Schauspielerin Josefine Preuß"Ich wünsche mir, in meinem Beruf als erwachsene Frau wahrgenommen zu werden"

Josefine Preuß ist 26 Jahre alt und wird am Set oft als "die kleine Süße" behandelt. Sie träumt davon, bald auch Rollen spielen zu dürfen, die etwas mehr Reife verlangen. von Jörg Böckem

Als kleines Mädchen habe ich davon geträumt, Archäologin zu werden. Vor allem das alte Ägypten hat mich fasziniert, ich habe von Ausgrabungen im ägyptischen Sand geträumt, von großen Entdeckungen, Pharaonengräbern und Pyramiden. Irgendwann sagte meine Mutter, die immerhin Geschichtslehrerin ist, es gebe nichts Großartiges mehr auszugraben. Das war sehr desillusionierend. Ich beschloss, dann lieber Clown zu werden. Ich liebte es, mich zu verkleiden und bei Familienfeiern Sketche aufzuführen.

Einem anderen Kindheitstraum hänge ich bis heute noch nach. Schon sehr lange fasziniert mich der Beruf der Gerichtsmedizinerin. Anhand der Leiche und stummer Zeugen Rückschlüsse auf den Ort, die Art und den Zeitpunkt des Todes zu ziehen, stelle ich mir enorm spannend vor. Allerdings müsste ich für so einen Job mein Abitur nachholen und ein langwieriges Studium absolvieren. Ich wäre 50, bis ich das geschafft hätte. Von daher werde ich mir den Traum wohl eher irgendwann in meinem Beruf erfüllen und eine Gerichtsmedizinerin spielen.

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Meine Begeisterung für die Polizeiarbeit hat auch mit meinem Vater zu tun, er ist Kriminalkommissar. Auch wenn er zu Hause nie konkret über seine Arbeit gesprochen hat, wusste ich immer: Er fängt die richtig bösen Jungs. Er hat mir oft davon erzählt, dass er schon als kleines Kind davon geträumt hatte, Polizist zu werden und die Welt vom Verbrechen zu befreien. Mein Papa ist bis heute ein Held für mich. Und sein Traum hat wohl auf mich abgefärbt.

Josefine Preuß

26, trat schon als Kind mit einer Theatergruppe in Potsdam auf. Als 14-Jährige bekam sie eine Hauptrolle in der Kinderserie Schloss Einstein. Einem großen Publikum wurde sie bekannt durch die Fernsehserie Türkisch für Anfänger und den daraus entstandenen Kinofilm. Vom 6. Januar an ist sie zu sehen in Das Adlon. Eine Familiensaga, einem ZDF-Dreiteiler des Regisseurs Uli Edel.

Mit 18 oder 19 hat es mich oft sehr genervt, dass ich in meinen Rollen meist einige Jahre jünger besetzt wurde. Damals fühlte ich mich sehr erwachsen. Eine 15-Jährige zu spielen war ätzend. Heute, mit fast 27, freue ich mich, dass ich immer häufiger Charaktere spielen darf, die näher an meinem Alter sind. Aber da ist noch Platz nach oben. Viele sehen mich immer noch als die kleine Süße. An jedem Set, in jedem Filmteam gibt es eine unausgesprochene Hierarchie, als junge Frau wird man anders behandelt als die alten Hasen. Ich wünsche mir, in meinem Beruf als erwachsene Frau wahrgenommen zu werden.

Ich habe einen Traum
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Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Eine Traumrolle gibt es allerdings, die ich mir selbst im Moment noch nicht ganz zutraue: Ich würde gerne eine Tatort- Kommissarin spielen, aber keine Berufsanfängerin, sondern eine gestandene Ermittlerin mit Erfahrung. Ich fürchte, das würde man mir im Moment noch nicht abnehmen, ich sehe einfach zu jung aus. Aber in ein paar Jahren könnte mein Papa mich dann beraten. Er regt sich vor dem Fernseher immer fürchterlich auf, wenn die Polizeiarbeit falsch dargestellt wird. Im Moment sehe ich den Tatort auch kritisch. Ich denke, er sollte wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren und nicht mit Blick auf die Quote irgendwelche angesagten Stars engagieren. Ach ja, meine Ermittlerin wäre natürlich genau wie ich Union-Berlin-Fan.

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Leserkommentare
  1. "... Aber in ein paar Jahren könnte mein Papa mich dann beraten. ..."

    klingen jedoch nicht nach gestandener Frau.

    Beste Grüße
    FSonntag

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 15thMD
    • 16. Dezember 2012 23:18 Uhr

    @FSonntag Auch als gestandene Person kann man sich inspirieren lassen. Und wenn ihr Vater weiß, wies läuft, dann ist es doch schön, wenn sie sich ein wenig was bei ihm abguckt.

    Ganz liebe Grüße <3
    15thMD

    "Im Moment sehe ich den Tatort auch kritisch. Ich denke, er sollte wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren und nicht mit Blick auf die Quote irgendwelche angesagten Stars engagieren."

    Waren dafür nicht einst die ör Sender da? Weil für das, was sie im Moment so treiben (mit Ausnahme von tagesschau/-themen, Roche&Böhmermann und der heute-show), braucht sie kein Mensch.

    • 15thMD
    • 16. Dezember 2012 23:18 Uhr

    @FSonntag Auch als gestandene Person kann man sich inspirieren lassen. Und wenn ihr Vater weiß, wies läuft, dann ist es doch schön, wenn sie sich ein wenig was bei ihm abguckt.

    Ganz liebe Grüße <3
    15thMD

    "Im Moment sehe ich den Tatort auch kritisch. Ich denke, er sollte wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren und nicht mit Blick auf die Quote irgendwelche angesagten Stars engagieren."

    Waren dafür nicht einst die ör Sender da? Weil für das, was sie im Moment so treiben (mit Ausnahme von tagesschau/-themen, Roche&Böhmermann und der heute-show), braucht sie kein Mensch.

    Antwort auf "Solche Aussagen"
  2. ...es strahlt eine Wärme aus, die mich an Zeiten erinnert, in denen Träume aus dem schier unerschöpflich Leben empor stiegen.
    Heute, mit über 50, träumt man, um sich von der Erschöpflichkeit des Lebens zu regenieren. lol
    (kleiner Scherz)

    Alles Gute und viel Spass.

    • _bla_
    • 17. Dezember 2012 6:51 Uhr

    Allerdings müsste ich für so einen Job mein Abitur nachholen und ein langwieriges Studium absolvieren. Ich wäre 50, bis ich das geschafft hätte.

    24 Jahren für Abitur und Studium? Zugegeben: Es dauert schon etwas. Aber vielleicht ist es gerade das, was nötig wäre um für voll genommen zu werden. Während Frau Preuss geschauspielert hat, haben andere Abitur gemacht und studiert und sich dabei bspw. mit Unibürokratie selbst auseinandersetzen müssen ohne von Eltern oder Management dabei unterstützt zu werden.

  3. soll der Reifung äußerst dienlich sein, so höre ich.

    • zfat90
    • 17. Dezember 2012 8:15 Uhr

    "Schon sehr lange fasziniert mich der Beruf der Gerichtsmedizinerin."

    Na ja, mit Hauptschulabschluss geht es halt nicht.

  4. wie man auftritt. Hier hat man den Eindruck, dass nicht nur ein zartes Persönchen kommt, sondern auch ein verträumtes, kindmäßiges.
    Aber das vergeht ohnehin, in 20 Jahren kann die Autorin beklagen, dass sie nicht mehr als junges Mädchen, junge Frau besetzt wird.

  5. das soll kein angriff auf sie sein. aber als naive junge frau (und hübsche) wird man in dieser branche (und in der medienbrache generell) oftmals nur als "mögliche gespielin" angesehen. das ist den mädels nicht bewusst und sie denken immer "ach die mögen mich alle hier und schätzen mich". ne die wollen sie flachlegen. da muss man als frau sich schon durchsetzen können und nicht immer mit allen gut freund sein wollen um ein gutes standing zu bekommen.

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  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Abitur | Alter | Ausgrabung | Berufsanfänger | Charakter | Clown
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