PersonenrätselLebensgeschichte

von Wolfgang Müller

Sein Vater stammte aus niedrigem Adel, legte den Titel jedoch ab und wurde Bäcker. Er starb früh. Die Lust des Jungen am Lesen und an Büchern weckte wohl sein Stiefgroßvater, ein Buchhändler. In seiner Kindheit erlebte er Hexenprozesse, den Besuch eines Königs und Soldaten aus aller Herren Länder. Gerade zwölf Jahre war er alt, als seine Heimatstadt niedergebrannte. Allein flüchtete er in den Schutz einer Festung. Aber selbst dort war er nicht sicher, kurz darauf wurde er zum Kriegsdienst gezwungen. 14 Jahre lang zog er unter wechselnden Herren durch verwüstete Länder. Trotz seiner gefährdeten Existenz zwischen den Fronten muss es ihm irgendwie gelungen sein, einiges Buchwissen zu erwerben und sich im Schreiben zu üben. Sonst wäre ihm wohl kaum der Sprung in die Schreibstube gelungen. Nach Kriegsende vertauschte er das Soldatenleben mit der Laufbahn eines herrschaftlichen Verwalters. Schließlich brachte er es zu einem schlecht besoldeten Amt und betrieb gleichzeitig einen mäßig florierenden Gasthof. Damit ist aber nur eines seiner zwei Leben beschrieben in der immer noch vom Krieg gezeichneten Gesellschaft. Wie er darüber hinaus Zeit für sein anderes Leben fand, bleibt sein Geheimnis.

In einem "Furor", so sagte er selbst, las er Geschichtswerke, Enzyklopädien, Romane, schrieb wie im Rausch und veröffentlichte in nur 15 Jahren einen Zyklus von zehn Werken, in denen er Erlesenes und Erlebtes kunstvoll zu einem grandiosen Zeitbild verwob. Daneben entstanden noch zehn kleinere Schriften, drei Traktate und vier historische Romane. Darin wird er sichtbar als gläubiger Christ, der an der Hoffnung festhielt, es könne eine bessere Welt geben als die verkehrte, an der er im Übermaß gelitten hatte. Ein letztes Mal zog er in den Krieg, es blieb eine kurze Episode. Krank kehrte er zurück und starb inmitten seiner Kinder. Fern der intellektuellen Zirkel seiner Zeit hatte er ein literarisches Wunder vollbracht. Die Nachwelt jedoch vergaß den Autor, der seinen Namen hinter Anagrammen versteckt hielt. Wer war’s?

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Lösung aus Nr. 50:

René Adler (*15. Januar 1985), Torwart (Bayer Leverkusen, jetzt HSV). Vor der WM 2010 gab er, da verletzt, den Torhüter-Posten der Nationalelf an Manuel Neuer ab – und ist nun dessen größter Konkurrent

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