Peer Steinbrück : 99 Fragen an Peer Steinbrück
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"Politiker sind keine einsamen Menschen"

84. James Dean.

Null.

85. Grünen-Fresser.

Er macht ein tolles Geräusch. Tief aus dem Bauch heraus. Ein Grollen. Steinbrück schluckt gerade einen Grünenpolitiker herunter. Große Show! Begeistertes Publikum.

Null.

86. Gerhard Schröder.

Fünf.

Steinbrück wirft einen seiner berühmten Blicke: Es ist jetzt ein kleines Lächeln in diesem immer noch auf Gegenangriff, auf Attacke eingestellten Gesicht. Klatschendes Publikum. Er weiß, dass er durch ist. Er hätte ja auch Unsinn reden, hätte gehetzt und unsouverän wirken, sich verhaspeln, Stoff für Anti-Steinbrück-Schlagzeilen liefern können: hat er alles nicht gemacht. Die Linie, auf der ein Politiker fast nichts sagt und dabei trotzdem ernsthaft, frisch und unterhaltsam wirkt, ist dünn: Da war er drauf. Aua, er hat das mit toller, eiskalter Ruhe, er hat das ziemlich gut gemacht.

87. Wozu das alles?

Wir müssen uns bewegen, vorwärtsbewegen.

88. Seid ihr Politiker einsame Menschen?

Nein, definitiv nicht.

89. Sind Sie im Kern ein tieftrauriger Mensch?

Auch nicht. Ich habe nicht die Zeit dafür, und es entspricht auch nicht meinem Gemüt.

90. Mit welcher historischen Leistung wollen Sie als Kanzler in die Geschichte eingehen?

Keine Antwort. Warten Sie’s ab.

91. Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

Na, dann wohl im Sommer 2013.

Er findet’s die total bescheuerte Frage. Der Kandidat schüttelt den Kopf, lacht. Das Publikum lacht. Wir erleben jetzt live, zumindest für heute Abend: das Siegerlächeln des Kandidaten Peer Steinbrück.

92. Wie geht’s Ihrem alten Freund Roland Koch?

Der führt, glaube ich, Bilfinger Berger ganz erfolgreich.

93. Sind 18 Grad nicht ein bisschen kalt?

Es sind bei uns zu Hause nicht 18 Grad. Jedenfalls nicht in meinem Arbeitszimmer.

94. Würden Sie Ihrer Frau Gertrud eine Niere spenden?

Zu privat.

95. Wie geht’s Ihrem Kirschbaum?

Der muss wahrscheinlich, weil er zu alt ist und einen Pilz hat, abgeholzt werden. Das macht mich traurig.

96. Stürmen Sie beim Tennis immer noch zu schnell ans Netz?

Gelegentlich nicht nur im Tennis.

97. Hilft Alkohol?

Auf Dauer nicht.

98. Noch mal in aller Kürze: Warum sollen wir Sie wählen?

In zwei Sätzen: Weil ich Ihnen nichts verspreche. Also glauben Sie mir.

99. Wie ging die Schachpartie gegen den ehemaligen Weltmeister Wladimir Kramnik aus?

Nach 37 Zügen: mit meiner Niederlage.

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Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Steinbrück wäre ein vorzüglicher Bundeskanzler.

Seine Antworten sind einfach brillant und zeugen von wahrer Größe. Ich kann es gar nicht erwarten, dass dieser große Mann bald unser Kanzler sein wird. Mit ihm wird alles gut. Er ist der Mann, der dieses Land aus der Krise führen wird. Ein echter Überflieger.

Wohlfeile Kritik

Das Thema mit Steinbrücks Reden ist doch schon längst durch.

Hätte die SPD von Anfang an gesagt: "Ok, wir bringen das Gesetz zur Veröffentlichung von MdB-Nebenverdiensten neu ein, das die fahrenden Prediger in CDU und FDP immer wieder blockiert haben, und DANACH veröffentlicht Steinbrück seine Einkünfte gemäß der neuen Gesetzeslage", wäre der Ball erst mal ne Weile auf dem Dach der Regierungsfraktionen.

Die SPD hat sich da ohne Grund selbst in eine Erklärungsnot gebracht, die für viele Koalitionsabgeordnete - die nämlich, die ähnlich fleißige Redner oder Aufsichtsräte sind wie Steinbrück - sehr bequem ist.

Ich selbst hätte ja auch gern härtere Fragen gesehen:
Wie z.B. Steinbrück gedenkt, die Finanzindustrie hart anzufassen, wenn er ihr bis vor kurzem wörtlich aus der Hand fraß, und ihre Lobbyisten ihm sogar Gesetze diktieren konnten.
Oder wieso er glaubt, in Zeiten von "too-big-to-fail"-Staatsgarantien für Banken wäre die Finanzindustrie in D noch zu klein (Frage 76!!).

Es gibt viele INHALTLICHE Ungereimtheiten des Kandidaten, insbes. mit dem zentralen Thema Finanzmärkte, die ausgespart wurden.

Fragen politischer ETHIK - wie die der Anwesenheit im Parlament oder der Nutzung von Mitarbeitern des Bundestages - betreffen jedoch alle Politiker, nicht nur Steinbrück (siehe z. B. Guttenberg...). Sie nur an ihm festzumachen, ist daher sehr wohlfeil.

Und Imageberater waren doch schon vor 10 Jahren bei Stoiber kaum einen Satz wert - und dabei hatte der diese bitter nötig...

@1 Kosubek - kann Ihnen nur beipflichten

Großartig, wie Herr S. da elegant formuliert, alle Fragen zufriedenstellend beantwortet und selbst völlig bescheiden in den Hintergrund tritt.

Ein Weltmann wie er im Buche steht, strahlendes Vorbild für uns alle, elegant in seiner Auffassungsgabe.

Und auch die selbstentlarvenden Fragen, hochintelligent gestellt und noch besser pariert. Ein Vergnügen sondergleichen!