StilkolumneGo, Logo, go!

Tillmann Prüfer über fette Marken von 

Pullover von Jil Sander

Pullover von Jil Sander  |  © Peter Langer

Man sieht zurzeit viele Sweatshirts mit dem Aufdruck »Kenzo« auf der Brust. Es gibt auch wunderbar weiche Pullover von Jil Sander mit einem augenfälligen »J«. Wobei es ja eher unüblich geworden war, Marken äußerlich herauszustellen. Ein Label ist meist nur noch diskret im Kragen eingenäht.

Die heutigen Trägerinnen von Kenzo-Shirts mögen sich nicht mehr daran erinnern – aber vor 20 Jahren prangten schon einmal große Logos auf fast jeder Brust: » Chanel «, »Boss« oder »Fruit of the Loom«. Man hatte überhaupt keine Hemmungen, sich selbst mit einem Firmenlogo in Verbindung zu bringen. Im Gegenteil: Eine Persönlichkeit, die sich nicht in einem Label ausdrücken ließ, war gar keine.

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Die Schriftzüge, die von den Sweatern herunterleuchteten, waren so einprägsam, dass man sich kaum vorstellen konnte, wie die Welt einmal ohne sie ausgesehen hatte. Unsere Großeltern hingegen waren es nicht gewohnt, Kleidung von bestimmten Marken zu kaufen. Wer ein schönes Kleid oder einen guten Anzug brauchte, wählte einen hochwertigen Stoff aus und ging damit zum Schneider, der daraus das gewünschte Stück nach Maß anfertigte. Etwas von der Stange zu kaufen war die günstige Lösung. Es gab nur wenige Edelschneider, die ihre Entwürfe für die Damen der gehobenen Gesellschaft mit ihrem eigenen Namen verbanden. Wie etwa Christian Dior oder Cristóbal Balenciaga. Es war nicht abzusehen, dass ein Name seinen Träger überleben könnte. Aber als Christian Dior starb, blieb das Modehaus Dior am Leben.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick  |  © Peter Langer

Mit den Jahren entwickelten sich die Marken zu Symbolen, die verschiedene geheimnisvolle Eigenschaften auf ihre Träger zu übertragen schienen. Als sich später aber zeigte, wie schnell sich eine Marke plagiieren lässt, ging dem Logozauber etwas verloren: Zwischen dem teuersten und dem billigsten Produkt war auf den ersten Blick kein Unterschied zu erkennen. Heute geht der Trend weg von der kollektiven Markenidentität hin zur Individualisierung. Man trägt wieder Monogramm. Zwischen all den kopierten Identitäten will man als etwas Einzigartiges herausleuchten.

Und ein großes »Kenzo«-Logo auf dem Sweater erinnert vor allem an eines: was Marken nicht mehr sind.

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Leserkommentare
    • Suryo
    • 17. Dezember 2012 17:13 Uhr

    Sichtbare Labels sind die größte Perversion der Konsumgesellschaft und der feuchte Traum jedes Kapitalisten.

    Der Konsument zahlt extra mehr Geld, um dann als lebendes Plakat noch mehr Konsumenten anwerben zu können. Abartig.

    20 Leserempfehlungen
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    • Infamia
    • 17. Dezember 2012 19:24 Uhr

    Echt cool ist, wer Markenware kauft, wo das Label möglichst nicht oder so gut wie nicht sichtbar ist. Alle, die ihre Labels zur Schau tragen, sind Möchtegerns. Ich trage viel BOSS, aber nur die, wo das Logo nicht, bzw. kaum sichtbar ist. Ganz vermeiden kann man es ja selten, außer man legt Hand an.

    Früher mussten die hochwertigen Marken nicht nur einen hohen Preis, sondern vor allen Dingen auch eine höhere Qualität haben. Das hat man mit der Labelei konsequent abgeschafft. Der Plunder wird mittlerweile in den gleichen Fabriken hergestellt, wie die Billigware und ist oft auc garnicht von den Plagiaten mehr zu unterscheiden, die oftmals auch in der selben Fabrik herstellt werden.

  1. Also da hätten wir vorneweg man bench.
    Abercomfie & Bitch ist auch nicht wirklich dezent.
    Jack Wills auch nicht.
    Alles Marken, die ich an Frauen sehe - vorzugsweise

    Die Liste zu verlängern wäre nicht schwer nur mühsam.

    What's the point then?

    2 Leserempfehlungen
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  2. Am schönsten ist es mit "Hollister". Da zeigt man dann der Umwelt mit dem Logo, daß man so doof war, sich vor dem Konsumtempel noch 10 min. die Beine in den Bauch zu stehen, bevor man hineingelassen wurde. Da sind die Leute, die sich das billig in China besorgen richtig clever...

    5 Leserempfehlungen
  3. wenn sie viel geld hatten ja
    ansonsten wurde schon im 19jh von stange gekauft oder selber gemacht
    dafür giebts die schnittzeitungen immernoch
    nur das billigklamotten mitlerweile billiger sind als der stoff zum selbermachen
    große markenlogos auf klamotten war ausser bei einer kleinen jugendsubkultur immer nur ein zeichen fehlender identität
    (oder dafür das oma dem kind etwas gutes worauf die jugend so "abfährt" besorgt hatt)

    Eine Leserempfehlung
    • R_IP
    • 17. Dezember 2012 18:10 Uhr

    "Vor 20 Jahren trug man große Logos auf Pullover und T-Shirts. Warum dieser Trend nun zurückkommt, erklärt Tillmann Prüfer in seiner Kolumne."

    Warum >zurückkommt<? War der Trend je erledigt? Ich weiß ja nicht, in welcher Gesellschaft sich Herr Prüfer sonst so rumtreibt (die Erwähnung von »Chanel« und »Boss« lässt da ja einiges vermuten), aber nach meiner bescheidenen Erinnerung sind die 90er Jahre das Jahrzehnt der MTV-Generation und der Adidas-Nike-Puma-Boys und -Girls gewesen, in dem man ohne das obligatorische Markenzeichen auf Brust-Hose-Mütze auf dem Sportplatz und auch sonstwo schonmal komisch angeschaut wurde. Meine Generation (sozialisiert in den 90ern) ist mit Abstand die konsumgeilste Generation seit Langem.

    8 Leserempfehlungen
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    Genauso isses. Bei allem, was mir an den 90ern gefallen hat - die Markengeilheit war unerträglich. Und nicht selten viel zu teuer für mich und viele andere.

  4. Genauso isses. Bei allem, was mir an den 90ern gefallen hat - die Markengeilheit war unerträglich. Und nicht selten viel zu teuer für mich und viele andere.

    Eine Leserempfehlung
  5. nicht ohne Grund verbindet man große, aufdringliche Logos mit Proleten oder Snobs (je nach Steuerklasse). So hat meiner Erfahrung nach dieser Trend in ruralen Gegenden, wo der Konformitätsdruck für Jugendliche größer sein mag, niemals aufgehört, während er in urbanen Gebieten nur in manchen der vielen Subkulturen überhaupt stattfand.

    Für mich persönlich bedeuten große Logos auf Klamotten - egal ob Hello Kitty oder Lacoste - nur eines: daß die Wahrscheinlichkeit, mit jenen ein sinnvolles Gespräch führen zu können, stark reduziert ist.

    3 Leserempfehlungen
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    in den hier gescholtenen neunzigern erlebte ich wie das selbermachen das in den 80ern noch punk war (oder tradition) zwischenzeitig zur massenbewegung wurde...bevor alle(mänlein wie weiblein) sich die haare schoren oder "stinos" ohne jegliches aussensignal wurden.

    Der werte Herr, den wir in den 80/90er Jahren die "Uncle Sam" Invasion mit seiner dezenten Werbung zu verdanken hatten , ist heute immer noch ein Symbol für teuer & schlecht !
    Bevor ich nicht zumindestens eine Gewinnbeteiligung an dem Label bekomme, werde ich kein Werbeträger, egal wie modern es ist !

    • ichwer
    • 17. Dezember 2012 18:25 Uhr

    Ich lege schon Wert darauf, dass auf meiner Regenjacke nicht Jack Wolfskin steht und auf den Laufschuhen keine drei Streifen sind. Diese Marken sind ja so was von spießig.

    2 Leserempfehlungen

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  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte Chanel | Christian Dior | Boss | Jil Sander
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