ZEIT: Der Markt regelt, nicht der Minister?

Ramsauer: Ein Stück sicher. Außerdem sollte man nicht dramatisieren. Die Mieten sind im letzten Jahrzehnt langsamer gestiegen als andere Lebenshaltungskosten. Von 2010 auf 2011 sind die Bestandsmieten durchschnittlich um 1,6 und die Neuvermietung um 3 Prozent gestiegen.

ZEIT: Das stimmt nicht für die Großstädte. Da gibt es Steigerungen von mehr als 10 Prozent.

Ramsauer: Genau das treibt mich um, diese Extreme treffen viele Menschen hart. Wer sich Wohnen aber gar nicht leisten kann, kann staatliches Wohngeld beantragen.

ZEIT: Könnten Sie die rasanten Steigerungen nicht einfach verbieten?

Ramsauer: Ich nicht, die Justizministerin. Die könnte theoretisch die sogenannten Kappungsgrenzen senken. Aber das ist zweischneidig. Geschieht es, dann versiegt die Lust am Investieren und damit am Bauen. Deshalb ist die Bundesregierung hier sehr sensibel.

ZEIT: Die Bundesregierung gibt für alles Mögliche Geld aus. Nur beim Wohnen passiert zu wenig.

Ramsauer: Einspruch! Die öffentliche Hand gibt im Jahr 17 Milliarden Euro für Kosten der Unterkunft und Wohngeld aus. Das ist doch nicht nichts. Richtig ist, dass in der sozialen Wohnraumförderung in den vergangenen Jahren zu wenig getan wurde, es deswegen zu wenig preiswerten Wohnraum gibt. Da muss wieder mehr gebaut werden, und das geht tatsächlich nur mit staatlicher Förderung. Der Bund zahlt den Ländern dafür jährlich 518 Millionen Euro. Die wurden aber nicht überall für den Neubau benutzt. Das muss sich ändern.

ZEIT: Aber diese Zahlungen sollen 2013 auslaufen. So zumindest ist es bislang geplant.

Ramsauer: Deswegen müssen wir jetzt darüber reden, wie es danach weitergeht. Ich bin sehr dafür, dass dieses Geld künftig weiter gezahlt wird. Dann darf das aber nicht irgendwie in die Städtebauförderung oder die Renovierung des Bestandes fließen. Dann muss mit den Millionen auch neu gebaut werden. Es kann nicht sein, dass einige Länder überhaupt nicht bauen.