Die Adventstimmung im winterlichen Salzburg ist dahin. Am Montag machten im Innenhof des Chiemseehofes, des Sitzes der Landesregierung, Tausende von Landesbediensteten in Sprechchören und mit Trillerpfeifen ihrem Ärger Luft. Sie wollen sich nicht mit einer Nulllohnrunde abfinden. »Wir haben nichts verbockt, ihr habt unser Geld verzockt«, skandierten die vermummten Gestalten. Als Landeshauptfrau Gabi Burgstaller den Zorn zu besänftigen versuchte und die unkonventionelle Sozialdemokratin die »schwierige Situation« des Landes erwähnte, wurden ihre Worte vom Demo-Lärm verschluckt. Für klamme Kassen zeigt wohl kein Salzburger derzeit Verständnis.

Keine Woche alt ist die Nachricht, dass die Salzburger Finanzverwaltung mehrere Hundert Millionen bei hochriskanten Fremdwährungswetten verloren hat – und in Salzburg befindet sich alles in der Schwebe. Der kleinere Regierungspartner Volkspartei kündigte an, nach dem Jahreswechsel Neuwahlen zu beantragen, die Opposition von Freiheitlichen und Grünen sagt, sie werde mitziehen. Offen ist lediglich der Wahltermin. Ob zu diesem Zeitpunkt der seit fünf Jahren amtierende Finanzlandesrat David Brenner, bis vor Kurzem eine rote Zukunftshoffnung, noch seinen Geschäften nachgehen wird, scheint mehr als fraglich. Derzeit versucht der ehemalige Kronprinz seinen Rücktritt hinauszuzögern, doch sogar parteiintern halten mittlerweile viele Genossen diesen Schritt für unausweichlich. Zunächst überraschte der 41-jährige Senkrechtstarter mit der kreativen Behauptung, er sei es gewesen, der den Finanzskandal aufgedeckt habe, nun möchte er höchstpersönlich die Aufklärung der verworrenen Affäre in die Hand nehmen.

Bei welchen Risikogeschäften genau die vielen Steuermillionen verspielt wurden, weiß gegenwärtig niemand zu sagen. Nach derzeitigem Stand hatte die Leiterin des Budgetreferats seit zehn Jahren mit insgesamt 34 Geldinstituten immer verlustreichere Finanztermingeschäfte abgeschlossen. Bis sie schließlich die angeblich eigenmächtigen Spekulationen eingestehen musste und das Minus selbst mit 340 Millionen Euro bezifferte. Ob die Zahl Bestand hat, steht in den Sternen. Möglicherweise flossen auch, ähnlich wie in Niederösterreich, Beträge aus dem Wohnbaufonds in das Finanzkarussell.

Ermächtigt zum Kasinobesuch hatte die junge Fachkraft der damalige Finanzlandesrat Wolfgang Eisl von der Volkspartei. In einem Dekret vom Februar 2003 autorisierte er seine Beamtin, eine ganze Palette hoch komplizierter Wettgeschäfte aus dem Angebot der Finanzindustrie abzuschließen, »einschließlich exotischer Zinsderivate«. Die Genehmigung wurde fortan jedes Jahr im Budgetgesetz erneuert.