Klar ist: Nur auf freiwillige Spenden und Kollekten zu setzen könnte die christlichen Kirchen in Deutschland trotz ihrer Vermögen schnell in ihrem Fortbestand gefährden. Und Kirchengemeinden, die von Großspendern abhängig sind – wollen wir das? Wollen wir künftig Embleme von Autoherstellern auf den Emporen? Oder Gesangbücher mit Widmung von der »Sterbeversicherung Kommsanftheim«? Und schließlich: Warum soll es in einer Religionsgemeinschaft anders sein als im Sportverein? Wer mitturnen will, muss bezahlen. Nur wird in keinem Sportverein das Geld automatisch vom Staat eingezogen.

Ein besseres System der Kirchenfinanzierung sollte sich aus Mitgliedsbeiträgen speisen, die direkt an die Gemeinden gehen. Zahlen müssten alle erwachsenen Gemeindemitglieder. Für Nichtberufstätige könnte der Soli-Mindestbeitrag bei fünf Euro im Monat liegen – den Preis einer einzigen Schachtel Zigaretten sollte der »Verein« Kirche auch Nichtkirchenmitgliedern wert sein, die heute schon ihre Nachmittage gern im katholischen Altencafé oder beim protestantischen Hausfrauentreff verbringen oder sich an der Christmette freuen. Bei Berufstätigen könnte der Grundbeitrag beim Doppelten liegen. Und wer das Bedürfnis hat, seine Gemeinde besonders zu unterstützen, darf aufstocken. Auf 20 Euro, 40 Euro, 100 Euro im Monat. Aber nur, solange er will. Wer in finanzieller Bedrängnis ist, wird vorübergehend vom Beitrag befreit. Aber vielleicht hilft er dafür beim Kindernachmittag oder beim nächsten Pfarrfest? Gläubigen, die mit ihrer Kirchengemeinde nicht zufrieden sind, steht frei, eine andere zu unterstützen. Wie gesagt: Das Geld fließt zuerst an die Gemeinde – die einen angemessenen Teil an Landeskirche und Bistum weiterleitet.

Und wo bleibt die Barmherzigkeit? Die Kombination dieses Mitgliedsmodells mit dem italienischen könnte uns allen guttun. Jeder Steuerzahler, egal, ob Mitglied einer Glaubensgemeinschaft oder nicht, widmet zusätzlich einen Anteil von etwa einem Prozent seiner Steuern einer gemeinnützigen Organisation. Das können auch die Kirchen sein, die umso mehr bekämen, je mehr sie sich um die Belange der ganzen Gemeinschaft verdient machen – anstatt sich, wie es konservative kirchliche Kräfte fordern, schrumpfend in sich selbst zurückzuziehen.

Eine solche Finanzreform könnte den zwei großen Kirchen genau jene Reformimpulse verleihen, die immer mehr Christen schmerzlich vermissen: Beteiligung, Glaubwürdigkeit, innerer Aufbruch. Ließen sich die Bistümer und Landeskirchen darauf ein, statt das Kirchensteuersystem zäh zu verteidigen, wäre das ein klares Signal dafür, dass die deutschen Kirchenoberen verstanden hätten: Beim Glauben geht es nicht zuerst ums Geld, sondern um Gott und die Menschen.

Vielleicht würde ich dann auch wieder lieber in die katholische Kirche bei mir um die Ecke gehen.