WindkraftReich werden die anderen

Zwei Milliarden Euro zahlen die Deutschen pro Jahr für die Windkraft. Bei wem landet das Geld? von Nikolai Fichtner

Ein Ofen produziert nicht nur Wärme, ein Kühlschrank nicht nur Kühle und ein Fernseher nicht nur bunte Bilder. All die Elektrogeräte, die in einem deutschen Durchschnittshaushalt herumstehen, sorgen auch noch für etwas anderes: für Geld. Nur dass das Geld nicht derjenige kassiert, dem die Geräte gehören, sondern derjenige, der den nötigen Strom erzeugt. Vor allem, wenn der Strom aus Sonne oder Biogas stammt. Oder aus dem Wind.

Eine Waschmaschinenfüllung zum Beispiel verbraucht knapp eine Kilowattstunde Strom. Dafür bekommt der Betreiber eines Windparks eine garantierte Mindestvergütung von rund acht Cent, egal wie hoch der Marktpreis für den Strom gerade ist. Liegt er zum Beispiel nur bei fünf Cent, legt der Staat noch mal drei Cent obendrauf. In diesem Jahr subventioniert der Staat die Windenergie auf diese Weise mit zwei Milliarden Euro.

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Wobei »der Staat« der falsche Begriff ist. Das Geld zahlen zu Hundert Prozent die Stromverbraucher per Extra-Abgabe. Allerdings nicht alle gleichermaßen. Ein Durchschnittshaushalt ist mit 25 Euro im Jahr dabei, Großverbraucher wie Aluminiumschmelzen oder Stahlhütten sind von der Abgabe weitgehend befreit. Die oft zitierte linke These, dass die Kleinen für die Großen zahlen – bei der Windkraft stimmt sie.

Möglich macht all dies das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Eingeführt von der damaligen rot-grünen Bundesregierung im Frühjahr 2000, brachte es die Deutschen dazu, schlagartig rentabel gewordene Solaranlagen zu bauen, Biogastanks und vor allem: Windräder. Mehr als 22.000 Stück drehen inzwischen bundesweit ihre Kreise. Wobei die Windkraft die Ökostromquelle mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Für die Solarenergie zum Beispiel zahlen die Verbraucher dreimal so viel wie für den Wind, bekommen dafür aber viel weniger Strom.

Neun Prozent des deutschen Stroms werden heute aus Wind gemacht. Vor zehn Jahren waren es nur 2,7 Prozent. Dafür ist der Anteil von Kohle- und Atomstrom zurückgegangen. Für die Umwelt ist das EEG ein großer Erfolg. Genauso wie für all jene, bei denen die vielen Milliarden am Ende hängen bleiben. Nur, wer ist das eigentlich?

Als Erstes fallen einem die Hersteller von Windrädern ein. Tatsächlich hat der Windboom einige Pioniere reich gemacht. Der Unternehmer Aloys Wobben zum Beispiel gründete Mitte der achtziger Jahre in der ostfriesischen Stadt Aurich die Firma Enercon und fing an, Windräder zu bauen. Heute hat Enercon 13.000 Mitarbeiter, und Wobben gilt als reichster Niedersachse. Und als Ausnahme.

Denn ein Blick auf die gesamte Branche der Windradhersteller offenbart ein anderes Bild. Die Konkurrenz ist groß, die Firmen verdienen wenig Geld, wenn überhaupt. Wer in letzter Zeit etwa Aktien des dänischen Unternehmens Vestas kaufte, dem weltweit größten Produzenten von Windanlagen, machte ein schlechtes Geschäft, der Kurs sinkt seit Jahren. »Die Industrie leidet unter Überkapazitäten und dem harten Wettbewerb mit den Asiaten«, sagt Patrick Hummel, Energieexperte der Schweizer Großbank UBS. »Wenn es für Hersteller gut läuft, schreiben sie eine schwarze Null. Für andere ist es sogar ein Verlustgeschäft.«

Die Hersteller der vielen Windräder also sind es nicht, die das Geld der Stromverbraucher kassieren. Dafür aber jene, an die man eher als Letztes denkt: Bauern. Zwar verstehen sie von der Windenergie in der Regel so wenig wie Ingenieure von der Fruchtfolge auf Getreideäckern, aber meist sind sie es, die das besitzen, was jedes Windrad braucht: ein Feld, eine Wiese, ein Stück Wald, auf dem es stehen kann.

Ein Hektar Ackerland bringt normalerweise nicht mehr als ein paar Hundert Euro Pacht pro Jahr. Für ein Stück Land mit einem Windrad darauf dagegen kann der Eigentümer rund 20.000 Euro kassieren, weht der Wind besonders stark, sind bis zu 50.000 Euro möglich. Wer als Landwirt einen ganzen Windpark auf seinem Grundstück stehen hat, ist ein reicher Mann. Kühe hält er dann nur noch zum Spaß.

Auch die Banken, meist Sparkassen oder Volksbanken, verdienen gut am Geschäft mit den Windparks. Die Anlagen sind so teuer, dass sie fast immer über Kredite finanziert werden, die Zinsen gehören zu den größten Kostenblöcken. Dazu kommen Ausgaben für Wartung, Geschäftsführung und Projektmanagement.

Leserkommentare
  1. Die Qualität der Artikel aus dem Thema Wirtschaft in der Zeit ist völlig desolat - von Zeit zu Zeit sehe ich mich jedoch genötigt, zumindest die gröbsten Fakten richtig zu stellen. Ich habe dies bereits mehrfach kritisiert und verstehe so langsam nicht mehr, warum die Qualität nicht zunimmt. Bitte endlich nachbessern.

    Hier mal die Fakten (bitte verzeihen Sie, dass die Quellenangaben fehlen):

    a) Windstrom (Onsh.) reduziert - auch unter Einbezug der Förderung - die Kosten für Strombezug. Dies liegt vor allem an der Reduzierung der Börsenpreise. Also reduziert Windstrom die Kosten für die Verbraucher. Eine Umverteilung "von unten nach oben" ist somit - freundlich gesagt - frei erfunden.

    b) Finanzinvestoren interessieren sich einen Dreck für Onshore-Windstrom. Zu kleinteilig, also zu viel Mgmt. notwendig, zu hohes Risiko. Warum wurden wohl die Extravergütungen für Offsh. durchgesetzt? Onshore machen nur die Kleinen.

    c) Preist man Folgekosten ein (Umwelt, Endlagerung), ist Windstrom nach Wasserkraft die billigste Art der Stromerzeugung, weit vor Atom- und Kohlestrom (liebe Atomverfecher, die 3 Cent/KwH beziehen sich auf abgeschriebene Atomkraftwerke, ohne Endlagerungskosten, ohne durch den Staat getragenen Versicherungskosten, ...).

    d) Mit dem Ausbau der Netze lässt sich sehr gutes Geld verdienen - 9% risikolos auf das eingesetzte Kapital. Daher finden sich hier die ganzen Finanzinvestoren. (Mal ehrlich liebe Zeit, habt ihr denn völlig verschlafen, an wen die Netze gingen?)

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