Sachbuch : Ein Sachse rettet Israel

Sein neues Buch sorgt für Wirbel – bei der Recherche dafür traf Tuvia Tenenbom auch Sachsens Premier Stanislaw Tillich. Hier erscheint das Ergebnis der Begegnung erstmals auf Deutsch.

I Sleep in Hitler’s Room heißt das Buch, in dem der jüdische Autor Tuvia Tenenbom von einer langen Reise durch die Bundesrepublik berichtet. Der New Yorker attestiert den Deutschen latenten Antisemitismus. Auch mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich ( CDU ) hat Tenenbom gesprochen – die Passagen über dieses Treffen sind in der soeben erschienenen deutschen Ausgabe aber nicht enthalten. Wir übersetzen den Text deshalb aus dem amerikanischen Original. Die Dresdner Staatskanzlei wollte das Treffen auf Anfrage der ZEIT nicht weiter kommentieren.

Ich treffe Stanislaw Tillich, Sachsens Ministerpräsidenten. Aber bevor ich Seine Hoheit zu Gesicht bekomme, unterhalten sich dessen Mitarbeiter mit mir. Obwohl ich überhaupt nicht gefragt habe, sagen sie mir, dass Ministerpräsident Tillich erst ein paar Wochen zuvor zu Besuch in Israel war.

Schon wieder Israel? Wie schaffen es diese Juden, sich immer überall hineinzuschleichen, besonders wenn niemand damit rechnet?

Als ich das Büro des Ministerpräsidenten betrete, frage ich ihn, wieso Israel und wieso jetzt. Er habe nicht früher gekonnt, sagt er, denn: "Ich war zehn Jahre im Europäischen Parlament, ich war dort im Haushaltsausschuss, und dort halten die Leute das Geld zusammen, sie geben es nicht aus..." Der Mann hat offensichtlich einen gesunden Sinn für Humor.

Warum Israel?, frage ich.

"Wir haben eine sehr lange Beziehung mit Israel. Wissen Sie, ich wurde im Osten Deutschlands geboren. Hier haben wir eine Menge über Israel gelernt, nicht aber die Wahrheit. Zwei Grundsätze lehrte man in der DDR: Es gibt zwei Aggressoren in der Welt. Der eine sind die USA, der andere ist Israel. Das habe ich in den ersten Jahren meines Lebens gelernt. Dann fing ich an, über Israel zu lesen, Artikel und Bücher – und nun, als Ministerpräsident, ist es mir wichtig, die Beziehungen zu Israel zu pflegen. Und es war mir wichtig, mir ein eigenes Bild von Israel zu machen. Für mich war das wirklich interessant, weil wir an meinem ersten Abend, am Ölberg, Deutsche getroffen haben, die sich darum bemühen, die Beziehungen zwischen dem Westjordanland und Israel zu verbessern."

Er fährt fort. "Als Christ konnte ich nicht verstehen, warum die einzige Demokratie im Nahen Osten eine Mauer haben muss. Warum sie zu diesem Mittel greift. Ich sagte zu meinen Partnern auf israelischer Seite: Ihr müsst den Palästinensern die Chance geben, ihre eigene Wirtschaft aufzubauen, und ihnen Bewegungsfreiheit gewähren. In der Zukunft sollte es dort eine bessere Beziehung zwischen den beiden Seiten geben."

Sie sind also ein Kritiker der Mauer?

"Ich konnte verstehen, dass die Mauer aus Sicherheitsgründen gebraucht wird. Aber anderseits schränkt eine Mauer die Bewegungsfreiheit ein." Das versteht sich von selbst. Ich meine –

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Kommentare

61 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Gott! segne den Sarkasmus !

Es ist wirklich interessant-uninteressant zu lesen, was den Lesern in Deutschland aus leidder unerklärlichen Gründen verwehrt bleiben wird. Natürlich stehe ich für die Meinungsfreiheit ein,dan sollte jedoch auch die gesamte Passage des Buches und des Inhaltes auch in den herausgegebenen Büchern in Deutschland erscheinen und nicht den Leseraugen verwehrt bleiben (mein Dank geht an ZEIT online...). Ich bin jedoch schockiert, dass ein jüdischer Autor recht wenig Interesse über eine Meinung zur Lösung des Konflikts zwischen Palästina und Israel hat und mehr Interesse den Sachsen und Sorben Deutschlands hat. ICh verstehe das Dramatiker gerne dramatisieren und es wäre ein wirklich guter Ansatzpunkt das Thema über Palästina und Israel nicht in aller Munde zu dramatisieren, jedoch finde ich es schade oder eher enttäuschend zu lesen, das warscheinlich die Familie von Stanislaw Tillich wie im Artikel erwähnt, die Familie von Tuvia Tenenbom getötet hat, natürlich im übertragenen Sinne, obwohl Vater, des genannten Herrn Tillich in der SED tätig war und warscheinnlich eher kein Sympathisant der Nationalsozialisten war.

Dank Israels Politik,

bedarf es keiner Anstachelung von Israelfeindlichkeit. Ich bin ihnen dankbar, dass sie das Wort ins Spiel gebracht haben, denn auch ich stehe dieser Politik sehr skeptisch gegenüber - würde fast sagen israelfeindlich.
Dies aber trifft nicht den Kern dessen, wovor man sich in Dtld so fürchtet, das ist nämlich eigentlich nicht Israelfeindlichkeit, sondern Antisemitismus - und als Antisemit würde ich mich nicht sehen, denn ich stehe jeder Religion gleich skeptisch gegenüber.
Vllt. wäre es viel wichtiger diese Begrifflichkeiten mehr auseinander zu halten.

Witziger Text

Jedenfalls sehr lustig zu lesen und gut geschrieben

Meine Beobachtung: Wenn nicht gerade irgendwelche Mediendebatten über Israel und Palästina wie bei Günter Grass hoch gekocht werden, interessiert das Thema kaum einen Menschen. Junge Leute außerhalb eine engeren Politszene schon mal gar nicht. Vielleicht etwas mehr als Grenzstreitigkeiten im Südsudan.

Naja jeder hat jemanden im Bekanntenkreis, der Bindungen entweder nach Palästina oder nach Israel hat. Bei denen ist die Meinung klar. Man selbst schweigt höflich und beißt sich hinterher auf die Zunge, wenn man doch nicht den Mund halten konnte.

Und für meinen Teil kann ich nur sagen. Seitdem ich Kind war, wurde ich mit diesem Thema eingedeckt, eine echte Entwicklung kann ich nicht erkennen, weitere Beschäftigung ist also auch nicht nötig.

Klare Meinungen

"Naja jeder hat jemanden im Bekanntenkreis, der Bindungen entweder nach Palästina oder nach Israel hat. Bei denen ist die Meinung klar."

Inwiefern? Die mit den Bindungen nach Israel wollen, dass Israel "gewinnt", und die mit den Bindungen nach Palästina eben umgekehrt? Ein Grund um mit Israel zu sympathisieren, der nicht das Geringste mit Bindungen zu tun hat, ist einfach Mitleid gegenüber diesem mickrigen Land und seinen geplagten Bewohnern. Die Familien der meisten von ihnen haben schlimme Dinge erlebt, und jetzt denken diese Menschen, mit Gewalt könnten sie nun endlich ihren Frieden frieden. Klingt nicht allzu vielversprechend, oder?

Und das ist wirklich köstlich und trifft es ganz genau:
"Wir leben mit unserer Geschichte. Eigentlich sind wir Freunde des jüdischen Volkes, wegen des Holocaust."

Schon klar, warum alles irgendwie schief läuft, oder? Zur Klarheit tragen auch die ausgesprochen lustigen Passagen über die neugierigen und Klassik liebenden Deutschen bei...

wg Klare Meinungen

In etwa so wie sie sagen.

Von einer Bekannten habe ich früher nie etwas zu Israel gehört, dann aber hat die Liebe zugeschlagen und seitdem geht es los: Böse Hamas, böser Iran, Raketen hier etc etc

Und klar respektiere ich es, wenn sich jemand Sorgen um seine neuen Verwandten macht.

Aber inhaltlich? Habe ich ja schon geschrieben: Mich nervt das Thema nur. Fall mal Interesse an einer echten Lösung in der Gend zu erkennen wäre, könnte sich das ändern, aber bis dahin: abschalten

@ 4 Tennenbom unterstellt nicht, er lässt reden

Wenn das Tillichs Aussagen sind - und davon gehe ich aus-
kann man vermuten, dass er sich mit diesem Konflikt überhaupt nicht auseinandergestzt hat und in diesem Thema nicht sachkundig ist.
Tenenbom stellt ihn nicht als Antisemiten dar, er hat auch nicht die Thematik Israel-Juden-Nah-Ostkonflikt angesprochen, sondern sogar versucht davon wegzukommen.
Was Sie Tenenbom unterstellen, haben Sie eigentlich nur durch Interpretation von Tillichs Äusserungen abgeleitet. Ob zurecht oder nicht - ich weiss es nicht.