Deutschland : Armut
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Viel einiger als bei den Zahlen sind sich Experten bei den Ursachen

Die dritte Möglichkeit, Armut zu erfassen, führt dagegen sehr wohl zu einem erkennbaren Trend. Das Statistische Bundesamt zählt seit einigen Jahren, wie viele Menschen zur Sicherung ihrer Existenz auf Hilfe vom Staat angewiesen sind. Wie viele also Leistungen beziehen wie Hartz IV, Sozialhilfe, Asylhilfe oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Der Vorteil dieser Erhebung: Umfragen und Selbsteinschätzungen spielen keine Rolle. Das Einkommen wird von Behörden geprüft, ja sogar das Vermögen beachtet. Das ist einzigartig. Danach waren Ende 2011 rund sieben Millionen Bundesbürger »arm« oder »hilfsbedürftig«. Manche sagen, dass diese Leistungen nicht Armut bedeuten, sondern davor schützen.

Eindeutig ist aber die Entwicklung: Seit 2006 brauchen immer weniger Menschen Unterstützung. Vor allem die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sank deutlich, um 16 Prozent oder rund eine Million. Und der Trend dürfte sich im zu Ende gehenden Jahr fortgesetzt haben. Dieses Barometer kann täuschen, wenn der Staat die Regeln für Sozialleistungen stark verändert. Aber für die vergangenen sieben Jahre lässt es den Schluss zu: Die Not wird nicht größer, sondern immer kleiner. Das ist die Bilanz der vergangenen Jahre.

Vor allem Linke mögen das ungern eingestehen. Sei es aus sozialpolitischen Motiven, sei es aus parteipolitischen, schließlich könnte es ja jemand als Entwarnung verstehen. Dabei verhindert der Daueralarm – »Die Armut wächst!« – jede sinnvolle Überprüfung von Politik. Viele Medien tragen dazu bei, denn häufig greifen sich Journalisten aus den Statistiken genau die Zahl und den Zeitraum heraus, mit dem sich das größte Drama inszenieren lässt. Nach dem alten Journalisten-Motto: »bad news are good news« – nur schlechte Nachrichten verkaufen sich gut.

Mancher wendet ein, Armutszahlen seien sowieso egal. Solange nur ein einziger Bürger in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen müsse, stimme etwas nicht. Moralisch ist das richtig. Doch wer sich über Armut nicht nur empören, sondern sie auch bekämpfen will, muss wissen, ob die Politik auf dem richtigen Kurs ist oder ob jemand das Ruder herumreißen sollte.

Viel einiger als bei den Armutszahlen sind sich die Experten übrigens bei den Ursachen. Besonders häufig armutsgefährdet, arm oder hilfsbedürftig werden demnach Menschen, wenn sie keine Arbeit finden, wenn ihre Familie zerbricht, wenn sie keine Ausbildung abschließen oder als Ausländer nach Deutschland kommen. Fast 60 Prozent der noch immer drei Millionen Arbeitslosen gelten als armutsgefährdet, mehr als 40 Prozent der Alleinerziehenden, 38 Prozent der Geringqualifizierten und 32 Prozent aller Einwohner mit ausländischem Pass; alles nachzulesen beim Statistischen Bundesamt. Ansatzpunkte für eine bessere Armutsbekämpfung gibt es also reichlich.

Ausgerechnet der Punkt, der die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht, landet bei diesem Vergleich aber recht weit hinten: Nicht einmal 8 Prozent der Erwerbstätigen leiden unter relativer Armutsgefahr. Das sind etwa halb so viele wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Bei denjenigen, die voll arbeiten, sind es laut einer EU-Erhebung sogar nur 6 Prozent. Was übrigens dem Anteil in Frankreich entspricht, obwohl dort seit Jahren einer der höchsten Mindestlöhne in ganz Europa vorgeschrieben ist.

Es könnte sich also lohnen, über die allzu simple Geschichte von der wachsenden Armut noch einmal genauer nachzudenken – um die Armut in Deutschland wirkungsvoller bekämpfen zu können.

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Neue Armutswelle in Deutschland

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Neue Armutswelle in Deutschland

Mehr als jeder sechste Mensch in Deutschland gilt als armutsgefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag vorgestellte Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Dem Bericht zufolge sind rund 12,4 Millionen Menschen in Deutschland von Armut bedroht. Dies entspricht einem Wert von 15,1 Prozent - die höchste Quote seit der deutschen Wiedervereinigung. Nach Aussage von Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, ist auch die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung für die Zuspitzung der Situation verantwortlich.

Armut ist überall, nicht nur auf der Straße, zu finden

Ich bin bestimmt keine Studierte und auch nicht so firm in politischen Fragen bzw. Diskussionen. Aber ich lebe in diesem Staat und bekomme täglich mit, was los ist. Ein Beispiel, meine Mutter ist seit 1 1/2 Jahren Witwe, sie bezieht 842,-€ Rente. Davon kann man kaum leben, wenn man eine Wohnung bezahlt, Nebenkosten und noch fit ist. Doch sie hat knappe 5,-€ zuviel um Wohngeld zu erhalten.
Das ist bereits Armut, denn sie kann nicht mal mehr täglich vernünftig kochen, das ist nämlich nicht so viel preiswerter, als für 2 Personen.
Jeder, der das Thema Armut diskutiert, sollte sich umsehen, es gibt abertausende solcher Beispiel in jeder Nachbarschaft (nicht Hartz IV). Es ist immer leicht, zu sagen,
Armut gibt es bei uns nicht, wenn man selber genügend Einkommen hat.
Doch will einer was abgeben?
In Fällen, wie meiner Mutter, könnte doch der "zu viel Betrag" auf das Wohngeld angerechnet werden? Geht aber nicht.

Ergänzung

Mit weniger als 40 Prozent des mittleren Einkommens ist man »streng arm«, mit weniger als 50 Prozent »arm« und mit weniger als 60 Prozent »armutsgefährdet«.
War wohl umgekehrt gemeint. Brutto oder Netto?
Wie auch immer, diese Definition ist überholt.
Mein Vorschlag wäre es, die Grenzen an der zur Verfügung stehenden Nettokaufkraft festzumachen. Also was Mann/Frau/Familie im Monat effektiv zur Verfügung hat.
Nur ein Beispiel:
Das durchschnittliche verfügbare Nettoeinkommen in Spanien liegt deutlich unter dem Deutschlands. Bei vergleichbarem Preisniveau! Und zwar nicht an irgendwelchen staatlichen Statistiken festgemacht, sondern am Lebensalltag.
Dazu einfach auf die Lidl-Seite gehen und die Preise beim Grundsortiment, also den Waren, die in allen Ländern im Angebot sind, vergleichen.
Und danach die Diskussion über Armut in Deutschland neu bewerten!
Anmerken möchte ich noch, dass man meiner Meinung nach die Armutsdiskussion nicht mit dem Problem der Verteilungsgerechtigkeit vermischen sollte.

Altbekannt

Das weiß im Grunde jeder, der sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt. Natürlich wissen das auch Butterwege,VDK und Co. Ist noch niemandem aufgefallen, dass sie immer die gleichen Textbausteine verwenden, nur ein paar Daten und Begriffe austauschen und schon hat man eine superneue Pressemitteilung formuliert. Die Damen und herren ziehen ihre Existenzberechtigung aus der Kritik an sozialen Mißständen, man könnte also nichts schlimmeres tun, als diese Mißstände abzuschafffen oder wegzurechnen, was hierzulande fast dasselbe ist.