Aus eigenen Unterlagen konnte die Bank jedoch ersehen, dass es auch später mindestens 44 Depotübertragungen mit einem Volumen von 18,5 Millionen Mark von der Schweizer Hypo-Tochter zum Schweizer Bankhaus Leu gegeben hat. Sechs dieser Depots waren zuvor von Frau Mollath betreut worden. Weitere Recherchen der Bank ergaben: In einem Telefonat zwischen der eigenen Revisionsabteilung und dem Bankhaus Leu "ließ dieses unzweifelhaft durchblicken, dass die Mitarbeiterin Mollath Provisionen erhielt". Etwas Ähnliches stellt die Bank auch bei Petra Mollaths Kollegen fest.

Bei anderen Vorwürfen des Absenders Gustl Mollath tut sich die Bank schwerer. Dass Petra Mollath Gelder einer Familie in der Schweiz verwalte, kann Mollath zwar durch die Kopie einer Vollmacht belegen, ob es sich dabei allerdings um Schwarzgeld handelt, wird nie bewiesen. Alle weiteren Vorwürfe können Petra Mollath nicht nachgewiesen werden. Der Bank aber reicht das. Noch während der Revision im Februar 2003 kündigt sie Petra Mollath: außerordentlich und fristlos.

Die erste Runde im Rosenkrieg hat Gustl Mollath gewonnen. Es wird auch die letzte sein. Drei Monate später stellt Petra Mollath Strafanzeige gegen ihren Mann, was schließlich zu dessen Verurteilung führt.

Hatte die Bank mit dem Revisionsbericht tatsächlich den Beweis des von Gustl Mollath vermuteten "größten und wahnsinnigsten Steuerhinterziehungsskandals" in der Hand? Eher nicht. Als Petra Mollath vor einem Berliner Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung klagte, gewann sie den Prozess. Das Gericht befand, Geld im Ausland zu haben sei keine Straftat. Außerdem konnte die Bank weder Namen von Kunden noch Kontonummern nennen, für deren Vermittlung Petra Mollath Provisionen erhalten haben sollte. Immer wieder hatte die Bank den Ehemann Gustl Mollath um Namen gebeten. Aber der hatte abgeblockt. Er wollte plötzlich nicht mehr reden. Am 16. September 2003 wurde die außerordentliche Kündigung der Petra Mollath aufgehoben, sie erhielt eine Abfindung von knapp 20.000 Euro.

Als Mollaths Strafanzeige wegen "Steuerhinterziehung, Steuerumgehung, Geldwäsche , Anstiftung und Beihilfe dazu, Insidergeschäfte, (….)" Anfang 2004 bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg eingeht, macht das dort wenig Eindruck. Auch diese Anschuldigung kommt ohne Beweise aus. Mollath nennt diesmal zwar 24 Kunden, die mithilfe seiner Frau Schwarzgelder in die Schweiz gebracht haben sollen, ohne nähere Angaben. Gleich darunter führt er dann eine "Zeugen und Täterliste" auf, wobei unklar bleibt, wer Kunde ist, wer Zeuge und wer Täter.

Wie konkret muss eine Anzeige sein?, muss sich der Nürnberger Generalstaatsanwalt Hasso Nerlich bei der Anhörung im Bayrischen Landtag fragen lassen. Wie verständlich muss sie formuliert sein, bis sich die Ermittler aus dem Sessel erheben?

"Wir hatten keine Kontonummern, keine konkreten Beträge, keine Handlungsabläufe, nur vage Behauptungen", antwortet der Generalstaatsanwalt. "Meine Damen und Herren, das reicht nicht!" Und jetzt, über fünf Jahre danach, sind ohnehin alle Akten zu dem Fall vernichtet.

Nerlich prüft derzeit, ob es Gründe dafür gibt, das Verfahren gegen Gustl Mollath wieder aufzurollen . Alle Anwälte, Politiker und Journalisten, die alles besser wissen, machen ihn dabei rasend. Sie wissen nicht, dass inzwischen jeder mittlere Familienzwist auf dem Tisch eines Staatsanwalts landet, sie ahnen nicht, mit wie vielen irren Anschuldigungen es ein Staatsanwalt jeden Tag zu tun bekommt.

Aber wäre die Behörde nicht trotzdem verpflichtet gewesen, auch den Angeklagten Mollath entlastende Tatsachen zu ermitteln? Hätten die Staatsanwälte nicht durch eine Art Stichprobe prüfen müssen, ob seiner Anzeige trotz allen Wirrwarrs eine gewisse Bedeutung zukommt? Müssen nein, können ja. Die Entscheidung liegt im Ermessen des Staatsanwaltes.

Einige Fragen lässt Hasso Nerlich nun prüfen. Sie entscheiden über eine mögliche Wiederaufnahme der Causa Mollath. Auch der Unterstützerkreis des Gustl Mollath ermittelt: Hier sucht man einen prominenten Verteidiger für die Wiederaufnahme. Offenbar traut man den Beteuerungen der Staatsanwaltschaft nicht. Florian Streibl von den Freien Wählern hat den Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate akquiriert. Der hat Gustl Mollath in der Psychiatrie besucht, drei Vollmachten hatte er dabei – Mollath hat nicht unterschrieben. Dabei hätte Strate nicht einmal Geld verlangt. Will Mollath etwa gar keine Wiederaufnahme? Hat er sich in der Rolle des Märtyrers der bayerischen Strafjustiz eingerichtet?