SyrienEntscheidung in der Luft

Der Westen muss in Syrien eingreifen – um das Morden zu beenden und um politisches Chaos zu verhindern. von Bernard-Henri Lévy

Zerstört: Das Dar Al-Shifa-Krankenhaus im Norden Aleppos, 2. Dezember 2012

Zerstört: Das Dar Al-Shifa-Krankenhaus im Norden Aleppos, 2. Dezember 2012  |  © Javier Manzano/AFP/Getty Images

Was tun für Syrien ? Tatsächlich haben wir es dabei mit drei unterschiedlichen Fragen zu tun.

Ist noch Zeit für eine Intervention? Die Antwort lautet ja. Mit Zorn im Herzen, ja. Mit Bitterkeit angesichts der mehr als 40.000 Toten, die in diesem Fall umsonst gestorben wären – immer noch ja.

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Denn wie kann man die Augen davor verschließen: Wenn die Antwort ein Nein wäre, wenn wir im Nichtstun verharren würden, wenn die Nato -Flugzeuge am Boden festgeklebt blieben, wenn die in Jordanien stationierten französischen und amerikanischen Spezialkräfte weiterhin Gewehr bei Fuß darauf warteten, dass die "rote Linie", der Einsatz von Chemiewaffen , überschritten würde und aus den 40.000 Opfern 50.000, 60.000 Tote würden – wer weiß, wo das Blutbad, die Spirale des Schreckens, der blutige Strudel des Todes, dann noch gestoppt werden könnte?

Bernard-Henri Lévy

Bernard-Henri Lévy, Philosoph und politischer Publizist, war der führende intellektuelle Verfechter einer Militärintervention in Libyen.

Und wie kann man übersehen, dass es sich schon lange nicht mehr darum handelt, ob Assads Macht zu stützen ist oder er zum Rücktritt gedrängt werden muss? Er wird ohnehin gehen, eines Tages wird er verschwinden. Mit anderen Worten: Die Debatte zielt nur noch darauf ab, ob er dank oder trotz uns gehen wird, ob mit unserer Zustimmung oder gegen unseren Willen – die Debatte dreht sich also allein darum, ob der unausweichliche Sieg der Rebellen auch ein wenig unser Sieg sein wird oder nicht.

Das erste Szenario entspricht dem libyschen, und nur hier haben wir eine wenn auch winzige Chance, den politischen Kampf nach dem Sturz der Diktatur zu beeinflussen. Das zweite Szenario wäre furchtbar, denn wenn es so weit ist, würden sich Extremisten und Demokraten, religiöse Fanatiker und gemäßigte Muslime gegenüberstehen – und wie bereits jetzt abzusehen, wären Erstere im Vorteil. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Was kann getan werden? Darauf habe ich schon mehrfach hingewiesen. Unter vier Augen habe ich es den französischen und amerikanischen Verantwortlichen gesagt, die bereit waren, mich anzuhören. Das Hauptproblem sind die Flugzeuge. Natürlich nicht sie allein. In Damaskus etwa beschießen Panzer die Obstgärten von Daraja und die Häuser von Al-Muadamija. Und da sind auch noch die Arsenale an Spezialwaffen, von denen der Westen zu Recht oder zu Unrecht argwöhnt, das Regime wolle sie benutzen, eine wirklich verstörende Aussicht. Aber beginnen wir mit den Flugzeugen. Stellen wir sicher, dass nicht eine einzige Maschine mehr Aleppo , Homs, Maaret al-Noomane oder die Grenzstadt Ras al-Ain überfliegen kann.

Dafür gibt es zwei Strategien: eine von den Nato-Flugzeugen auf den türkischen Stützpunkten durchgesetzte Flugverbotszone, sehr viel leichter zu bewerkstelligen als in Libyen , wo man uns schon vor der Intervention mit der angeblich unschlagbaren Luftabwehr Muammar al-Gaddafis in den Ohren lag. Oder aber wir liefern den Rebellen die Waffen, damit sie sich die 25 militärischen und zivilen Flughäfen, von denen die todbringenden Maschinen aufsteigen, zurückholen – so wie sie es im September in Al-Bukamal in der Provinz Deir al-Sur getan haben und wie sie es in Menegh im Norden gerade tun.

Ich weiß, dass diese beiden Optionen in den Generalstäben geprüft werden. Es fehlt das grüne Licht der Politik. Anders gesagt, in diesem Flugzeug fehlt der Pilot. Wird er Amerikaner sein? Türke? Franzose? Wer weiß?

Leserkommentare
  1. ...sie haben es mit Verlaub immer noch nicht verstanden, wenn sie Spenden von ihrem Einkommen oder den Einkünften abziehen können, haben sie eine Steuerersparniss, aber keine Kostenerstattung durch den Staat, wäre ja noch schöner.

    Antwort auf "Lieber Mitforist..."
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    falls es in Ihren Kreisen etwas dem deutschen Steuerrecht Vergleichbares gibt - in der Zeit, wo sie hier Ihre Kommentare einhacken, hätten Sie schon dreimal online spenden können

    • y5rx
    • 22. Dezember 2012 12:50 Uhr
    50. Stimmt!

    Besser die Kinder sterben im Bombenhagel der Nato, als zu erfrieren.
    Sorry für den Sarkasmus! Aber ich halte es für reichlich blauäugig, zu glauben, wenn die Nato eingreift, würde alles ruckzuck gut werden. Das kann auch richtig nach hinten losgehen. Wenn ich so sehe, wer für ein Eingreifen und wer dagegen ist, weiß ich wohin die Reise gehen soll.

    4 Leserempfehlungen
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    Na dann lassen sie uns doch teilhaben.
    Wohin soll also die Reise gehen?

    • Isi 1st
    • 22. Dezember 2012 12:59 Uhr

    Herr Bernard-Henri Lévy,
    ...Sie glauben wohl, was schon einmal geklappt hat, funktioniert jetzt wieder?

    Fangen Sie bitte nicht an, den deutschen Michel zum Krieg zu verführen!
    Sie wissen wohin das führen kann :-(

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    Eine Leserempfehlung
  2. 52. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf " Bernard-Henri Lévy "
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    Entfernt. Kehren Sie zum Thema zurück. Danke, die Redaktion/jz

  3. 53. Bereit?

    Assad hat sich zu gar keinen Demokratischen änderungen hinreißen lassen. Meine güte, dieser Mann Lügt ungebremst vor sich hin und immernoch verkauft man das als Wahrheit. Das Spricht schon bände, denn immerhin hängt der glaube daran von der eigenen identität ab.

    Die Syrer bedanken sich kollektiv bei Assad für ihre zerschossnen Häuser.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Genau so ist das, dj!"
  4. Na dann lassen sie uns doch teilhaben.
    Wohin soll also die Reise gehen?

    Antwort auf "Stimmt!"
  5. 55. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit kompletten und inhaltlichen Beiträgen. Danke, die Redaktion/jz

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Levy hat Recht"
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

  6. ...vermutlich die Eigner der Zeitung.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle DIE ZEIT, 13.12.2012 Nr. 51
  • Schlagworte Syrien | Nato | Baschar al-Assad
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