Staat und Nation : Zank und Verrat

Frankreich zur Jahreswende: Die Wirtschaft schwächelt, die Regierung streitet darüber und die Opposition zerlegt sich.
Arbeiter von Arcelor Mittal im westfranzösischen Indre während eines Streiks Anfang Dezember © Jean-Sebastien Evrard/AFP/Getty Images

Die Exporte sind eingebrochen, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhöhe, die Regierung streitet, und die Opposition spaltet sich – das alles ist schlimm genug. Doch es sind nur Symptome eines grundsätzlicheren Problems: Frankreich steckt in einer Sinnkrise. Was soll, was will es sein in der heutigen Welt?

»Wir haben nicht mehr das gleiche Vaterland«, schrieb am 16. Dezember der französischste aller Schauspieler, Gérard Depardieu, an den Premierminister Jean-Marc Ayrault. Den Umzug Depardieus nach Belgien mit seinen niedrigeren Steuersätzen hatte der Premier zuvor als »erbärmlich« kommentiert. »Ich gehe«, schrieb ihm Depardieu daraufhin, »weil Sie glauben, dass der Erfolg, die Kreativität, das Talent und – letztlich – der Unterschied bestraft werden müssen.« Er habe mit 14 Jahren zu arbeiten begonnen und seither 145 Millionen Euro Steuern bezahlt: »Wer sind Sie, mich so zu beurteilen, ich frage Sie, Monsieur Ayrault, Premierminister des Monsieur Hollande, wer sind Sie?«

Wer glaubte, Depardieus Flucht aus Frankreich werde ihm einhellig übel genommen, sah sich getäuscht. Sein Brief rief Reaktionen hervor, die zeigten, wie verbreitet der Zorn auf die politische Klasse ist. Dabei kam ein Motiv zum Vorschein, das Jahrhunderte alt ist: hier die Arbeitenden, dort die Regierenden; hier der dritte Stand, die produktiven Kräfte der Nation, dort der anmaßende Staat.

Zu welcher Anmaßung der Staat fähig ist, belegte kürzlich der Fall Florange. So heißt ein lothringischer Ort, an dem zwei Hochöfen stehen. Sie gehören zum Stahlimperium des indischen Unternehmers Lakshmi Mittal, und der wurde Ende November in den Élysée-Palast zitiert. Der Stahlboss will die beiden Hochöfen schließen. Sie sind klein und veraltet, das Geschäft läuft miserabel – außer im benachbarten Walzwerk, aus dem Mittal die deutsche Autoindustrie beliefert. Arnaud Montebourg, Frankreichs »Minister für industrielle Wiederaufrichtung«, hatte daher die Idee, die Regierung müsse Mittal enteignen: diesem nicht nur die zwei Hochöfen wegnehmen, sondern auch das profitable Walzwerk, um danach einen Käufer für das gesamte Ensemble zu finden. Er, Montebourg, wisse sogar schon einen Kandidaten.

Weil Mittal sich früher optimistischer über die Zukunft des Stahlgeschäfts geäußert hatte, bezichtigte ihn der Minister sodann der »Lüge« und fügte hinzu, der Unternehmer, der in Frankreich 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, sei unerwünscht im Land. Für den Inder, der fast immer lächelt, war damit der Spaß vorbei. »Ich lasse mich nicht einen Lügner nennen!«, zürnte er während seines Gesprächs mit dem Staatschef und forderte eine Entschuldigung. Der konterte arrogant, es gehe jetzt nicht um Entschuldigungen, sondern um Hochöfen.

Der Premier desavouiert öffentlich seinen forschen Industrieminister

Später gab François Hollande dann klein bei. Er weiß, dass die juristischen Risiken und die Kosten einer Nationalisierung unübersehbar wären; überdies hätte niemand Mittal zwingen können, die verstaatlichten Unternehmensteile zu beliefern, ihnen Produkte abzunehmen, Kunden und Patente abzutreten. Ohnedies hat Frankreich schon genügend Gründe, sich um sein Ansehen bei Investoren zu sorgen. Also ließ Hollande es zu, dass sein Premierminister den nationalisierungswilligen Industrieminister öffentlich desavouierte: Montebourg musste das bereits formulierte Gesetz schreddern und bekam hinterhergerufen, es gebe »kein seriöses« Kaufangebot. Stattdessen einigte sich Ayrault mit Mittal drei Tage nach dessen Besuch im Präsidentenpalast auf eine Abmachung, deren Wortlaut das Büro des Premierministers zuerst geheimhalten wollte – vergeblich.

Was dann publik wurde, waren drei magere Punkte. Erstens, Mittal wird, wie ohnehin geplant, ins Walzwerk investieren. Zweitens, die Hochöfen werden für eine Zeit lang eingemottet, bis man weiß, ob sie für ein EU-subventioniertes Forschungsprojekt benutzt werden können. Drittens: Keine Entlassungen; die wären freilich kaum nötig, weil die Hochofenbelegschaft aus Altersgründen ohnehin abschmilzt und es für die Jüngeren Jobs an anderen Standorten gäbe.

Kaum waren die »Verrat«-Rufe der Linken verhallt, platzte die nächste Bombe: Die Finanzierung des EU-Forschungsprojektes, bei dem es um CO₂-arme Stahlproduktion gehen soll, bleibt ungewiss; dieser Tage wird das Projekt womöglich in Brüssel beerdigt. Damit wären die Öfen endgültig aus.

Und so setzte »die erste echte politische Krise der Ära Hollande« ein, wie die sozialistenfreundliche Tageszeitung Le Monde schreibt. Die Spaltung im Regierungslager ist vollzogen, auch menschlich; von Rücktritten ist die Rede. Hinzu kommt der Zwist mit der Öko-Partei, die zwei Minister stellt. Am 17. Dezember gar forderten 15 sozialistische Abgeordnete in einem offenen Brief, der Staatspräsident möge seinen Kurs endlich nach links korrigieren.

Wie Frankreichs Industrie unter dem Schirm des Staates überleben soll

Unterdessen fallen die Umfragewerte des Präsidenten und seines Premiers in atemberaubendem Tempo. Dass die politische Rechte ihrerseits gerade in einem postsarkozystischen Diadochenkampf versinkt, ist da nur ein schwacher Trost, denn hinter dieser Szene baut sich eine andere Bedrohung auf: der rechtsradikale Populismus einer Marine Le Pen.

Die Steuerpolitik der Regierung erschwert Unternehmensgründungen

Doch wieso trat die Spaltung im Regierungslager ausgerechnet am Schicksal einer nur 630 Mann starken und überalterten Stahlbelegschaft zutage? Die Hochöfen stehen als Symbol für die ungeklärte Frage nach dem wirtschaftlichen Selbstverständnis. Es ist geprägt von Frankreichs Welterfolgen in den 1970er und 1980er Jahren. Das waren die Jahre, der bis heute heißgeliebten Hochgeschwindigkeitszüge, Passagierflugzeuge, Kernreaktoren, Autos. Eine Welt aus Stahl, Starkstrom und Benzin. Nicht, dass Frankreich dabei stehen geblieben wäre. Aber wenn derzeit über die Exportschwäche der Industrie gesprochen wird, dann dreht sich die Debatte vorwiegend um die dicken Brummer und nur selten um die wuselige Welt der Start-ups, Netzdienstleister oder Hightech-Labore.

»Alles für die Industrie!« – diese Losung stammt vom Ahnherr der französischen Sozialtheorie, Graf Henri de Saint-Simon. Der verlor in der Revolution von 1789 seine Güter, warf sein »de« hinterher, machte sodann Geschäfte und setzte sich in der Restaurationszeit für den Primat der Wirtschaft ein. Seine gesammelten Werke kamen dieser Tage erstmals vollständig heraus – durchaus ein Ereignis. Es wäre zu wünschen, dass Frankreichs Ökonomen und Politiker die Bände einmal aufschlügen. Saint-Simons Gegnerschaft galt nämlich dem Übergewicht der Politiker und Juristen, der Theologen, Adligen und reichen Privatiers über die Sphäre der Arbeit; was davon aktuell bleibt, ist sein Rat an die Regierungen, sich zu fragen, ob sie womöglich jenen im Weg stehen, die produzieren.

Zu diesen »industriels« rechnete Saint-Simon nicht nur die Werker am harten Stoff. Er zählte auch die Wissenschaftler und Künstler hinzu, also zum Beispiel die Depardieus – und ebenso die Händler und Bankiers. All jene also, die Montebourg, Hollande und die meisten anderen Politiker Frankreichs auch 200 Jahre nach Saint-Simon nicht als nützliche Glieder der »Realwirtschaft« anerkennen.

Dass Frankreichs Regierung nicht gleichgültig bleibt, wenn traditionelle Industriestandorte schließen, ist verständlich. Nur »schadet die Regierung stets der Industrie, wenn sie sich in deren Angelegenheiten einmischt«, wie Saint-Simon einst ahnungsvoll schrieb. Derzeit versteift sie sich wie im Fall Florange darauf, die Fortsetzung obsolet werdender Produktion zu erzwingen – womöglich per Gesetz; darauf gerichtete Paragrafen werden derzeit entworfen. Ihre Steuerpolitik wiederum erschwert die Gründung neuer Unternehmen. Einem Gesetz zufolge, das die Nationalversammlung Mitte Dezember gegen alle Proteste beschloss, müssen Unternehmer und business angels, die – etwa um einen neuen Partner ins Boot zu holen – eine Firma oder Teile davon verkaufen wollen, bis zu 60 Prozent Steuern auf die Wertsteigerung bezahlen. So schreckt man Risikokapital ab.

Der linke Flügel des Regierungslagers geht in diesen Dingen sehr weit. »Souveränismus ohne Komplexe« nennt sich die Idee, wie Frankreichs Industrie unter dem Schirm des Staates überleben soll. Montebourg wirbt für »Entglobalisierung«, befürwortet die Auflösung der WTO und eckt regelmäßig mit protektionistischen Ideen bei der EU-Kommission an. Der Minister forderte auch, in Supermärkten eigene Abteilungen für Produkte »made in France« einzurichten; für diese Idee warb er mit einem Foto, das ihn in einem bretonischen Pulli zeigte. Die Pointe: Die Tracht wird zu 80 Prozent im Ausland hergestellt.

Die Mehrheit des Regierungslagers um Hollande und Ayrault denkt da realistischer und macht allenfalls Zugeständnisse an die »Souveränisten«. Nur leider hat sie den Franzosen bislang kein zugkräftiges Projekt angeboten, um sie durch die Globalisierung zu lotsen. Also muss sich niemand wundern, wenn die Bindungskraft der Republik nachlässt, zumal bei jenen, die sich als Zielscheibe von Regierungspropaganda und Fiskalpolitik unwohl fühlen: Unternehmer und erfolgreiche Kreative. Depardieu ist nicht der Einzige, der dem Land den Rücken kehrt. Spezialisierte Anwälte berichten von einem Ansturm ausreisewilliger Klienten. Der umgekehrte Fall ist selten. Ebenfalls am 16. Dezember wurde bekannt, dass der Schriftsteller Michel Houellebecq wieder aus Irland zurückkehren will, wegen der Sprache; Geld sei nicht alles. Man darf gespannt sein: Sollte ausgerechnet ein Houellebecq, nach eigener Auskunft nationaler Nihilist, neue Hoffnung im linkspatriotischen Lager auslösen? Das wäre ein trauriger Witz. Er entspräche leider dem Zustand des Landes.

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Kommentare

103 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Wenn die Reichen gehen, werden die Armen ärmer

»Ich gehe«, schrieb ihm Depardieu daraufhin, »weil Sie glauben, dass der Erfolg, die Kreativität, das Talent und – letztlich – der Unterschied bestraft werden müssen.« Er habe mit 14 Jahren zu arbeiten begonnen und seither 145 Millionen Euro Steuern bezahlt: »Wer sind Sie, mich so zu beurteilen, ich frage Sie, Monsieur Ayrault, Premierminister des Monsieur Hollande, wer sind Sie?«

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen! Wenn die Reichen gehen, werden die Armen ärmer - das will Sozialisten nicht in den Kopf - schließlich haben sie das anders stehen im Parteiprogram!

@Gegenkanidat

"Wer produziert den Reichtum eigentlich, worauf sich das Vermögen der Reichen sich stützt?"

Na, "die Reichen", wer denn sonst? Gäbe es die Reichen mit ihrem "Erfolg, ihrer Kreativität und ihrem Talent" plus ihrem Fleiss und ihrem akkumulierten Kapital(das sie sich mittels ihrem Erfolg, ihrer Kreativität, ihrem Talent und ihrem Fleiss" idR. zuvor ziemlich hart erarbeitet hatten) nicht, woher sollte dann der Reichtum sonst herkommen?

Glauben sie denn allen Ernstes, dass all diejenigen, die aufgrund ihres nicht so großen Erfolges, ihrer nicht so großen Kreativität, ihrer nicht so umfangreichen Talente und ihres nicht so verbissenen Fleisses, eben nicht so wohlhabend sind als "die Reichen", glauben sie denn allen Ernstes, daß DIESE Leute anstelle der bisherigen "Reichen" den gegenwärtig vorhandenen Wohlstand genauso gut hätten ermöglichen können, und wenn ja, warum haben diese es denn dann nicht getan? Es wird weder in Frankreich noch in Deutschland irgendjemand staatlicherseits dazu gezwungen erfolglos und arm zu sein, oder?!

In Deutschland/Frankreich können alle junge Menschen staatliche Schulen und Universitäten kostenlos besuchen. Man muss also dann nur noch ein 1ser Abitur hinlegen, sein Studium mit Top-Noten abschließen und danach eine Firma gründen, die so innovative und begehrte Produkte/Dienstleistungen herstellt, daß sich die Leute förmlich drum reissen und schon ist man reich. Siehe Bill Gates, Steve Jobs oder Mark Zuckerberg. Tja, so einfach ist das wirklich.

@ Medley

Ich glaube, niemand hat wirklich etwas dagegen, wenn jemand aus sich selbst heraus einen erfolgreichen Weg einschlägt; dann mag derjenige auch einen höheren Wohlstand erzielen.

Ergibt sich aber aus diesem erzielten Erfolg eine gesellschaftlicher Dominanz, die sich nicht mehr aus sich selbst heraus rechtfertigt, sondern aufgrund der Vormachtstellung alle anderen Mitmenschen in die generelle Verantwortung nimmt, dann wird es womöglich Zeit, diesen Typus in seinem Begehr zu begrenzen, denn auch die Anderen haben ein Recht auf persönliche Entfaltung. Und wie die auszusehen hat, das entscheidet nicht nur der Erfolgreiche.

Wann das ist, das entscheidet ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr der Erfolgreiche.

Der Erfolgreiche möge also in seiner Orientierung die soziale Verantwortung nicht vernachlässigen, denn alles was er ist, und die Mittel dessen, die er zum Erfolg benötigte, gewährten ihm zuvor die nicht so Erfolgreichen.

Wenn die Reichen bleiben, werden die Armen noch ärmer

So sieht das in neoliberalen Zeiten aus.

Zum Aufmacher Depardieu:

Er hat dann auch (mindestens) 145 Mio. Euro behalten.

Ist das zu wenig für Obelix? Für diese Art von Kunst?

Das nenne ich maßlos.

"Das Experimentierfeld Lateinamerika und die Analysen des Philosophen Michel Foucault machen Dynamik und Reichweite der neoliberalen Umstrukturierungen unserer Gesellschaften deutlich und erhellen die heutigen Finanzkrisen.

Zum Vorschein kommt dabei ein Machtergreifungsmodell, das Politik, Gesellschaft und Individuen seit Jahrzehnten formt und konditioniert, ein ökonomischer Putsch.

Juristen sprechen von organisierter Kriminalität und von der Mittäterschaft der Politik."
Quelle: Der ökonomische Putsch.
http://www.wdr5.de/sendun...

Auch erhellend:
"Der Versuch der Staaten, das wankende Finanzsystem zu stützen, hat ihre Abhängigkeit von den Finanzmärkten so erhöht, dass ihre Politik nun von zwei Souveränen bestimmt wird: von den Bürgern und den Gläubigern. Die Gläubiger und Anleger verlangen Schuldenabbau und die Aussicht auf Wachstum, die Bürger wollen Arbeit und Wohlstand und merken, dass die Regierenden inzwischen mehr auf die Gläubiger hören.

Was ist die Gewalt der Straße gegen die Gewalt der Zinsen? Aus einer Finanzkrise ist so eine Krise der Demokratie geworden, die viel existentieller werden kann als jede Finanzkrise."
Quelle: Die Gewalt der Zinsen
http://www.spiegel.de/spi...

Hallo St.Expeditus

Wenn die Armen gehen - müssen die Reichen selbst arbeiten.
So wird ein Schuh draus.
Ich würde es drauf ankommen lassen. Alle Reichen, sollen nach Australien auswandern.
Sie können ihr Geld, ihre Aktien oder ihre Anleihen mtnehmen. Von mir aus auch ihre Diamanten, ihr Gold und Silber und die ganzen Bilder. Guten Appetit.

Was da bleibt, sind die Bauern, die 95 Prozent Kleinunternehmen wie Handwerker oder Dienstleister und die vielen Fachkräfte, Ingenieure, Ärzte. Wir schaffen uns einfach ein neues Verrechnunssystem.

Geld hat keinen Wert. Der Wert liegt im Vertrauen, daß alle anderen den aufgedruckten Wert anerkennen.

Dieses Papier ist schnell nachgedruckt. Zinsen werden abgeschafft. Der Staat, also alle, bürgen für das Geld.

Gestern habe ich ein Zitat gehört, das ich mir unbedingt merken wollte.
jedenfalls war der Sinn, daß man einfach mal probieren sollte, den Mut haben sollte, ob es nicht tatsächlich einen besseren Weg gibt, als der vom Kapital vorgegebene.

Niemand von der Obrigkeit hat doch geglaubt, daß das Volk ohne einen König auskommt. Und es hat funktioniert.

Hallo geschafft

Die Gewalt der Zinsen.

Ich lese zurzeit ein Buch: "Schulden"

Darin ist zu lesen, daß bereits bei den Babyloniern, Sumerern und Assyrern Schuldsysteme bestanden. Es gab noch kein Geld, aber bereits eine Rechnungseinheit mit der Schulden gemessen wurden. Es ging meistens um Schuldverhältnisse zwischen Bauern und den reichen Stadtbewohnern. Das Verpfänden von Haus und Hof, sogar von Familienangehörigen war Tagesgeschäft. Aufschläge auf Geliehenes waren enorm (Wucher).
Auch bei den so fortschrittlichen Griechen war Sklavrei und Schuldknechtschaft etwas ganz normales.
Wenn dann die Bauern (die die freien Stadtbewohner belieferten) alles verpfändet hatten und drohten, selbst zum Pfand zu werden, verliessen sie das land und waren nie wieder gesehen. Das war natürlich auch nicht im Sinne der Athener Bürger. So kam es immer wieder zu landesweiten Schulderlassen damit die Bauern nicht forliefen - und die Sache ging von vorne los. Der Bauer bekam seine Familie und seinen Hof zurück und vielleicht einen Sack Saatgut geliehen!! Damit war der Weg wieder vorgezeichnet bis wieder alles verpfändet war und wieder ein Schuldenerlass notwendig wurde.

Dieses System hat sich im Prinzip in 4000 Jahren nicht verändert. Die Reichen (früher "die Freien") geben den Armen etwas ab und leben von den Zinsen.
Dieses Prinzip wurde auch durch die Demokratie nicht verändert. Heute kann man nur nicht mehr so gut erkennen, wer die Gläubiger sind. Die Regierungen sind nur die Handlanger und Buhmänner.

Wohin?

Ja wohin gehen sie denn die Reichen, auf den Mond? Sie können derzeit nur gehen wenn es, selbst innerhalb der EU, relative Steueroasen gibt. Was von den "Eliten" so bewusst gewollt ist.
Welche absoluten Beträge ethisch korrekt wären ist eine andere Frage. Die Steuern für Reiche selbst im gelobten Land, den USA, waren auch schon höher als Hollande es anstrebt.

Der Artikel und diese Kommentare bewegen sich argumentativ auf einer abgedroschenen Schiene. Ein bisschen auf die Tränendrüse drücken wegen der armen "Kreativen", deren Projekte zuvor massiv subventioniert wurden, und die nun das 100fache eines sagen wir mal Altenpflegers verdienen.
Und die andere Story:: so ist die Welt nun mal quasi naturgesetzlich, und man kann und darf nicht dagegen handeln, sondern die Menschheit muss sich ein für alle mal dem unterwerfen. Vor allem natürlich die Menschen die entlassen werden oder arm sind.
Wenn man schon so viel Respekt vor den Kreativen hat sollte man der Menschheit zutrauen dass sie Lösungen sucht und irgendwann auch findet, für unbefriedigende Zustände.
Ob irgendwelche Politiker sich hier ungeschickt verhielten ist wieder einen andere Frage. Man sollte, wenn man vorgibt die Welt zu kennen, wenigsten sauber die Dinge auseinander halten.

Simple Strickung

Tja, so einfach ist das wirklich nicht. Denn Bill Gates, Steve Jobs oder Mark Zuckerberg würden aufgrund ihrer Ideen schlichtweg verhungern, gäbe es nicht die Fachkräfte, die deren Ideen in verkaufsfähige Produkte übersetzen würden. Informatiker, Programmierer, Ingenieure, Fabrikarbeiter, Auslieferer ... ach ja, und natürlich die Banken, die die notwendige Anschubfinanzierung bewerkstellten. Ein "guter" Unternehmer weiß um diesen Umstand und beteiligt seine Belegschaft an den Gewinnen (wenn es denn welche gibt). Gates, Jobs oder Zuckerberg hätten ein paar Milliarden weniger, wenn sie Teile der Produktion nicht in Billiglohnländer verschoben hätten (ja ja, die Steuern!) und wir müßten von den Skandalen nicht lesen, die sich dem Verhalten solch hochgelobter Ideenbesitzern resultieren.
Schönen Tag noch

Alles schon mal dagewesen

"Wenn die Armen gehen - müssen die Reichen selbst arbeiten.
So wird ein Schuh draus.
Ich würde es drauf ankommen lassen. Alle Reichen, sollen nach Australien auswandern.
Sie können ihr Geld, ihre Aktien oder ihre Anleihen mtnehmen. Von mir aus auch ihre Diamanten, ihr Gold und Silber und die ganzen Bilder. Guten Appetit.

Was da bleibt, sind die Bauern, die 95 Prozent Kleinunternehmen wie Handwerker oder Dienstleister und die vielen Fachkräfte, Ingenieure, Ärzte. Wir schaffen uns einfach ein neues Verrechnungssystem."

Aber das hatten wir doch alles in der Deutschen Demokratischen Republik, was soll daran neu sein? So läuft es auch in Nordkorea und in Kuba. Der Steuerhöchstsatz lag in der DDR bei 95 %, Handwerker haben also ab April nur noch schwarz gearbeitet. Damit die sozialistischen Menschen überhaupt in den Betrieben arbeiteten, gab es den "bewährten" Asozialen-Paragrafen 249 aus der Nazizeit. Ausserdem war der Sozialismus nicht in der Lage, Häuser einzurichten, wo man sich Geld abholen konnte, ohne zu arbeiten. Ein "neues Verrechnungssystem" gab es auch, die DDR-Mark. Weil die nicht allzu beliebt war, wurde eine Mauer gebaut.
Aber eine Mauer wollen Sie nicht, oder?

"1ser Abitur hinlegen, sein Studium mit Top-Noten abschließen

und danach eine Firma gründen, die so innovative und begehrte Produkte/Dienstleistungen herstellt"

Erfolg lässt sich leider nicht programmieren, sondern ist in nicht unerheblichem Maße von externen Einflüssen, vom Zufall und vom Glück abhängig.

Ein Beispiel:
Gérard Depardieu wurde als drittes von sechs Kindern eines Blechschmieds geboren. Nach schulischen Problemen aufgrund von Sprachstörungen galt er als labil und aufsässig. Im Alter von dreizehn Jahren begann er eine Druckerlehre, brach diese jedoch bald ab. In seiner Freizeit widmete er sich in einer US-Kaserne dem Boxsport. 1964 wurde er von einem Freund, dem Schauspielschüler Michel Pilorgé, überredet, mit ihm nach Paris zu ziehen. Nach einer Molière-Aufführung beschloss Depardieu Schauspieler zu werden. Am Théâtre National Populaire erhielt er kostenlosen Unterricht, ab 1966 absolvierte er die École d'Art Dramatique von Jean-Laurent Cochet am Theâtre Edouard VI. Eine seiner damaligen Mitschülerinnen war Claude Jade, später unterrichtete Cochet auch Depardieus künftige Verlobte Carole Bouquet. Bald folgten Engagements am Theater sowie kleine Auftritte in Film und Fernsehen.

Auf Vermittlung des Regisseurs Claude Regy lernte Depardieu die Regisseurin und Schriftstellerin Marguerite Duras kennen, mit der er in den folgenden Jahren vier Filme drehte. 1971 erschienen die Dramen Nathalie Granger und 1974 Die Ausgebufften (unter anderen mit Jeanne Moreau…

Aus http://de.wikipedia.org/w...

Hallo Paulaner

Glauben Sie, daß es außer schwarz und weiß noch andere Farben gibt? Sieht nicht so aus.

"Wollt ihr den totalen Kapitalismus nicht, dann drohen wir Euch mit dem totalen Kommunismus. Bei der Masse des deutschen Vokes wirkt das imm ernoch. Bei mir nicht. Ich sehr Möglchkeiten, die Vorteile beider Systeme zu nutzen und zwar zum Wohle aller, nicht nur den Richen oder den Armen.

Aber genau das wollen die Reichen nicht.

Sie wollen sein, wie die mit dem blauen Blut. Über allen anderen Menschen stehen, ihre Kinder in bessere Schulen schicken, diesen Kindern ihre Vermögen vererben (egal wo das Gold mal war...)und Zeit und Muse haben für die schönen Dinge des Lebens.
Verstehe ich ja, aber das geht eben nur auf Kosten der vielen anderen Armen.
Keinre kan auch nur einen € Forderungen auseisen, wenn er nicht irgendwo einen Schuldner dafür findet oder schafft.

Schauen sie sich mal die Kapitaentweicklung der hundert reichsten Deutschen an seit 1900 Allein in den letzten 10 Jahren vermehrten macnhe von ihnen ihr Vermögen um bis zu 5 Milliarden im Jahr! Muß das sein? Kann man denn nicht anderen etwas mehr Konsum gönnen?

Leistung soll sich lohnen (Westerwelle) Ja, 100 mal ja.
Und das Erben von Ziserrtägen ist keine Leistung.

Es gibt Mittelwege.

Nehmen sie Israel. Die wollen keine 2 Länder als Lösung. Sie wollen alles. Und alles was geschiet, gechiet nur darum, weil sie alles wollen und nichts abgeben wollen. Wie im KLeinen so im Großen.

Bitte noch ein allerletztes Experiment

"Stimmt, neu wäre aber ein europaweites BGE. Das würde nicht nur der Gerechtigkeit auf die Sprünge helfen."

Das würde nur der Faulheit und Ideenlosigkeit auf die Sprünge helfen, darauf kam nicht mal die DDR. Aber ich würde mir so ein Experiment wünschen, für ein Jahr nur. Und wenn die Menschen schon nach 3 Monaten meinen, es sollte sofort abgebrochen werden, weil Wirtschaft und Sozialsystem zusammenbrechen, müsste es bis Jahresende durchgehalten werden. Damit die vielen Naiven endlich ihr Menschenbild korrigieren können und müssen.
Danach allerdings sollten DM-Werner, CDU-Althaus und alle anderen Propagandisten eines bedingungslosen Grundeinkommens für die entstandenen Schäden haftbar gemacht werden, ihnen bliebe lebenslang nur noch ein mageres Grundeinkommen mit Bedingungen.

Was übrigens ist Gerechtigkeit oder Chancengerechtigkeit, von der wir immer lesen dürfen? Jeder definiert die anders, ich z.B. bin benachteiligt, weil ich nicht wie George Cloony aussehe und nur durchschnittlich intelligent bin, meine Nachbarin, weil sie aussieht wie Sindy aus Marzahn. Bloß so helle ist sie nicht.

Wir leben alle in der besten aller bisherigen Welten, aber es hilft nicht, die Menschen jammern von Katastrophe zu Katastrophe. Als das Waldsterben über Nacht verschwand, verdüsterten sich die Mienen, glücklicherweise tat sich das Ozonloch auf. Getoppt wird aber alles von der sozialen Kälte, die uns trotz Klimaerwärmung bibbern lässt.

@ 32 - die nicht so Erfolgreichen

"Der Erfolgreiche möge also in seiner Orientierung die soziale Verantwortung nicht vernachlässigen, denn alles was er ist, und die Mittel dessen, die er zum Erfolg benötigte, gewährten ihm zuvor die nicht so Erfolgreichen."

Den ersten Teil Ihrer Aussage kann man unterstreichen.

Aber "die nicht so Erfolgreichen" gehen nicht zu einem Unternehmer / Erfinder und sagen, ey du, wir haben da eine ganz tolle Idee, durch die du reich wirst.

Anders herum ist es richtig : nur wenn jemand wie Bill Gates die Möglichkeit und das Glück hat, seine Ideen umsetzen zu können, kann er viele Leute einstellen und viel Steuern zahlen.

Man kann sich auch darüber aufregen, dass 1 % der Bevölkerung über 38 % des Volksvermögens verfügen. Immerhin ist das besser, als wenn 1% der Bevölkerung über 99 - 100 % des Volksvermögens besitzen, wie das in sozialistischen oder kommunistischen oder theokratischen Staaten der Fall ist.

Nicht die Nivellierung auf das niedrigste Niveau gibt der Bevölkerung den Anreiz und den Antrieb sich einzubringen, sondern die Möglichkeit, das Leistung und Können belohnt wird.

Wäre es nicht so, brauchen wir keine Bildung, damit alle etwa auf dem gleichen Stand sind.

Der Wähler hat in der Demokratie die Macht

"Wollt ihr den totalen Kapitalismus nicht, dann drohen wir Euch mit dem totalen Kommunismus. Bei der Masse des deutschen Vokes wirkt das imm ernoch. Bei mir nicht. Ich sehr Möglchkeiten, die Vorteile beider Systeme zu nutzen und zwar zum Wohle aller, nicht nur den Richen oder den Armen."

Weder gibt es irgendwo auf der Welt den totalen Kapitalismus", noch hat es ihn je gegeben, den totalen Sozialismus hingegen schon. Was wir heute in allen entwickelten westlichen Ländern sehen, sind staatssozialistische Gebilde mit mehr oder weniger marktwirtschaftlichen Einsprengseln, in Deutschland etwas mehr, im Olivengürtel etwas weniger. Wir stehen vor nicht weniger, als vor einem Systemwechsel, nämlich nur noch so viel auszugeben, wie eingenommen wird. Entweder der Wähler lernt, dass er die Wahlgeschenke selber bezahlen muss, auch wenn die Rechnung mit Jahrzehnten Verspätung kommt, oder er wählt den schweren Umweg über das nächste sozialistische Experiment, eben noch mal eine Pöbelherrschaft mit Armen und Toten.

"Über allen anderen Menschen stehen, ihre Kinder in bessere Schulen schicken…"

Sie werden kein funktionierendes Modell des menschlichen Zusammenlebens erdenken können, das ohne Hierarchien auskommt. Die Klugen, Fleissigen, Demagogischen, Ideenreichen kommen immer an die Spitze, nicht mal im Sozialismus lässt sich das verhindern. Und wenn immer mehr sozialistische Schulen errichtet werden, schicken ebenso die gebildeten Linken und Grünen ihre Kinder auf Privatschulen.

Das Glück muss man nutzen

"Erfolg lässt sich leider nicht programmieren, sondern ist in nicht unerheblichem Maße von externen Einflüssen, vom Zufall und vom Glück abhängig."
Das mag so stimmen, aber man kann vieles tuen, damit das Glück zu einem kommt. Auch dann muss man die Chancen nutzen. Das wird häufig unterschätzt.
Um bei ihren Beispiel zu bleiben: Gérard Depardieu ist schließlich nicht einfach Zuhause geblieben und sondern ist nach Paris gezogen und hat dort Chancen, die ihm gegeben wurden, auch genutzt. Das hat ihm letztlich erst die Möglichkeiten geschafft, "Glück" zu haben.
Es mag sich trivial anhören, seine Chancen zu nutzen, aber viele tuen es nicht.

Hallo paulaner

Ich lebe in einer anderen Welt. In der Welt in der ich lebe, kommen nicht unbedingt die Klugen und Ideenrichen an die Macht sondern die, die die Macht von ihren Eltern erben.
Man weiß doch aus der Zeit des Adels, daß manchmal die Unfähigsten an die Macht kamen, nur weil sie die Erstgeboren waren.
Und von wegen Subventionen! Wer wird denn seit 20 Jahren subventioniert? Für wen wurde das Prinzip des Einkommensteuergesetzes "Wer viel leisten kann, zahlt mehr als der, der wenig leisten kann" ausgehebelt.

Wer 250.000 € Zins/Kapitalerträge "verdient! zahlt 25 Prozent Steuern. Wer durch unelbständige Arbeit oder als Bauer oder Forstwirt 250.000 € z.v.E. hat, zahlt 42 %.
Die Umsatzsteuererleichterung auf Grundnahrungsmittel wurde auch für Hotelleistungen gewährt. Als Steuerfachgehilfe sagen ich IHnen, daß dieses Geld voll in die Taschen der Hotelbesitzer floss. Von der Vermögsenteuer oder der Gewerbesteuer oder Gewerbekapitalsteuer oder der Erbschaftsteuer ganz zu schweigen.
Die Veränderung der Lohnquote zugunsten der Gewinnquote brachte den 10 Prozent Vermögenden in Detuschland jährlich mehr als 100 Milliarden mehr Einnahen und dann - logisch - einen Anstieg des Anteils am Gesamtvermögen (nicht Betriebsvermögen) von 50 auf 60 Prozent.
Zahlen des statistischen Bundesamts werden ignoriert. Man muß keine Privatschule besucht haben, um diese Zusammenhänge zu durchschauen. Im Gegenteil, man muß eine Private Eliteschule besuchen, um diese Zusammenhänge in Abrede stellen zu können.

Nur noch eine Steuer wünsche ich mir und allen Bürgern

"Wer 250.000 € Zins/Kapitalerträge "verdient! zahlt 25 Prozent Steuern. Wer durch unelbständige Arbeit oder als Bauer oder Forstwirt 250.000 € z.v.E. hat, zahlt 42 %."

Warum 25 % Steuern? Das ist zu viel für uns und zu wenig für den unersättlichen Staat.
Warum 42 %, also eine Progression? Das halte ich für Unrecht, gerecht fände ich 20 % Steuern für Alle, ohne Progression.
Noch mehr gefiele mir, es gäbe nur noch eine Steuer, nämlich die Mehrwertsteuer und um die Höhe dieser würde dann vor jeder Wahl gestritten. Und wenn es nur noch eine Steuer in Deutschland gäbe, würden die Steuerberater alle arbeitslos.

@ 81 - nur noch eine Steuer

Meine Empfehlung, weil das nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa gut wäre.

Bei gleichzeitigem Wegfall von Steuersubventionen, Sonderabschreibungsmöglichkeiten etc.

Die MWST. bietet dann auch noch die Möglichkeit Luxusgüter höher zu besteuern, und den Satz für lebenswichtige Güter noch weiter zu ermässigen, oder mit einer Positivsteuer zu begünstigen ( Kindernahrungsmittel z.B. ).

So sieht es aus,

wenn man eine Regierung mit naiv-populistischen Amateuren bestückt. Zuerst ist das Volk seelig, weil ihm endlich nach dem Mund geredet wird. Doch dann sind die Annahmen, Erklärungen und Massnahmen der Regierenden zu einfach und die Realität will sich einfach nicht dem allgemeinen Selbstbetrug beugen. Und schon kippt die Stimmung ...
Plötzlich ist die Regierung schuld, weil sie nicht umsetzt, was sie niemals umsetzen konnte. Und die sogenannte Politikverdrossenheut wächst weiter und stärkt die Ränder des politischen Spektrums.

"So sieht es aus,"

Die Arbeitslosigkeit hat Hollande von der Vorgängerregierung geerbt. Nun sollen die Reichen wieder ihren Teil zur Staatsfinanzierung beitragen und sie machen sich aus dem Staub. Erbärmlich. Der Premier hat vollkommen Recht.

Wenn Depardieu sich in der Rolle des einfältigen Reichen gefällt, der gar nicht verstehen kann, dass seine gezahlten Steuern nichts weniger als normal sind und nun seine Flucht als erbärmlich angesehen wird, dann könnte man ihn allenfalls mit geänderten Regeln zur Finanzbesteuerung in der EU zur Räson bringen.

Das wiederum ist ziemlich unwahrscheinlich, weil die Politelite im Großen und Ganzen fest zu den Reichen hält, was uns ja schließlich die massiven Staatsfinanzierungsschwierigkeiten in fast allen Staaten eingebracht hat.

Der häufig zur Aufwertung des eigenen Ich-Bilds praktizierte Schulterschluss mit den Reichen ist so beliebt wie fatal. Es scheint in vielen Menschen eine tief verwurzelte Sehnsucht nach feudalen Strukturen zu geben, die ihnen wohl selbst eine Orientierung gibt, selbst wenn es nur die Verortung ihres bescheidenen Platzes in der Gesellschaft ist.

"Stiefellecker der Reichen"

Das ist Ihre Interpretation.

Viele Gutverdiener verstehen nicht, dass variable Steuersätze vor allem daher kommen, dass Geringverdiener tatsächlich gar nicht fähig sind, von ihrem geringen Lohn auch noch nennenswert Einkommenssteuer zu bezahlen. Und insgesamt müssen Einnahmen zustande kommen, die die Staatsführung bezahlen können.

Entsprechende Vorschläge heutiger "Liberale" für gleiche Steuersätze für alle sind nichts weiter als Ausdruck ihrer Geringachtung bis Verhöhnung der Lebensumstände derer, die wenig und sehr wenig verdienen.

Bei ihrer Auflistung der Niedrigsteuerländer sollte Ihnen auch aufgefallen sein, dass das immer Kleinstaaten sind, die irgendwann erkannt haben, dass wenn sie nur wenige Reiche und Superreiche mit niederen Steuern anlocken, sie sich mit denen besser finanzieren können, als mit den normalen Steuern zuvor.

Das ist eine parasitäre Nischenlösung für Kleinstaaten. Als Allgemeinkonzept funktioniert das nicht.

Zudem sind die Reichen nicht reich, weil sie moderne Herkulesse sind und gigantisch viel arbeiten können, sondern weil sie geerbt haben oder weil die modernen Wirtschaftswelt ihnen einen bevorzugte Platz geschaffen hat, bei dem sich ordentlich von der Arbeitskraft anderer profitieren.

Die Reichen sind auch bei progressiven Steuern immer noch privilegiert, weil die ersten 8000 Euro ihres Jahresverdienst, wie für alle anderen, steuerfrei sind. Für die nächsten 25.000 gelten dann ~15% usw. Es ist gesichert, dass sie immer reicher werden.

Hallo nochmal

Sollte das eine Antwort an mich sein?

Ich erkenne nämlich nicht, dass Sie auf mein Kommentar in irgendeiner Form eingegangen sind.

Wo habe ich für "flat tax rates" und gegen die progressive Einkommenssteuer gesprochen?
Im Gegenteil, ich habe durchaus von Spitzensteuersätzen (ergo Sätze in einem progressiven System) gesprochen und mich v.a. gegen Schlupflöcher ausgesprochen.
Ich habe allerdings die enorme Übertreibung, diesen Aktionismus der Hollande-Regierung argumentiert.

Nur wenn Sie weiter gerne so ideologisiert Politik betrieben sehen wollen, wird das Resultat nicht besonders gut sein.

Was wollen Sie denn? Die Schweiz mit Militärgewalt dazu zwingen, Steuersätze in Höhe der französischen zu erheben?

Selbst wenn die die unverschämtesten Angebote (noch geringere Sätze und Pauschalen als für die einheimischen Normalbürger) aufgeben, wird man in der Schweiz und anderen Ländern immer noch deutlich geringere Ekst-tarife haben als in Frankreich.

Wie gesagt: Was wollen Sie? Speziell z.B. im Fall Depardieu zeigt es sich doch. Würden Sie nun Belgien zwingen wollen, die Ekst auf französische Levels zu steigern?

Sie argumentieren abgehoben vom praktisch Machbaren und moralisieren permanent.
Das führt dazu, dass Sie Erwägungen mit Für und Wider gar nicht auf "der Peilung" haben und nicht darauf eingehen können, sondern Antworten geben, die gar nichts mit dem zu tun haben, was Ihr Gesprächspartner gesagt hat.

"Sollte das eine Antwort an mich sein?" (1)

Ganz richtig. Die Argumente der "Die Schweiz macht's richtig"-Fans sind bekannt. Dass die Schweiz und die anderen Niedrigsteuerländer auf Kosten der Arbeitskraft ihrer Nachbarländer leben, wollen sie nicht hören.

Die Schweiz hat heute überwiegend mit Nachbarn zu tun, deren politische Elite sich bisher mit Rücksicht auf die steuerfluchtsaffine Geld-Elite mit Repressalien zurückgehalten hat. Irgendwann, soviel ist klar, wird die Schweiz auch mit den faulen Früchten ihrer Geldfluchtspolitik konfrontiert werden.

Einen kleinen Vorgeschmack gab's schon, als die Schweiz, das Land des freien Geldes, in 2011 den Franken an den Euro koppelte, um nicht mit der Exportwirtschaft komplett gegen die Aufwertungswand zu fahren. Die Kommunisten aus China lassen grüßen. Das ist ein erstes Schlückchen des Wunderelexiers der Liberalen heutigen Zuschnitts, konsequent liberal immer nur, bis zu dem Punkt, wo es der eigenen Klientel nicht mehr nutzt. Inkonsequenter hätten die Fürsten im Mittelalter das auch nicht handhaben können.

Je länger die Euroländer noch mit ihren Staatsfinanzierungszirkus fortfahren, desto mehr wird ihnen bewusst werden, dass sie sich seit Jahrzehnten vor den Karren der Geldelite haben spannen lassen und sie bei heutiger Gesetzeslage und Finanztransaktionsregeln kaum Möglichkeiten haben staatsnützlich tätig zu werden. Was liegt da näher, wie die Schweiz zu reagieren und mit dem Laissez-Faire-Kapitalismus zu pausieren, wenn er dem eigenen Land zu sehr zu schaden beginnt?

"Sollte das eine Antwort an mich sein?" (2)

Natürlich können Sie jenen, die sagen, dass der Geldverkehr, so wie er heute läuft, nicht richtig ist, moralisieren vorwerfen. Die tauglichere Moral kann aber Grundlage für neue Gesetze werden. Dass es nicht leicht wird, gegen die Interessen des Geldes zu legalisieren, ist bekannt. Wenn die Sachzwänge zunehmen, kann aber selbst das möglich werden.

Mir gefällt an Hollandes Plänen die Verzagtheit nicht. Das Wahlvolk muss ein Gespür dafür bekommen, dass das ihr erarbeitetes Geld ist, das da außer Landes gebracht wird. Die milliardenschweren Verlagsbesitzern werden alles ihnen Mögliche tun, diese Erkenntnis der Leserschaft zu verhindern und die Medien sind gut. Es kann dauern oder kann vielleicht nie geschehen. Bis dahin bleibt nichts als die Moral.

Immerhin schön, dass wir uns da einig sind und die gleich Peilung haben.

Politische Werte

Das eigentliche Problem, liebe Leser, scheint nicht primär die Parteizugehörigkeit der jeweils "in Verantwortung stehenden" Funktionäre zu sein. Vielmehr belegen zahlreiche Beispiele – auch aus der Bundesrepublik Deutschland –, dass besonders in Europa ein krasses Missverständnis unter politischen Funktionärin vorzuharschen scheint:
Werte und Sachverstand werden der Macht und den individuellen Vorteil geopfert – leider sehr häufig mit zumindest vorübergehendem Erfolg.
http://sozialverantwortun...