Kristina Schröder"In dem Fall würde ich lügen"

Darf man ein Kind mehr lieben als das andere? Oder Geld für gute Noten geben? Familienministerin Kristina Schröder über Erziehung. von  und

Politisch war sie dank Betreuungsgeld und Feminismusdebatte eine der umstrittensten Politikerinnen der Republik. Privat erlebte sie ihr erstes Jahr als Mutter, nachdem vor 18 Monaten Tochter Lotte zur Welt kam. Wie tickt Familienministerin Kristina Schröder in konkreten Alltagsfragen, die viele Väter und Mütter beschäftigen?

DIE ZEIT: Frau Schröder, zur Weihnachtszeit kollidieren heile Welt und Ehrlichkeit. Wann darf man einem Kind verraten, dass es den Weihnachtsmann oder das Christkind gar nicht gibt?

Kristina Schröder: Ich will unsere Kleine durchaus ein paar Jahre in dem Glauben aufwachsen lassen, dass es sie gibt. Wenn allerdings die ersten wirklichen Nachfragen kommen, wenn echte Zweifel zu spüren sind, dann sage ich sofort offen: Das mit dem Weihnachtsmann ist eine schöne Geschichte.

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ZEIT:Weihnachtsmann oder Christkind?

Schröder: Ich mag das Christkind lieber, in der Familie meines Mannes kommt der Weihnachtsmann. Wer bei uns kommt, haben wir beide noch nicht abschließend geklärt.

ZEIT: Wie erklärt man, dass zu einigen Kindern der Weihnachtsmann kommt und zu anderen das Christkind?

Schröder: Na ja, an Weihnachten ist viel zu tun, man könnte daher sagen, dass einer allein das gar nicht bewältigen kann. Als Kind habe ich an Weihnachten jedenfalls immer gegrübelt: Wie schafft das Christkind das bloß alles?

ZEIT: Darf man behaupten, dass Weihnachtsmann oder Christkind nur braven Kindern Geschenke bringen?

Schröder: Nein, da müsste man entweder heucheln und so tun, als ob immer alles in Ordnung wäre, oder Ernst machen und einem Kind auch mal nichts schenken. Besser finde ich es, wenn der Weihnachtsmann Dinge aufzählt, die toll gelaufen sind. Der Weihnachtsmann in der Familie meines Mannes ist ein verkleideter Onkel, der sagt zum Beispiel: Du liest so viel, drum schenke ich dir viele Bücher.

ZEIT: Wie steht es mit Bestechung: Ist Geld für gute Zensuren okay?

Schröder: Bei mir zu Hause gab es zwei Mark für jede Eins im Zeugnis. Ich würde eher ein Geschenk machen.

ZEIT: Was ist der Unterschied zu Geld?

Schröder: Ich finde, so ein direkter Geldtransfer hat ein bisschen etwas Liebloses, zumal Kinder Taschengeld bekommen. Leistung gegen Geld, das ist mir bei Schulzeugnissen zu direkt.

ZEIT: Was, wenn Sie und Ihr Mann unterschiedliche Meinungen haben? Darf Mama andere Regeln aufstellen als Papa?

Schröder: Ich finde es grundsätzlich schrecklich, wenn Frauen die Erziehungsautorität ihres Mannes nicht anerkennen und immer meinen, sie hätten die letzte Entscheidung oder eine Art prinzipielles Vetorecht. Leider ertappe ich mich selbst auch manchmal bei solchen Gedanken. Abgesehen davon, finde ich es auch vom Ergebnis her nicht schlimm, wenn Eltern nicht alles gleich entscheiden. Wenn Kinder sich später daran erinnern, dass sie beispielsweise bei Papa Schokolade im Bett essen durften und Mama beim Zubettgehen großzügiger war – das hat auch Charme.

ZEIT: Das Telefon klingelt, das Kind geht ran, und die Mutter signalisiert: Ich bin nicht da! Vorstellbar im Hause Schröder?

Schröder: Meine theoretische Antwort ist hier: Nein, das sollte man nicht tun. Meine praktische Antwort: Ich kann nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal in Versuchung gerate, zu sagen: Bitte sag, ich bin gerade am Handy!

Leserkommentare
    • Beliyan
    • 25. Dezember 2012 10:27 Uhr

    Also,ich habe drei jungs im Alter von 15/18/21 und ich bin froh das ich nicht nur Mutter sondern auch so etwas wie Freundin bin, denn mit der Mutter redet man nicht über alles,aber meine Kinder reden mit mir über alles.
    Da gibt es keine Peinlichkeiten, ich habe immer darauf geachtet,schon von klein an, das sie wissen das sie alles sagen und fragen dürfen.

    Heute bin ich stolz darauf das meine Kinder mir so Vertrauen und ich ihnen vertrauen kann.

    Zum Interview:Einer Ottonormalmutter,mit einem 18monate altem Kind, hätte man solche Fragen wohl nicht gestellt,warum soll Frau Schröder,nur weil Sie Ministerin ist alles wissen?
    Dieser Artikel ist vollkommen überflüssig.

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    Söhne erzählen ihren Müttern nie die ganze Wahrheit! Das geht ja gar nicht. Meiner hat sie mir immer erst hinterher erzählt, manchmal Wochen, manchmal Monate später.
    Letztendlich hat jeder Mensch Anspruch auf Privatsphäre. Ich erzähle meinem Sohn auch nicht alles von mir, meinem Mann auch nicht. Wir sind an Weihnachten übrigens 34 Jahre glücklich zusammen.

  1. 10. zumal

    jemand der in der politik so aktiv ist wohl kaum dazu kommt sich um sein kind erzieherisch zu kümmern.

    Antwort auf "Nach 18 Monaten"
  2. ... welche mediale Aufregung entsteht, wenn man solche banalen Äußerungen einer Familienministerin aus dem Zusammenhang reißt.

    Ein ziemlich seichtes interview über Dinge, die niemand wirklich wissen will. Aber dann nimmt man die eine oder andere Äußerung raus und legt sie einem beliebigen Politiker zum Kommentar vor. Und die Herrschaften haben natürlich nichts Wichtigeres zu zu tun, als sich pflichtgemäß zu empören. Was dann wiederum für Schlagzeilen sorgt.

    Kann sich die Presse nicht einfach mal ein paar anspruchsvollere Themen vornehmen?

    2 Leserempfehlungen
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    • sf2000
    • 25. Dezember 2012 11:09 Uhr

    ... würde ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben. Wenn es eine Zeit für solche Interviews gibt, dann haben wir sie gerade, und ich denke, sie haben ihre Daseinsberechtigung nicht zuletzt, weil man sie ja nicht lesen MUSS. Mein Problem ist, dass ich dergleichen mittlerweile zunehmend ausnahmslos an allen Tagen des Jahres vorgesetzt bekomme, was das "Informationszeitalter" zu einer Pointe macht, die ich mir so bei allem Kulturpessimismus nicht erträumt hätte.

    • sf2000
    • 25. Dezember 2012 11:09 Uhr

    ... würde ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben. Wenn es eine Zeit für solche Interviews gibt, dann haben wir sie gerade, und ich denke, sie haben ihre Daseinsberechtigung nicht zuletzt, weil man sie ja nicht lesen MUSS. Mein Problem ist, dass ich dergleichen mittlerweile zunehmend ausnahmslos an allen Tagen des Jahres vorgesetzt bekomme, was das "Informationszeitalter" zu einer Pointe macht, die ich mir so bei allem Kulturpessimismus nicht erträumt hätte.

    Antwort auf "Schon interessant ...."
  3. liebe Frau Schröder, wird später ebenso gnadenlos überführt werden - seien Sie da ganz sicher!
    Ihr Kind wird Sie bei so etwas mit allen Sinnen ansehen, anhören und anfühlen und es schon in diesem Moment ahnen - das werden Sie daran sehen, dass es immer wieder zweifelnd nachfragt. Die Lüge wird Ihnen "durch die Poren" kommen - ob Sie wollen oder nicht.
    Ich sage Ihnen das aus eigener Erfahrung, denn ich war früher zu Hause "nur" der Sohn... und die Bequemlichkeitslüge, der "Lieblingssohn" zu sein (nämlich, weil sonst kein männliches Kind da war) fliegt noch viel, viel schneller auf!
    Ohne zu lügen geht es nur, wenn Sie den Kindern sagen, dass Sie jedes auf seine eigene Weise lieben - und dass die Quantität dabei keine Rolle spielt.
    Ich (heute 58) wünsche mir ansonsten, dass Sie Ihren Kindern diese unglaublich deprimierende Erfahrung der angeblich "gleichen Liebe" ersparen!

  4. kann Frau Schröder doch noch nicht wissen.
    Das dauert noch, bis ihr Kind alt genug ist, aus dem Kindchen-Schema rausgewachsen zu sein.

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    • 2b
    • 25. Dezember 2012 12:19 Uhr

    Da würde ich persönlich Denen empfehlen, sich die Elite in DemolitionMan anzusehen, denn darauf hinaus, so empfinde ich das, läuft die Konditionierung dem Vorbild Frau Schröders folgend.
    Als Realitätscheck wäre danach "Malcolm mittendrin" ein Gegenkontrast _ eine Mitte findet sich dann, je nach Temperament der Kinder, meist selbst.

    ... in dieser Welt kann man Gewalt nicht lange vor der Wahrnehmung der Kinder (Frau Schröder: Kinder in Afghanistan? Kindersoldat&Innen???) fernhalten, besser wäre es dann, wenn auch Kinder damit umgehen lernten???

  5. Sie hat leider verpasst erwachsen zu werden und sollte endlich verstehen, dass frau und man mit ihren Montessoriansichten nichts am Hut haben! Diese Frau sollte endlich verstehen, dass sie keine ausgebildete Kindergaertenerin ist und auch sonst leider nichts vorzuweisen hat! Peinlich! Sie ist das typische Beispiel fuer eine Frau, die lediglich ihren Job ueber ihren Mann bekommen hat!
    Peinlich aber wahr! Fuer Frauenemanzipation und Erziehungsfragen ist sie die falsche Ansprechpartnerin!

    • 2b
    • 25. Dezember 2012 12:19 Uhr

    Da würde ich persönlich Denen empfehlen, sich die Elite in DemolitionMan anzusehen, denn darauf hinaus, so empfinde ich das, läuft die Konditionierung dem Vorbild Frau Schröders folgend.
    Als Realitätscheck wäre danach "Malcolm mittendrin" ein Gegenkontrast _ eine Mitte findet sich dann, je nach Temperament der Kinder, meist selbst.

    ... in dieser Welt kann man Gewalt nicht lange vor der Wahrnehmung der Kinder (Frau Schröder: Kinder in Afghanistan? Kindersoldat&Innen???) fernhalten, besser wäre es dann, wenn auch Kinder damit umgehen lernten???

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