Die Frage:  Thomas hat sich nach sieben Jahren von Mira getrennt, nachdem er entdeckt hat, dass sie mit einem Kollegen eindeutige Mails austauscht. Er glaubt, dass Mira ihn loswerden wollte, sie hat ihre Mails nicht einmal durch ein Passwort geschützt. Thomas ist auch schon fremdgegangen, hat aber sorgfältig vermieden, dass Mira etwas herausfindet.

Fünf Tage nach der Trennung verbringt er die erste Nacht mit Natalie. Er stellt sich als Opfer seiner treulosen Freundin dar. Bald will er mit Natalie in Urlaub fahren.

Natalie geht das zu schnell. »Du hast überhaupt keine Trauerarbeit geleistet«, sagt sie besorgt. »Dabei warst du so viele Jahre mit Mira zusammen!« – »Ich bin eben kein Kind von Traurigkeit«, entgegnet Thomas verstimmt.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet:Freud hat den Begriff der »Trauerarbeit« geprägt, um anzudeuten, dass die Verarbeitung von Verlusten ein Prozess ist, der Zeit und Kraft beansprucht. Trauerarbeit ist nicht planbar, daher kann Natalie sie nicht einklagen.

Aber sie spürt, dass Thomas Negatives eher verbirgt, als es mit ihr zu besprechen.

Sie ahnt vielleicht, dass die Beziehung zu Mira komplizierter war, als es Thomas erzählt. Thomas hatte Mira schon viel früher verloren; ihr Seitensprung lieferte nur den Anlass für das Ende der Beziehung. Natalies Moralisieren über Trauerarbeit bringt die beiden nicht weiter.

Solange Thomas das Opfer spielt, ohne seine eigenen Schattenseiten zu zeigen, bleibt ihr Kontakt oberflächlich.