Hochschulen : Gerecht, aber schlecht
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 "Wer von einem Studium profitiert, sollte auch an der Finanzierung beteiligt sein"

Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung konnte dies allerdings nicht bestätigen. Auch die Zahl der Erstsemester deutet darauf hin, dass Studiengebühren nicht abschreckend wirken. In Bayern und Niedersachsen sind von 2009 bis 2011 kontinuierlich mehr Abiturienten an die Hochschulen geströmt, nicht nur im G-8-Jahr. In anderen Bundesländern ohne Studiengebühren, wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen stagniert die Erstsemesterzahl dagegen.

In der Frage, ob Studiengebühren gerecht sind, werden die Meinungen wohl weiterhin auseinandergehen. Jörg Dräger, heute Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung, hat als parteiloser Wissenschaftssenator in Hamburg die Studiengebühren eingeführt. Er nennt sie »das letzte ideologische Kampfthema in der Wissenschaftspolitik«, denn »Studiengebühren abschaffen« passe auf jedes Wahlplakat. »Da wird ein komplexes Problem auf zwei Worte reduziert«, sagt Dräger. Klar, jeder wolle am liebsten alles umsonst. Wichtig sei es deshalb, die Alternative aufzuzeigen. Die Frage dürfe nicht lauten »Studiengebühren – ja oder nein?«, sondern eher: »Was ist fairer: Bis zu 600 Euro pro Monat für die Kita oder 83 Euro für die Uni?«.

Ein weiteres Problem neben der Gerechtigkeitsfrage ist die Umsetzung. Das Thema Studiengebühren sei in Deutschland falsch angegangen worden, sagt etwa der OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher. Es brauche einen anderen, nachhaltigen und effizienten Ansatz. »Diejenigen, die von einem Studium profitieren, sollen auch an der Finanzierung beteiligt sein«, betont Schleicher. Ein guter Weg sei das nordische Modell: In Schweden und Finnland etwa ist Bildung vom Kindergarten bis zum Studium kostenlos, dafür zahlt man später für hohe Einkünfte auch sehr hohe Steuern. »Eine so hohe Steuerprogression ist in Deutschland aber nicht denkbar«, sagt Schleicher.

Vorbild könnten dagegen Großbritannien und Australien sein, die ebenfalls einen guten Weg eingeschlagen hätten. Dort werden die Studiengebühren erst nach dem Abschluss gezahlt. Wichtig bei dieser Variante sei, dass die Rückzahlung erst dann beginnt, wenn die Absolventen ein gesichertes Einkommen von einer bestimmten Höhe haben. Dass dies auch in Deutschland funktionieren kann, beweise die private Universität Witten-Herdecke. In seinem Büchlein Die Studiengebühren-Lüge beschreibt der Wirtschaftswissenschaftsprofessor Stefan Winter von der Universität Bochum das Modell, das in Witten-Herdecke gilt: Die Studenten haben die Wahl, entweder sie zahlen sofort oder später. Auch eine Mischform ist möglich. Die Zahlungsmoral der Absolventen sei hervorragend, Rechtsstreitigkeiten kämen faktisch nicht vor, berichtet Winter. Falls die Studiengebühren also wiederkommen, bleibt zu hoffen, dass ein anderes System für sie gefunden wird und dass darüber eine sachliche Diskussion stattfindet. Die Gewinner wären stabil finanzierte Hochschulen – und damit auch die Studenten.

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Kommentare

92 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Wem nützt es, wenn studiert wird?

Gebühren werden erhoben, wenn eine staatliche Leistung vor allem im Interesse des Empfängers erbracht werden.

Und wenn noch so oft das Gegenteil behauptet wird: wenn wir alle, die wir durch "den Staat" vertreten werden, jemanden studieren lassen, dann dient dies zuallererst den Interessen _dieses_ Landes.

Dass jemand als Absolvent eines Studiums später a) einen guten Job bekommt und b) besser verdient, ist alles andere als selbstverständlich -- man betrachte nicht nur künftige Chefärzte und Vorstandsvorsitzende, sondern auch die zahlreichen sozialen Berufe sowie die Kultur- und Geisteswissenschaften.

Wenn (!) man nach erfolgtem Studium "besser verdient", dann erhält man sein gutes Gehalt nicht für das hochgehaltene Zeugnis, sondern für die Leistung, die man Tag für Tag erbringt. Niemand wird auf Dauer für sein Master-Zeugnis bezahlt, sondern für den täglichen und tatsächlichen Einsatz der Fähigkeiten, die darin bescheinigt werden.

Wenn der Staat einem jungen Menschen ein Studium finanziert, dann geschieht dies, weil erstens Menschen mit den betreffenden beruflichen Fähigkeiten _gebraucht_ werden.

Zweitens, weil "der Staat" explizit will, dass Menschen in einem anspruchsvollen Beruf, für den man eine aufwendige Vorausbildung braucht, tätig sind, gute Leistungen erbringen, dafür gut bezahlt werden, und von diesem guten Gehalt ordentliche Steuern bezahlen.

Für viele Berufe "rechnet" sich das sofort. Andere Berufe will oder muss man einem zivilisierten Land einfach haben.

Studiengebühren abschaffen!!!

Ich kann dem Artikel (als ehemaliger studentischer Vertreter in der Hochschulpolitik der Universität Augsburg) in wesentlichen Grundaussagen nur widersprechen:
1. Es ist zwar richtig, dass die Studiengebühren, zumindest oberflächlich betrachtet, die ein oder andere Verbesserung mit sich gebracht haben (verlängerte Öffnungszeiten der Bibliothek, technische Ausstattung etc.). Dennoch sind sie zum größten Teil nicht, wie aus ihrem eigentlichen Zweck und Begründungszusammenhang hervorging, zur Verbesserung der Lehre, sondern zu deren bloßer Aufrechterhaltung eingesetzt worden, was auf eine klar erkennbare Unterfinanzierung von staatlicher Seite rückschließen lässt. Es kann nicht Sinn und Zweck dieser Beiträge sein, für die grundlegendsten Elemente des Lehrbetriebs, insbesondere Personal, eingesetzt zu werden, um die schlechte Grundausstattung vieler Fakultäten zu überspielen. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es an unserer Fakultät an vielen Lehrstühlen kaum zu einer Erweiterung des Lehrangebots durch Studiengebühren kam, sondern dass deren Lehrbetrieb überhaupt nur diese Beiträge aufrechterhalten wurde.
2. Was das Thema Nachhaltigkeit im Personalwesen betrifft, sollte bedacht werden, dass Studiengebühren ihren Verwendungsauflagen entsprechend nur für Lehraufträge und Stellenüberbrückungen eingesetzt werden dürfen, und somit keine langfristig stabile Personalsituation im Wissenschaftsbetrieb ermöglichen.

Studiengebühren abschaffen II !!!

Im Gegenteil zementieren sie die finanziell ohnehin prekäre Situation vieler wissenschaftlicher Mitarbeiter noch,da ihnen, solange Studiengebühren nur so verwendet werden dürfen, oft nur Kurzzeitverträge anstatt langfristiger Stellenangebote unterbreitet werden.
3. Den finanziellen Anforderungen durch stetig ansteigende Studierendenzahlen kann nicht durch ansteigende Studienbeiträge beigekommen werden. Wenn dem wirklich Rechnung getragen werden soll, brauchen die Universitäten eine ausreichende Grundfinanzierung, ansonsten müssten Studiengebühren eine völlig neue Definition erhalten, nicht als Beiträge zur Verbesserung der Lehre, sondern als Finanzierungsbeiträge zum Lehrbetrieb selbst. Dann müssten entsprechend bürokratische Hürden abgebaut werden und eine langfristige Personalplanung stattfinden.
4. Die Praxis in Bayern sah da allerdings anders aus. Nachdem vor rund einem Jahr der Skandal der "Restmittel" an zahlreichen bayerischen Universitäten enthüllt wurde, erging von Wissenschaftsminister Heubisch die Aufforderung, bis zum vergangenen September alle aus Studienbeiträgen angesammelten Restmittel sofort auszugeben, um zu verhindern, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass Studiengebühren unnötig sind, da sie oft nicht richtig beziehungsweise gar nicht eingesetzt werden. Das war aber jahrelang der Fall, sonst wäre eine solche Entwicklung, die zu ungenutzten Rücklagen in Millionenhöhe!!! führte, nicht möglich gewesen.

Studiengebühren abschaffen III !!!

Fazit: Ich kann also nur an die Vertreter in Politik und Wissenschaft appellieren, den Sinn von Studiengebühren noch einmal gründlich zu hinterfragen. Solange sie nicht wirklich dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden und eine solche Misswirtschaft an vielen Universitäten möglich ist, entbehrt deren Aufrechterhaltung jeglicher argumentativer Grundlage. Von grundsätzlichen Überlegungen ganz zu schweigen. Als ein Land, das wie kaum ein anderes von Bildung und wissenschaftlichem Know-How abhängig ist, um seine Führungsposition international zu behaupten, benötigt Deutschland eine nachhaltiges, faires und transparentes Bildungs- und Hochschulsystem. Studiengebühren sind und bleiben ein sozialer Selektionsfaktor, der nach wie vor viele fähige Leute von einem Studium abhält. Wenn manche Kritiker einwerfen, das Land habe zu viele Akademiker, die der Arbeitsmarkt ohnehin nicht benötige, kann man nur erwidern, dass finanzielle Hürden nicht die Lösung des Problems sein können. Stattdessen sollten inhaltlich höhere Anforderungen gestellt werden, die über eine Hochschulzulassung mitentscheiden, z.B. Motivationsschreiben, Aufnahmeprüfungen und Bewerbungsgespräche etc. Studiengebühren bilden in Bayern nach wie vor eine zutiefst ungerechte Hürde für viele Studierwillige, die sich durch die zusätzliche finanzielle Belastung von einem Studium abschrecken lassen.

Kita-Gebühren...

... und die grundsätzliche Tatsache, dass in unserem Lande eine optimale Kinderbetreuung ein Luxus ist, den man sich u.U. teuer erkaufen muss, zählen exakt zu den Gründen, warum dieses Land auf Dauer -- zum Beispiel im Vergleich zu den skandinavischen Ländern, aber auch Frankreich und anderen "reichen" Industrieländern in Attraktivität und Leistungsfähigkeit abfällt.

Zum einen sind Kinder hierzulande ein ganz explizites Armutsrisiko, besonders für Frauen, die wegen einer vorgeblich notwendigen Kinderbetreuung auf ihre eigene berufliche Absicherung verzichten. Die Dänen, Franzosen, Finnen, Schweden, etc. sind keine Rabeneltern -- im Gegenteil: eine so hohe Zahl verwahrloster, ungebildeter und kulturloser Kinder, deren berufliche Zukunft schon in Grundschule mehr als zweifelhafat erscheint, wie hierzulande in D gibt es dort nicht.

Wenn man also versucht, einen Missstand (Studiengebühren) durch einen anderen Misstand im Lande (teure oder fehlende Kitas) zu begründen, dann geschieht das in der expliziten Absicht, sowohl den einen wie den anderen Misstand zu bewahren und auszubauen.

Und warum unterstützt jemand Zustände, die zu einer ungleicheren und unsicheren Gesellschaft in D führen?
Natürlich, weil es bei wachsender Ungleichheit eben auch Profiteure gibt. Die ihre Kinder sowieso in Privatschulen oder ins Ausland schicken. Und die wenigstens die Steuern, die sie sonst zugunsten der Gören der Mittel- und Unterschicht zahlen müssten, sparen wollen.

Schon wieder

werden Äppel mit Birnen verglichen.
Die Verhältnisse in Frankreich - nun nicht wirklich egalitär- und vor allem die in Skandinavien -schon eher egalitär - lassen sich nicht mit den hiesigen vergleichen.

Keine Frage, wir hinken, was die Möglichkeiten der Kinderbetreuung angeht und die damit verbundene Vereinbarkeit von Beruf und Kind, anderen Ländern hinterher. Aber was uns im Gegensatz zu den genannten skandinavischen Ländern abgeht, ist eine positive Einstellung zu Kindern! Allein schon dieses ständige Gejammer über das Armutsrisiko Kind, dieses ständige Gerede über sinnvolle Erziehung und wie schrecklich, gefährlich und kinderfeindlich das gesellschaftliche Umfeld und die Umwelt sei.

Ich wohne in einer beschaulichen Kleinstadt und arbeite in einer ländlichen Nachbargemeinde. Wer verstopft da morgens vorzugsweise mit SUVs die Straßen? Mütter, die ihre Kinder noch schnell in die Kita oder die Schule bringen - die Betonung liegt auf schnell, gerne auch in Spielstraßen. Wenn die Kinder hier in die schicken Neubausiedlungen zurück kommen, setzen sie sich oft an den Computer und sehen fern - in Schweden z.B. geht's i.d.R. ab nach draussen - und keiner kontrolliert ständig. Die ganze Erziehung ist entspannter - die Kinder sind erst einmal Kinder, keine Hoffnungsträger der Eltern, die man mit Konsumgütern vollstopft.

Und ja: In Schweden z.B. ist Bildung kostenlos - für alle und das ist gesetzlich verbrieft. Entspannt das Verhältnis von Kindern und Eltern natürlich auch.

Nicht schon wieder der Bluff mit der Krankenschwester!

Ich wünsche mir sehr, dass ich dieses Argument von der Krankenschwester, die mit ihren Steuereuros das Studium des künftigen Chefarztes finanziert, in diesem Forum und in der gedruckten ZEIT nicht mehr lesen muss.

Dieses "Argument" kann nur den beeindrucken, der entweder nicht rechnen kann, oder keinen blassen Schimmer von der Wirkung unseres Steuersystems hat.

Eine Krankenschwester oder Angehörige ähnlicher Berufe in der unteren Einkommensklasse sind Netto-Nutzniesser des Steuersystems, während Chefärzte und ähnliche Top-Verdiener Netto-Zahler sind.

Da wandert kein Euro auf magische Weise gegen den Strom der normalen Einkommens-Umverteilung, die in einem gesunden Staatswesen von ganz reich nach ganz arm verläuft.

Es ist nicht so, dass die ZEIT-Redaktion dies nicht wüsste. Zu oft wurde dies explizit in -zig Beiträgen über Studiengebühren angeführt und in den Kommentaren richtiggestellt.

Zudem

könnte man dieses Argument auf alles Mögliche anweden. Die Krankenschwester zahlt ja auch den nicht Funktionierenden Flughafen in Berlin, die Philarmonie an der Elbe oder das 5 Milliarden Projekt S21

Wenn es um Beton geht, erkennen die Politiker den Nutzen für die Zukunft, wür die Wirtschaft, aber wenn es um Bildung geht, scheint es nur noch um Eliten zu gehen und der Rest wird klein gehalten.

Ich gebe Ihnen völlig recht....

...was den Chefarzt und die Krankenschwester betrifft, solange beide in Deutschland leben. Der Arzt, der nach seinem Studium in die Schweiz oder nach Norwegen geht, und das sind nicht wenige, zahlt bei uns jedoch keine Steuern. Es wäre angemessen, wenn er sich an den Kosten seines Studiums, wie in fast allen anderen Ländern auch, zu einem kleinen Anteil beteiligt. Vielleicht wären nachgelagerte Gebühren/Bildungskredite, die jedoch mit in Deutschland gezahlten Steuern verrechnet werden können, eine gerechte Lösung.

Auch stellt sich die Frage, ob der Staat so sehr von jedem B.A. aus dem Philosophicum profitiert. Vielleicht würden sich mehr Abiturienten für "etwas Vernünftiges" entscheiden, wenn sie wissen, dass sie die Kosten ihrer Ausbildung später wieder reinholen müssen.

Und wegen der Handvoll junger Leute...

... die nach (noch) kostengünstiger Ausbildung hierzulande ins Ausland gehen, wollen Sie _alle_ zur Kasse bitten?

Aus meiner Sicht wäre es das Klügste, wenn man hier in D dafür sorgen würde, dass niemand mehr Anlass hat, ins Ausland zu gehen.

Das würde zum Beispiel bedeuten, dass man das Personal im Gesundheitswesen, vom Krankenpfleger bis hin zu den Ärzten angemessen bezahlt, und dafür sorgt, dass diese Leute nicht mit Horror-Dienstplänen kaputtgemacht werden.

Dass das geht, zeigen exakt die Länder, in die manche jungen Menschen aus den Gesundheitsberufen abwandern.

Aber um dies zu tun, muss man exakt das Gleiche tun wie im Bildungswesen: mehr Einnahmen erzeugen, indem man alle (!) entsprechend ihrem Einkommen an den Kosten beteiligt. Und zwar eben nicht mit gleichen Gebühren für alle, sondern mit progressiven Steuern.

Also bitte...

Im Jahr 2008 sind ganze 729 deutsche Ärzte in die Schweiz ausgewandert (laut Bundesärztekammer), wobei nicht genauer spezifiziert wurde, ob diese direkt nach dem Studium gegangen sind oder in Deutschland davor noch gearbeitet haben. Nach einer SOEP-Auswertung des DIW sind 2009 etwa 150.000 Menschen Ausgewandert und etwa 110.000 zurückgekehrt, wobei nach dieser Untersuchung die überwiegende Mehrheit keinen dauerhaften Aufenthalt im Ausland plant. Die Anzahl derer, die nach dem Studium für immer auswandern, dürfte wohl schlicht nicht signifikant sein und rechtfertigt erst recht keine Belastung aller Studenten mit zusätzlichen Gebühren. Und wenn ein Akademiker dann doch ach so viel verdient, dann übersteigt alleine die in einem bis zwei Jahren gezahlte Lohnsteuer die gesamten Kosten für den Studienplatz (im Durchschnitt 22.000 Euro) deutlich. Da braucht man doch wohl nicht noch eine Bank mit Zinszahlungen fett zu machen, weil man auf einen Studienkredit angewiesen war.

83 Euro im Monat ...

... sind wenig, gemessen an den Kosten des öffentlichen Bildungswesens, und gemessen an dem Nutzen, den ein Hochschul-Absolvent -- und unser Staat ! -- von einem erfolgreichen Studium hat.

Da hat Prof. Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, völlig recht.

Offensichtlich fehlt es ihm (und vielen anderen) aber an der Fähigkeit sich vorzustellen, dass genau diese Summe für einen in der Regel vermögenslosen und (hoffentlich) weitgehend einkommenslosen Studenten eine sehr, sehr große Summe sein kann.

Oder für die Eltern dieses Studierenden.

Und weil jetzt ganz sicher wieder jemand freundlich auf Studienkredite hinweist:

Ja, diese Möglichkeit gibt es.

Und ich möchte darauf hinweisen, dass ein Mensch, der bei klarem Verstand ist, keine Kredite aufnimmt, die sein Vermögen überschreiten, jedenfalls dann nicht, wenn vom Ertrag etwas erworben wird, dessen wahrscheinlicher Ertrag oder "Marktwert" völlig ungeklärt ist.

Mit einem Studium kann man scheitern. Es kann die falsche Wahl gewesen sein. Man kann krank werden. Es kann sein, dass man den angestrebten gutbezahlten Job nicht bekommt.

Und dann?

Für die Kinder von Herrn Prof. Hippler und seinen Kollegen ist das vermutlich kein Problem, und es sei ihnen gegönnt. Leider dürften aber inzwischen die meisten jungen Menschen in diesem Land in deutlich weniger gesicherten Verhältnissen leben.

Eine sehr wundersame Erklärung...

....liefern Sie hier ab. Wenn Sie nicht ein persönliches Risiko eingehen, wobei dieses sehr gering ist, werden Sie nie etwas erreichen. Das gilt insbesondere für Studierende. Eine, ich entschuldige mich bereits jetzt, sehr komische deutsche Haltung. Alles soll abgesichert sein, kein Risiko, von Kindesbeinen an,.... Wollen Sie das?
Wir werden, da hat die Autorin völlig recht, in einigen Jahren wieder Studienbeiträge einführen müssen oder von Unternehmen Bildung finanzieren lassen (zu ihren Bedingungen.....Wollen Sie das? Die Politik ist nicht in der Lage kostenlose Bildung zu finanzieren. Das würde, nach aktuellem Stand, die Landeshaushalte und den Bundeshaushalt bei Weitem überfordern.
Wir sollten beginnen nicht immer nach dem Staat zu rufen, sondern mit Engagement unsere Probleme selber lösen und das geht nur wenn sich alle entsprechend einbringen.