Diese kleine Episode ist nicht unerheblich. Sie weist in Richtung Zukunft von Haubroks Sammlung. Die umfasst mittlerweile 800 Werke und ist einmalig dank des äußerst avancierten Konzeptkunst-Profils. Das mache auch den besonderen Wert und die Berechtigung von Sammlungen neben den Museen aus, sagt Haubrok, womit wir beim kulturellen Aspekt seiner Haltung wären. Die Museen, sagt er, würden ja immer gleicher, immer angepasster aneinander, wie die Parteien in der Politik. Die Sammlungen hingegen könnten sich spezialisieren, sich noch wahrhaft voneinander unterscheiden, sich reiben, wie die seine jetzt an der gänzlich anderen von Falckenberg.

Aber zurück zum Vater. Axel Haubrok ist heute selbst einer. Und wie ihm sein Vater die Freiheit gab, so möchte er es nun mit seinem Sohn halten. 13 Hauptwerke der Sammlung hat Haubrok als Dauerleihgabe an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegeben, unter der Auflage, sie einmal in zehn Jahren auszustellen. Den Rest der Sammlung will er ohne Verkaufseinschränkungen dem Sohn vererben. Auf die Gefahr hin, dass sie sich in alle Winde verstreut. Warum auch nicht? »Wer weiß denn«, sagt Haubrok und schraubt sein Ego herunter auf den Minimalismus der von ihm geschätzten Kunst , »ob es in 40 Jahren noch irgendjemanden interessiert, was der Haubrok mal gesammelt hat.« Nein. Ein Museum brauche er nicht.

In Berlin schafft sich der Sammler gerade einen neuen Ausstellungsort

Anfangs hat er bei sich zu Hause in Wilmersdorf die Kunst gezeigt. Als das ständige Um- und Ausräumen der Wohnung seiner Frau zu viel wurde, richtete Haubrok einen Showroom am Strausberger Platz ein, mit wechselnden Ausstellungen aus seiner Sammlung. Jetzt zieht er weiter nach Lichtenberg, wo er ein Gewerbeareal aus den dreißiger Jahren erworben hat. Neben Ausstellungen will Haubrok in Lichtenberg auch mal Filme zeigen oder ein Konzert veranstalten. Haubrok kennt die Künstler, Platz ist da und skurriles Zeugs dazu: ein Kasino, eine Bar, eine Kegelbahn, eine Sauna. Jede Menge Möglichkeiten für Verwendungen, Verschiebungen, Wiederholungen und sonstige Interventionen im Geiste der Konzeptkunst. Los geht es voraussichtlich zum nächsten Gallery Weekend, Ende April, Adresse wird noch bekannt geben. Sicher ist: Man wird von vielem, was auf dem Gelände künftig zu sehen ist, auf wunderbare Weise nicht wissen, was man davon halten soll.