Peer Steinbrück : 99 Fragen an Peer Steinbrück
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"Merkel ist definitiv nicht exaltiert"

24. Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität sind Grundlagen Ihrer Kandidatur: Was sind bitte die Grundlagen Ihrer Kandidatur?

Dasselbe in umgekehrter Reihenfolge.

25. Echt wahr, dass Sie noch nie eine Wahl gewonnen haben?

Das stimmt nicht. Ich habe zwei Mal einen Wahlkreis gewonnen. Aber eine Landtagswahl habe ich verloren, mit einer Stimmenzahl, mit der Hannelore Kraft jüngst gewonnen hat.

26. Wären 29 Prozent für die SPD ein tolles Ergebnis?

Eindeutig nicht. Aber eine Messlatte lege ich jetzt nicht, damit Sie mich nicht ständig nach meinen Hochsprungqualitäten fragen.

27. Wissen Sie, warum der Steinmeier nicht kandidiert hat?

Ja. Aber ich verrat’s Ihnen nicht.

28. Haben wir das richtig verstanden, dass man, wenn man Sie wählt, Frank-Walter Steinmeier als Außenminister kriegt?

Er hat alle Wahlmöglichkeiten.

29. Wo liegt noch mal die Mitte?

Wo wir beide sitzen.

30. Korrekt, dass sich in der Mitte mittlerweile mehr Wut auf Banker und Privatisierung findet als im SPD-Vorstand?

Ja, die Mitte hat die nachvollziehbare Vorstellung, dass Maß und Mitte verloren gehen könnten in dieser Gesellschaft.

31. Wer ist derzeit die größte Nervensäge bei den Grünen?

Der Gärtner, der in der Nachbarschaft am Samstagnachmittag den Rasen mäht.

32. Können Sie jetzt mal, versuchsweise, mit einer sozialliberalen Koalition drohen?

Laden Sie das nächste Mal Herrn Kubicki ein.

Wir müssen ihn – jetzt – mit ein paar Merkel-Fragen quälen.

33. Sagen Sie Mutti?

Niemals. Zu despektierlich.

34. Kann Merkel SPD?

Nur, wenn die SPD ihr behilflich ist.

35. Der Moment, in dem Sie mit Merkel den Deutschen garantiert haben, dass die Sparkonten sicher sind: War das der deutscheste Moment der Politik der letzten zehn Jahre?

Der deutscheste Moment? Was soll denn das bedeuten? Wie lange haben Sie denn über dieser tollen Frage geknüselt? Es war kein deutscher Moment. Es war ein Moment, in dem es darum ging, den Deutschen Angst zu nehmen. Darauf könnte ich jetzt länger antworten, aber das mögen Sie ja nicht.

36. Hat der Moment, in dem Sie mit Frau Merkel die Spareinlagen garantiert haben, Sie nicht auf ewig auf die Rolle des Assistenten festgelegt?

Nein. Ich habe nicht den Eindruck, dass da Koch und Kellner aufgetreten sind. Es war geradezu notwendig, dass da zwei standen, die eben nicht parteipolitisch motiviert sind und versuchen, Geländegewinne zu erzielen. Nur das hat Vertrauen geschaffen.

37. Wie kritisieren Sie die Garderobe der Frau Merkel?

Die Frau ist definitiv nicht exaltiert.

38. Welche ist Merkels größte politische Fehlleistung in den letzten fünf Jahren?

Dass sie keine neue Geschichte von und über Europa entwickelt. Und den Menschen nicht vermittelt, dass Europa ein großes zivilisatorisches Projekt ist.

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Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Steinbrück wäre ein vorzüglicher Bundeskanzler.

Seine Antworten sind einfach brillant und zeugen von wahrer Größe. Ich kann es gar nicht erwarten, dass dieser große Mann bald unser Kanzler sein wird. Mit ihm wird alles gut. Er ist der Mann, der dieses Land aus der Krise führen wird. Ein echter Überflieger.

Wohlfeile Kritik

Das Thema mit Steinbrücks Reden ist doch schon längst durch.

Hätte die SPD von Anfang an gesagt: "Ok, wir bringen das Gesetz zur Veröffentlichung von MdB-Nebenverdiensten neu ein, das die fahrenden Prediger in CDU und FDP immer wieder blockiert haben, und DANACH veröffentlicht Steinbrück seine Einkünfte gemäß der neuen Gesetzeslage", wäre der Ball erst mal ne Weile auf dem Dach der Regierungsfraktionen.

Die SPD hat sich da ohne Grund selbst in eine Erklärungsnot gebracht, die für viele Koalitionsabgeordnete - die nämlich, die ähnlich fleißige Redner oder Aufsichtsräte sind wie Steinbrück - sehr bequem ist.

Ich selbst hätte ja auch gern härtere Fragen gesehen:
Wie z.B. Steinbrück gedenkt, die Finanzindustrie hart anzufassen, wenn er ihr bis vor kurzem wörtlich aus der Hand fraß, und ihre Lobbyisten ihm sogar Gesetze diktieren konnten.
Oder wieso er glaubt, in Zeiten von "too-big-to-fail"-Staatsgarantien für Banken wäre die Finanzindustrie in D noch zu klein (Frage 76!!).

Es gibt viele INHALTLICHE Ungereimtheiten des Kandidaten, insbes. mit dem zentralen Thema Finanzmärkte, die ausgespart wurden.

Fragen politischer ETHIK - wie die der Anwesenheit im Parlament oder der Nutzung von Mitarbeitern des Bundestages - betreffen jedoch alle Politiker, nicht nur Steinbrück (siehe z. B. Guttenberg...). Sie nur an ihm festzumachen, ist daher sehr wohlfeil.

Und Imageberater waren doch schon vor 10 Jahren bei Stoiber kaum einen Satz wert - und dabei hatte der diese bitter nötig...

@1 Kosubek - kann Ihnen nur beipflichten

Großartig, wie Herr S. da elegant formuliert, alle Fragen zufriedenstellend beantwortet und selbst völlig bescheiden in den Hintergrund tritt.

Ein Weltmann wie er im Buche steht, strahlendes Vorbild für uns alle, elegant in seiner Auffassungsgabe.

Und auch die selbstentlarvenden Fragen, hochintelligent gestellt und noch besser pariert. Ein Vergnügen sondergleichen!