Peer Steinbrück : 99 Fragen an Peer Steinbrück
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Talent als Nashorn? "Zehn"

67. Richtig, dass Ihre ausgefuchsten Berater Ihnen im Wahlkampf vom Thema Europa abraten, da mit Europa gegen Merkel nicht zu punkten ist?

Im Gegenteil. Ich hielte es für ziemlich kleinmütig, auf Europa im Wahlkampf nicht einzugehen, zumal ich gerne Ressentiments und falschen Parolen entgegentreten möchte.

68. Wann waren Sie das letzte Mal in Griechenland?

Vor vier Jahren. Da habe ich der griechischen Statistik noch geglaubt.

69. Wie schließen Sie die Schere zwischen Arm und Reich?

Mindestlohn, gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, Eingrenzung von Minijobs, Reform des Ehegattensplittings, höhere Besteuerung derjenigen, die in den höheren Etagen des Gesellschaftsgebäudes leben.

70. Können Sie Opel retten?

Nein. Kein Politiker kann auf Dauer ein Unternehmen retten, das auf dem Markt verliert. Wir können versuchen, dabei behilflich zu sein, Arbeitsplätze zu erhalten.

71. Wie kriegen wir den Iran dazu, auf Atomwaffen zu verzichten?

Alleine schaffen wir das nicht. Sondern nur mit massivem internationalem Druck und Sanktionen.

Der toteste Punkt des Interviews ist erreicht. Egal. So ist das mit Politikern. Wir stechen in sein Lieblingsthema, die Wirtschaft, hinein. Für einen SPD-Politiker ist der Kandidat bei der Wirtschaft ja bekanntlich ziemlich beliebt.

72. Was haben Sie persönlich gegen die Deutsche Bank?

Gar nichts. Ich wünsche eine tüchtige und starke Deutsche Bank. Aber ich möchte vermeiden, dass Kunden mit gängigen Einlagen für die Risiken von Investmentbankern haften.

73. Mögen Sie den immer guten Begriff der Heuschrecken?

Der hat jedenfalls eine Diskussion auf den Punkt gebracht. So ähnlich wie der Begriff der Kavallerie.

74. Können Sie den bösesten Renditejäger in Deutschland mit Namen nennen?

Das kann ich nicht. Ich hielte Schauprozesse auch für weniger hilfreich als eine Einhegung der Renditejagd.

75. Wer ist Ihr bester Freund in der deutschen Wirtschaft?

Ich glaube, der Wirt eines italienischen Restaurants im Regierungsviertel.

76. Simple Frage: Ist der Finanzsektor in Deutschland zu groß oder zu klein?

Gemessen an der Größe unser Realwirtschaft, ist er eher zu klein.

77. Können Sie noch einmal erklären, warum Onkel Dagobert eben definitiv kein Spekulant ist?

Weil er den ganzen Zaster in seinem Tresor bunkert und eben nicht anlegt.

25. Minute: Kandidat und Publikum bekommen erklärt, dass zwei Drittel der Show vorüber sind. Steinbrück: »Waren das mehr als zehn Fragen?« Logisch, er hätte auch tausend Fragen beantworten können, der Showman Steinbrück hat da keine Probleme – geschenkt: Nun wird es anders asozial. Der Kandidat soll sein Talent einschätzen, von null Punkten, minimales Talent, bis zehn Punkte, maximale Begabung. Er will erst nicht. Dann muss er doch.

78. Ihr Talent als Spieler, bitte.

Sieben Punkte.

79. Hand-in-der-Hosentasche-Redner.

Fünf.

80. Kapitalist.

Sechs.

81. Deregulierer.

Sechs.

82. Hausfrau.

Null. Weil ich keine Frau bin.

83. Nashorn.

Zehn.

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Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Steinbrück wäre ein vorzüglicher Bundeskanzler.

Seine Antworten sind einfach brillant und zeugen von wahrer Größe. Ich kann es gar nicht erwarten, dass dieser große Mann bald unser Kanzler sein wird. Mit ihm wird alles gut. Er ist der Mann, der dieses Land aus der Krise führen wird. Ein echter Überflieger.

Wohlfeile Kritik

Das Thema mit Steinbrücks Reden ist doch schon längst durch.

Hätte die SPD von Anfang an gesagt: "Ok, wir bringen das Gesetz zur Veröffentlichung von MdB-Nebenverdiensten neu ein, das die fahrenden Prediger in CDU und FDP immer wieder blockiert haben, und DANACH veröffentlicht Steinbrück seine Einkünfte gemäß der neuen Gesetzeslage", wäre der Ball erst mal ne Weile auf dem Dach der Regierungsfraktionen.

Die SPD hat sich da ohne Grund selbst in eine Erklärungsnot gebracht, die für viele Koalitionsabgeordnete - die nämlich, die ähnlich fleißige Redner oder Aufsichtsräte sind wie Steinbrück - sehr bequem ist.

Ich selbst hätte ja auch gern härtere Fragen gesehen:
Wie z.B. Steinbrück gedenkt, die Finanzindustrie hart anzufassen, wenn er ihr bis vor kurzem wörtlich aus der Hand fraß, und ihre Lobbyisten ihm sogar Gesetze diktieren konnten.
Oder wieso er glaubt, in Zeiten von "too-big-to-fail"-Staatsgarantien für Banken wäre die Finanzindustrie in D noch zu klein (Frage 76!!).

Es gibt viele INHALTLICHE Ungereimtheiten des Kandidaten, insbes. mit dem zentralen Thema Finanzmärkte, die ausgespart wurden.

Fragen politischer ETHIK - wie die der Anwesenheit im Parlament oder der Nutzung von Mitarbeitern des Bundestages - betreffen jedoch alle Politiker, nicht nur Steinbrück (siehe z. B. Guttenberg...). Sie nur an ihm festzumachen, ist daher sehr wohlfeil.

Und Imageberater waren doch schon vor 10 Jahren bei Stoiber kaum einen Satz wert - und dabei hatte der diese bitter nötig...

@1 Kosubek - kann Ihnen nur beipflichten

Großartig, wie Herr S. da elegant formuliert, alle Fragen zufriedenstellend beantwortet und selbst völlig bescheiden in den Hintergrund tritt.

Ein Weltmann wie er im Buche steht, strahlendes Vorbild für uns alle, elegant in seiner Auffassungsgabe.

Und auch die selbstentlarvenden Fragen, hochintelligent gestellt und noch besser pariert. Ein Vergnügen sondergleichen!