Stimmt's?Sind die Europäer erst seit wenigen Tausend Jahren hellhäutig?

...fragt Peter Reinig aus Oldenburg. Christoph Drösser antwortet. von 

Die Hautfarbe des Menschen hat mit der Sonneneinstrahlung zu tun. Dunkle Haut enthält viel Melanin, dieses Pigment schützt vor gefährlicher ultravioletter Strahlung.

Zu wenig UV ist aber auch nicht gut, denn die Strahlen produzieren in der Haut lebensnotwendiges Vitamin D. Die Sonneneinstrahlung wird schwächer, je weiter man sich vom Äquator in Richtung der Pole bewegt.

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Als der ursprünglich dunkelhäutige Mensch von Afrika aus in nördlichere Gefilde zog, erbleichte auch seine Haut – den Nordländern hätte sonst Vitaminmangel gedroht.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Hellhäutige Menschen gibt es in Europa und im Norden Asiens, aber sie entwickelten den hellen Hautton unabhängig voneinander, nachdem sich ihre Wege getrennt hatten. Ihre Pigmentierungsgene unterscheiden sich. Und für die europäische Variante konnte die Anthropologin Heather Norton von der University of Arizona 2008 durch statistische Untersuchungen nachweisen, dass sie erstaunlich jung ist: Die europäische Pigmentierungs-Variante entstand erst vor etwa 6.000, maximal 12.000 Jahren.

Und das heißt: Die Europäer erbleichten nicht sofort, nachdem sie vor etwa 40.000 Jahren den Kontinent besiedelten, sondern erst mit der Entwicklung des Ackerbaus. Die frühen Landwirte, so die Erklärung, bekamen nicht mehr so viel Vitamin D aus ihrer Nahrung wie die Jäger und Sammler und mussten daher mehr davon in der Haut produzieren.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Allenfalls ist es bei Bären ein Dämmern.

    • Otto108
    • 24. Dezember 2012 20:01 Uhr

    Wie lange mag es noch dauern, bis die schwarzen und weißen Bewohner Nordamerikas eine rötliche Hautfarbe bekommen?

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    aber Rothäute hatten keine rötliche Hautfarbe.
    Außer sie waren kriegsbemalt.
    Auch in Amerika gab es schon vor Kolumbus ein Spektrum von Hautdarben wie in Europa.

  2. Die geringere Melaninankonzentration musste sich wohl erst evolutionär durchsetzen. Im Artikel hört es sich eher nach einer Entwicklung wie bei Lamarck an. Die Bauern erbleichten, da sie weniger an der Sonne waren wie Jäger und Sammler. Nach dieser Beschreibung müssten dunkelhäutige Zuwanderer auch allmächlich erbleichen.
    Ist diese Entwicklung nicht sogar ein Beispiel, in welchen zeiltichen Maßstäben Evolution beim Menschen abläufen könnte?
    Gruß!

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    zeitlichen Maßstäben Evolution beim Menschen ablaufen könnte?"

    Evolution läuft bei allen Lebewesen bei dem Schritt von einer zur nächsten Generation ab. Die Individuen mit der Genausstattung, die Vorteile für die Vermehrung bringt, produziert mehr Nachkommen und sie verdrängen die "unterlegenen" Gene aus dem Genpool.

    Wenn also eine Generation von z. B. Akademikern, so viel Karrieredruck hat, dass sie wenig Gelegenheit für Familie und entsprechend Nachwuchs hat, verlieren ihre Gene gegenüber Bevölkerungsgruppen, bei denen mehr Nachwuchs rauskommt. Bei Evolution heißt es immer: Die Menge macht's.

    Simpel, aber schien bisher ganz gut zu funktionieren.

  3. "Nach dieser Beschreibung müssten dunkelhäutige Zuwanderer auch allmächlich erbleichen."

    Und Roberto Blanco müsste inzwischen hellbraun sein.

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    • Pepper6
    • 25. Dezember 2012 8:14 Uhr

    wer seltener sich im öffentlichen Sonnenlicht bewegt, bekommt allmählich eine hellere Haut. Mondschein oder Kunstlicht bräunen nicht.

    Michael Jackson ist der beste Beweis dafür. Mit der Entwicklung des "Monnwalk" wurde seine Haut immer heller. (Sorry)

  4. "Die frühen Landwirte, so die Erklärung, bekamen nicht mehr so viel Vitamin D aus ihrer Nahrung wie die Jäger und Sammler und mussten daher mehr davon in der Haut produzieren."

    Oder ists nicht vielleicht einfach Degeneration wie beim Grottenolm http://de.wikipedia.org/w... , der "natürlicherweise ausschließlich in der Dunkelheit in Ruhigwasserbereichen unterirdischer Flusssysteme innerhalb von Karsthöhlen" lebt? Ohne Selektionsdruck in Richtung Pigmentierung? Der Weisse, ein degenerierter Neger! hat doch was. (Sagt übrigens auch Jonathan Kingdom in "das Wagnis der menschlichen Evolution"

  5. . . so durchgehendhell ist die europäische Bevölkerung nicht. An der europäischen Mittelmeerküste habe ich schon recht dunkle Typen gesehen und die waren nicht frisch von Afrika `rüber gekommen. Ich bin hier geboren und an den Unteramen , Hals und Gesicht dunkler und werde dort in der Sonne schneller braun als z.B. am Rücken. Schaue ich mir die Menschen in Norwegen , Island oder Finnland an, da denke ich mir, was für Menschen völlig ohne Farbe. Manche wirken wie man sich im Märchen Fabelwesen vorstellt, Elfen oder so. Was heisst schon degeneriert, solch eine Vielfalt sollten wir begrüssen, wie langweilig wäre das Gegenteil.

    2 Leserempfehlungen
  6. Ich begrüße sie vorbehaltlos!

  7. Dunkelhäutig reicht von leicht bräunlich bis tiefschwarz.
    Etwas genauer dürft's schon sein.
    Die viel früher ebenfalls aus Afrika eingewanderten Neandertaler betrieben übrigens keinen Ackerbau und waren nach neuesten Erkenntnissen dennoch hellhäutig.

    http://www.sueddeutsche.d...

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    Da wir heute ebenfalls wissen, dass unsere DNA ca. 5% Neandertaler-Gene enthält - liegt es da nicht nahe, woher die helle Haut kommen könnte ?

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Hautfarbe | Europa | Anthropologie | Evolution | Genetik
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