Die Frage: Als sie sich kennenlernten, lebten Achim und Marga in verschiedenen Wohngemeinschaften. Als bei Achim ein Zimmer frei wurde, zog Marga zu ihm in seine Vierer-WG. So lange sie studierten, fanden sie beide das sehr praktisch.

Jetzt wollen sie in etwas Eigenes ziehen, sie finden eine günstige Dreizimmerwohnung. Achim will alle Räume mit Marga teilen – Schlafzimmer, Wohnzimmer, ein gemeinsames Arbeitszimmer, aus dem später vielleicht ein Kinderzimmer wird.

Marga besteht auf einem eigenen Raum, der nur ihr gehört. Sie brauche es einfach, eine Tür hinter sich zu schließen, sagt sie. Achim findet das abweisend und lieblos; »Du nimmst mir die Luft«, hält Marga dagegen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Marga sollte ihr Zimmer und eine solide Tür bekommen. Es gibt Menschen, die von ihresgleichen gar nicht genug haben können, und andere, die besser gedeihen, wenn sie sich zurückziehen dürfen. Sie finden nur in einem geschützten Raum zu ihren Bedürfnissen nach Nähe und fühlen sich manchmal schon durch die Anwesenheit eines anderen bedrängt.

Je mehr ihr Wunsch respektiert wird, desto leichter wird Marga auf Achim zugehen können. Der Einwand liegt nahe, dass sich doch auch Marga an Achim anpassen könnte.

Er scheint mir ungefähr so logisch wie das Abschaffen von Gartenzäunen, um dem Salatkopf die gleiche Freiheit zu schenken wie der Ziege.