Liebeskolumne Muss er Trauerarbeit leisten?

Die Frage: Thomas hat sich nach sieben Jahren von Mira getrennt, nachdem er entdeckt hat, dass sie mit einem Kollegen eindeutige Mails austauscht. Er glaubt, dass Mira ihn loswerden wollte, sie hat ihre Mails nicht einmal durch ein Passwort geschützt. Thomas ist auch schon fremdgegangen, hat aber sorgfältig vermieden, dass Mira etwas herausfindet.

Fünf Tage nach der Trennung verbringt er die erste Nacht mit Natalie. Er stellt sich als Opfer seiner treulosen Freundin dar. Bald will er mit Natalie in Urlaub fahren.

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Natalie geht das zu schnell. »Du hast überhaupt keine Trauerarbeit geleistet«, sagt sie besorgt. »Dabei warst du so viele Jahre mit Mira zusammen!« – »Ich bin eben kein Kind von Traurigkeit«, entgegnet Thomas verstimmt.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Freud hat den Begriff der »Trauerarbeit« geprägt, um anzudeuten, dass die Verarbeitung von Verlusten ein Prozess ist, der Zeit und Kraft beansprucht. Trauerarbeit ist nicht planbar, daher kann Natalie sie nicht einklagen.

Aber sie spürt, dass Thomas Negatives eher verbirgt, als es mit ihr zu besprechen.

Sie ahnt vielleicht, dass die Beziehung zu Mira komplizierter war, als es Thomas erzählt. Thomas hatte Mira schon viel früher verloren; ihr Seitensprung lieferte nur den Anlass für das Ende der Beziehung. Natalies Moralisieren über Trauerarbeit bringt die beiden nicht weiter.

Wolfgang Schmidbauer

ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen

Solange Thomas das Opfer spielt, ohne seine eigenen Schattenseiten zu zeigen, bleibt ihr Kontakt oberflächlich.

 
Leser-Kommentare
  1. Die beiden nicht, aber für Natalie ist es vielleicht doch besser, vorsichtig zu sein mit jemandem, der noch an seiner Verflossenen hängt.

  2. Frauen, die mit solchen Begriffen wie "Trauerarbeit" in überheblicher Weise moralisieren (also Machtkämpfe veranstalten) ohne aber letztlich irgendeine Ahnung von der Materie zu haben (zu denken, man könne Trauerarbeit erzwingen, einfordern, ist schon ganz schön daneben), sind schon eine harte Nuss. Solange sie nicht für Männer bedeutsame anderweitige Qualitäten haben, sollte man die Finger von ihnen lassen.

    • KarlK
    • 04.01.2013 um 13:31 Uhr

    muss sie eine gewisse Tiefe gehabt haben. Die Frage nach der Beziehungsintensität bleibt jedoch für mich offen: Thomas betrügt Mira, Mira betrügt Thomas, weitere Aspekte der Beziehung bleiben nebulös.
    Natalie sollte für sich und mit Thomas klären, was für eine Art von Beziehung sie mit ihm haben möchte. Eine oberflächliche Sexbeziehung geht mit ihm wohl auch ohne Trauerarbeit.

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