Peer Steinbrück99 Fragen an Peer Steinbrück
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"Geschwafel passt nicht zu mir"

9. Ist das Ihr Trick, dass Sie wirklich etwas sagen, wenn Sie etwas sagen?

Das ist kein Trick. Dieses Geschwafel passt einfach nicht zu mir.

10. Können Sie jetzt mal auf den Punkt eine Schlagzeile liefern?

Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis.

11. Haben Journalisten zu oft ein Glaskinn?

Eindeutig ja. Journalisten sind gut im Austeilen, aber umgekehrt sehr empfindlich und schlecht im Einstecken.

12. Können Sie kurz klarstellen, welches Honorar Sie für dieses Interview erhalten?

Bisher nur ein Glas Wasser.

Zwischenapplaus. Der Kandidat schaut jetzt erst – zum ersten Mal – dem Fragensteller ins Gesicht. Vollprofi! Logisch, der Kontakt zum Publikum ist ihm wichtig, hier muss er die Zustimmung gewinnen. Er sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen: wunderbar angespannter, dabei komplett beweglicher, jederzeit zu einer üblen Keilerei bereiter Kandidat.

13. Niemals ein Glas Rotwein unter fünf Euro?

Das kommt auf die Weinlage an.

14. Was kosten Ihre Schuhe?

Ich vermute, um die 150 Euro. Was kosten Ihre?

Er wendet zum zweiten Mal den Kopf zum Fragensteller. Langsam. Des Kandidaten Blick zielt durch die Brillengläser. Zähneblecken: Man sieht vor allem die untere Zahnreihe. Steinbrücks berühmter »Was willst denn du, Bürschchen?«-Blick. Er kann so geil lauernd, verächtlich, angriffslustig gucken. Dieser Blick ist ein sehr, sehr gekonnter Blick – natürlich auch eine Aufforderung zum Spielen!

15. Wann zuletzt Ihre Netzcard First von der Deutschen Bahn eingesetzt?

Von Dortmund nach Berlin nach der Hauptversammlung von Borussia Dortmund.

16. Wie viele Tage sind es noch bis zur Bundestagswahl?

273.

Gelächter. Triumphierender Kandidat. Steinbrück zeigt auf den Fragensteller.

Das kann er jetzt so schnell nicht nachprüfen.

17. Unter uns: Ist der Käs’ gegessen?

Wo haben Sie denn den Dialekt her?

18. Was ist gut an einem Fehlstart?

Dass es nur noch bergauf gehen kann.

19. Werden Sie sich jetzt bald die schwarze Hornbrille kaufen, mit der Steinmeier, Westerwelle und Wulff ihr Image aufpoliert haben?

Garantiert nicht, denn der Durchblick wird ja durch eine neue Brille nicht besser.

20. Wofür haben Sie die viel zitierte Beinfreiheit zuletzt genutzt?

Um Ihnen auf die Füße zu treten.

21. Welcher kreative Affe hat Sie eigentlich geritten, als Sie zustimmten, den Gag mit den Wohnzimmergesprächen in Ihr Programm zu nehmen?

Das ist kein Gag, sondern eine vernünftige Idee. Weil es eine Art ist, dialogisch mit Menschen umzugehen und nicht im Sinne von Frontalunterricht. Wir haben da von Veranstaltungen abgekupfert, wie sie in den USA stattfinden.

22. Auf den Punkt: Geht es Deutschland für eine Wechselstimmung einfach zu gut?

Viele Menschen vermissen etwas. Viele Menschen haben den Eindruck, dass diese Gesellschaft nicht mehr zusammenhält. Deshalb sprechen die ökonomischen Daten nicht unbedingt für einen Wechsel. Aber einige glauben, es ist etwas aus dem Lot geraten.

Fünf Minuten rum. Noch ist nichts komplett schiefgegangen. Wir nehmen uns jetzt den Kandidaten Steinbrück vor, wie er sich in seiner Nominierungsrede präsentiert hat.

23. Zitat: »Mehr Wir, weniger Ich.« Wer ist das Ich?

Wir alle einzeln. Nach dem Motto: Alle denken an sich, nur ich, ich denke an mich.

Applaus. Es ist der erste Applaus, der dem Inhalt einer seiner Aussagen gilt. Weniger Egoismus: super. Finden alle gut.

Leserkommentare
    • Kosubek
    • 19. Dezember 2012 12:22 Uhr

    Seine Antworten sind einfach brillant und zeugen von wahrer Größe. Ich kann es gar nicht erwarten, dass dieser große Mann bald unser Kanzler sein wird. Mit ihm wird alles gut. Er ist der Mann, der dieses Land aus der Krise führen wird. Ein echter Überflieger.

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    • Hazzl
    • 19. Dezember 2012 13:25 Uhr

    Kosubek und Emma (@3), ich habe mich zunächst ernsthaft gefragt, ob Ihre Diskussionsbeiträge ironisch gemeint waren, weil sie mir dann doch zwei Spuren zu begeistert klangen. Mittlerweile haben Sie mich immerhin davon überzeugt, dass Sie das wirklich ernst meinen.

    Selbst sympathisiere ich zwar durchaus mit Herrn Steinbrück, das vorliegende Interview fand ich jedoch arg oberflächlich. Das ist natürlich durch die Form vorgegeben. In zwei Sätzen kann man (mir) die Welt eben nicht erklären.
    Offenbar durchschaue ich die letzten Winkelzüge nicht so ganz. Könnten Sie beide vielleicht die Highlights für mich ausformulieren?

    Nach dem Lesen dieser 99 hochbrisanten Fragen - für das Wahlvolk von außerordentlichem Interesse - zielgerade gerichtet an unseren zukünftigen Bundeskanzler, und dessen politisch tiefgründiger Beantwortung, hege nun keinerlei Zweifel mehr an Peer Steinbrücks Medienkompetenz.

    Ja, ich werde ihn wählen allein aufgrund seines absolut glaubwürdigen Versprechens in Frage 98:

    Mit Sicherheit wird er sich daran halten - Versprochen!!!

    • nyobion
    • 21. Dezember 2012 5:37 Uhr

    er hat ja auch alles rhetorisch gelöst und hatte "keine" ahnung welche fragen er gestellt bekommt.

    Pleitegeier der Nation kommt wohl eher in Frage. Warum fragt Ihn niemand warum Banken und keine Kommunen gerettet werden müssen. Oder leben Ihre Kinder in Banken?

  1. Großartig, wie Herr S. da elegant formuliert, alle Fragen zufriedenstellend beantwortet und selbst völlig bescheiden in den Hintergrund tritt.

    Ein Weltmann wie er im Buche steht, strahlendes Vorbild für uns alle, elegant in seiner Auffassungsgabe.

    Und auch die selbstentlarvenden Fragen, hochintelligent gestellt und noch besser pariert. Ein Vergnügen sondergleichen!

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    • Kosubek
    • 19. Dezember 2012 13:12 Uhr

    Einfach phantastisch, dieses Interview. Der Fragesteller und Steinbrück liefern ja ein wahres Feuerwerk ab. Stellenweise musste ich die Abschnitte rund zwölf Mal lesen, um sie überhaupt intellektuell halbwegs erfassen zu können. Aber Steinbrück, dieser große Denker, antwortet scheinbar mühelos selbst auf die kompliziertesten Fragen und Problemstellungen. Dieses Interview wird wohl in die Geschichte eingehen. Erst künftige Generationen werden begreifen können, was dieser Teufelskerl Steinbrück, der seiner Zeit offenbar weit voraus ist, uns mit seinen großartigen Antworten sagen wollte. Genau so jemand wie er wird jetzt gebraucht und wir können uns alle glücklich schätzen, dass sich ein solch fähiger Mann für ein so verantwortungsvolles Amt zur Verfügung stellt.

    ....

    wird auf Zeit-Online eben sehr verwöhnt!

  2. 4. [...]

    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

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    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/fk.

  3. Das hätte ich ihn schon mal gerne gefragt.

    Dabei sollte er froh sein, dass diese Fragen, nach der Art des Holzes aus dem er beschaffen ist, natürlich nur eine solche rein rhetorischer Natur ist.

    Wäre Herr Steinbrück nämlich wirklich aus Holz gemacht, müsste ihm, immer dann wenn er sich wortgewaltig in den, für ihn immerhin mehr als untypischen und daher auch wenig glaubhaften, sozialdemokratischen Anwandlungen ergeht, eine Nase wachsen bis ins Unendliche....

    Eine Leserempfehlung
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    Für den Fall, daß Sie richtig liegen möchte ich mir den Begriff Peernokio als Urheber sichern.

  4. Für den Fall, daß Sie richtig liegen möchte ich mir den Begriff Peernokio als Urheber sichern.

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    Gar noch exakter am bekannten Original angelehnt wäre 'Peernocchio'.

    Jedenfalls ein treffliche Wortschöpfung (das ich da nicht selber drauf gekommen bin...).

    Außerdem klingt dieser Name doch auch weit weniger nach der Zugehörigkeit zu einem ganz bestimmten Milieu, als der seit einigen Wochen (und lukrativen Vorträgen bei der Bankster-Gilde) in den Medien zunehmend kursierende 'Penunsen-Peer' ;-))

  5. So viel zur völligen Entkopplung von Politik und Journaille von den restlichen 99 Prozent der Bevölkerung.

    Und das ganze im Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus in der Auguststraße, Berlin: Holz, Kronleuchter, blinde Spiegel.

    Hach, wie schön...

    Eine Leserempfehlung
  6. >> Viele Menschen haben den Eindruck, dass diese Gesellschaft nicht mehr zusammenhält. <<

    ... kein Eindruck, das ist eine Tatsache.

    Die Frage ist: ist Steinbrück der Mann, der den Menschen vermitteln kann, dass die SPD daran etwas ändern möchte? Nachdem sich alle Welt an der grottendämlichen Nebenverdienstdebatte hochzieht, wird das wohl nicht gelingen.

    Also stehen wohl vier weitere Jahre mit der Frau mit dem nicht exaltierten Kleidungsstil an, die nicht einmal erkennt, dass diese Gesellschaft nicht mehr zusammenhält.

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    Nach seiner Antwort auf Frage 5 zu urteilen, müsste ihm bei seiner Antwort auf Frage 22 sofort übel werden.

    Was er wirklich besser kann: Steinbrück macht Eindruck. Seine Konsequenz lässt aber Wünsche offen. Nach seinen Aussagen im letzten Buntestagswahlkampf hätte ich mir z. B. ein wirklich richtungsweisendes Konzept gewünscht, wie die hohe Staatsverschuldung abzubauen wäre. Das fehlt, da hätte er sicher die SPD nicht auf Linie bringen können. Also ist er auch nur ein Taktiker.

    So bleibt wahrscheinlich nur übrig, mit großem Bedauern und Ärger über das schwache Personal als kleineres Übel die CDU zu wählen. Sie liefert das deutsche gesellschaftliche und staatliche Vermögen wenigstens nicht ungebremst an die südeuropäischen Schuldenstaaten aus.

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