Schließlich: Wie verhält man sich zum chinesischen und vor allem zum russischen Veto ? Antwort: Indem man so vorgeht wie die Amerikaner im Irak , also ein Hindernis ignoriert, das im Lauf der Zeit zu einer makabren Farce mutiert ist – der Präzedenzfall ist kein Ruhmesblatt, beweist aber zumindest, dass dieser Weg gangbar ist und dass das Argument des russischen Vetos nicht mehr als eine faule Ausrede ist. Indem man dem Beispiel Kosovo folgt – dieser Krieg war gerecht und daher richtungweisend. Oder indem man bereit ist, wie Sarkozy im Fall Libyen zu handeln, nachdem er den Nationalen Übergangsrat als einzig legitimen Vertreter des neuen Libyen anerkannt hatte .

"Ich hoffe auf den Segen der Vereinten Nationen", hatte er in seinem Arbeitszimmer in meinem Beisein zu drei verblüfften Vertretern des Übergangsrates gesagt, "sollte er mir aber verweigert werden, so würden die humanitäre Dringlichkeit wie die jetzt von Ihnen verkörperte Legitimität mich bevollmächtigen, das internationale Ad-hoc-Bündnis zu schmieden, um den heiligen Imperativ, die Rettung eines Volkes, gegen den pedantischen Respekt vor einem verrückt gewordenen internationalen Recht durchzusetzen".

An genau diesem Punkt stehen wir in Syrien; seit die Franzosen, dann die Briten und Amerikaner und später auch die Arabische Liga das Oppositionsbündnis als einzigen Repräsentanten eines abgeschlachteten Volkes anerkannt haben, spricht nichts mehr dagegen, dass wir das russische Veto unterlaufen, ein Veto, das die Geschichte zweifelsohne verurteilen wird.

Auch die Russen haben Freunde, die ihnen die Absurdität eines Starrsinns aufzeigen, der sie isolieren wird. Putin wird nicht für Tartus sterben, den Marinestützpunkt, den die Syrer ihm zur Verfügung stellen. Und Assad ist nicht Gaddafi. Hoffen wir, dass Hollande , Cameron , Obama das einsehen, die Konsequenzen ziehen und durch die Rettung der syrischen Überlebenden auch die Ehre retten.

Aus dem Französischen von Elisabeth Thielicke