Folge.

    Was da Zapp wollte, ist natürlich absurd. Allein durch die Austrittserklärung ohne jeden Zusatz hätte er erreicht, dass er von der Zahlung der Kirchensteuer befreit ist, jedenfalls von deren Zwangseintreibung. Gleichwohl blieb er Mitglied seiner Kirche, ob er wollte oder nicht.

    Dass er auch von Kirchenstrafen durch die Religionsgemeinschaft befreit wird, kann er durch Anrufung staatlicher Gerichte nicht erreichen. Das ist eine grundgesetzlich garantierte innerkirchliche Angelegenheit.

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    • Peterra
    • 25. Dezember 2012 1:30 Uhr

    Nach Kirchenrecht nicht möglich - korrekt, was Sie da schreiben.

    Im Klartext heisst das, der Säugling, dessen Taufe von den Eltern veranlasst wird, hat als Erwachsener, (womöglich kritisch und vernünftig) denkender Mensch keinen Einfluss mehr auf seine Religionszugehörigkeit. Ein eindrucksvolles Beispiel für die totale Rechtlosigkeit von Kindern in der christlichen, nein, in sämtlichen monotheistischen Religionen.

    Ist es nicht gerade die Kirche, die unaufhörlich betont, dass Gott den Menschen einen freien Willen gegeben hat?
    Wie passt das Ihrer Meinung nach zusammen?

    Konkret gesprochen: wer die Kirche hinter sich läßt, den braucht das Kirchenrecht nicht mehr zu interessieren. Ich bin frei und damit basta!

  5. und um Kontrolle. Dürfte nichts neues sein.

  6. ..., dass man 'die Kirche' nicht braucht um Christ zu sein sollte einem, zumindest meiner Meinung nach, nach Lesung des neuen Testaments spaetestens klar sein.

    Off-Topic: Abgesehen davon wuerde ein weltweiter Mindestlohn die Welt bestimmt um einiges voran bringen.

  7. Woher wissen wir eigentlich, dass die Kirche zur Zeit der Roemer nicht ins Leben gerufen wurde um die Christen 'unter Kontrolle' zu halten ? ^^

    • clubby
    • 24. Dezember 2012 20:31 Uhr

    einen Repräsentanten auf der Erde der den Menschen seine Vorstellungen übersetzt? Ich denke mal wenn er/sie/es allmächtg ist, kann er/sie/es jedem direkt sagen was wichtig ist bzw. lenken. Die Methode auch gut zuzuhören und es zu verstehen, nennt man gemeinhin Gebet/Meditation.

    Es ist also alles quasi "out of the box" vorhanden. Ganz ohne Kirche. Für die Überschrift des Artikels hätte meiner Meinung nach ein enfaches "Ja" als Antwort gereicht.

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    K Nr. 8: "Wieso braucht ein allmächtiges Wesen einen Repräsentanten auf der Erde der den Menschen seine Vorstellungen übersetzt? (...)"

    Brauchen wohl nicht, dennoch war es wohl der Gott der Christen, der katholischen jedenfalls, selbst, der das Repräsentanz-Modell initiiert hat.
    Je nach theologischer Ansicht, hat er sich menschgeworden als Jesus (zunächst) selbst repräsentiert oder sich durch den Menschen Jesus repräsentieren lassen. Und Jesu' Worte zu Petrus: Du bist der Fels, auf den ich meine Kirche baue, als Auftrag zu einer fortwährenden Repräsentanz zu interpretieren, ist nicht ganz abwegig.
    Vielleicht war die Überlegung Gottes: Wenn ich den Menschen einen freien Willen lasse, dann erleichtere ich ihnen an mich zu glauben durch einen Stellvertreter in Fleisch und Blut, den sie auf jeden Fall sehen können, hören können usw.

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