Wohnungsnot"Nicht dramatisieren"

Peter Ramsauer hält nichts davon, Mieterhöhungen weiter zu deckeln. von 

DIE ZEIT: Herr Minister, warum tun Sie nichts gegen die Wohnungsnot?

Peter Ramsauer: Die formale Antwort lautet: Weil der Bund für die Wohnraumförderung nicht zuständig ist. Seit der Föderalismusreform ist das eine Aufgabe der Länder. Ich weiß aber, dass ich mit solch einer Antwort nicht davonkomme, und ich will das ja auch gar nicht.

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ZEIT: Was tun Sie also gegen die Wohnungsnot?

Ramsauer: Ich habe einen Runden Tisch organisiert, um zunächst den Studenten schnell zu helfen. Seit meine Töchter Wohnungen gesucht haben, weiß ich, dass man als Student kaum etwas oder gar nichts findet. Da wird mit den jungen Leuten umgesprungen – das ist teilweise skandalös. Dass sich die jungen Leute das heute bieten lassen...

ZEIT: Die haben keine Wahl...

Ramsauer: Genauso ist es. Deswegen müssen wir schnell neuen Wohnraum finden. Wir haben eine Menge Ideen: Der Chef der Bundesimmobilienanstalt wird Kasernen und andere Gebäude, die der Bund nicht mehr braucht, aktiv Kommunen und Unis anbieten. Eine andere Idee ist es, für eine Übergangszeit Hotelschiffe anzumieten.

ZEIT: Dass mehr Studenten in die Unistädte drängen, war abzusehen. Wer hat da geschlafen?

Ramsauer: Klar ist: Es ist zu wenig gebaut worden. Zu wenig Sozialwohnungen, zu wenig für Studenten, zu wenig auf dem freien Markt. Da waren die Mieten so, dass man keine guten Renditen erzielen konnte.

ZEIT: Also ist es gut, dass die Mieten steigen?

Ramsauer: Jedenfalls wird jetzt wieder mehr gebaut, gerade in Großstädten. Schauen Sie sich die Genehmigungen an. Die sind im vergangenen Jahr um 22 Prozent gestiegen, die Fertigstellungen um 11 Prozent. Das Pendel schlägt schon zurück. Und jede Wohnung, die gebaut wird, egal ob Luxus oder nicht, entspannt den Markt.

Leserkommentare
  1. 2. Wow...

    "Ich habe einen Runden Tisch organisiert, um zunächst den Studenten schnell zu helfen. Seit meine Töchter Wohnungen gesucht haben, weiß ich, dass man als Student kaum etwas oder gar nichts findet. Da wird mit den jungen Leuten umgesprungen – das ist teilweise skandalös. Dass sich die jungen Leute das heute bieten lassen..."

    Wie es überall menschelt und erst durch die Erfahrungen seiner Töchter ist ihm das bewusst geworden, schon wahnwitzig auf was unser System eigentlich basiert. Wir brauchen einfach noch mehr Wettbewerbsfreiheit und Gott.

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    "Ich habe einen Runden Tisch organisiert, um zunächst den Studenten schnell zu helfen. Seit meine Töchter Wohnungen gesucht haben, weiß ich, dass man als Student kaum etwas oder gar nichts findet. Da wird mit den jungen Leuten umgesprungen – das ist teilweise skandalös. Dass sich die jungen Leute das heute bieten lassen..."

    wie schlecht muss der sich denn fachkundig gemacht haben, dass er nur über seine persönliche situation ein bild von der lage hat???

  2. "Seit meine Töchter Wohnungen gesucht haben, weiß ich, dass man als Student kaum etwas oder gar nichts findet."

    - schön, wenn Politiker zeigen, wie fern sie den Sorgen des gemeinen Pöbels sind, wenn ihre wichtigste Informationsquelle die studierende Tochter darstellt.

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    • hairy
    • 21. Dezember 2012 17:58 Uhr

    In Relation zu Einkommen / fin. Leistungsfähigkeit soll jeder bezahlbaren und menschenwürdigen Wohnraum bekommen. Aber die Realität bewegt sich derzeit eher zum Erpressersystem von "Zahl mehr - oder stirb". Ich wohne in einer westeuropäischen Stadt (nicht in D), wo es genauso längst zugeht. Die Folge ist massive Vertreibung von Leuten mit mittlerem und niedrigem Einkommen. Ich sehe hier 4-köpfige Familien auf 55 Quadratmetern. Wechseln kann man nur, wenn man entweder sehr viel mehr zahlt oder 10 Jahre lang wartet. Kaufen ist für viele auch keine Option, weil die Preise schon utopisch sind, und im unteren Einkommensbereich kaum mehr ein Kredit zu erhalten ist.

    Kurz: Rendite geht da vor Menschenrecht, wieder einmal. :|

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  3. ## ... Es wird Zeit, dass Rot/Grün endlich wieder für menschenwürdige Zustände sorgt. Einen nochmaligen Sozialbetrug wie bei der A. 2010 werden die sich nicht wieder leisten können! ##

    So. Eine neue Agenda2010 können sich Bilderberg-Steinbrück und Bilderberg-Trittin nicht leisten?
    Wieso?
    Weil dann die beiden von den ultracleveren Wechselwählern 2017 ganze gemein abgestraft werden, indem diese statt SPD / Grüne wieder CDU und FDP wählen?
    Oder weil ein paar 100.000 Systemverlierer - "die Mitte" wird dann wohl immernoch fest schlafen, geht es doch nur darum, die ganzen Faulenzer und Minderleister zur Erwerbsarbeit anzureizen, also nur um "die anderen" - vorm Kanzleramt demonstrieren?
    Falls die zu aufmüpfig werden, kann die Polizei mit denen "kommunizieren", wie in Krisenzeiten traditionell üblich in Rüstung und mit Schlagstock.
    Oder weil die SPD-Basis dann ihr Gewissen und ihren Verstand wiederentdeckt und ihrer auf Peers Krönungsfeier 11 Minuten beklatschten Führerfigur (wissen sie eigentlich wie lange 11 Minuten sein können?) kollektiv die Liebe entzieht?
    Oder weil Peer und Jürgen dann ganz dolle arge Gewissensbisse bekommen, wenn die die Menschen ein 2. Mal bescheißen?
    Oder weil die ökonomisch herrschende Klasse, der humanuide "Sachzwang" der die Realpolitik bestimmt, ein Einsehen hat, dass man seinen Reichtum nicht endlos auf Kosten anderer mehren sollte?

    Erklären Sie es mir bitte!

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  4. haben doch die meisten Städte schon abgegeben an die Spekulationswirtschaft und schauen nur einmal für die Medienauftritte hin, doch die Realität ist das der Wohnraum sowohl seitens der Miete als auch von den Nebenkosten her sicherlich wesentlich kostspieliger geworden ist als die Einnahmesituation der Mieter. Eine Regierung die soziale Belange der Bürger nicht mehr stützt ist keine gute Regierung.

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    • rey200
    • 21. Dezember 2012 18:50 Uhr

    Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben lässt Dormitorys, also Zimmer mit Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbad in Bonn verrotten und leer stehen, OBWOHL die Mieter versuchen Nachmieter zu finden. Und die finden sie natürlich. Antwort: Wird nicht mehr vermietet! Wen will der Bund eigentlich verar**** mit diesem Quatsch? Wenn es Wohnungsmangel gibt, dann wäre es wohl am Sinnvollsten die Resourcen die zur Verfügung stehen auch zu nutzen, statt darauf zu warten, dass Studentenwerke und Städte diese Immobilien kaufen. Ramsauer, was Sie erzählen klingt absurd und ist eigentlich unglaublich

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  5. Vielleicht hätte man hinzufügen können, dass von den 17 Milliarden nicht die Wohnungssuchenden, sondern die Vermieter profitieren. Wohngel und andere Unterstützungen werden von vornherein auf die Miete draufgeschlagen. Was natürlich dan Markt vollkommen verfälscht.
    Eigentlich müsste man diese 17 Milliarden den Vermietern als Steuervergünstigung anrechnen.

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    müssen sie den Betrag natürlich versteuern. Das ist die gegenwärtige Rechtslage.

  6. Und jede Wohnung, die gebaut wird, egal ob Luxus oder nicht, entspannt den Markt.

    Das stimmt so nicht. Gerade in Berlin werden eigentlich nur noch Luxuxwohnungen gebaut, die auch negative Auswirkungen auf ihr Umfeld haben. Ein solcher neubau oder eine Luxussanierung lässt die Mietpreise einer ganzen Straße steigen.

    Auch das Problem der Privatisierungen von staatlichem Wohnraum ist ein eindeutig politisch verursachtes Problem.

    Die Politik weiss doch ganz genau, dass die Käufer solcher Pakete nur eines im Sinn haben: Ausschlachten.

    Blöderweise sind Politiker wie Herr Ramsauer keine Pragmatiker, sondern Ideologen. Anstatt einfach Quoten einzuführen für Wohnraum, von dem die Gesellschaft am meisten profitiert, wird ein Eingriff in diesen sensiblen Markt ideologisch-getrieben als No-Go angesehen.

    Wo ist das Problem, Neubauten nach einer einfach Liste - gestaffelt nach vorraussichtlichem Quadratmeterpreis - freizugeben?

    Dann hat man eine Liste...sagen wir...

    1. Luxus
    2. gehobene Mittelklasse
    3. Standard
    4. Günstig
    5. Sozialbau

    ...und erlaubt Neubauten nach ausgewogenen Prozentwerten.

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