OpelBochum ist nicht zu retten

Aber die Opel-Facharbeiter werden noch gebraucht. von 

Kein Weg führt daran vorbei, und jetzt ist es wenigstens offiziell: Das Bochumer Opel-Werk muss schließen, 2016 soll der letzte Familienvan vom Typ Zafira hier vom Band laufen. Seit mehr als einem Jahrzehnt verliert die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) beständig Geld und Marktanteile in Europa, und in den vergangenen Monaten hat die europäische Krise den Absatz erneut zweistellig einbrechen lassen. Es ist bitter für die fast 4000 Opelaner an der Ruhr, aber Fakt ist, dass Opel und andere Autobauer – Ford, Fiat, Peugeot – in ihren europäischen Fabriken weit mehr Autos herstellen könnten, als die Kunden ihnen abnehmen.

Leider ist auch keine nachhaltige Trendwende bei den Verkäufen in Sicht: Zu sehr sind diese Hersteller auf den stagnierenden europäischen Markt fixiert. Zu schwach ist ihr Markenimage, um gegen den Trend zu wachsen. Es ist daher betriebswirtschaftlich logisch, Produktionskapazitäten abzubauen, um den Rest der Fabriken besser auszulasten.

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Warum aber trifft es ausgerechnet Bochum? Die Werker dort sind nicht weniger fleißig als ihre Opel-Kollegen in Polen, Spanien, England, Rüsselsheim oder Eisenach. Im Gegenteil, die Malocher an der Ruhr waren zuletzt sogar besonders produktiv.

Es ist deshalb ungerecht, dass es jetzt ausgerechnet die Bochumer Arbeiter trifft. Tatsächlich ist die Malaise von Opel auf jahrzehntelanges Missmanagement und mangelnde Kontinuität in der Unternehmenspolitik zurückzuführen – die Betriebsräte beklagen das zu Recht. Dafür tragen vor allem die Bosse in Detroit, aber auch ihre häufig wechselnden Statthalter in Rüsselsheim Verantwortung. Sie haben es unterlassen, die deutsche Traditionsmarke weltweit zu etablieren, so wie es VW, Audi, BMW, Porsche und Mercedes erfolgreich gelungen ist. GM/Opel hat sich hasenfüßig aus lukrativen Marktsegmenten verabschiedet und immer wieder zur Unzeit an den falschen Stellen gespart. Bochum wird geopfert, weil es mit 50 Jahren zu den ältesten Opel-Werken zählt und in andere Fabriken zuletzt mehr investiert wurde.

Trotz alledem bringt es nichts, den Schwarzen Peter an einen anderen Opel-Standort weiterzureichen oder gar auf eine Revision der Konzernentscheidung zu hoffen. Die Manager in Detroit haben sich festgelegt. Der Druck amerikanischer Analysten, die europäische Verlustquelle endlich zu stopfen, hat dazu beigetragen. Schon im Juni hatten die Konzernstrategen in ihrer längerfristigen Produktplanung den Bochumern kein Nachfolgeprodukt mehr für die 2016 auslaufende Produktion des Familienvans Opel Zafira zugestanden. Seit Monaten war es den Managern in Rüsselsheim, aber auch Betriebsräten und Gewerkschaftern bis hinauf in die IG-Metall-Spitze deshalb klar, dass Bochum geopfert wird. Nur den kleinen Leuten im Werk wurde dies nicht offen gesagt. Wenigstens ist es gut, dass endlich auch die Opel-Werker in Bochum wissen, wohin die Reise geht: dass sich die meisten von ihnen neu orientieren müssen. Immerhin bleiben noch drei Jahre Zeit dafür.

Jetzt ist es wichtig, die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen – für Opel und die Bochumer. Richtig ist, dass die Marke nach jahrelangen Querelen endlich aus der imageschädlichen Diskussion kommen muss. Branchenkenner sind sich einig: Die Autos mit dem Blitz im Markenlogo sind besser als ihr Ruf. Wenn Opel es schaffen würde, die Schlagzeilen künftig mit tollen Autos statt mit ständigen Strategiedebatten zu füllen, wären die Arbeitsplätze in den verbleibenden Opel-Standorten wie Rüsselsheim, Eisenach oder Kaiserslautern etwas sicherer als zuvor.

Richtig gut sind allerdings auch die Facharbeiter in Bochum. Deshalb darf man diese Ressource nicht einfach abschreiben. Es gilt die Gnadenfrist zu nutzen. Opel will sein Logistikzentrum in Bochum beibehalten und womöglich einige Hundert Jobs in einer Komponentenfertigung retten. Man sollte die Manager darauf festnageln. Dass dies gelingen kann, hat Volkswagen in seinem Komponentenwerk Kassel mit seinen spritsparenden Automatikgetrieben (DSG) vorexerziert. Allein in diesem Jahr hat die Autoindustrie 18700 feste Stellen im Lande aufgebaut. Warum sollten Zulieferer oder andere Autobauer nicht auch die Fachkompetenz in Bochum für eigene Projekte nutzen?

Zudem soll ein bereits gegründetes regionales Bündnis aus Stadt, Wissenschaft, Gewerkschaften und Unternehmen mit Geld von GM/Opel Ideen für alternative Beschäftigung entwickeln. Die vergangenen Jahre haben schließlich gezeigt, dass industrielle Produktion in Deutschland kein Auslaufmodell ist.

Dass GM/Opel viel Geld dafür ausgeben muss, um die Bochumer zu entschädigen, ist nur gerecht. Die sollten das Geld aber nicht nur für Abfindungen nutzen, sondern vor allem dafür, sich eine neue Basis für zukünftiges Einkommen aufzubauen.

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